Ich weiß, die frage mag doof klingen, aber interessieren würde es mich
schon
kann ein handelsüblichen Metall/Kohleschicht Widerstand altern, also so
das sich auch sein Widerstand messbar verändert?
Wenn ja in welchem Bereich spielt sich das ab
tendiert er zu einem höheren oder niedrigeren Widerstand?
überschreitet er die Toleranzangaben?
ich spreche nicht davon ihn durch Überlastung bzw. erhöhter
Aussentemperatur zu erwärmen oder dergleichen
Nils schrieb:> kann ein handelsüblichen Metall/Kohleschicht Widerstand altern, also so> das sich auch sein Widerstand messbar verändert?
Klar. Bei Überlastung sofort. Bei Belastung an der spezifizierten Grenze
halt etwas langsamer.
Nils schrieb:> Wenn ja in welchem Bereich spielt sich das ab> tendiert er zu einem höheren oder niedrigeren Widerstand?> überschreitet er die Toleranzangaben?
Die Alterung ist unabhängig von den anderen Toleranzangaben wie
Grundtoleranz (bei Herstellung und 25 Grad) und Temperaturkoeffizient
spezifiziert.
Abhängig ist die Alterung hauptsächlich vom Widerstandsmaterial selbst
und vom Schutz gegen Umwelteinflüsse (Temperatur, Feuchtigkeit). Ein
lackierter Metallfilmwiderstand altert (rostet) schneller als ein
glasiertert oder ein Drahtwiderstand im ölgefüllten hermetisch dichten
Gehäuse.
Mal ein Beispiel:
Grundtoleranz 1%
TK 200 = zusätzlich 1% bei Änderung Temperatur von 25 auf 75 Grad
Alterung bei normalen Widerständen so im Bereich 1-2%
Widerstandsänderung bei Nennlast und maximal spezifizierter Temperatur
und 1000 Stunden.
Gruß Anja
Nils schrieb:> kann ein handelsüblichen Metall/Kohleschicht Widerstand altern, also so> das sich auch sein Widerstand messbar verändert?
Aber sicher altern die. (N.Gesetz von Murphy: Alle Konstanten
sind variabel) Deshalb werden Messwiderstände auch künstlich
vorgealtert, damit sich die natürliche Alterung im Betrieb nicht
ganz so stark auswirkt.
Gruss
Harald
>kann ein handelsüblichen Metall/Kohleschicht Widerstand altern, also so>das sich auch sein Widerstand messbar verändert?
Früher gab es dafür in den Datenblättern Drift-Nomogramme. Einfach dem
roten Pfeil folgen...
Praktisch macht Alterung bei Widerständen so gut wie nichts aus. Das
sieht man am Ausfall von Schaltungen. In den seltensten Fällen ist ein
Ausfall einer Schaltung auf die Alterung eines Widerstandes
zurückzuführen, viel mehr sind es IMMER die aktiven Bauteile
(Transistoren, ICs, Dioden etc.) die ausfallen oder mechanische Bauteile
wie Schalter, Potis etc. Selbst die Leistungswiderstände in alten
CRT-Fernsehern haben zumeist erstaunlich gut und lange gehalten. Eher
ist es mal eine Lötstelle die ermüdet oder von Anfang an "kalt" war.
Insofern ist das mehr eine akademische Diskussion als hier irgend ein
praktischer Bezug vorliegt. Die immer so schnell via Datenblatt
herbeizitierte Alterung bei Messwiderständen mutet auch etwas komisch
an, wenn die meisten 15 und mehr Jahre alten DMM noch immer so genau wie
zu Kaufbeginn messen bei einer Überprüfung.
Ich habe ein Datenblatt in Erinnerung, in dem angegeben war, dass
normale 1% SMD-Rs bis zu 5..8% (!) an Wert zulegen können.
Interessanterweise war das nur eine positive Toleranz; die sind also
immer hochohmiger geworden. Die spezifizierte 1% sind nur die
Auslieferungstoleranz. Leider finde ich das DB nicht mehr :-(.
Aus diesem Grund hat unsere Gruppe in der Firma, die Stromversorgungen
entwickelte, immer 0.1%-Rs im Feedback-Spannungsteiler eingesetzt.
