Forum: Platinen Vergleich Lötzinne: Felder EL Sn100Ni+ und Amasan BF32-3


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von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Hallo Lötgemeinde,

nachdem ich das vor längerer Zeit versprochen und immer wieder 
aufgeschoben hatte (eigenes Unternehmen geht halt vor, aber heute ist 
komischerweise nichts los ;-), folgt hier unsere - mein Mitarbeiter hat 
auch getestet - Einschätzung zu folgenden bleifreien Lötzinnen:

Felder ISO-Core EL Sn100Ni+ (SN99,3CuNiGe) mit 3,5% Flux
(100g etwa 8 Euro)

und

Amasan BF32-3 (Sn95Ag4Cu) auch 3,5% Flux
(100g etwa 13 Euro)

jeweils mit 0,5mm Durchmesser.

Gelötet haben wir zu jetzt knapp zwei Monate jeweils mit beiden Zinnen 
zu etwa 50% mit einer Weller WECP-20 (50W, 350°C). Um einen guten 
Vergleich zu haben, wurden Baugruppen unterschiedlichster Art gelötet 
(u.a. TQFP-64 und auch 6,3mm Steckzungen) und jeweils gleiche Lötstellen 
direkt hintereinander einmal mit Felder und dann die nächste direkt mit 
Amasan gelötet. So sollte das halbwegs objektiv sein. Dazu kommen noch 
weitere Beobachtungen, die man so nebenher macht.

Zum Bild: das sind die Rollen so, wie sie kommen. Die 100g-Amasanspule 
hat denselben Körper wie die 50g-Einheiten, so dass der Wickel gerade 
noch draufpasst - das ist beim Löten ziemlicher Murks, da sich das Zinn 
gerne von selbst in Spiralen abwickelt. Ob man die paar Cent für eine 
größere Spule sparen musste? Um damit gut arbeiten zu können, habe ich 
das erstmal umgespult. Auf jeden Fall ist das ein Punkt für Felder.

Grundsätzlich kann man sagen, dass mit beiden Zinnen bei passender 
Temperatur (350°C) vernünftig bleifrei gelötet werden kann. Die Zinne 
sind nicht mehr zu vergleichen mit denen der ersten Generation, die wir 
hier getestet haben.

Allerdings gibt es doch Unterschiede:
So schmilzt und verläuft das Amasan besser, insbesondere, wenn z.B. bei 
Steckzungen wirklich Leistung gebraucht wird. Einmal war unsere Station 
so am Anschlag, dass Amasan noch zerfloss, das Felder aber nicht mehr.

Was beim Felder nicht so schön ist: es gibt deutlich mehr "Schmodder", 
also Flussmittelrückstände, sowohl auf der Lötstelle als auch an der 
Spitze - hier muss man öfter reinigen.

Was uns noch aufgefallen ist: das Felder lässt sich viel leichter biegen 
(die Durchmesser sind aber jeweils 0,5mm - haben wir nachgemessen)und 
gefühlt benötigt man davon pro Lötstelle mehr. Ich würde fast vermuten, 
dass das Felder viel mehr Flussmittel als die angegebenen 3,5% enthält.
Oder der Silberanteil in der Legierung macht das Zinn so viel zäher.

Was meiner Meinung nach ein großer Vorteil des Amasan ist: es lässt sich 
viel problemloser nachlöten. Das Felder bildet deutlich schneller Haut 
aus und wird teigig. Das Flussmittel im Amasan ist da wirklich besser.

Wer daran interessiert ist: optisch sind die Lötstellen des Amasan 
natürlich eine Augenweide (durch den Silbergehalt): schön glänzend, 
wirklich kaum von verbleiten Lötstellen unterscheidbar. Da fällt das 
Felder etwas ab.

Der Preisunterschied?
5 Euro Unterschied sind wohl für den kleinen Geldbeutel viel - 
allerdings muss man bei 100g schon viel löten.

