Hallo Forum,
ich habe verschiedene Baugruppen, die ich gewerblich
in Umlauf zu bringen beabsichtige.
Klaro, CE- und somit EMV-Prüfung notwendig.
Die Baugruppen laufen alle in Schutzkleinspannung, im
industriellen Umfeld, dennoch möchte ich was die
Konformitätserklärung angeht auf nicht ganz verlorenem
Posten stehen und wenigstens die EMV-Prüfung machen.
An Spektrumanalysator, Nahfeldsonde und Netznachbildung
komm ich ran, abgeschirmter Messplatz ist vorhanden.
Soweit so OK, was mir aber Kopfzerbrechen macht ist die
praktische Durchführung der Prüfung.
Gibt es im Netz ein Tutorial wo drinnen steht was wo gemessen
werden muss und welche Werte dann am jeweiligen Messpunkt
eingehalten werden müssen?
Klaro ist das kein vollwertiger Ersatz für eine Prüfung
von unabhängiger Stelle, aber es ist besser als garnix.
Für Fingerzeige bin ich schon im Voraus sehr verbunden.
hi,
es gibt ein Buch (nein, ich will hier keine Werbung machen) CE
Kennzeichnung nach EMV- und Niederspannungsrichtlinie, zusammengefasst
steht da drinne, nix genaues weiß ma net, aber für die einzelnen
Bereiche gibt es doch Aufschluss, welche Norm für welches Gerät
anzusetzen ist und nennt auch Frequenzbereiche samt Grenzwerten,
natürlich nur auszugsweise, die komplette Norm darf hier ja nicht
wiedergegeben werden.
Auszug vom rückseitigen Cover:
Hier finden Sie praxisgerechte Informationen zur EMV- und
Niederspannungsrichtlinie und zur damit verbundenen
CE-Kennzeichnungspflicht. Das Buch entstand aus Workshops zur
CE-Kennzeichnung für Industrie- und Handwerksbetriebe. Die dabei häufig
auftretenden Fragen wie z.B. "was soll das alles" und "wie mache ich es
denn" werden kurz und verständlich beantwortet.
Es ist keine Bedienungsanleitung für die richtigen Messaufgaben für ein
spezielles Gerät, es zeigt aber die richtige Richtung auf, was wie
geprüft werden muss. Feinrecherchen in Normen und anderen Schriftstücken
bleiben dann aber trotzdem nicht aus - eben je nach Anwendungsfall.
Grüssens, harry
Für sowas gibt es wie überall und für alles geltende Normen, gell?
Je nachdem was du auf dem Tisch hast gilt die entsprechende Produktnorm,
was z.T. nicht nur EMV, sondern auch diverse Schutzklassen für alles
mögliche enthält. Je nachdem, welche Anforderungen diese Norm stellt,
ergibt sich dann die entsprechende Fachgrundnorm für deine EMV-Messung.
"Mal schnell so" ist das nicht getan.
Finsbury schrieb:> Für sowas gibt es wie überall und für alles geltende Normen, gell?> Je nachdem was du auf dem Tisch hast gilt die entsprechende Produktnorm,> was z.T. nicht nur EMV, sondern auch diverse Schutzklassen für alles> mögliche enthält. Je nachdem, welche Anforderungen diese Norm stellt,> ergibt sich dann die entsprechende Fachgrundnorm für deine EMV-Messung.> "Mal schnell so" ist das nicht getan.
Es ist ein Graus um genau zu sein ... Normen, Verordnungen,
Durchführungsbestimmungen etc. etc.. Hab den Eindruck der ganze
Kram ist so gemacht, dass für jeden Werktätigen ein Fachjurist
nötig ist um den ganzen Krempel einigermaßen gebacken zu bekommen.
Ich wünsche mir eine einfache Verordnung am liebsten mit einer
Tabelle drinnen mit der Aufteilung:
Geräteart (Schutzkleinspannung, Niederspannung, Hochspannung)
Einsatzort (Haushalt, Industrie, Medizin, KFZ)
-> Erforderliche Schutzklasse
-> zulässige Grenzwerte (Standbystrom, EMV, ...)
Das wär mal ein Novum, aber die Formulierungen in den VO EWG und dem
andern Käse sind ja haarsträubend.
