Ich habe gerade folgenden intersannten Artickel gelesen: http://www.zeit.de/2009/11/Wallraff-11 300000 Obdachlose, bei -20°C sicher nicht mehr lustig. Gut, wir haben bei der Bundeswehr auch bei diesen Temperaturen im Freien übernachtet - man hatte aber die Möglichkeit abzubrechen - aus medizinischen Gründen, wenn es nicht mehr geht und wir hatten arktische Schlafsäcke. Es gibt in Deutschland ein Gesetz welches jede Stadt verpflichtet einem Menschen welcher von Obdachlosigkeit bedroht ist eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Ich kenne einen Fall persönlich - Jemand kam aus einem warmen südlichem Land zurück nach Deutschland - mittellos - und bekam eine 3Zimmer-Wohnung zugewiesen zur "Vermeidung von Obdachlosigkeit" - so das Beamtendeutsch. Anspruch hätte er auf 45 qm oder so, auf HIV-Level. Da aber nichts anders frei war, bekam er diese Wohnung mit 100 qm - und wohnt da heute nach drei Jahren immer noch. Der Mann kann reden und die Anträge ausfüllen - ist der deutschen Sprache mächtig. Da verstehe ich nicht ganz, wieso die Leute lieber erfrieren und nicht den Sozialstaat beanspruchen. Wir hatten vor ca. 3 Jahren daher die Idee daraus ein TV-Format zu machen, in Berlin: "Die Abholer" - einfach Obdachlose auf der Straße abholen, die (Behörden) Wege erledigen und die Leute werden untergebracht und müssen nicht auf der Straße sterben. Kein Sender hatte Interesse an dem Format. Was treibt die Leute lieber unter der Brücke zu erfrieren? Warum hat eine Demokratie keine! Medien die sich dafür einsetzen?
Ok - Hartz IV (HIV) ist gemeint - die Verwendung von HIV stellt eine unzulässige sprachliche anti-Dikrimminierung dar - die in diesem Fall, da die Auswirkungen ähnlich vernichtend für den Menschen sind, beabsichtigt ist.
Michael Lieter schrieb: > Da verstehe ich nicht ganz, wieso die Leute lieber erfrieren und nicht > den Sozialstaat beanspruchen. Falsche Scham, ein letzter Versuch der Selbstbestimmung, Nichteingestehen der eigenen Situation etc. Gründe gibt es viele. Betroffene berichten das so wie hier "Carsten Voss Erfolg in einer Glamourbranche und nie Geldsorgen ... verlor seinen Job. Als die Ersparnisse aufgebraucht waren, landete er per Räumungsklage auf der Straße und am Ende in einer Notunterkunft für Obdachlose. "Ich habe mich nur noch vor mir selbst geschämt", sagt der Manager ..." Hinzu kommt die extreme Fallhöhe bei Leuten die mal einen überdurchschnittlich guten Lebensstandard hatten wie Voss. http://programm.daserste.de/pages/programm/detail.aspx?id=A9917C7C7DD95BAAB3E1F7E3372CEC7F Die Aufzeichnung dazu http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/player?vcrid=crid%3A%2F%2Fdaserste%2FMenschenbeiMaischberger%2F1502221680
> Was treibt die Leute lieber unter der Brücke zu erfrieren?
In NRW haben sie immerhin Plastikrohre die sie anzünden können um sich
dran zu wärmen...
SCNR
Falls du auf den Brand der Autobahnbrücke anspielst, ist das alles andere als lustig. Da gabs schließlich einen Toten!
Ben _ schrieb: > In NRW haben sie immerhin Plastikrohre die sie anzünden können um sich > dran zu wärmen... Da ich die Strecke fast täglich fahren muss, auch dort abends/nachts unterwegs bin, finde ich das auch nicht ganz so lustig. Michael Lieter schrieb: > Da verstehe ich nicht ganz, wieso die Leute lieber erfrieren und nicht > den Sozialstaat beanspruchen. In der Wohnung sind die meistens alleine einsam, unter der Brücke nicht. In den Unterkünften darf man nicht trinken, wird geklaut, ... Also besser gemeinsam in einer kleinen Gruppe den Arsch abfrieren als einsam in einer trockenen warmen Bude hocken. Berichte gab es doch genug, selbst im Kinderprogramm (Willi wills wissen)gab es einen Bericht über Obdachlose.