Tippgeber schrieb:> Praktisch macht Alterung bei Widerständen so gut wie nichts aus. Das> sieht man am Ausfall von Schaltungen. In den seltensten Fällen ist ein> Ausfall einer Schaltung auf die Alterung eines Widerstandes> zurückzuführen
Wenn die Schaltung ordentlich entwickelt ist, hast du (meist) recht. Ich
behaupte mal, dass 90% der Schaltungsteile auch bei mehr als 10%
Wertänderung der Widerstände kein Problem machen. Man denke einfach an
einen Pull-Up.
Aber wenn, wie in meinem Beispiel, davon eine Ausgangsspannung oder eine
Schaltschwelle abgeleitet wird, dann gilt das nicht mehr unbedingt.
Obwohl auch aktive Bauelemente, die mit 5% Spannungstoleranz angegeben
sind, bei einer geringen Überschreitung ja nicht sofort total ausfallen,
sondern höchstens die über den Temperaturbereich spezifizierten Daten
nicht mehr ganz einhalten oder möglicherweise schneller altern. Meist
merkt das eh keiner - außer vielleicht an einem frühen Ausfall anderer
Bauelemente, den du ja auch genannt hast:
> viel mehr sind es IMMER die aktiven Bauteile> (Transistoren, ICs, Dioden etc.) die ausfallen
Und, vielleicht haben die 15 Jahre alten DMMs doch 0.1%er drin ....
HildeK (Gast) schrieb:
> Ich habe ein Datenblatt in Erinnerung, in dem angegeben war, dass> normale 1% SMD-Rs bis zu 5..8% (!) an Wert zulegen können.> Interessanterweise war das nur eine positive Toleranz; die sind also> immer hochohmiger geworden. Die spezifizierte 1% sind nur die> Auslieferungstoleranz. Leider finde ich das DB nicht mehr :-(.
Ich habe noch etliche SMD-Rollen aus den 90er Jahren. Die halten noch
alle ihre Toleranz (mit Fluke nachgemessen) bzw. waren bei Stichproben
bisher immer besser als der aufgedruckte Wert. Habe bisher kein Beispiel
wo das mal anders war.
>> viel mehr sind es IMMER die aktiven Bauteile>> (Transistoren, ICs, Dioden etc.) die ausfallen> Und, vielleicht haben die 15 Jahre alten DMMs doch 0.1%er drin ....
Aber erstens nicht nur und dann ja sicher, aber auch die müssten der
Alterung folgen. Möchte das Problem nicht gänzlich wegreden, aber noch
sind es die aktiven Bauelemente die quasi immer über den Jordan gehen.
Ob da Veränderungen der äußeren Beschaltung die Ursache sind müsste man
erst mal nachweisen. Ich behaupte mal keiner wird beim Austausch eines
defekten Transistors auch gleich die Widerstände um ihn herum mit
tauschen. ;)Vielleicht spielt es mal eine (praktische) Rolle da wo
ständig starke Temperaturschwankungen oder ausdrücklich höhere
Temepraturen herrschen. Das möchte ich nicht ausschließen. Aber viel
eher sind es doch oft auch die Elkos, die bei andauernden Temperaturen
gestresst werden (auch die 105° Typen). Ein alter TFT bei mir hatte
genau das Problem im Netzteil. Nach einem Tausch läuft er seit dem
wieder einwandfrei.
HildeK schrieb:> Aus diesem Grund hat unsere Gruppe in der Firma, die Stromversorgungen> entwickelte, immer 0.1%-Rs im Feedback-Spannungsteiler eingesetzt.
Das hilft bei Verwendung von Widerständen aus gleicher Baureihe gar
nichts, die sind nur beim Herstellprozeß genauer selektiert. Nach dem
Löten haben die u.U. keine 0.1% mehr.
HildeK schrieb:> Und, vielleicht haben die 15 Jahre alten DMMs doch 0.1%er drin ....
Ob die jetzt 1% 0,5% oder 0,1% drin haben spielt weniger eine Rolle
(wird abgeglichen) wie das Herstellverfahren der Widerstände. Preiswerte
Meßwiderstände sind nicht lackiert sondern glasiert und damit
feuchtigkeitsresistenter.
