Ich habe ein Studium zum Elektro-Ingenieur von einer renommierten Uni.
Leider musste ich in letzter Zeit längers je mehr feststellen, dass mich
die typische Computerarbeit eines Ingenieurs total frustriert. Den
ganzen Tag vor der Kiste sitzen, sich ständig mit nicht funktionierenden
Dingen jeglicher Art rumprügeln (die wiederum oft wenig mit der
eigentlichen Aufgabe zu tun haben), zahllose Leute ohne Humor,
Allgemeininteresse und Geselligkeit etc.
Interesse an der Technik (aber auch an sehr viel anderem) habe ich nach
wie vor, aber ich will halt mein Leben nicht vor einem Bildschirm (und
unter den entsprechenden Bedingungen) verbringen.
Was für Möglichkeiten stehen mir denn noch offen? Gibt es Leute, die
ähnliche Erfahrungen machen/gemacht haben?
abcdefgh schrieb:> Was für Möglichkeiten stehen mir denn noch offen?
Was anderes studieren?
> Leider musste ich in letzter Zeit längers je mehr feststellen, dass mich> die typische Computerarbeit eines Ingenieurs total frustriert.
Daran hättest du vorher denken sollen.
Sehr sehr viele (Büro)Jobs sind heute ohne hauptsächlich am PC zu sitzen
nicht mehr zu machen.
Gilt nicht nur für Ings... das ist halt Arbeit und kein Ferienparadies.
(aber sei froh das Du nicht im Winter 10 Stunden im Schnee bei -10° auf
der Baustelle rumlaufen musst ;-) )
> Wiederaufbau ? Ach was, kaputtmachen ist doch viel einfacher.
Was wollen die jetzt noch kaputtmachen? Ist doch schon alles kaputt und
der Diktator ist tot. Jetzt müssen sie langsam wieder aufbauen.
@ abcdefgh
Geh in den Bereich Veranstaltungstechnik. Ing's, die sich ständig in
neue Dinge einarbeiten möchten, nicht wirklich geregelte Arbeitszeiten
bevorzugen, weltweit herumkommen möchten und durchaus auch harte
Bedingungen (extremer Termindruck, Dreck, außergewöhnliche Temperaturen)
schätzen, werden dort durchaus gebraucht. Der Umgangston ist dort meist
sehr freundlich und das "Du" üblich.
> > Der Umgangston ist dort meist sehr freundlich und das "Du" üblich.> umschulen auf berufschullehrer!!!!!!!
Da ist der Umgangston dann eher "Ey alta!"
;-)
Veranstaltungstechnik wurde genannt. Könnte ich mir sehr gut vorstellen,
habe auch schon in diesem Bereich da und dort mitgearbeitet. Aber wie
siehts denn aus: Werden da wirklich Ingenieure benötigt? Wird man da
überhaupt ernst genommen, wenn man nach 20 Jahren Schule und Bürojob
vorstellig wird und die einzige "handfeste" Erfahrungen die Montage von
ein paar Lampen sowie ein paar Mal Technik-Aufbau fürs Dorffest sind?
Bislang jedenfalls waren die Muskeln jeweils wichtiger und das
Fachwissen war mit der Bedienung eines DMX-Mischpultes nach oben
abgeschlossen...
Naja,
ganz ohne Computer wird es wohl nirgendwo etwas werden...
Alternativen mit wenig Computer und doch so einigen Anforderungen wurden
ja auch schon genannt.
Wenn du eher den Mittelweg suchst, dann solltest du eher mal in Richtung
kleinere Firmen Schauen. Natürlich ist da auch ohne Computer nichts los,
aber es gibt auch viele Dinge wo der Computer gerad enicht zum Einsatz
kommt. Oftmals ist der Ing. in solchen Unternehmen eher der Allrounder,
der sowohl Entwicklung (Hardware/Software) macht, als auch bei Bedarf
mit den Kunden spricht oder die Prototypen noch selbst in Betrieb nimmt.
Ab und an wird sogar noch erwartet das man auch selbst Angebote schreibt
oder mit den Kunden verhandelt.
Es ist im allgemeinen also deutlich vielseitiger, abwechslungsreicher
als bei den "großen". Insbesondere wenn man dort nur "Sachbearbeiter"
o.ä. mit festem Themengebiet ist. Der Umgangston und der Kontakt zu
Kollegen ist viel persöhnlicher.