Manche Menschen setzen ihre Prioritäten anders als Andere und das kann am eigenen Willen liegen oder nicht. Nicht alles was die Mehrheit als vernünftig ansieht ist es für jeden Einzelnen. Einige sind froh ihre tägliche Nahrung organisieren zu können. Da zu kommen psychische Ausnahmesituationen welche in Dauerzustände übergehen können. Auch empfindet nicht jeder zu jeder Zeit angebotene Hilfe als eine Solche. Zu dem sind die Hürden für eine Rückehr in ein bürgerliches Leben einfach unüberwindlich und das für viele ganz real. Es erfordert Konsequenz welche die meisten von Ihnen nicht zuerbringen vermögen. Die Welt ist ein großer Tiergarten, darin ist alles mögliche denkbar und alles denkbare möglich, sogar solch Exoten wie unserer TO. Namaste
Ich habe heute noch mit so genannten Randgruppen zu tun. Ist interessant,aber nicht immer ungefährlich. Ohne ein gewisses Vertrauensverhältnis erfährst du sehr wenig. Man steht auch manchmal etwas Grenzwerting zum Gesetz. Auch Obdachlose fallen nicht aus der Sozialen Unterstützung heraus. Nur wenige packen es ,etwas zu machen ,was sie selbst im Moment als unwichtig halten.Will man sie dazu zwingen,wollen Sie aus dieser Situation ausbrechen-
ich versteh es auch nicht .. man ist aber doch oft eher nur eine "Marionette" (oder Ameise/Zelle) die hauptsächlich aufgrund der Einflüsse von außen reagiert und die Handlungsmöglichkeiten oft eingeschränkter sind, als man glaubt oder es ist einfach nur der Alkohol (bzw. drogen) ;-) weil man a) in "Notunterkünften" keinen trinken darf, und b) Alkoholiker generell öfter mal "unverständliche" sachen machen, auch die nicht obdachlosen...) ob jetzt der Alkonhol Ursache oder "nur" Symptom ist, (oder beides) ....
Robert L. schrieb: > oder > es ist einfach nur der Alkohol (bzw. drogen) ;-) > > weil man a) in "Notunterkünften" keinen trinken darf, und b) Alkoholiker > generell öfter mal "unverständliche" sachen machen, auch die nicht > obdachlosen...) > > > ob jetzt der Alkonhol Ursache oder "nur" Symptom ist, (oder beides) .... Auf alle Fälle hat er eine nachweisbar negative Wirkung. Bei den Entzugsmedizinern steht er auf der Drogenliste auf Platz 2, nach Barbituraten und vor Heroin ! Da die meisten Hilfseinrichtungen von kirchlichen Geldern abhängen ist es auch logisch das man mit strikten Diktaten, statt konstruktiven Einsichten, Regelungen schafft. Ich könnte mir vorstellen das eine Hilfseinrichtung die Alkoholkonsum von eigenen Alkoholika verbietet aber zum Abendessen in geselliger Runde ein Freibier erlaubt und ausgibt, mehr Zulauf hätte. Aber schon dieser Satz von mir wird einiges an Empörung herauf beschwören. Am wichtigsten ist der Zugang der Hilfsbereiten zu diesen "Bedürftigen". Ohne diesen Zugang, ohne diese Vertrauensbasis, kann man nicht helfen. Gruß hagen