Außerdem werden Meßwiderstände bei richtiger Dimensionierung maximal mit
50% (eher 10%) der Nennlast betrieben. (Weniger Wärme = geringere
Alterung).
Gruß Anja
Tippgeber schrieb:> viel mehr sind es IMMER die aktiven Bauteile> (Transistoren, ICs, Dioden etc.) die ausfallen
Wenn "immer" die aktiven Bauteile schuld sind, wozu zählst du dann
Elkos, die nun wirklich mit zu den für Alterung am anfälligsten
Bauteilen zählen?
Anja schrieb:> Preiswerte> Meßwiderstände sind nicht lackiert sondern glasiert und damit> feuchtigkeitsresistenter.
Gut, dann werd ich ab jetzt nur noch preiswerte Meßwiderstände kaufen.
:-)
Gruss
Harald
>Ich habe ein Datenblatt in Erinnerung, in dem angegeben war, dass>normale 1% SMD-Rs bis zu 5..8% (!) an Wert zulegen können.
Man muß Dickschicht- und Dünnschichtwiderstände unterscheiden.
Dickschichtwiderstände waren früher grottenschlecht und hatten
erhebliche Driften. Wenn es einigermaßen genau und driftarm sein sollte,
mußten unbedingt Dünnschichtwiderstände eingesetzt werden. Heute ist das
etwas anders, da sind Dickschichtwiderstände deutlich besser geworden.
>Aus diesem Grund hat unsere Gruppe in der Firma, die Stromversorgungen>entwickelte, immer 0.1%-Rs im Feedback-Spannungsteiler eingesetzt.
Es sind auch heute noch 0,1%-ige SMD-Widerstände im Umlauf, die einer so
schlechten Stabilitätsklasse angehören, daß die 0,1% reiner Schwindel
sind. Schon nach dem normalen Löten kann man diese Genauigkeit
vergessen. Wenn man es wirklich genau und driftarm haben will, sollten
Minimelf eingesetzt werden. Die sind hinsichtlich der Genauigkeit und
Driftarmut ein Quantensprung.
>Wenn die Schaltung ordentlich entwickelt ist, hast du (meist) recht. Ich>behaupte mal, dass 90% der Schaltungsteile auch bei mehr als 10%>Wertänderung der Widerstände kein Problem machen.
Naja, es gibt schon Schaltungen, die auf 0,3% Alterung unangenehm
reagieren. Vielpolige Filter beispielsweise. Aber da spielt die Drift
der Caps eine noch größere Rolle. Letztlich kann man sagen, daß
Widerstände zu den stabilsten und ausfallsichersten Bauteilen zählen und
gewöhnlich am wenigsten Probleme in einer Schaltung machen.
>Ob die jetzt 1% 0,5% oder 0,1% drin haben spielt weniger eine Rolle>(wird abgeglichen) wie das Herstellverfahren der Widerstände.
Genau. Mit Laserabgleich sind heute unter 0,1% Herstellungsfehler
überhaupt kein Problem mehr. Das sagt aber nichts über die
Drifteigenschaften aus. Deswegen sollte man genau schauen, welcher
Stabilitätsklasse die Dinger angehören. Das ist erheblich
aussagekräftiger...
Anja schrieb:> HildeK schrieb:>> Aus diesem Grund hat unsere Gruppe in der Firma, die Stromversorgungen>> entwickelte, immer 0.1%-Rs im Feedback-Spannungsteiler eingesetzt.>> Das hilft bei Verwendung von Widerständen aus gleicher Baureihe gar> nichts, die sind nur beim Herstellprozeß genauer selektiert. Nach dem> Löten haben die u.U. keine 0.1% mehr.
Sicher richtig, vermutlich waren die 0.1%er von einer anderen Baureihe
und/oder anderem Hersteller usw. Sie waren aber eben bez. Alterung
wesentlich enger spezifiziert. Wenn sich diese im 1%-Schlauch über der
Lebensdauer hält, dann ist das ja ausreichend.
Ich wollte nur auf den Umstand aufmerksam machen, dass die üblichen
Toleranzangaben nicht unbedingt das volle Ausmaß an Alterung
wiedergeben.