Wir haben für uns jedenfalls die Entscheidung getroffen, dass wir weiter 
nur Amasan einsetzen werden. Es ist einfach noch besser als das Felder 
und der Preisunterschied wird durch die gesteigerte Freude und 
Einfachheit beim Löten mehr als aufgefangen.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: das Felder ist absolut 
brauchbar. Aber das Bessere ist der Feind des Guten ;-)

Was man auf jeden Fall vergessen sollte, sind die Sprüche: "Bleifrei 
kann man vergessen, verbleit ist viel besser."
Das ist heutzutage einfach falsch - mit der erhöhten Temperatur von 
350°C sind die Zinne absolut gleichwertig im Fließverhalten und 
Benetzungsfähigkeit - ebenso auch von der Haltbarkeit und der Optik her. 
Es gibt statistisch zumindest bei uns auch nicht mehr kalte Lötstellen 
bzw. lotbedingte Ausfälle als früher.

Also bitte merken: Bleifrei zu löten ist heutzutage genauso einfach wie 
das verbleite Löten.

Chris D.

Nachträgliche Ergänzung: Was ich noch vergessen hatte: das Felder (bzw. 
vermutlich das Flussmittel) stinkt deutlich mehr und fieser. Ist 
natürlich nur eine subjektive Einschätzung von uns beiden hier, aber ich 
wollte es noch erwähnen :-)

von TJ (Gast)


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Danke Chris,

das deckt sich ja mit den Angaben hier: 
http://www.shop.display3000.com/werkstatt/loetzinn-lote/index.html

wobei das dort ebenfalls getestete SN99AG+ ja irgendwo zwischen den 
beiden von dir getesteten Lötzinns liegt. Hattest du das auch ausrobiert 
oder nur das SN100+?

DANKE

TJ

von Tommy S. (tommys)


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Hi Chris,

auch von mir ein Dankeschön für diesen Beitrag! Wir sind hier auch 
gerade dabei, diverse Zinne auszuprobieren und in dem Fall muss das 
Amasan unbedingt auch noch mit in den Test...

Grüße,
TommyS

von whatever (Gast)


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Hallo Chris, Dir ist da leider ein böser Fehler unterlaufen. Du lötest 
mit der falschen Temperatur. Die von Felder empfohle ist 370 Grad. Klar 
dass Dir da beim Vergleich dass, aufgrund des Silbers, schneller 
schmelzende Lot gefällt. Seit ich das Felder mit 370 verlöte will ich 
nix anderes mehr.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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whatever schrieb:
> Hallo Chris, Dir ist da leider ein böser Fehler unterlaufen. Du lötest
> mit der falschen Temperatur. Die von Felder empfohle ist 370 Grad. Klar
> dass Dir da beim Vergleich dass, aufgrund des Silbers, schneller
> schmelzende Lot gefällt. Seit ich das Felder mit 370 verlöte will ich
> nix anderes mehr.

Wie haben natürlich auch mit der Temperatur gespielt, sind aber wieder 
bei den 350° gelandet. Bei uns wurde das Lötergebnis darüber nicht 
wirklich besser.

Wie gesagt: das Felder ist nicht schlecht.

Chris D.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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TJ schrieb:
> Danke Chris,
>
> das deckt sich ja mit den Angaben hier:
> http://www.shop.display3000.com/werkstatt/loetzinn-lote/index.html

Oh, hatte ich gar nicht gesehen - aber ich kann deren Ergebnis 
eigentlich nur bestätigen.

> wobei das dort ebenfalls getestete SN99AG+ ja irgendwo zwischen den
> beiden von dir getesteten Lötzinns liegt. Hattest du das auch ausrobiert
> oder nur das SN100+?

Nein, wir hatten jetzt nur das SN100+

> DANKE

Bitte :-)

Chris D.

von hmm.. (Gast)


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Danke für den interessanten Test Chris.

Habt ihr vielleicht auch Erfahrungen zur Standzeit der Lötspitzen 
gemacht?
Mit einigen alten ersa Spitzen hab ich einen deutlich erhöhten 
Verschleiß mit bleifreiem Lot bemerkt.

von Olaf (Gast)


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> Also bitte merken: Bleifrei zu löten ist heutzutage genauso einfach wie
> das verbleite Löten.

