Forum: Offtopic SMART-Grid oder SMART-Shit


von Stefan H. (Firma: dm2sh) (stefan_helmert)


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Hallo,

denkt ihr auch manchmal, dass Forschung und Entwicklung sich zu sehr auf 
Belanglosigkeiten konzentriert, anstatt sich Problemen anzunehmen?

Alles ist heute "SMART". Das ist eine Form der Automatisierung, die sich 
meines Erachtens gegen die menschliche Absicht stellt. Man schaltet das 
Licht an, kurz darauf schaltet es sich wieder aus, weil das 
Hausautomatisierungsdings merkt, dass es draußen hell ist. Dann macht 
man wieder an. Eine Wolke zieht auf und verzieht sich wieder. Wieder ist 
das Licht aus. Nachts, wenn niemand da ist, geht dann plötzlich das 
Licht an, weil es ja dunkel ist.

Das gleiche beim PC. Immer wenn man ein Betriebssystem neu installiert, 
sind alle möglichen Nerv-Funktionen an. Will man einen Film ansehen muss 
man alle 10 min. mit der Maus wackeln, dass nicht plötzlich der 
Bildschirm aus geht. Man graut sich schon davor sich durch die ganzen 
Menüs zu quälen: "Festplatte abschalten: Nie", "Bildschirm abschalten: 
Nie", "Bildschirmschoner: Nie", "Standby: Nie", "Ruhezustand: Nie", 
"Ausschalttaster: Ausschalten" (nicht Standby), nein Programm nicht 
automatisch starten und auch nicht ständig nachfragen. Ich wünsche mir 
auf jeder Msgbox einen Button: "Lass mich in Ruhe!"

Können die nicht einfach mal den ganzen "SMART-Shit" weglassen, der eh 
nie funktioniert?

Die technische Entwicklung scheint in vielen Bereichen einfach still zu 
stehen oder rückwärts zu gehen. Jeder hat einen Supercomputer auf dem 
Schreibtisch stehen, aber irgendwie ist alles zäh und langsam und 
instabil und nervig. Bsp. Ubuntu 11.10 mit Unity oder wie das heißt. Die 
Leiste verschwindet standardmäßig links und taucht erst nach mehrfachem 
Linksanschlag des Mauszeigers wieder auf. Manchmal ist aber auch ein 
Fenster davor. Ich habe mein VMware-Player 3.1 auf 4.0 updaten lassen 
und habe mich später für die Systemwiederherstellung entschieden, weil 
irgendwie nichts mehr ging (langsam, VMware-Tools gehen nicht).

Moderne Tantalkondensatoren sind viel unzuverlässiger (Kurzschluss) als 
ältere Kondensatoren. ICs werden auch unzuverlässig (Bondwires!?). 
Flashspeicher verlieren Daten.

Schaut man sich die Innovationsgebiete an, erkennt man nicht viel: 
Kernfusion - Naja in 50 Jahren. Quantencomputer - in 50 Jahren. 
Elektroauto, Brennstoffzelle - brauchbare Qualität ist viel zu teuer.

Wir werden mit zu viel Ramsch überflutet, aber Dinge, die wirklich 
nützlich wären werden anscheinend nie fertig. Wieso ist das so?

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


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Weil es Dir mit Verlaub an Geduld mangelt.

Als ich Kind war, die Röhre noch Standardbauteil, ein Transistor 
exotisch, telefone hingen soweit verfügbar   am Kabel und das Bild war 
schwarzweis wir kinder trafen uns bei dem dessen eltern so ein gerät 
besaßen. Bei uns daheim war das modernste Gerät ein "Röhrensuper" ohne 
Steroton versteht sich.

Entwicklung braucht Zeit. auch die Entwicklung was als sinnvoll erachtet 
wird. Besonders aber muss der Entwickler eine wirtschaftlichen Vorteil 
für den Investor in absehbarer Zeit glaubhaft machen können. Wenige 
stecken gern Geld in Utopien. Dann doch lieber in Werbung für 
Schnullifax, da kann man die Rendite ziemlich sicher vorhersagen.

Namaste

;-)

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Stefan Helmert schrieb:
> Bsp. Ubuntu 11.10 mit Unity oder wie das heißt.

Ubuntu ist ausdrücklich ein Linux für Anfänger und deswegen auch so 
eingestellt, das es dem Benutzer irgendwelchen Krams abnehmen soll, der 
für einen erfahrenen Benutzer sowieso schon klar ist oder den er lieber 
gar nicht erst auf der Maschine hat. Wenn du ein flottes Linux haben 
willst, warum nimmst du dann nicht Debian oder (für die ganz 
hartgesottenen) Slackware ? Läuft auf meiner alten Desknote Kiste von 
1999 prima.

Stefan Helmert schrieb:
> Moderne Tantalkondensatoren sind viel unzuverlässiger (Kurzschluss) als
> ältere Kondensatoren.

Das stimmt nach meiner Erfahrung auch nicht. Ich habe schon vor 30 
Jahren regelmässig Studer/Revox Tonbandmaschinen auf den Tisch bekommen, 
wo die Mistdinger auf Kurzschluss gegangen sind. Ich gebe aber zu, das 
Elektrolytkondensatoren m.E. schlechter geworden sind - das kann aber 
auch daran liegen, das sie heute in z.B. Schaltnetzteilen viel mehr 
gequält werden als früher mit den ollen 50 Hz aus einem ineffektiven 
Eisenkerntrafo.
Tantalkondensatoren benutzt man eben nicht.

Stefan Helmert schrieb:
> Kernfusion - Naja in 50 Jahren.

Das haben sie übrigens vor 30 Jahren auch schon gesagt.

Stefan Helmert schrieb:
> Quantencomputer - in 50 Jahren.

Und wer braucht ihn dann ? Es gibt nur eine sinnvolle Anwendung für 
sowas und das ist Codeknacken. Die NSA ist also einer der wenigen 
Kunden, und kein kommerzieller Hersteller wird dem nachjagen.

Stefan Helmert schrieb:
> Man schaltet das
> Licht an, kurz darauf schaltet es sich wieder aus, weil das
> Hausautomatisierungsdings merkt, dass es draußen hell ist.

Das ist aber wirklich nicht das Problem des 'smarten' Hauses, das hast 
du selber da eingebaut. Ich z.B. hasse auch Autos, die alles besser 
wissen als ich und habe mir eben eines gekauft ohne diesen ganzen 
Komfort Schnickschnack. Ich stelle die Spiegel von Hand ein, schalte am 
Ganghebel und öffne mein Auto mit dem Schlüssel.
Da ich (wie du) Funkamateur bin, habe ich mir auch mal den Spass 
gemacht, auf einem grossen Parkplatz  mit meiner 70cm Funke einen Träger 
im 433 Mhz ISM Band zu stellen. Was meinst du, wieviel Leute gar nicht 
gemerkt haben, das sie ihr Auto nicht verschlossen haben beim 
weggehen-und-lässig-auf-den-Schlüssel-drücken?
So ein Mist brauche ich auch nicht, da stimme ich mit dir völlig 
überein.
Andererseits bin ich sehr froh, das mein Auto eine Computerschnittstelle 
hat, so dass ich vorbeugend Zahnriemen und Filter wechseln kann und auch 
gleich sehe, ob der Kat funktioniert. Das erspart Überraschungen und ist 
für uns Techniker auch noch ein nettes Spielzeug.

Un du hast vllt. Satelliten-TV? Ist doch cool, und wäre ohne die 
Fortschritte bei den GaAs Transistoren nie möglich gewesen. Ist also 
nicht alles über-smart, sondern manchmal auch gut.

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