Wie schon gesagt, das DB finde ich nicht mehr. Eine Suche bei den
üblichen Herstellern hat bisher meine Erinnerung auch nicht mehr
bestätigt. Oftmals sind DB in dem Punkt auch etwas schweigsam.
In der Praxis entschärft sich das Problem meistens: eine Alterung
betrifft beide Rs eines Spannungsteilers in sehr vergleichbarer Weise
(falls die Eigenerwärmung bei nur einem der beiden nicht der maßgebliche
Beitrag ist), so dass das Teilerverhältnis weit weniger betroffen ist,
als eine WorstCase-Toleranzrechnung aussagt.
Tippgeber schrieb:> Ob da Veränderungen der äußeren Beschaltung die Ursache sind müsste man> erst mal nachweisen.
Da stimme ich zu. Es muss nicht mal die direkte Umgebung sein: eine
Ablage der Versorgungsspanung war ja mein, zugegeben hypothetisches,
Beispiel.
> Ich behaupte mal keiner wird beim Austausch eines> defekten Transistors auch gleich die Widerstände um ihn herum mit> tauschen.
Ich auch nicht :-). Noch nicht einmal die Elkos.
Toller Tip schrieb:> Tippgeber schrieb:>> viel mehr sind es IMMER die aktiven Bauteile>> (Transistoren, ICs, Dioden etc.) die ausfallen>> Wenn "immer" die aktiven Bauteile schuld sind, wozu zählst du dann> Elkos, die nun wirklich mit zu den für Alterung am anfälligsten> Bauteilen zählen?
Gemach gemach, ich sagte doch, dass Elkos deutlich eher zum Defekt
neigen als Widerstände und in einem Elektronik-Forum kann ich wohl
voraussetzen, dass bekannt ist was ein aktives und passives Bauteil ist
oder etwa nicht? Das "Immer" hieß hier nicht ausschließlich, sondern
"praktisch immer" geht alles andere kaputt bevor ein Widerstand als
Ursache eines Defektes auftritt. Dazu zählen natürlich auch
Passivbauteile wie Elkos.
Harald Wilhelms schrieb:> Gut, dann werd ich ab jetzt nur noch preiswerte Meßwiderstände kaufen.
Das meinte ich im Vergleich zu richtigen hermetisch dichten
Meßwiderständen:
Vishay Baureihe VHP100 mit spezifizierter Alterung 2ppm über 6 Jahre.
Gruß Anja
Anja schrieb:> Harald Wilhelms schrieb:>> Gut, dann werd ich ab jetzt nur noch preiswerte Meßwiderstände kaufen.>> Das meinte ich im Vergleich zu richtigen hermetisch dichten> Meßwiderständen:
Also Du meinst, teure Messwiderstände sind lackiert?
Mir gefallen glasierte aber besser. :-)
Gruss
Harald
Ich habe schon etliche Netzteile repariert, bei denen Widerstände (die
von den 325V weg zur Versorgung des Regel-ICs) wegen zu hoher Spannung
kaputtgegangen (hochohmig geworden) sind.
Einfache billig-Rs halten langfristig nur 50V aus, deshalb sind in
besseren Geräten mehrere in Reihe oder spezielle HV-Rs verbaut.
Nils,
mir sitzt der Schalk im Nacken:
Ein leuchtender Beweis für die Alterung von Metallwiderständen ist das
klassische Blitzlicht mit den sauerstoffgefüllten Birnen, die mit
Alustreifen gefüllt waren und über den Blitzkontakt gezündet wurden.
Etwas weniger dramatisch ist der lästige Bruch der Wendel einer
Glühlampe.
Je reiner das Metall und je kälter, desto länger muss man warten...
Ciao
Wolfgang Horn
> desto länger muss man warten
Nicht nur die Genauigkeitklasse sondern auch der WiderstandsWERT und die
Belastung sind für die Alterung von Bedeutung. Hochohmige Widerstände
hatten eher ein Problen und wurden noch hochohmiger. Langzeiterfahrungen
sind auch im Radiomuseum zu finden.
0,1%er sind ohne weitere Angaben nur die
ausgewählten Besten der 1%er.
Wenn die gleich hergestellt sind, kann sich ihr
Alterungsverhalten nicht groß unterscheiden...