Du sagst es Hagen ohne Ggeduld und Empathie ist den Menschen nicht zu helfen schon gar nicht gegen deren Willen. @robert viele fühlen sich aber als Ameise auf der Straße freier, als als Ameise eingezwängt ins bürgerliche System. Sich darin seine Freiräume zu schaffeen erfordert Intellekt, Wissen um die Zusammenhänge, soziale Kompetenzen und ein Quäntchen Glück. Wer das nicht zusammen bekommt, kommt über das Ameisenstadium höchsten bis zum ewig uzufreidenen Zeitgenossen und leidet darunter eventuel so furchtbar, das er resigniert zur Straßenameise mutiert, ohne Zugehörigkeit zum Ameisenstaat ak. soziale Bindungen. Letzteres Passiert durchaus auch Nichtwohnungslosen. Ees ist nur eine Frage des Grades der Unangepasstheit. Im extremfall tendiert die Schnittmenge "Ameise" Staat gegen Negativ. Namaste
In der englischen Presse habe ich dazu in Foren auch Vorschläge gelesen die Obdachlosen zwangsinternieren zu wollen weil sie als krank und behandlungsbedürftig eingestuft werden müssten. (In Wirklichkeit will man sie zum arbeiten unter Aufsicht zwingen, also ausbeuten und pharmakologisch gibt es auch interessante Ideen und Sponsoren.) Ausgelöst wurde diese Debatte durch den "genialen" Vorschlag von Cameron Betrunkene in sogenannte drunk tanks einzusperren.
tja, Diese Diktatur hatten wir schon mit dem Assiparagraphen. http://www.strassenfeger.org/archiv/article/2302.0008.html Namaste http://www.google.de/search?q=Assiparagraph&rlz=
Ja, ich weiss. Aber in einer humanen Gesellschaft würde man Leute nicht auf der Straße leben lassen und auch die Thematik einer Behandlungsbedürftigkeit wäre im Spiel. Angenommen man könnte einen Teil der Leute reintegrieren, wäre es die Sache wert. Es ist sicher die Frage ob die Freiheit auch die Verschwendung von Arbeitskraft in der Weise beeinhaltet dass Leute sich auf diese Art selbst vernichten und dann zu medizinischen Notfällen werden. Das System der wirtschaftlichen Effizienz ist der Meinung diese leute ihrem Schicksal zu überlassen. Möglicherweise ist aber diese Gleichung nicht richtig durchdacht. Es gibt Kollateralschäden bei allen Leuten die in Beziehung mit Personen stehen/standen. Es gibt vermeidbare Belastungen für das Gesundheitssystem und nicht zuletzt die Verschwendung der Ware Arbeitskraft. Selbst wenn sie nur die Hundehaufen wegräumen, würden sie der Gemeinschaft nutzen - der sie so nur auf der Tasche liegen. Es ist im Prinzip die Frage ob es ein Recht auf Obdachlosigkeit gibt. Ich sage NEIN. Ich gehe heute zum Bäcker und kaufe 3 (drei) Brote. Ein Brot esse ich selbst. Das zweite Brot gebe ich zurück an meine Eltern die für mich Brot kauften, als ich noch kein Brot kaufen konnte. Das dritte Brot gebe ich meinen Kindern, weil die noch kein Brot kaufen können. Das ist die logische Funktion jeder menschlichen Gesellschaft. Obwohl ich unsere Kultur als sehr hochentwickelt bezeichnen würde und wir wahrscheinlich noch dieses Jahr einen neuen Krieg gegen die Perser erleben werden - gibt es z.B. bei den Persern und auch bei den Arabern keine Obdachlosigkeit - die Gesellschaft lässt sowas gar nicht zu - ebenso gibt es kaum Selbstmorde.
Michael Lieter schrieb: > Es ist sicher die Frage ob die Freiheit auch die Verschwendung von > Arbeitskraft in der Weise beeinhaltet dass Leute sich auf diese Art > selbst vernichten und dann zu medizinischen Notfällen werden. Nicht zuletzt ist ein ansehnliches Obdachlosenheer auch eine Drohung gegen renitente H-4-"Kunden" und so zynisch, wie dieses H-4-System konstruiert ist, erscheint mir das durchaus nicht abwegig.