Aber das hat natürlich auch Nachteile:
HAt man nicht sehr viel Glück, so muss man erst einmal verschiedene
Unternehmen durchprobieren bis man "SEIN" richtiges Unternehmen gefunden
hat. Durch den engen Kontakt bildet sich in gut funktionierenden
Unternehmen eine gewisse Unternehmenskultur mit der man dann von der
eigenen Persöhnlichkeit auf einer Wellenlänge liegen muss. Sonst wird
das einfach nichts. Selbst wenn einer niemand etwas böses will und alle
es nur gut meinen wirst du mit abweichender Einstellung dann nicht
dauerhaft Glücklich. Dieser Stil kann von Firma zu Firma variieren.
Und dann gibt es natürlich auch noch Firmen wo eigentlich KEINER
wirklich glücklich werden kann. Wo man einen Chef hat der den BOSS so
richtig rauslängen lässt und bei jeder kleinigkeit einen Cholerischen
Anfall bekommt. Wo er der alleinige "Wissende" ist und alle anderen sind
dann die Deppen. Wenn dann aber etwas schiefläuft, dann war es
garantiert aber DEINE Schuld, egal wie oft DU darauf hingewiesen hast
das es garantiert nicht klappen wird. Oder wo man zwei chefs hat die
gegeneinander arbeiten. Oder aber auch Firmen wo der Führung alles egal
ist, man eigendlich machen kann was man will - nur am ende nichts als
Gesamtprojekt bei rumkommt.
Auch hinsichtlich der Bezahlung muss man natürlich schauen das man nicht
zu kurz kommt. Es gibt durchaus Unternehmen die gerne deutlich unter
Durchschnitt zahlen (meist aber Deckungsgleich mit denen im vorstehenden
Absatz -will man eh nicht hin) Bei anderen Unternhemen muss man zu
anfang dann auch als Einsteiger um seine gute Bezahlung feilschen wo der
"schüchterne" dann manchmal zu kurz kommt. (Wo an anderer stelle einfach
nach Tarif gezahlt wird)
Auch ist man dort weniger Ersetzbar. Sowohl im guten wie auch im
Negativen Sinn. Einfach mal kurzfristig Urlaub nehmen ohne mit den
Kollegen sich abzustimmen geht dann oft nicht mehr. Wenn es irgendwo im
Getriebe Hakt sind auch deutlich schneller mal Überstunden nötig.
Generell ist etwas mehr Persöhnliches Engagement gefordert.
Als letzten NAchteil, zumindest aus sicht so einige, würde ich evtl.
noch Anführen das die Karriereleiter dort natürlich auch recht Kurz ist.
Selbst die Theoretischen Möglichkeiten sind kaum mehr als eine, in
Ausnahmefällen zwei Stufen. Dann ist aber mit ausnahme der Übernahme der
Firma das Ende sicher erreicht.
Bei Großen Firmen gibt es da sehr viel mehr zu "erreichen" wobei in der
Realität der WEg nach oben irgendwann an immer dicker werdenden Mauern
endet, jenseits derer dann irgendwelche Manager direkt als
"Führungskräfte" neu eingestellt werden, anstelle das wie damals
erfahrene Ingenieure welche sich durch Charakterliche und Fachliche
Qualifikation als geeignet erwiesen haben diese Positionen besetzten.
Es bleiben aber trotzdem noch deutlich mehr Stufen als beim "kleinen".
Allerdings steigt man auch wesentlich tiefer in der Nahrungskette ein,
wobei man beim kleinen direkt als Berufsanfänger nicht selten schon weit
oben in der HAckordnung steht.
Und dann natürlich so dinge die ICH keinesfalls als Nachteil sondern als
großen Vorteil sehe. Andere denken da naturgemäß anders:
Die eigene Arbeitsleistung fällt direkt auf einem zurück. Es ist
erkennbar wer die Leistung gebracht hat und wer nur Dampfplauderer ist.
Ein Verstecken und im schönen Schein Luftnummern schieben ist einfach
nicht möglich.
Es sind also so einig dinge zu beachten...
HAt man aber die passende Einstellung, wirklich was auf dem Kasten und
dann "SEIN" Unternehmen gefunden, dann kann man in einem kleinen
Unternehmen durchaus glücklich werden, hat Abwechslung und ein
persöhnliches Betriebsklima. Dazu muss man KEINESWEGS Finanziell
schlechter gestellt sein als die Kollegen in der Industrie.
