Ich hab sowas einige Jahre gemacht (neben Studium, aber heute zum Glück
nicht mehr bzw. nur noch wenn's juckt). FOH, falls Dir das was sagt (das
sollte es), im Bereich E-&U-Musik & Großveranstaltungen, OpenAir.
Da kann ich Dir nur sagen, es sind fast ausschließlich Autodidakten
unterwegs. Berufserfahrung ist alles. Fast alle 'mit Ahnung' sind schon
20 Jahre und länger dabei. Fasst alle auch über das klassische Bild des
(Ex-)Musikers oder Studioarbeit da reingerutscht. Ingenieursstudium in
der Hinterhand schadet nicht, haben auch einige. Das aber in erster
Linie für die Wartung und Kommissionierung/Logistik. Du kriegst z.B.
'nen Job rein, irgendein Künstler will Beschallung für 5000 Leute, du
gehts durch die Halle, schaust was an Ton & Licht derzeit da ist, was
auf anderen Jobs rausgeht, was die Kollegen an dem Datum fahren, wer
ansonsten verfügbar ist, was im Eimer ist, wo was noch gefixt werden
könnte etc.
Wichtig in so'nem Job ist netzwerken und improvisieren. Und: es ist ein
Knochenjob. Kein geregelter Tagesablauf. Kein geregeltes Einkommen,
immer projektabhängig. Geht auf die Gesundheit. Körperlich nicht ohne.
Wir hatten einige SAE-Absolventen, die waren leider nicht zu gebrauchen.
Im goldenen Käfig aufgewachsen, die haben 'unter Strom' nicht arbeiten
können. Man darf Veranstaltungstechnik nicht unterschätzen; der Job hat
soviele Facetten und Anforderungen, die kannst Du in keinem
Ausbildungsgang oder Studium lernen. Das ist pure Passion und
Sich-aufreiben.
Etwas dezenter ist's im Broadcast, Rundfunk, TV. Zumindest wenn
ÖR-Arbeitgeber im Spiel sind. Da wird eher auf einen korrekten Rahmen
geachtet, aber der Einstieg ist sehr schwer bzw. sehr schmal. Z.B.
ARD.ZDF medienakademie (vormals SRT Nürnberg), Tonmeisterausbildung,
z.T. SWR (Studium Audiovisuelle Medien). Überhaupt ist im ÖR-Bereich der
klassische Tonmeister noch immer sehr präsent. Das ist aber ungleich
Tontechniker, denn letzterer braucht keine musikalische Ausbildung.
Technik: im Broadcast z.T. deutsche Firmen, z.B. Lawo, Neumann,
Kling&Freitag, RTW etc.
Ansonsten sind 'die dicken Pulte' bei Konzerten fast alle aus UK: Midas,
Soundtracs, Soundcraft, Allen&Heath, SSL.
Klar, es gibt viele deutsche Firmen in dem Bereich. Der Markt ist voll
von Branchenlösungen und Spezialisten. Auf'm Job nimmt man halt das, was
bewährt ist, und vor allem das, was jeder Beteiligte kennt und beherrst.
Woher das dann kommt ist eher zweitrangig.
Wenn Du von dem Business erst mal gar keinen Plan hast, würd ich
empfehlen, geh zu einer Beschallungsfirma und mach 'n Praktikum, und
lerne von Grund auf 'on the job'. Wenn Du aber überhaupt nicht aus'm
Musikbereich kommst, wird das schwer. Wenn dich jemand mit 'ner
Top40-Zeltfestcombo oder 'nem Orchsterjob losschickt, solltest Du schon
wissen, was Dich erwartet. Vor allem muss die Gegenseite wissen, was du
für einer bist.
Richtig gut wird man erst, wenn man sich 'ne Nische gräbt, mit
bestimmten Leuten immer wieder zusammenarbeitet, sein Netzwerk spielen
lässt, nicht mehr jeden Job annimmt, sondern irgendwann die etwas
anspruchsvolleren. Aber da wird's nach oben sehr dünn.
Vor allem ist da auch viel psychologisches Geschick gefragt. Auch das
kann man nicht einfach so lernen. Immerhin hast Du es in den meisten
Fällen mit Künstlern zu tun, gleich welcher Wichtigkeit oder Couleur.
Wenn man nicht gut mit Menschen kann, ist das nix.
Man braucht ein dickes Fell. Immerhin geht'sum den Künstler, als Ton-
oder Lichtmann bist Du zwar wichtig und geschätzt, aber wenn was nicht
100%ig klappt oder der Artist verstimmt ist, kriegst du das volle Kanne
ab. Da darf man nicht zimperlich sein.