@ m.l. Ich weis nicht woher du deine Weißheiten nimmst? Aber mit "Gewalt" Menschen zu ihrem Glück zu zwingen ist ein schon oft unternommener Versuch der noch jedesmal in Stagnation und Unfreiheit durch Diktatur endete. Prinzipiell unterscheidet sich deine Haltung nicht von der die jenigen welche keine Job bekommen, warum auch immer, zu Zwangsdienstleistern der Senioren zu überzeugen. Die Antwort kann nur lauten, möchtest du von sojemanden "gepflegt" werden wenn du auf ihn angewiesen bist und er von deine Defiziten angeekelt ist? Für meine Mutter war diese Überlegung das Schlüsselargument, als meine Frau und ich ihr das als Konsequenz aufzeigten. Noch ein Beispiel eine unserer Töchter verlor ihren neue Job am Flughafen München infolge des letzten isrelischen libanesischen Krieges. Sie ist längst wieder in Lohn und Brot. Witzig war, dass man ihr beim Arbeitsammt anschaffte sie müsste auch einen alfälligen Job auf dem Bau annehmen ...., als ob irgend eine Baufirma eine Reiseverkehrskauffrau mit entsprechenden Auftreten auf der Baustelle verwenden könnte. Meine Frau und ich haben schallend gelacht, aber die Püppi war eingeschüchtert. Inzwischen ist auch ihr klar warum wir darüber nur lachen konnten. Namaste
Winfried J. schrieb: > Aber mit "Gewalt" Menschen zu ihrem Glück zu zwingen ist ein schon oft > unternommener Versuch der noch jedesmal in Stagnation und Unfreiheit > durch Diktatur endete. > > Prinzipiell unterscheidet sich deine Haltung nicht von der die jenigen > welche keine Job bekommen, warum auch immer, zu Zwangsdienstleistern der > Senioren zu überzeugen. Das ist so nicht richtig. Ich bin mir deiner Argumentation voll bewusst. Ich denke mehr an einen vernünftigen Kompromiss - dass auf der einen Seite nicht Leute sinnlos erfrieren, man sie aber auf der anderen Seite auch nicht einfach nur abholt und ausbeutet. Ich stelle nur ethisch richtig fest (unser Bunsespräsident ist ja quasi ausgefallen) dass der derzeitige Zustand für eine hochentwickelte Kultur so nicht hinnehmbar ist. Es ist unethisch Leute auf der Straße erfrieren zu lassen und ihnen ganz zynisch das als selbst gewählte Freiheit zu unterstellen. Ich stelle den Anspruch an eine hochentwickelte Kultur für solche Probleme bessere Lösungen zu finden. Wir sind eine der reichsten Kulturen der Welt und wir lassen Leute erfrieren? Das ist nicht Freiheit.
Michael Lieter schrieb: > Das ist so nicht richtig. Ich bin mir deiner Argumentation voll bewusst. > Ich denke mehr an einen vernünftigen Kompromiss - dass auf der einen > Seite nicht Leute sinnlos erfrieren, man sie aber auf der anderen Seite > auch nicht einfach nur abholt und ausbeutet. Darin sind wir uns einig. Es geht also ethisch einwandfrei nur mit Hilfe zu Selbsthilfe, welche aber nur mit dem Vertrauen der Hilfsbedürftigen leistbar ist. Dies nun setzt ein hohes Engagement der Helfer, besonders aber der helfenden Gesellschaft vorraus, woran es aber in einer auf Profit orientierten Gesellschaft erfahrungsgemäß mangelt. > Ich stelle nur ethisch richtig fest (unser Bunsespräsident ist ja quasi > ausgefallen) dass der derzeitige Zustand für eine hochentwickelte Kultur > so nicht hinnehmbar ist. So ist es. > Es ist unethisch Leute auf der Straße erfrieren zu lassen Das stimmt > und