Naja, das war auch schon vor Jahren so als es das erste Lot mit 
Nickelanteil gab. Damit kann man wirklich genausogut loeten wie mit 
verbleit.
Es ist aber auf dem Bastel/Entwickler-Tisch trotzdem schlechter weil die 
hoehere Temperatur und das schnellere erstarren zu einer staerkeren 
Beanspruchung fuehrt wenn man Teile mal wiede ab oder umloeten muss.

Ein anderer Sache die mir sorgen macht ist das Nickel selbst. Wenn ich 
so  eine Weile damit loete dann bekommt man immer so einen metallischen 
Geschmack im Mund.

Ein anderes Problem:
http://www.welt.de/wissenschaft/article9108465/Ausloeser-der-Nickelallergie-ist-gefunden.html

Ich zitiere mal daraus:

Nickel ist das mit Abstand häufigste Kontaktallergen. Fünf bis zehn 
Prozent der Bevölkerung gelten als sensibilisiert. Bei ihnen kann das 
Metall, das etwa in Modeschmuck, Jeansknöpfen, Uhren und Münzen 
enthalten ist, stark juckende Ekzeme auslösen. Nach aktuellen 
Schätzungen sind in Europa 65 Millionen Menschen von einer 
Nickelallergie betroffen.


Das konnte ich zwar bei mir noch nicht beobachten, eroeffnet aber ganz 
neue Moeglichkeiten der Berufskrankeiten fuer ET-Ings. .-)

Olaf

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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hmm.. schrieb:

> Habt ihr vielleicht auch Erfahrungen zur Standzeit der Lötspitzen
> gemacht?
> Mit einigen alten ersa Spitzen hab ich einen deutlich erhöhten
> Verschleiß mit bleifreiem Lot bemerkt.

Wir haben hier weiterhin die ganz normalen Lötspitzen von Weller und 
meiner Meinung nach extrem wenig Verschleiß.
Natürlich hauen wir hier nicht täglich fünf Schaltungen raus, aber 
allein mit der letzten Lötspitze löte ich jetzt schon über vier Jahre.

Also: Erhöhten Verschleiß konnte ich bisher nicht feststellen.

Wir reinigen unsere Spitzen übrigens immer mit "Zinnfix". Ist ein 
winziges Döschen, auch von Amasan, hält aber ewig. Das Zeug ist 
richtig gut und die Lötspitze danach wie neu. Seit wir das BF32 
einsetzen, kommt wie geschrieben, das "Verdrecken" der Spitze fast nicht 
mehr vor.

Zum Nickel: ich denke auch, dass das nicht unbedingt gesundheitsfördernd 
ist - war das Blei aber erst Recht nicht.
Und: mit dem BF32 gibt es ja einen nickelfreien Ersatz :-)

Chris D.

von blei (Gast)


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bf32-3 finde ich auf der amasan webseite micht, nur -1 ?

Link ?

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Ja, das habe ich damals auch gesucht. Keine Ahnung, warum das nicht 
aufgelistet ist. Wir haben die direkt angeschrieben.

Gekauft haben wir unser Lötzinn übrigens auch über display3000.

Chris D.

von Frank (Gast)


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Hallo,

erstmal Danke für den Beitrag! Was sagt die -3 am Amasan aus? Den Anteil 
Fußmittel?

Frage an Chris: Verwendest Du zusätzliches Flußmittel, wenn ja welches?

Gruß

Frank

von Uli (Gast)


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Ich bin grade zufällig über euren Test gestolpert. Das mit dem 
Nickelanteil würde ich nicht überbewerten. Der Anteil liegt unter 0,1% 
zumindest wenn man den ZusammensetzuungsAngaben glauben kann. In jeder 
Küchenspüle, Edelstahlkochtopf, auch Messer, Gabel usw sind wenigstens 
10% Nickel also locker das 100 fache enthalten. Und auch einen 
metallischen Geschmack im Mund würde ich nicht dem Minianteil Nickel 
anlasten. Rostfreier Stahl wird ja grade auch deswegen eingesetzt, weil 
er keinen Geschmack hat. Eisen allein oder auch Alu schmeckt dagegen 
ziemlich eklig.

von Lötspitze (Gast)


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Also ich bin heute auch endlich mal zum Löten mit meiner neuen Weller 
WSD-81 Lötstation gekommen und habe zum Löten das Sn100Ni+ Lötzinn mit 
3,5 % Fluxanteil von Felder, sowohl in 0,5 mm und 1,0 mm Lötdrahtdicke 
verwendet.

