Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Abfrage weit entfernter potential-freier Kontakte


von Thorsten K. (rastlos)


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Hallo liebe Bastler,

ich bin gerade dabei eine kleine Schaltung zu realisieren, die insgesamt 
8 verteilte Sensoren abfragt und speziell auswertet (es geht um eine Art 
Alarmanlage).
Die Sensoren liefern über jeweils 2 Relais ihren aktuellen Status, sind 
aber auf dem Gelände verteilt und mit 0,8er Telefonerdkabel mit einem 
zentralen Punkt verbunden. Die Telefonerdkabel führen schon andere 
Steuersignale und ich habe insofern nur drei Adern frei.

An sich sollte die Lösung nicht kompliziert sein:
eine Ader bekommt meine Schaltungsmasse die an beide 
Common-Relaiskontakte angeschlossen wird. Die anderen beiden 
Relais-Kontakte werden über die verbleibenden beiden Leitungen zu meiner 
Schaltung geführt und dann mit PullUps (nicht die ATMEGA eigenen, 
sondern externe) an die Inputs des uC verbunden.

Da die Kabel jetzt allerdings teilweise 200m lang sind und auch draußen 
verlaufen, frage ich mich, welche sinnvollen Schutzmaßnahmen ich 
zusätzlich noch integrieren sollte.

Viele Dank für die Infos

von Falk B. (falk)


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@Thorsten K. (rastlos)

>verlaufen, frage ich mich, welche sinnvollen Schutzmaßnahmen ich
>zusätzlich noch integrieren sollte.

Überspannungsschutz mit Suppressordiode. Niederohmiger Pull-Up, sagen 
wir 1K. Hochohmiger Längswiderstand (10k) + C (100n) zum AVR Pin dür 
Strombegrenzung und Filterung.

Das sollte die meisten Probleme abfangen

MFG
Falk

von optmistischer Optimist (Gast)


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Thorsten K. schrieb:
> an die Inputs des uC

Solch lange Drähte könnten auch eine schöne Antenne sein und viele 
Störungen einsammeln. Deine Eingangsschutzschaltung sollte sie dann 
verkraften.

von Thorsten K. (rastlos)


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Erst einmal vielen Dank für die schnellen Kommentare!

Ich habe mal eben schnell eine Eingangsschaltung gezeichnet - so in etwa 
ist der Vorschlag gemeint, oder?

Was den 100n Kondensator betrifft, vermute ich, dass er nur zu Filter- 
und nicht zu Schutzzwecken gedacht ist. Da das Programm "Prellen" und 
kurze Störungen filtern wird (erst 10 aufeinander gesampelte gleiche 
Werte werden akzeptiert), könnte man diesen Kondensator einsparen oder 
sollte man ihn lieber belassen?

MFG
TK

von Wolfgang (Gast)


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Thorsten K. schrieb:
> Was den 100n Kondensator betrifft, vermute ich, dass er nur zu Filter-
> und nicht zu Schutzzwecken gedacht ist.

Wo siehst du denn den Unterschied zwischen Filter und Schutz. Bei jedem 
Eingangspuls, der die Versorgungsspannung des µC überschreitet, wirkt 
das TP-Filter als Schutz, indem die Pulse durch das C flacher werden.

von Fragemann (Gast)


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Und was schützt VCC vor den äusseren Einflüssen?

von Falk B. (falk)


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Die Suppressordiode ist verpolt. VCC wird über den 1K geschützt, 
schließlich klemmt die Suppressordiode die Spannung. Ach ja, 
Bauteilnamen wären nicht schlecht.

MFG
Falk

von Volker S. (sjv)


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Hallo,

ich würde den µC galvanisch trennen (Optokoppler) und den Primärkreis 
mit höherer Spg (24-48V) betreiben und Schutz wie für Fernmeldeleitungen 
(Varistoren u. Überspannungsableiter) vorsehen. Einige Klemmenhersteller 
bieten Klemmen mit eingebauter Schutzschaltung an. Bei Falks Vorschlag 
sehe ich die Schaltung nach dem ersten Gewitter im Nnahbereich als 
Totalschaden!