ihnen ganz zynisch das als selbst gewählte Freiheit zu unterstellen. Das ist es aber wenn man gebotene Hilfe abweist, obgleich die real angebotenen Hilfen natürlich auch ungenügend und zum Teil mehr als fragwürdig sind. > Ich stelle den Anspruch an eine hochentwickelte Kultur für solche > Probleme bessere Lösungen zu finden. Wie sind eine der reichsten > Kulturen der Welt und wir lassen Leute erfrieren? Ohne Frage. > Das ist nicht Freiheit. Und doch kann auch das eine Form der Freiheit sein obgleich es meißt eher ein Mangel an Freiheit ist, diesem Schiksal zu entgehen. Namaste
Michael Lieter schrieb: > Ich denke mehr an einen vernünftigen Kompromiss - dass auf der einen > Seite nicht Leute sinnlos erfrieren, man sie aber auf der anderen Seite > auch nicht einfach nur abholt und ausbeutet. Ich glaube nicht, daß in diesen Fallen Ausbeutung überhaupt in Betracht kommt. Die Leute sind meisten psychisch so kaputt, daß das einfach nicht funktioniert, ohne daß man hinter jeden einzelnen zwei Büttel stellt. > Es ist unethisch Leute auf der Straße erfrieren zu lassen und ihnen ganz > zynisch das als selbst gewählte Freiheit zu unterstellen. Wenn das akut geworden ist, ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen. Da kann man gerade noch erste Hilfe leisten, um den sofortigen Tod zu verhindern. Ob man den Betroffenen damit auch aus deren eigener Sicht hilft, ist nicht sicher. Das Verbrechen ist, die Leute in die Gosse zu stoßen, wie einen Kübel Dreck.
Uhu, So ist es. Die noch größere Sauerei ist es das der Statt Leute systematisch abweist oder falsch informiert wenn diese sich ihrer Rechte nicht 100%ig sicher sind. Sozial benachteiligte werden in D. durch öffentliche kommunale Rechtsberatungen systematisch desinformiert. Eine mir bekannte Anwaltsreferendarin wurde aus einer kommunalelen Rechtsberatungsstelle am Sozialgericht entlassen weil sie rechtkonform informierte. Das laß sich in der Beurteilung wie folgt. "Frau xxx ist nicht in der Lage ihr Wissen den Klienten nicht zu vermitteln." Namaste
Winfried J. schrieb: > "Frau xxx ist nicht in der Lage ihr Wissen den Klienten nicht zu > vermitteln." Das ist der Punkt - das System ist so angenehm wie es existiert und auch die Berater sollen bitte nicht wirklich beraten. Ich sehe immer noch den Fehler in der Gleichung, dass wir (Und wir alle sind es) diese Leute einfach wegwerfen - wo sie doch zumindest zum Teil für das System noch reaktiviert werden könnten - allerdings sind wir eine so reiche Gesellschaft, dass wir die Leute ohne es zub merken auch sterben lassen könnten. Heute erst sah ich einen Mann geschätzt zwischen 50 und 60 in verkommenen Klamotten der sich direkt vor meiner Haustür aus einem Mülleimer einen weggeschmissenen 1/4 Döner rausgeholt hat und diesen sofort gierig verspeist hat. Ich musste an dem Mann in 1 m Abstanbd vorbei laufen und ich habe weggeschaut. Eine unmittelbare Reaktion angeeckelt zu sein - im nachhinein denke ich - hätte ich ihm einfach 5 € gegeben um dem Mann zu helfen. Aber das ist nicht die Lösung: Alle die gut verdienen schmeissen ihr Kleingeld in die Mülltonnen. Das ist einfach großer Mist - ich kann das zwar ausblenden, aber finde es grundfalsch. Ist eben ein Looser und fertig. Aber das ist nicht die Wahrheit!