Das Löten ging damit verhältnismäßig gut, insbesondere mit dem 0,5 mm 
Draht.
Allerdings war das Nachlötverhalten eher schlecht und wenn's mal dran 
war, dann ging es auch eher schlecht mit der für das bleifrei Löten 
geeigneten Solder-Wick Entlötlitze weg.
Da war ich dann doch sehr enttäuscht, ob es an der Entlötlitze oder dem 
Lötzinn lag weiß ich allerdings nicht, ich habe heute beide zum ersten 
Mal verwendet.

Auch war das Lötverhalten bei meinem MSP430 Launchpad beim Anlöten des 
mitgelieferten Quarzkristalls ebenfalls sehr schlecht. Die zwei 
Leitungen des Quarzkristalls gingen noch sehr gut, aber das Gehäuse lies 
sich nur sehr schlecht mit der Platine und der dafür vorhergesehenen 
Kupferfläche verbinden.
Das Anlöten der 10 Pin Steckkontaktleisten des MSP430 Launchpads ging 
dagegen wesentlich besser, aber hier kam es auch bei zwei Pins vor, daß 
sich das Lötzinn partout nicht mit den Lötstellenlöchern der Platine 
verbinden lassen wollte und da die Entlötlitze (siehe oben) auch fast 
nichts von dem Lötzinn wieder aufnahm, war es auch schwer, das Lötzinn, 
daß zuviel drauf war, wieder herunterzukriegen.

Bei meinem LCD-Display mußte ich einen 8 Pin IC und einen Widerstand und 
einen Kondensator in 0805 SMD Bauweise anlöten.
Problematisch war es auch hier, wenn man nachlöten mußte.
Z.b. um den IC zu verrücken oder den Widerstand oder Kondensator gerade 
auf die Platine zu drücken.

Im Prinzip war es also ein One-Shoot-Only Löten, d.h. beim ersten mal 
mußte es sitzen, dann konnte man ordentliche Lötverbindungen löten, aber 
jedes Nachlöten oder entfernen von zu viel Lötzinn wurde zur Tortour, 
bzw. erforderte, dass man für meinen Geschmack zu lange auf der 
Lötstelle mit dr Lötsptue verharren mußte.
Das spricht dafür, dass man hier ohne extra Flußmittel dann nicht mehr 
weiterkommt.
Ich hatte leider nur nen X32-10i Mini-Fluxer zur Hand, mit dem war es 
eher schwierig genug Flussmittel auf die Lötstelle zu bringen.
Mit einem Fläschen in Tropfenform dürfte es wohl deutlich besser gehen.

Das Fließverhalten des Felder SN100Ni+ war dagegen sehr gut, da kann ich 
nicht meckern, auch die fertigen Lötstellen sehen eigentlich ganz gut 
aus und glänzen.


Allem in allem würde sich sagen, dass man es zwar durchaus benutzen 
kann, aber dann sollte man zusehen, dass es gleich am Anfang richtig 
sitzt oder man genug extra Flußmittel zur Hand hat.

Wenn ich das nächste mal aber wieder neues Lötzinn kaufen würde, dann 
würde ich aber auf alle Fälle eher das obige Amasan BF-32 ausprobieren.
Da ich allerdings jetzt zwei neue dicke 0,1 kg Sn100Ni+ Lötzinnrollen 
habe und selbst momentan noch nicht so viel löte, werde ich damit noch 
eine ganze Weile auskommen müssen.

von Lötzinn (Gast)


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Ich vergaß.

