Ich habe in letzter Zeit beruflich bei zwei Iso9001 zertifizierten
Unternehmen bestellt. Beim ersten wurde eine völlig zerstörte Platine
geliefert. Pins abgerissen, Schutzlack fehlte, dafür überall Reste von
Sekundenkleber. Als ich reklamieren wollte, wurde mir unterstellt, ich
hätte das Ding kaputt gemacht, sie seien Iso-9001 zertifiziert, da wäre
es unmöglich, dass derart defekte Ware das Haus verlässt. Nach langem
hin und her kam raus, dass es sich um ein uraltes Vorserienmodell
handelte, bei dem bis heute keiner weiss, wie es in mein Paket gekommen
ist.
Beim zweiten Unternehmen habe ich subtil defekte Ware erhalten,
reklamiert und ein repariertes Gerät erhalten. Ich will es anschalten-
geht nicht. Immer noch kaputt. Email geschrieben, achja, den
eigentlichen Fehler haben sie vergessen zu beheben, dafür haben sie ein
neues Gehäuse verbaut. Auch hier- dickes Iso 9001 Label auf der
Servicequittung.
Wie kann das sein? Sind diese Zertifizierungen nur fake? Geld für die
Zertifizierer? Kann mir jemand erklären, wie es zu solch krassen Sachen
kommen kann, wenn doch alls super überwacht wird?
John schrieb:> wenn doch alls super überwacht wird?
Was wird überwacht? ISO 9001 heisst nur daß ein Beratungsunternehmen
und/oder eine QS Abteilung ein großes Brimborium veranstaltet, ein
Haufen Dokumente und Ablaufpläne/Checklisten geschrieben werden und dann
alle Mitarbeiter mitgeteilt kriegen daß sie sich daran zu halten haben.
Alle paar Monate wird dann 1 oder 2 Leute vergattert was sie zu sagen
haben, dann kommt ein Prüfer fragt die aus und dafür gibts das Label.
Gearbeitet wird unverändert.
Zumindest lief das in den Unternehmen die ich kenne so.
iSO 900x heisst nicht das die Qualität höher wird, sondern nur daß sie
dokumentiert wird. (Einige Ketzer sagen daß sie gleichbleibend schlecht
bleibt)
Viele China Buden sind auch ISO900x zertifiziert.
Die werden aber sicher nicht alle das gleiche Qualitätsnivea haben ;)
--> Das ist kein Qualitätssigel, sagt nur das die mehr Geld für
Verwaltung rausblasen müssen.
John schrieb:> Kann mir jemand erklären, wie es zu solch krassen Sachen> kommen kann, wenn doch alls super überwacht wird?
Das ist eins der weitverbreiteten Mißverständnisse zu diesem Thema.
ISO900x hat nichts mit "super Überwachung" zu tun. IOS9000 ff.
beschreiben lediglich die Anforderungen an ein
Qualitätsmanagementsystem.
Wie schreibt Wikipedia darüber ganz treffend:
"Letztere zeigt nur, dass die Abläufe im Unternehmen gemäß QM-Handbuch
zukunftssicher geplant sind. Die Zertifizierung wird in vielen Branchen
als „Muss“ angesehen, um im nationalen und internationalen Markt agieren
zu können – sie wird daher teils als ein kostenträchtiger „Umweg“
betrachtet, der nichts über die tatsächliche Arbeit des Unternehmens
aussagt."
Oliver
Richtig, die ISO-Blablubber sagt nur aus das du den Mist den du
verzapfst so dokumentiert hast das jeder ihn nach-verzapfen kann.
Übrigens, kann eine Firma die diese Zertifikate erstellt auch selber
nicht zertifiziert sein. So wie Gott ja auch nicht in der Kirche ist...
Damit sollten die Fragen geklärt sein :)
Dann gibt es auch noch Ablenkungsmanoever. Indem man nicht das ganze
Unternehmen zertifiziert, sondern nur Teilbereiche.
So wie bei uns hier:
ISO9000 zertifizierte Krankenhaeuser. Das betrifft natuerlich nicht das
Medizinische, sondern die Kueche. Das Medizinische ist bisher noch nicht
zertifizierbar. Muss man wissen.
Das heißt nur dass es ein Qualitätsmanagementsystem gibt. Ob aus solchen
Vorfällen die richtigen Konsequenzen gezogen werden steht auf einem
anderen Blatt. Das würde dann eine Zertifizierung nach ISO 9004
bezeugen. Zumindest auf dem Papier.
Wenn der Auditor (kann man sich selbst aussuchen, wenn er zu streng ist
läuft er Gefahr den nächsten Auftrag nicht mehr zu bekommen) nichts
taugt hat das ganze keinen Sinn (wirklich erlebt!): Er kommt irgendwann
nach dem Vesper, verschwindet mit dem QS-Verantwortlichen im
Besprechungszimmer, dann ausgiebige Beschnitzelung im besten Haus am
Platze, danach darf er sich die QM-Unterlagen anschauen, bis die
Kollegen Feierabend machen, sodann wird die leere Fertigung inspiziert).
So ist sichergestellt dass sich keiner verplappert.
Der Auditor bekam sein Geld, das auditierte Unternehmen seine Urkunde
und alle waren glücklich... (Warum muss ich gerade an die
Ratingagenturen denken?)
...Bis ein Kunde kam dem das wirklich ernst ist, der schickte dann
seinen eigenen Auditor... Und es herrschten Heulen und Zähneklappern.
Fazit: Es gibt zertifizierte Unternehmen, denen Qualität und
Fehlervermeidung wichtig sind und welche, die das Ganze als
Marketinginstrument ansehen. In welche Gattung der potentielle Lieferant
fällt stellt man am besten bei einem Besuch fest. Wenn dann die großen
Reden von Sauberkeit und lean Production kommen während in den Ecken
irgendwelcher Krempel vor sich hin rottet weiß man woran man ist. Dabei
kann auch ein Blick in die AV (Stapel mit Reparaturaufträgen),
Vesperraum und unter die Laderampe (gerne genutztes Versteck für alles
was der Besucher nicht sehen soll) nicht schaden. (Ein Vertriebler einer
Brauerei erzählte mal dass er immer als erstes das stille Örtchen
aufsucht, wenn es schon hier nicht passe könne man die Verhandlungen
kurz halten.)