Michael Lieter schrieb: > Aber das ist nicht die Wahrheit! Ist es keines Wegs Die Welt kannst du aber jeden Tag retten wenn du bereit bist deinem nächsten zu helfen mit deinem Mitgefühl. In Berlin hatte ich oft weniger in den Taschen oder auf dem Konto als jene in der Schale welche mich anbettelten. Aber hier helfe ich jedem dessen Not ich erkenne, ob einem Handwerker auf der Walz oder wie vorige Woche einer Frau bei minus 16 Grad vor dem Liedl. Ja ich gab ihr 5 € mit den Worten ich hoffe es hilft und sie hat sich aufrichtig bedankt. Hier im Rheintal sieht man so etwas noch höchst selten, dagegen passiert es oft das an den Häusern systematisch geklingelt wird und du weist nicht wa dahinter steckt. Namaste
Winfried J. schrieb: > ohne Ggeduld und Empathie ist den Menschen nicht zu helfen schon gar > nicht gegen deren Willen. Es gab ja weiter oben von Michael Lieter schon mal ein Beispiel, daß ein gut gestellter Bürger völlig abstürzte. Ich kann es an mir selbst auch ein wenig nachvollziehen. Eine Kündigung im Beruf ist für manche ein Schlag, quasi ein ordentlicher Tritt nach unten. Es geht Vertrauen verloren. Verliert jetzt auch noch jemand seine Wohnung, dann kommt das wieder einer Kündigung ähnlich. Der Effekt ist dann schon Kündigung zum Quadrat. Mein Vormieter wurde geräumt, weil er die Miete nicht mehr zahlen konnte. Nach der Kündigung ließ sich die Ehefrau sofort scheiden, und die Kinder ließen sich nie mehr blicken. Ausgegrenzt. In der Sozialwohnung fanden sie drei Jahre später nach zwei Wochen Tod seine Leiche, nachdem es irgendwo stank. Er hatte noch die Kornflasche in der Hand, und lag im Bett. Im TV sah ich schon mal eine Doku, wie Sozialarbeiter einen einzelnen wieder aufzupolieren versuchten. Die Menschen bekommen die einfachsten Dinge des Alltags nicht mehr geregelt, wie z.B. zum Amt zu gehen, und den Hartz-Antrag zu stellen. Das kann sogar ein ehemaliger Ingenieur sein. Mir steht es noch bevor, und es muß ein echter Graus sein, wie Spießrutenlauf, fand ich in Internetforen zum Thema. Alleine der Reisekostenerstattungsantrag für Reisen zu Vorstellungsgesprächen ist ein Witz. Was man da als AG alles falsch ausfüllen kann, und wie man dann seinem Geld hinterher rennt. So eine einzelne Reisekostenerstattung, wo ein AG nichts zahlt, das ist schon mal ein halber Hartz-Monatssatz. Andererseits hat die Obdachlosigkeit viele Gesichter, ich kannte auch einige dieser Leute. Einer war ein Punker in Köln. Er setzte sich lieber auf die Straße in der Fußgängerzone, und meinte, das sei mit 60DM Bargeld in zwei Stunden lukrativer, als arbeiten zu gehen. Bei einem anderen Stadtstreicher fanden sie nach dessen Tod 360.000DM Bargeld in seiner Unterkunft. Das stand in der Tageszeitung. Er verbrauchte kaum was, und legte alle Betteleinnahmen als Spargeld zur Seite. Ein anderer in meiner Gegend wiederum lebt in einer Brücke, die provisorisch zugebaut wurde. Hat aber keine Hausadresse. Dann gab es hier in Stadtnähe Trier einen Berghang, der wie Slums voll mit provisorisch gebauten Obdachlosenunterkünften ist. Einfache Holzbretterverschläge. Also schon richtig wie amerikanische Slums. Nur noch nicht ganz so widerlich. Die Stadt wollte es wegen Schandfleck vor ein paar Jahren abreißen lassen. Man sieht diese Slums mit einem Fernglas aus der Stadt heraus, wenn man in die nördlichen Berghänge in Richtung Eifel schaut. Aber auch mit bloßem Auge, wenn man sich auskennt. Ist ja ne chice Touristenstadt, Römerstadt. Dann