Aber wie gesagt: Oft muss man bis zu diesem Punkt einige Unternehmen
durchprobieren und man muss damit rechnen wirklich Leistung erbringenen
zu können.
Nichts also für Leute die keinen Spass an der Sache haben und das
Studium mit Bulimieepauken ohne es wirklich zu verstehen oder nur mit
viel Glück hinter sich gebracht haben und eigentlich jetzt nur mit
dickem Gehalt eine ruhige Kugel schieben wollen - Aber schon vor Angst
zittern weil evtl. bald das Wörtchen "Bachelor" auch bei dem einen oder
anderen HAndwerksberuf auf dem Abschlusszeugniss stehen könnte.
(tja- wenn man als Ziel des Studiums nicht den Erwerb von Fähigkeiten
sondern nur den Titel* sieht... Dann interessiert die Nachhaltigkeit
nicht und der Titel ist wirklich das einzige Alleinstellungsmerkmal)
Gruß
Carsten
* P.S.: JA, ich weiß natürlich: Bachelor ist kein Titel sondern ein
akademischer Grad... Aber der Normalbürger ohne Studium differenziert
das nicht!
Testare schrieb:> Daran hättest du vorher denken sollen.
Kann ich nur zustimmen.
Mit dem Ing wirste wohl nicht glücklich.
Überleg dir erst einmal, WAS du denn lieber machen möchtest und
arbeite dann darauf hin...
IngBerlin schrieb:> Testare schrieb:>> Daran hättest du vorher denken sollen.>> Kann ich nur zustimmen.> Mit dem Ing wirste wohl nicht glücklich.> Überleg dir erst einmal, WAS du denn lieber machen möchtest und> arbeite dann darauf hin...
Gibt nix besseres als Ing, wenn man Technik cool findet.
Und wenn man was taugt, gibts Angebote ohne Ende.
Carsten Sch schrieb:> Wenn du eher den Mittelweg suchst, dann solltest du eher mal in Richtung> kleinere Firmen Schauen.
Wer sagt denn eigentlich immer, dass es in kleinen Firmen total anders
zugehen muss?
Bei uns gibt es auch fliessen Wasser und elektrisch Licht.
Bürovorsteher schrieb:> Hermes sucht gerade jede Menge freischaffende Paketboten...
Die kenne ich. Nen 20 Jahre alten VW-Bully, egal in welcher Farbe und
Fahrzeugzustand, und mit einer anderen Farbe die Schriftzüge der
Vorbesitzerfirma überpinselt. Das nennt sich wohl Corporate Identity.
;-)
IngBerlin schrieb:> Kann ich nur zustimmen.> Mit dem Ing wirste wohl nicht glücklich.> Überleg dir erst einmal, WAS du denn lieber machen möchtest und> arbeite dann darauf hin...
Naja, ich denke auch als Ing muss man nicht unbedingt 8h täglich vor der
Kiste hängen... ich würde darum nicht gleich auf den falschen Beruf
schließen.
Ich kann den TE gut verstehen, weil es mir ähnlich geht. Viele meiner
Bekannten/Freunde meinen ich wäre ein "Computer- und Technik-Freak",
vielleicht haben sie damit sogar recht, mir macht es nämlich Spaß etwas
zu basteln, programmieren, etc. Nur frage ich mich ob das die Erfüllung
ist und ich wirklich jeden Tag nur im Büro sitzen möchte, oder ob die
Elektronik vielleicht eher ein gutes Hobby für mich wäre :/
Aber irgendwie muss man halt sein Geld verdienen... naja
Grüße
abcdefgh schrieb:> Veranstaltungstechnik wurde genannt. Könnte ich mir sehr gut vorstellen,> habe auch schon in diesem Bereich da und dort mitgearbeitet. Aber wie> siehts denn aus: Werden da wirklich Ingenieure benötigt? Wird man da> überhaupt ernst genommen, wenn man nach 20 Jahren Schule und Bürojob> vorstellig wird und die einzige "handfeste" Erfahrungen die Montage von> ein paar Lampen sowie ein paar Mal Technik-Aufbau fürs Dorffest sind?> Bislang jedenfalls waren die Muskeln jeweils wichtiger und das> Fachwissen war mit der Bedienung eines DMX-Mischpultes nach oben> abgeschlossen...
