Hallo Leute,
ich möchte eine Kabelfernbedienung realisieren, bei der insgesamt 9 Bits
übertragen werden müssen. Ich dachte, ich mache es mit RS232, damit die
Steuerung sehr flexibel bleibt. Vielleicht soll nämlich später noch ein
ADC-Wert übertragen werden. Meine Fernbedienung und die Zielschaltung
verwenden beide MAX232-Treiber.
Das Timing ist überhaupt nicht kritisch, wenn die Fernbedienung es
schafft, die Werte innerhalb 100ms zu übertragen ist alles OK. Daher
kann ich eine sehr niedrige Baud-Rate verwenden, ich dachte da so an
1200 Baud oder weniger.
Die zu überbrückende Entfernung sind in etwa 30m, als Kabel möchte ich
irgendwas Geschirmtes mit drei inneren Polen verwenden. (Schirmung ==
GND, RX, TX, VDD).
Ist das so machbar oder gibt es schwerwiegende Einwände?
Gruß
Jens
spricht was dagegen einen MAX488 zu nehmen und das ganze differenziell
zu übertragen? Nach außen hin (Nach MAX488 und Pegelwandler) sieht das
ganze wieder wie RS232 aus.
Sehr störunempfindlich (habe so schon viel schnellere serielle
Verbindungen über 100 Meter realisiert). Als Kabel kannst du einfach ein
Netzwerkkabel nehmen, da dort verdrillte Adernpaare drinn sind.
Gruß
tip
Ist eben die Frage, ob es für so eine doch recht überschaubare
Entfernung bei so geringer Datenrate notwendig ist.
Was hat es mit diesen "verdrillten Adernpaaren" auf sich?
Gruß
Jens
Eine differenzielle Übertragung hat den Vorteil störunempfindlich gegen
Gleichtaktstörungen zu sein. Damit die Störungen auch wirklich nur
Gleichtaktstörungen sind, müssen die positive und negative Leitung
möglichst dicht zusammenliegen (verdrillt). Dadurch bleibt die von den
Leitungen aufgespannte Fläche sehr klein und äußere Störfelder können
schlecht als differenzielle Störung einkoppeln. Nebenbei soll auch der
Wellenwiderstand definiert sein. Der Empfänger bildet dann die differenz
zwischen positiver und negativer Leitung. Die Gleichtaktstörung wirkt
auf pos. und neg. Leitung gleichermaßen und hebt sich auf.
Mittlerweile mache ich möglichst alles differenziell, sofern es ein paar
Meter überschreitet. Auf diese Weise hält man sich jede Menge
unliebsamer Überraschungen vom Hals.
Da nur ein simpler diff. Treiber dazukommt, ist der Aufwand auch nicht
allzu groß.
> Der MAX488 benötigt VDD = 12V, das ist ein bisschen schade.
Im Datenblatt steht: Operate from a Single 5V Supply
Die 12V beziehen sich auf die maximal zulässige Versorgungsspannung.
Schau zur Sicherheit aber nochmal genau ins Datenblatt.
lg
tip
Du meinst den R_t, ja? Das muss ich noch genau nachlesen.
Die Frage ist nun nur noch eine rein mechanische. Welchen mechanischen
Anschluss gibt es für dieses obige Netzwerkkabel? Sind die Alternativen
a) und b) denkbar?
Gruß
Jens
hallo jens,
lass dich nicht verwirren!
der aufwand mit rs485/422 ist bei dir garnicht nötig!
sowas brauchst du nur, wenn du auf mehr als 100 bis 800meter gehn
willst.
mit deinem geplanten rs232 ist mit einem cat5 kabel locker eine
entfernung von über 50 metern bei 115k2 drin!
mit 2400baud bist du sogar noch mehr als in der spezifikation!
die mögliche leitungslänge bei rs232 hängt nämlich von der
kabelkapazität und der baudrate ab.
der standard ist von 1962 soder so. und war damals auf kabel bis max.
2500pikofarad ausgelegt. schon damit konnte man über 15meter eine
geschwindigkeit von 19k2 fahren.
bei 4800baud konnte man bereis 300meter und unter 2400 baud bis zu
900meter problemlos überbrücken.
ein heutiges cat5 kabel hat ganze 50pikofarad pro meter.
du kannst also die werte der 50 jahre alten norm locker verdreifachen!
und aus der praxis:
ich hatte schon vor 20 jahren datenstrecken über eine 5v rs232 laufen.
c64 nach amiga. und das ganze in einer industrieumgebung und mit einer
kabellänge von 60 metern. das lief 15 jahre lang ohne jede störung...
nimm das patchkabel und variante a des anschlusssteckers mit rs232 und
du bist stressfrei :-)
jay
Jens schrieb:> Hallo Leute,>> ich möchte eine Kabelfernbedienung realisieren, bei der insgesamt 9 Bits> übertragen werden müssen. Ich dachte, ich mache es mit RS232, damit die> Steuerung sehr flexibel bleibt. Vielleicht soll nämlich später noch ein> ADC-Wert übertragen werden. Meine Fernbedienung und die Zielschaltung> verwenden beide MAX232-Treiber.>> Das Timing ist überhaupt nicht kritisch, wenn die Fernbedienung es> schafft, die Werte innerhalb 100ms zu übertragen ist alles OK. Daher> kann ich eine sehr niedrige Baud-Rate verwenden, ich dachte da so an> 1200 Baud oder weniger.>> Die zu überbrückende Entfernung sind in etwa 30m, als Kabel möchte ich> irgendwas Geschirmtes mit drei inneren Polen verwenden. (Schirmung ==> GND, RX, TX, VDD).>> Ist das so machbar oder gibt es schwerwiegende Einwände?