Viel Bla Blub ohne Aussage auf die man wirklich bauen bzw. sich beziehen
kann.
geh halt zu einem Labor deiner Wahl, wenn du ohne Ahnung irgendwelche
Messungen machst ist das eh nichts Wwert. Beim nächsten mal weißt du
dann ja was zu tun ist
>elektronikbastler (Gast)>Es ist ein Graus um genau zu sein ...
Das ist eben der Unterschied zwischen einem Bastler und einem
Professional. Der Professional zieht sich das Zeug ohne Murren rein. Ein
Jurist ist da ganz fehl am Platz. Der kann's sicherlich nicht - wird er
nie koennen.
elektronikbastler schrieb:> Hab den Eindruck der ganze> Kram ist so gemacht, dass für jeden Werktätigen ein Fachjurist> nötig ist um den ganzen Krempel einigermaßen gebacken zu bekommen.
Für Fachjurist würde ich mehrere andere Bezeichnungen einsetzen,
ansonsten genau getroffen.
Mach es wie so oft in der Industrie:
Geh zu einem EMV-Labor das zertifizieren darf.
Das hat eine Reihe Vorteile:
- Die wissen welche Normen einzuhalten sind, es reicht
i.d.R. zu sagen was das Gerät wo tun soll
- Du hast ein "amtliches" OK
- Dir wird in der Regel geholfen wenn es klemmt,
(EMV -Probleme lösen kommt manchmal schon Exorzismus gleich)
Leider kann das eine schöne Stange Geld kosten, je nach Aufwand,
bisher hat es sich für uns immer gelohnt.
Ich arbeite nicht für ein EMV-Labor, eher beschäftige ich bei
Bedarf eines.
Bob schrieb:> Mach es wie so oft in der Industrie:>> Geh zu einem EMV-Labor das zertifizieren darf.>> Das hat eine Reihe Vorteile:> - Die wissen welche Normen einzuhalten sind, es reicht> i.d.R. zu sagen was das Gerät wo tun soll
Vorausgesetzt du beschreibst dein Gerät ausführlich, um so
ausführlicher ist dann auch die Leistung die man da bekommt.
> - Du hast ein "amtliches" OK
Eine Beurteilung mit hoher Verlässlichkeit würde ich mal sagen,
aber nichts amtliches.
>> - Dir wird in der Regel geholfen wenn es klemmt,> (EMV -Probleme lösen kommt manchmal schon Exorzismus gleich)
Guter Service kostet dann aber.
> Leider kann das eine schöne Stange Geld kosten, je nach Aufwand,> bisher hat es sich für uns immer gelohnt.
In wie fern? Schon mal technische oder juristische Probleme gehabt?
Michael S. schrieb:> Eine Beurteilung mit hoher Verlässlichkeit würde ich mal sagen,> aber nichts amtliches.
Das gute Labor ist üblicherweise für die angebotenen Messungen
akkreditiert und gewährleistet somit die Einhaltung der notwendigen
Normen und davon kann man wohl selbst bei Precompliance ausgehen. Im
Streitfall bessere Karten als irgendwas eigenes.
Also unsere letzte Prüfung bei einem EMV-Labor kostete ca. 2500 Euro.
Nur um mal einen Anhaltspunkt zu geben. Es war ein Drucktransmitter für
den industriellen Einsatz.
Nach oben sind da natürlich wieder mal keine Grenzen und wenn dein Gerät
durchfällt, dann steigen die Kosten natürlich weiter an - und das
passiert schnell. Wir hatten zum Glück beim letzten Mal auf Anhieb alles
richtig gemacht.
Bei Verzicht auf die Dokumente wird's guenstiger. In den meisten Faellen
genuegt es ja zu wissen, dass die Tests bestanden wurden. Dann kann man
den Kuckuck beruhigten Herzens aufkleben.
Es geht halt auch um den Test bevor man ins Labor geht ... klar haben
die
alle Richtwerte parat, wenn man aber 2-3mal vorstellig wird läuft
das schon ins Geld. Wenn man im Voraus misst und die groben
Schnitzer beseitigt geht das dann ggf. dann doch glatter durch
und auch etwas günstiger.
elektronikbastler schrieb:> Es geht halt auch um den Test bevor man ins Labor geht ... klar haben> die> alle Richtwerte parat, wenn man aber 2-3mal vorstellig wird läuft> das schon ins Geld. Wenn man im Voraus misst und die groben> Schnitzer beseitigt geht das dann ggf. dann doch glatter durch> und auch etwas günstiger.