MfG

von Thorsten K. (rastlos)


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Noch ein paar zusätzliche Hinweise:
Der angedachte uC soll ein ATMEGA2560@16MHz@5V werden.
Die Kabelverlegung ist vollständig unterirdisch (bis auf im Gebäude 
selbst natürlich). Die Kabel sind geschirmt und einseitig geerdet.

@Falk:
Diode ist korrigiert...
Was meinst du mit Bauteilnamen? Für die Diode hatte ich einen angegeben 
- bei den Widerständen/Kondensatoren hatte ich an Wals-und-Wiesen-Typen 
gedacht...

@Volker S:
Theoretisch ist vor Ort eine 24V Spannunsgversorgung (die speist über 
DC/DC die lokalen Komponenten), die ich nutzen könnte, um Opto-Koppler 
anzusteuern.
Ich habe dabei noch ein paar HCPL-3700 Optos rumliegen - mit Varistoren 
dürften die recht gut geschützt sein.

@all:
Ist eine Opto-Koppler Lösung nicht overkill?
Ich will schon vernünftige Schutzmaßnahmen vorsehen, aber einen direkten 
Blitzschlag überlebt die Schaltung sowieso niemals.
Werden die Störungen bei einseitig geerdetem, geschirmtem und 
vollständig unterirdisch verlegtem Kabel wirklich so groß?
Mir fehlen da einfach die Erfahrungswerte, was sinnvoll ist...

MfG
TK

von Falk B. (falk)


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@  Thorsten K. (rastlos)

>Die Kabelverlegung ist vollständig unterirdisch (bis auf im Gebäude
>selbst natürlich). Die Kabel sind geschirmt und einseitig geerdet.

Wenn die Erdung des Schirms beim uC gut ist, kann man ggf. auf die 
Optokoppler verzichten.

>Was meinst du mit Bauteilnamen? Für die Diode hatte ich einen angegeben

???
Das sind WERTE. Namen sind R1, C1 etc.

>Ist eine Opto-Koppler Lösung nicht overkill?

Jain. Bei 8 Tastern ist das noch machbar.

>Ich will schon vernünftige Schutzmaßnahmen vorsehen, aber einen direkten
>Blitzschlag überlebt die Schaltung sowieso niemals.

Sicher, es gaht aber um indirekten Einschlag, un der kann auch in 500m 
Entfernung noch irdentlich Fehlerspannungen induzieren.

MFG
Falk

von Reinhard Kern (Gast)


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Hallo,

im Prinzip sitzt die galvanische Trennung am falschen Ende: da die 
gesamte Leitungslänge mit dem Prozessorsystem verbunden ist, kommen auch 
alle eingesammelten Störungen dort an. Daher sind Industriesysteme eben 
andersrum aufgebaut, die Eingänge sind für 24V Gleichspannung und über 
Optokoppler getrennt. Da zwar ein Optokoppler, aber dafür keine 
Schutzbeschaltung zum Schutz des Prozessors benötigt wird, ist das nicht 
unbedingt teurer, aber betriebssicherer. Ein weiterer Vorteil ist, das 
jeder Eingang auf ein anderes Potential bezogen sein kann.

Ob es sich lohnt, was zu ändern, wenn es nun mal anders ausgeführt ist, 
weiss man wahrscheinlich erst viel später.

Gruss Reinhard

von Volker S. (sjv)


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Reinhard Kern schrieb:
> Daher sind Industriesysteme eben
> andersrum aufgebaut, die Eingänge sind für 24V Gleichspannung und über
> Optokoppler getrennt.
vom µC, genau so meinte ich das auch!

MfG

von Thorsten K. (rastlos)


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@Reinhard Kern:
Die Aussage mit "verkehrt-herum" verstehe ich nicht ganz.

Aktuell sind alle Sensoren über Telefonerdkabel sternförmig mit dem 
Technikraum verbunden. Diese Sensoren werden mit 24V zentral aus dem 
Technikraum versorgt und stellen Relais-Kontakte zur Verfügung.

Meine erste Idee war vom uC-System die Masse an die Sensoren zu 
verteilen und dann einen PullUp und eine kleine Schutzschaltung zu 
verwenden.