Ich habe meine WSD-81 auf eine Löttemperatur von 350 °C eingestellt und 
damit ging das beim Ersten mal anlöten eigentlich ganz gut, zum 
Nachlöten oder für Korrekturen kann es allerdings sinnvoll sein, die 
Löttemperatur etwas zu erhöhen.
Ich habe das allerdings erstmal noch nicht gemacht.

von Guido (Gast)


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Lötzinn schrieb:
> zum
> Nachlöten oder für Korrekturen kann es allerdings sinnvoll sein, die
> Löttemperatur etwas zu erhöhen.

Nein, das hast du schon richtig erkannt: Zum Nachlöten oder zur 
Benutzung
von Entlötlitze ist frisches Flussmittel nötig, Das ursprüngliche ist ja
schon verbrannt.

von Carsten S. (dg3ycs)


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Hi,

Da bei mir jetzt die Jährliche "Neuaufstockung" meiner Lötzinnvorräte 
fällig war habe ich mich der Empfehlung von Chris mal angeschlossen und 
mal 250g Spulen des Amasan BF32-3 mitgeordert.

Und ich muss sagen von den Löteigenschaften bin ich (fast) begeistert. 
Absolut kein Vergleich zu meinem vorher verwendeten Bleifreien Lot.
(Edsyn FSW34, L-Sn95,5Ag3Cu0,7). Das habe ich wirklich nur verwendet 
wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt. Fand ich einfach grausig.

Mit dem Amasan BF32-3 kommt da dann schon dem bisher von mir bevorzugtem 
Bleihaltigen Lot (Amasan ED26Cu) sehr na. Aber halt nur sehr nah, nicht 
identisch...

Chris D. schrieb:
> Zum Bild: das sind die Rollen so, wie sie kommen. Die 100g-Amasanspule
> hat denselben Körper wie die 50g-Einheiten, so dass der Wickel gerade
> noch draufpasst - das ist beim Löten ziemlicher Murks, da sich das Zinn
> gerne von selbst in Spiralen abwickelt.

JA, das ist bei denen so Üblich, wundere ich mich seit JAhren drüber und 
finde es immer wieder aufs neue nervig. ICh verwende ja in der Regel die 
250g Spulen, die 100g habe ich nur im Werkzeugkoffer, aber auch die 250g 
Rollen sind bei den 0,5mm Draht bis über die KAnte aufgespult, wenn auch 
nicht ganz so weit wie bei 100g. (Liegt wohl daran das bei den dickeren 
Drahtstärken noch ausreichend überstand des Plastiks ist und die 
unbedingt für alle Drahtstärken dieselbe Spule verwenden wollen.
NAch 1-2 Stunden arbeit hat sich das Problem aber dann meist erledigt. 
Besonders bei den 100g Spulen.

Chris D. schrieb:
> Was man auf jeden Fall vergessen sollte, sind die Sprüche: "Bleifrei
> kann man vergessen, verbleit ist viel besser."
> Das ist heutzutage einfach falsch - mit der erhöhten Temperatur von
> 350°C sind die Zinne absolut gleichwertig im Fließverhalten und
> Benetzungsfähigkeit
Naja - HIER muss ich zumindest etwas widersprechen. In Hinblick auf das 
Fließverhalten und die Benetzungsfähigkeit hast du natürlich recht. Es 
gibt ja sogar einige Bleihaltige Lote die sich deutlich schlechter 
handhaben lassen als das BF32-3. Auch das Flussmittel finde ich jetzt 
nicht so stark reizend wie alle bisherigen.

ABER: MAn darf halt nicht vergessen das für die Verarbeitung die höhere 
TEmperatur zwingend notwendig ist. Das ist auf jeden Fall ein deutlicher 
Nachteil. Erst recht für ungeübte Löter.
Und ein anderer wichtiger Punkt ist auch noch der Preis. Da ich jetzt 
nachbestellt habe kann ich recht gut die Menge an verbrauchtem 
Bleifreien Lot in den letzten 13Monaten und 8 Tagen bestimmen. Das waren 
5 komplette 250g Rollen sowie eine angebrochen (ca. 1/2 noch voll). Dazu 
noch ungefähr 3/4 der 100g Spule aus meinem Transportablen Koffer.
In etwa also 6x250g = 1,5kg. (Ich kaufe trotz des etwas geringeren 
Preises keine 1KG Rollen da ich die 250g einfach als für mich ideale 
Größe von der HAndhabung Empfinde...)