Bei Deinen moderaten Forderungen läuft das auf jeden Fall.
Die anderen Vorschläge bieten eine höhere Datenrate und/oder
eine grössere Entfernung. Wenn Du das aber nicht brauchst,
brauchst Du den höheren Aufwand bei diesen Vorschlägen auch
nicht zu treiben.
Gruss
Harald
Hallo,
naja, einen MAX232 als Treiber wollte ich ja so oder so hinsetzen, da
ich nicht genau weiß, ob der uC die Pegel der 5V-RS232 stark genug
halten kann.
Also kann ich ja einfach den MAX232 mit einem MAX488 ersetzen und bin
sorglos glücklich - denn so kompliziert ist die Verschaltung des MAX488
ja nun auch nicht.
Gruß
Jens
Jens schrieb:> Also kann ich ja einfach den MAX232 mit einem MAX488 ersetzen und bin> sorglos glücklich
Hast Du denn nicht begriffen, was die Vorredner geschrieben haben?
Du kannst natürlich einen MAX488 nehmen, kannst Dein Geld auch
verbrennen und Dein 'sorgloses Glück' dadurch erhöhen, dass Du Dir
pausenlos in die Hose machst.
Sagen wir mal so: Die paar Euro für den MAX488 sind gut investiertes
Geld, denn sollte nachher mal jemand auf die Idee kommen, das Kabel zur
Fernbedienung zu verlängern, dann geht das vollkommen problemlos. Zudem
ist die Übertragung so viel besser gegen Störungen geschützt.
Gruß
Jens
Ich habe noch eine Verständnisfrage zum MAX488: Es muss ein Widerstand
R_t zwischen den Differentialleitungen eingebaut werden, jeweils auf der
Empfängerseite.
Wozu ist der gut? Er liegt laut Datenblatt bei 120R.
Gruß
Jens
> läuft das auf jeden Fall.
Kommt auch etwas auf die Umgebung an. Große Störfelder od. Maschinen,
Aufzüge und Bahn-Fahrdrähte sorgen gelegentlich für kleine
Überraschungen.
> brauchst Du den höheren Aufwand bei diesen Vorschlägen auch> nicht zu treiben.
Warum höherer Aufwand? Ein RS232 Treiber ist wesentlich aufwändiger zu
beschalten als ein MAX488.
Der MAX488 ist nur ein 8 pin Gehäuse + Widerstand + Stützkondensator.
Jetzt schau dir mal einen RS232 Treiber an ;))
tip schrieb:> Jetzt schau dir mal einen RS232 Treiber an
Und? Das ist auch nur ein IC, wie z.B. der MC1488 oder SN75188,
aufwendig ist da gar nichts (sofern eine symmetrische
Versorgungsspannung zur Verfügung steht).
Rufus Τ. Firefly schrieb:> Und? Das ist auch nur ein IC, wie z.B. der MC1488 oder SN75188,> aufwendig ist da gar nichts (sofern eine symmetrische> Versorgungsspannung zur Verfügung steht).
Das Argument war aber, dass der MAX488 angeblich mehr Aufwand wäre. Je
nach RS232 Treiber sind aber noch diverse Kondensatoren nötig. Zudem ist
das Gehäuse größer --> mehr Lötpunkte etc...
Ich verstehe einfach nicht, warum man bei gleichem oder geringerem
Aufwand eine Lösung, welche wesentlich störunanfälliger ist nicht
verwenden möchte. Auch preislich sind beide Lösungen praktisch
identisch.
Ich kann ja noch verstehen, dass man das eine rein vom Geschmack her
nicht mag, aber die Argumente leuchten mir nicht ein. ;)))
lg
tip
Also der MAX232 baut sich ja seine eigene -5V, braucht dafür aber je
nach Modell bis zu fünf Kondensatoren ;-)
Aber nach den obigen Vorschlägen wäre ja auch auf den MAX232 verzichtet
worden (Stichwort: 5V-RS232), und ganz ohne Treiber finde ich die 30m
eher nicht so gut.
Mein Fazit: Ich verwende nun den MAX488. Damit mache ich nichts falsch,
und bin auch für höhere Entfernungen gerüstet. Ich merke mir aber auch,
dass für stationäre Anwendungen mit konstanten Anforderungen einfaches
RS232 mit niedrigen Baudraten kein Problem ist.
Danke an alle!
Beste Grüße
Jens