Klingt gut, funktioniert aber nicht. Du kannst deine Messergebnisse
nicht zuordnen. Du magst ein Spektrum sehen, hast aber keinen
Anhaltspunkt, ob du 6db über oder 12db unter dem Grenzwert liegst.
Selbst bei einem "normalen" Scan im Messlabor ahnt man nur das wirkliche
Ergebniss. Beim langsamen Nachmessen der Spitzen mit Mittelwerbildung
über die Zeit, alle Antennenwinkel und Höhen und alle vier
Orientierungen des Messobjekts kann das Ergebniss um 6db und mehr anders
liegen (zum Glück meist nach unten).
Ein Plan wäre, einen halben oder ganzen Tag ins Messlabor zu gehen und
eine "entwicklungsbegleitende Messung" zu machen. Da bekommst du alle
Plots und die Ratschläge des Testingenieurs (oder wie oben geschrieben
des Voodoo-Priesters). Ohne Prüfbericht ist es billiger. Bist du unter
der roten Linie, gönn dir was gutes.
Wenn nicht, lass dir die Frequenzen ganz genau rausmessen. Dann kann
man manchmal schon ahnen, wer oder was da stöhrt. Jetzt benutzt du in
deinem Labor das gemessene Gerät (gut markieren, nichts daran ändern)
als Referenz, wie gut deine Maßnahmen (an einem anderen Gerät) greifen.
Je nach Ergebniss mußt du dann selbst entscheiden, ob du noch einmal ins
Labor gehst oder die KE so unterschreibst. Zum Schluß zählt (für die EU)
nur die Messung der Bundesnetzagentur. Die fragt normalerweise nicht
nach Prüfberichten sondern will fünf Geräte aus laufender Produktion, am
liebsten direkt aus dem Lager.
MfG Klaus
Und sonst gibt es auch noch Simulationsprogramme, mit denen kann man die
Antennenwirkung der verschiedenen geometrischen Konfigurationen
bestimmen. Sowas sollte eigentlich schon Teil des Designprozesses sein.
elektronikbastler schrieb:> An Spektrumanalysator, Nahfeldsonde und Netznachbildung> komm ich ran, abgeschirmter Messplatz ist vorhanden.> Soweit so OK,
Ein Spektrumanalysator ist kein Meßempfänger (selbst wenn er einen
Quasi-Peak Demodulator hat). In der Regel mißt Du viel zu hohe Werte.
Eine Nahfeldsonde dient zur Lokalisierung von Störquellen. (Die du als
Schaltungsdesigner aber sowieso kennen solltest). Vergleichbare
Meßergebnisse hat man jedoch nur im Fernfeld.
Das einzige was du mit dem Equipment halbwegs messen kannst sind
geleitete Störungen bis 30 MHz an der Netznachbildung.
Gruß Anja
hi,
jepp, ich meine das Buch von '96. Die Normen gerade für den
industriellen Einsatz haben sich seitdem auch nicht wesentlich
verändert, Feinheitentuning, von mir aus, aber die wesentlichen
Knackpunkte kannte man '96 auch schon, vor 15 Jahren sind die auch nicht
auf der >Wurstsuppe dahergeschwommen.
Und von wegen Präzision - die groben Schnitzer kann man im Vorfeld
vermeiden, wenn man sich ein wenig mit der Materie befasst, da muss man
elektronikbastler einfach recht geben.
Zu vielem anderen, die Leuts im Messlabor wurden auch nicht geboren und
hatten das alles schon drauf, an Maloche, Büffeln und Neugierde führt
kein Weg vorbei, wenn's gut werden soll.
Dass es gut werden kann, weiss ich und viele andere auch, der Trend,
geh' in's Messlabor, leg' am besten 10.000,- und du bist startklar für
den Markt, geht mir auch nicht in den Ballon.
Und wer gut vorbereitet zur entgültigen 'Absegnung' antrabt, ist auch
nicht unwillkommener als ein Nerd, der da steht und sagt: hab zwar kein
Plan, aber macht mal, Geld spielt eh keine Rolle.
Fazit: wenn ein Kollege um Rat fragt, kann man guten Gewissens Rat
geben, der Tenor muss nicht immer lauten: lass das mal die Fachleuts
machen, ohne die geht das sowieso nicht.
Grüssens, harry