hörte man aber wiederum nichts mehr zum Thema. Ist wohl doch etwas brisant. Denn man hätte den Menschen Ersatz, bspw. Obdachlosenwohnung, anbieten müssen. Und jaaaaaa, da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz, das kostet ja Geld. Auch wenn ich hier weiter hinter der Stadt einen Waldspaziergang mache, da sieht man immer noch sowas wie alte halb verfaulte Bauwagen, die im Wald abgestellt sind. Auch wenn man da gerade niemanden antrifft: Die sind dann irgendwo, vielleicht in der Fußgängerzone, und betteln. Wegen nichts im Alltag geregelt bekommen: Ich hatte auch einen Onkel, aber der arbeitete zwischendurch noch als Knecht bei Bauern. Wenn er was fand. Aber das sind auch immer Gelegenheitsjobs, nie Festanstellungen. Bauernhof und Tiere war das einzige, was ihm Spaß machte. Auch wenn er in der Scheune im Stroh unter gebracht war. Eines Tages fanden sie ihn in der Unterhose auf der Straße, mit 2 verschiedenen Socken an. Da ist nix mehr mit regeln und wieder einpegeln. Geschweige denn Anträge ausfüllen. Ein paar Tage vorher traf er meine Mutter in der Fußgängerzone, und sagte, er müsse jetzt weg, zum Bahnhof, sein Zug würde gleich fahren. Obwohl er garantiert nirgendwo fuhr, weil er am Ort lebte, und niemals Geld für ein Ticket gehabt hätte. Er kam dann in eine geschlossene Anstalt. Dort wurde er mit Medikamenten völlig ruhig gestellt, und erkannte die eigene Verwandtschaft nicht mehr. Das wars dann. Die Psychiatrie belästigte meine Mutter noch eine ganze Weile, sie wollten ausspähen, ob noch irgendwo Bargeld zu holen ist. Das kenne ich auch von einem sehr jungen Kollegen, mit dem ich privat befreundet war, der in die Psychiatrie kam. Er erkannte mich beim Besuch gar nicht. Die Leute werden einfach ausgeknipst, wie ein Licht. Michael Lieter schrieb: > Es ist im Prinzip die Frage ob es ein Recht auf Obdachlosigkeit gibt. Da mußt du einen Obdachlosen am besten mal selbst fragen, wie viele Fußtritte von oben ein Mensch überhaupt verkraften kann, wenn er schon immer kleiner und kleiner wird. Manche, wenige, kommen wieder hoch. Und die kommen dann mal in TV-Dokus. Die anderen bekommen auf Dauer einen schweren psychischen Schaden. > Obwohl ich unsere Kultur als sehr hochentwickelt bezeichnen würde Eher nicht so. Selbst bei den letzten unzivilisierten Stämmen bleibt noch keiner unbeachtet im Dreck liegen. Ich glaube, die Pygmäen gibt es sogar noch. Werden aber nur 35 Jahre alt. Da ist dann schon das Altersproblem anders gelöst. Und: Schon bei den Römern gab es das alles nicht. Die hatten schon extra Wohnsiedlungen für ihre Veteranen. Vor 2000 Jahren. Die wurden auch nicht zwangsabgelebt, oder noch gratis für Hilfsarbeiten benötigt. Sie hatten vor allem mietfreies Wohnen. Uhu Uhuhu schrieb: > Nicht zuletzt ist ein ansehnliches Obdachlosenheer auch eine Drohung > gegen renitente H-4-"Kunden" und so zynisch, Die borstigen widerwilligen Hartzer bekommen ja auch schon mal Sperren, und kein Geld mehr. Dann landen sie auch an der Tafel und in Suppenküchen, werden mit den richtig Obdachlosen bekannt gemacht. Letztens bei Aldi war eine junge allein erziehende Mutter mit Lebensmittelgutschein vor mir. Die mußte mit dem Gutschein die ganze Monatsration auf einmal kaufen, und wußte dann nicht, wie sie die Waren nach Hause bekommt, ein paar km entfernt. Sie mußte dann mit Taschen und Rucksack wohl mehrmals laufen. Und der Verkäufer bei Aldi den Einkaufswagen im Hinterzimmer einschließen. Mann, das ist alles was...