Eine 250g Rolle ED26Cu kostet mich im Einkauf knapp 6 Euro. Die 250g 
Rolle
0,5mm BF32-3 kommt auf etwa 30 Euro, in 1mm etwa 23 Euro.
Es ist also gut der Fünffache Preis! Ersparniss für mich durch die 
Verwendung des Bleilotes wo es geht also 144Euro pro Jahr.
Das ist jetzt nicht WIRKLICh eine Summe wo man sich ein Bein für 
ausreissen würde. Aber zwei -dreimal mit der Freundin gut Essen gehen 
ist das schon.

Bei einem reinen Hobbyisten ist der Verbrauch natürlich wohl einiges 
geringer, als Schüler hatte ich 1-2 Spulen pro Jahr, dafür schlägt das 
dann direkt und vollständig aufs Privatvermögen. Bei einem 
gutverdienenden Ing wird der darüber lachen, aber für den Schüler und 
nicht wenige Studenten machen 50Euro Unterschied alleine für Lötzinn 
schon eine Menge aus. Selbst wenn es um den Jahresvorrat geht.
Und die Schüler sind ja nicht die einzigen den es so geht, so manch ein 
Azubi in einem der hinscihtlich Ausbildungsvergütung häufig eher 
schlecht
bezahlten HAndwerksberufen muss sicher auch eher Kämpfen. (Wir hatten 
damals,1997, in der Berufsschulklasse R&F-Techniker sowie Büro-jogis die 
teilweise mit 300DM nach hause gegangen sind  wo wir IndustrieAzubis 
alle ab1000 DM Aufwärts hatten, schon im ersten LJ. )
Genauso wie jemand der- aus welchen Gründen auch immer- gerade auf 
Staatliche Leistungen angewiesen ist.

NAtürlich gibt es auch deutlich billigere Bleifrei-Legierungen - nur 
haben die dann definitiv wieder GRAUSAME Löteigenschaften so das man die 
sicher nicht verwenden will.

Chris D. schrieb:
> - ebenso auch von der Haltbarkeit und der Optik her.
> Es gibt statistisch zumindest bei uns auch nicht mehr kalte Lötstellen
> bzw. lotbedingte Ausfälle als früher.

Ehrlich gesagt glaube ich auch nicht das es bei den morderneren 
Legierung tatsächlich noch so riesige Unterschiede macht. Aber das ist 
halt nur ein GEfühl. Ich würde zumindest zum Derzeitign Stand der Dinge 
deshalb niemals UNTERSCHREIBEN das die Eigenschaften wirklich gleich 
sind. Dazu sind die Betrachtungszeiträume noch zu kurz und noch ist gar 
nicht alles erfasst.
Zumal ja die ersten Bleifrei Generation teilweise definitiv 
Problembehaftet waren. ICh habe da so einige Geräte der ersten Zeit 
schon gesehen die heute einfach nur im erbärmlichen Zustand sind.

Aber um für mich ein Fazit zu ziehen:
Wenn man schon Bleifrei arbeiten muss, dann ist das von Christian 
vorgestellte AMASAN BF32-3 auch meiner, bis jetzt nur kurzen, Erfahrung 
nach eine wirklich gute Wahl die einem im Vergleich zu vielen anderen 
bleifrei-Loten das Löten wieder freude machen lässt.

Der Aussage das dadurch aber das Bleihaltige Löten für diejenigen die es 
noch dürfen überflüssig geworden ist und auch Hobbyisten nun damit 
Bleifrei arbeiten sollten, (zumindest habe ich die Aussage so 
aufgefasst) möchte ich mich aber keinesfalls Anschließen, da selbst die 
"guten" BF Lote noch einige , wenn auch kleine, NAchteile wie höhere 
Verarbeitungstemperatur und deutlich höherer Preis haben -
Im Gegenzug aber keinerlei Vorteile gegenüber dem bleihaltigen Lot 
bieten.