Der Ingenieur ist der Baumeister. So ist der Anspruch. Willst du nicht
ständig am PC sitzen, erlerne einen Beruf und klopfe Steine.
Wie damals ist es heute auch - einer sagt: Wir bauen eine Pyramide.
Dann braucht man den Architekten der seine Zeit mit Papier verbringt und
noch 10000 Kulies die nichts mit Papier zu tun haben (wollen) - die
kloppen den ganzen Tag nur Steine - und heute - machen die Handarbeit.
Das Problem dabei entsteht erst 20 Jahre später. Du kannst deinen Job
und bist gut und machst das. Dann triffst du als der Superarbeiter dann
deinen 10+ Jahre jüngeren Vorgesetzten, der dir sagt: Wir machen das
jetzt so und so und nicht wie du so denkst. Sagst du Nee, Scheisse mache
ich nicht.
Ja, bist deinen Job los. Das kann man drei mal machen, dann kassiert man
HIV.
Hartz4. Und dann bist du Abschaum in Deutschland, so eine Art
Schmarotzer -
Dummerweise merken die Leute die diesen Weg konsequent gehen das erst
dann, wenn es für eine Umkehr zu spät ist. Einige hängen sich weg,
andere beobachtet man wie sie als Penner erkennt; mit vollgepissten
Hosen herumlaufen.
Du hast die Wahl.
Und deine Wahl ist ganz einfach: Du tanzt zu der Musik die dir dein
Arbeitgeber vorspielt.
Das ist vielen Sozialpennern nicht klar: Alle müssen tanzen - auch wenn
die Musik nicht passt. Und wer nicht tanzen will, weiß noch nicht das er
tanzen muss.
Na. So schlimm ist es nicht. Es gibt noch eine Menge Berufe, die weniger
auf dem Computer basieren. Allenfalls mal einen Bericht reinkloppen.
Forstwart, Landwirt, usw.
Werdegang zwei Bekannter:
1. Fall:
Total begeistert von Elektronik, im Studium war er nach dem Vordiplom
von den Nerd-Typen so gefrustet, dass er wusste mit solchen Honks will
er später nichts zu tun haben und sattelte auf was Künstlerisches um und
studierte Architektur. Heute ist er Provinzarchitekt, hält sich aber für
den zweiten Jean Nouvelle und ist zufrieden damit.
2. Fall:
Total begeistert von Maschinenbau, schon im ersten Semester hat er
gemerkt, dass ihn der spätere Job nur ankotzen würde, den ganzen Tag nur
öde Technik und nur ein Rädchen im grossen Getriebe. Er hat dann auf was
soziales umgesattelt (Studium), ist heute so ne Art Sozialberater oder
Streetworker in einer Grossstadt und kann sich nix anderes als Job
vorstellen.
abcdefgh schrieb:> Ich habe ein Studium zum Elektro-Ingenieur von einer renommierten Uni.
Das ist doch ein guter Anfang
> Leider musste ich in letzter Zeit längers je mehr feststellen, dass mich> die typische Computerarbeit eines Ingenieurs total frustriert.
kann passieren, ist aber kein Drama. Je schneller du wechselst um so
besser. Lehrgeld zahlt man immer mal und Motivation ist wohl das
stärkste Pferd das einen zieht. Wenn es fehlt wird es nur Quälerei.
Alternativ kannst du auch eine Karriere als Wirtschafts-Ing. anstreben.
> Den> ganzen Tag vor der Kiste sitzen, sich ständig mit nicht funktionierenden> Dingen jeglicher Art rumprügeln
Das ist das harte Brot der Technik, dazu kommt das du heute den Status
knapp über Lastwagenfahrer hast.
> (die wiederum oft wenig mit der> eigentlichen Aufgabe zu tun haben),
So wie die Vorgaben des Marketings der BWL Fraktion oder der
Projektleitung. Getestet wird auch meist erst vor Ort.
> zahllose Leute ohne Humor,
Kannst du so nicht sagen, ab und zu nennen Sie mal 'ne
Variable/Leitung/Modell Snoopy ;-).
> Allgemeininteresse und Geselligkeit etc.
Sie haben doch Gesellschaft, 1 Maschine am Arbeitsplatz und 3 zu Hause.
Da wird dann auch mal was anderes als die Firmensoftware benutzt ;-).