Jetzt gebe ich Butter zu den Fischen @ Wilhelm alles was du beschrieben hast mit Ausnahme des Alkoholmisbrauchs habe ich an mir selbst mit Mitte 30 erlebt. Scheidung, Wohnungslos, Joblos, Antriebslos wochelang das Bett nur zum WC und trinken (Tee+ Säfte)verlassen nicht essen nicht einkaufen nicht lesen nicht fernsehen die pure Depression mein Vater hat mich in seiner Wohnung mit dem Nötigsten versorgt, konnte aber meine Depression nicht ertragen und ist selbst zu seiner Freundin emigriert. Ich konnte kein Amt aufsuchen Keine Anträge ausfüllen, nach ca. 1/2 Jahr habe ich mich zu Tagelöhnerjobs aufgerafft (Hornbach aufpacken). Ich gebe niemanden schuld an meiner damaligen Situation außer mir selbst und weis mich damit mit vielen in not Geratenen einig. Meine Berufsfähigkeit erlangte ich erst nach drei weiteren Jahren wieder es war ein schwerer Weg den ich ohne die Hilfe meines Vaters allein auf der Strasse nicht überlebt hätte. Heute bin ich selbständig zufrieden und glücklich auch ohne Reichtum. Danke meinem Vater, er hat mich mit seiner Empathie gerettet in dem er mir stets soviel half wie ich gerade annehmen konnte. Namaste
Michael Lieter schrieb: > hätte ich ihm einfach 5 € > > gegeben um dem Mann zu helfen. In den meisten Fällen wird Bares nicht in Essbares umgesetzt
Zu der Zahl hat sich jetzt noch keiner geäußert - 300000 Obdachlose in Deutschland - ist das überhaupt realistisch? Wenn man das symmetrisch umrechnet ergibt das ca. 3.75 Promille und für eine Kleinstadt mit 30000 Einwohnern 112 Obdachlose, für Hamburg z.B. 6750 Obdachlose - das erscheint um Faktor 10 zu hoch. Wenn es wirklich so viele wären, könnte man das ja auch für den Wahlkampf verwenden.
Deine Sorgen hätt ich gern In welcher weise soll das denn nützlich sein. Als Wähler fallen Obdachlose schon mal aus die haben andere sorgen und können mangels Wohnsitz ihr Walrecht kaum ausüben, nicht mal an ihrem letzten Wohnort. Bleibt noch sich auf deren Kosten zu profilieren. Da wird das Thema dann doch lieber totgeschwiegen, im nördlichen Italien Mitteleuropas wie auch im Rest der Welt. ts ts ts
Wollte man wirklich etwas dagegen unternehmen müsste man die Strukturen ändern welche dazu führen - das dürfte unmöglich sein.
Juppi J. schrieb: > Warte nur ab,bald wird das Obdachlosengen entdeckt.;-) Das ist durchaus möglich. Dann darf man bei der Einstellung oder beim Partnertest gleich das entsprechende Gutachten vorlegen und somit würde Obdachlosigkeit aussterben. Das ist aber wahrscheinlich nicht so, da Obdachlosigkeit ein multifaktorell gesellschaftlich bedingtes Problem ist. Und es somit nur für die jeweilige Gesellschaft eine Genetik geben kann, welche zur Obdachlosigkeit führt - z.B. bei uns Stolz und bei den Arabern Scham.
@Winne: Reife Leistung, wirklich. Michael Lieter schrieb: > z.B. bei uns Stolz Wo willst du hin mit dieser Aussage? Ja, man könnte gleich aus allen Arbeitnehmern Hartzer machen. Ich meine, Hartzer für Unternehmen. Dann wird das Land an Arbeitskraft so billig wie nur möglich.
Juppi J. schrieb: > Warte nur ab,bald wird das Obdachlosengen entdeckt.;-) Die Nazis hatten es schonmal entdeckt. War gar nicht lustig.
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