Sollen die Opto-Koppler zum Einsatz kommen, dann würde ich die 
sternförmig-verteilte 24V-Betriebsspannung für die Sensoren zusätzlich 
auf die Relais-Kontakte geben, so dass dann an der Eingangs-Seite der 
Opto-Koppler im Technikraum 24V Gleichspannung ankommt - die uC-Seite 
wäre dann mit sehr kurzen Leitungslängen galvanisch getrennt.

Damit ist dann der uC gut geschützt und im Extremfall ist (hoffentlich) 
nur der Opto-Koppler hinüber - bei gesteckter Version wäre der Fehler 
dann schnell behebbar.
Allerdings wäre es natürlich am schönsten, wenn auch der Opto-Koppler 
sich nicht bei einem Gewitter im Nahbereich verabschiedet.

Volker S hatte dafür jetzt Varistoren und Überspannungsableiter 
vorgeschlagen. Wie würde eine gute Schaltung dafür denn aussehen?

von Reinhard Kern (Gast)


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Thorsten K. schrieb:
> Die Aussage mit "verkehrt-herum" verstehe ich nicht ganz.

Nach dem weiteren Text hast du das schon richtig verstanden: alle 
wesentlichen Störungen entstehen im Kabel. Die galvanische Trennung 
sollte u.a. die Störungen von der Elektronik fernhalten, das ist am 
Prozessor viel wichtiger als an den Relais (die gehen nicht so schnell 
kaputt), also sollte die galvanische Trennung auch das Kabel vom 
Prozessor trennen.

Die Isolationsspannung beträgt bei Optokopplern übrigens bis 5000V, da 
schlägt so leicht nichts zum Prozessor durch. Mit direkter 
Schutzbeschaltung müsste man das erst mal hinkriegen. Reparieren muss 
man u.U. beide, eine Suppressordiode ist nach ernsthafter 
Inanspruchnahme wahrscheinlich kurzgeschlossen.

Gruss Reinhard

von Thorsten K. (rastlos)


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@Reinhard:

Meine Aussage war vielleicht missverständlich formuliert:
Mir geht es um eine Schaltung, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch 
ein sehr nahes Gewitter überleben kann - dabei geht es nicht nur um die 
Komponentenpreise, sondern, dass die Schaltung an einer eher 
unzugänglichen Stelle sitzen wird und eine Reparatur deshalb sehr 
unangenehm wäre.

Nach den Antworten her schätze ich, dass ich einen Opto-Koppler 
einsetzen sollte. Zusätzlich bin ich am überlegen, den Opto-Koppler noch 
so zu schützen, dass ein Austausch nicht nötig sein würde.

Dazu wurde von Volker S eine Kombination von Varistor und 
Überspannungsableiter vorgeschlagen - sollen die beide einfach nur 
parallel gegen Masse geschaltet werden oder wie sähe da eine gute Lösung 
aus?

Ich frage mich dabei natürlich auch, ob dieser zusätzliche Schutz Sinn 
macht - also wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die 
Schutzschaltung vorm Opto-Koppler bei einem schweren Gewitter mir den 
ansonsten fälligen Austausch erspart...

MfG
TK

von Reinhard Kern (Gast)


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Thorsten K. schrieb:
> Dazu wurde von Volker S eine Kombination von Varistor und
> Überspannungsableiter vorgeschlagen - sollen die beide einfach nur
> parallel gegen Masse geschaltet werden oder wie sähe da eine gute Lösung
> aus?

Zunächst mal hast du ja garkeine Masse, sondern nur für jeden Eingang 
einen Plus und einen Minus Anschluss. Die sind gegen zu hohe 
Eingangsspannung zu schützen. Du kannst natürlich alle Minusse zu einem 
GND verbinden, aber ich würde das lassen, weil du damit Überspannung an 
einem der Kabel teilweise auf die anderen überträgst, zumindest wenn die 
GND-Verbindung nicht optimal ist. Vermutlich hast du ja nicht gerade 
einen Staberder neben dem Gerät. Ist aber schon ein komplexes Thema.

Gruss Reinhard

von digitaler fritz (Gast)


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Nimm doch 24V Standard Relais, montiere sie in naechster Naehe deiner uC 
Schaltung und steuere sie ueber deine potentialfreien Kontakte.
Somit hast du sehr kurze und sichere Leitungen zu deinen uC Eingaengen.

Elektromechanik PUR.

von Konrad S. (maybee)


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Thorsten K. schrieb:
> Nach den Antworten her schätze ich, dass ich einen Opto-Koppler
> einsetzen sollte. Zusätzlich bin ich am überlegen, den Opto-Koppler noch
> so zu schützen, dass ein Austausch nicht nötig sein würde.

Du meinst, dem Optokoppler eingangsseitig noch eine Transil-Diode 
einbauen? Kann nicht schaden und ist nicht teuer.

Die angegebene Transil-Diode ist übrigens bidirektional, das Symbol 
stimmt also nicht.

von Thorsten K. (rastlos)


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@Reinhard:
Es ist "leider" so, dass alle 8 Sensoren sternförmig durch ein einziges 
großes MeanWell 24V-Netzteil versorgt werden.
Die Minusse sind also schon alle an diesem Netzteil zu einem GND 
verbunden, wenn man es so bezeichnen will.

Da ich aufgrund der Kabeldimensionierung und Vorbelegung für andere 
Aufgaben nur noch drei freie Adern für die zwei Relais habe, muss ich 
etwas tricksen.

Ich kann also nun entweder + oder - von der 24V-Versorgungsspannung auf 
die Relaiskontakte geben und über das Kabel zu meinem uC leiten - den 
anderen Anschluss müsste ich lokal vom zentralen Netzteil nehmen...

Ich tendiere dazu +24V über die Leitung zu schicken und "-" oder 0V 
lokal vom Netzteil zu nehmen - oder ist es andersherum die geschicktere 
Lösung?

@digitaler Fritz:
Das verbrennt natürlich einiges an Energie, aber ist vom 
Preis-/Leistungsverhältnis der Bauteile sicherlich sehr gut. Die Spule 
dürfte außerdem recht unempfindlich sein, oder irre ich mich da?

@Konrad S:
Eine Transil-Diode bzw. wie Volker S meinte mit Varistor und 
Überspannungsableiter - in Kombination schon recht teuer - deshalb frage 
ich mich ob das wirklich lohnt - zwar ist der Demontage-Aufwand immens, 
aber es sollte dann auch wirklich helfen...

Was das Symbol angeht, verwende ich TARGET3001 für die Leiterplatten und 
das bietet leider nicht das korrekte Symbol...

von Reinhard Kern (Gast)


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Thorsten K. schrieb:
> Ich tendiere dazu +24V über die Leitung zu schicken und "-" oder 0V
> lokal vom Netzteil zu nehmen - oder ist es andersherum die geschicktere
> Lösung?

Bleib bei der Industrienorm Eingang +24V = logisch 1, also die -24V als 
Common GND. Dann kannst du auch mit handelsüblichen SPSen 
zusammenarbeiten.

Gruss Reinhard

von Wolfgang (Gast)


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Reinhard Kern schrieb:
> Bleib bei der Industrienorm Eingang +24V = logisch 1, also die -24V als
> Common GND.

Sind das dann 48V oder sind die Anschlüsse "24V +"  und "24V -" gemeint?

von Falk B. (falk)


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@  Wolfgang (Gast)

>Sind das dann 48V

nein.

>oder sind die Anschlüsse "24V +"  und "24V -" gemeint?

+24V und 0V, aka Masse.

von Reinhard Kern (Gast)


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Wolfgang schrieb:
> Sind das dann 48V oder sind die Anschlüsse "24V +"  und "24V -" gemeint?

Sorry, war etwas unexakt. Natürlich +24V -> "24V +" und 0V -> "24V -".

Gruss Reinhard

von Volker S. (sjv)


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Hallo,

Überspannungsschutz findest Du hier:

http://eshop.phoenixcontact.de/phoenix/treeViewClick.do?UID=852610649&parentUID=&reloadFrame=true

Das 24V Netzteil und Verdrahtung sollten auch räumlich (im 
Schaltschrank) vom µC getrennt sein!

MfG

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