Daher würde ich immer noch sagen:
Wer noch Bleihaltiges Lot einsetzen darf soll es ruhig überall da machen 
wo er kann - WENN aber Bleifrei gefordert ist macht es ein 
"hochwertiges" Lot wie dieses zumindest "sehr Schmerzarm" dies 
umzusetzen.

Gruß
Carsten

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Carsten Sch. schrieb:
> als Schüler hatte ich 1-2 Spulen pro Jahr

Man sollte das Zeug aber nicht essen. ;-)

Ich verbrauche vielleicht eine Rolle in 10 Jahren.  OK, ein paar
Gramm Lötpaste außerdem noch (ist auch nicht ganz billig), aber
trotzdem kein Vergleich.

von Stefan (Gast)


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Carsten Sch. schrieb:
> Die 250g Rolle 0,5mm BF32-3 kommt auf etwa 30 Euro, in 1mm etwa 23 Euro.

Der Hersteller bzw. einer der Gesellschafter scheint viele Armack 
Produkte, darunter auch die bleifreien Lötdrähte amasan BF 32-3 und BF 
26-3, inzwischen in einem eigenen Online Shop (soldanshop24.de ) zu 
günstigeren Preisen zu verkaufen: 250 g BF32-3 in 0,5 mm Stärke z.B. zu 
18,48 €, in 1 mm zu 16,48 €.

von Ralf (Gast)


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Ich wollte das gerade da bestellen, die Preise von Dir stimmen überhaupt 
nicht Stefan.

100 g BF32-3 in 0,5 mm Stärke kosten 14,95 Euro
250 g BF32-3 in 0,5 mm Stärke kosten 36,92 Euro

Da ist das bei dem genannten Display3000 Link aber 20% günstiger
http://www.shop.display3000.com/werkstatt/loetzinn-lote/index.html


Ralf

von Max (Gast)


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Hallo, habe letzte Woche BF32-3 beim soldanshop24 bestellt, scheinen 
neue Preise zu haben, also viel günstiger als hier steht. Und Sie haben 
den Draht extra auf eine größere Spule umgespult, werden wohl in Zukunft 
auch so ausgeliefert, laut Mail.

von Ratgeberbär (Gast)


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So, ich habe jetzt auch mal einen nichtrepräsentativen Vergleichstest 
gemacht. Amasan 32-3, Felder Sn100Ni+ sowie ein "normales" bleifreies 
Lot mit der gleichen groben Legierung wie Amasan (Sn96Ag4Cu).
Ich habe auf einer Streifenraster-Platine ca. 100 Lötstellen mit Amasan, 
Felder und 08/15 gelötet, und dann versucht, den Lötzinn nach oben 
abzureißen. Die Ergebnisse waren wie folgt: vom makroskopischen 
Lötverhalten gab es ei 355 °C einen winzigen Vorteil für Amsan, bei 375 
für Felder. 08/15 hat völlig versagt, bis es mit der Platine legierte, 
dauerte es ca. doppelt so lang wie mit den anderen. Das meiste Lötzinn 
klammerte sich an die Spitze des Welder Lötpencils.
Unter dem Mikroskop sieht das Amasan ganz leicht besser aus. Die 
wenigsten Lötstellen sind 100% blank. Die meisten haben kleine Inseln 
von kristalliner Materia. Der Benetzungswinkel ist bei Amasan kleiner, 
was gut ist. Allerdings schlug sich das nicht in einem weiteren 
Verfließen des Lötzinns nieder. Alle Lote bleiben mehr oder minder +-200 
um an der Lötstelle. Blei-Lötzinn fließt unter den gleichen Bedingungen 
erheblich weiter.
Beim Abrisstest ist eine Lötstelle von 08/15 gerissen, ohne die Bahn 
mitzunehmen. Das habe ich - als ich nur mit dem zeug gelötet habe - 
leider öfters auch an Lötpfosten etc. Pins beobachtet. Da gingen Drähte 
bei Belastung einfach ab, trotz optisch einwandfreier Lötstelle. 
Besonders auf Goldoberflächen.
Felder ist gar nicht abgegangen ohne Bahn und bei Amasan ist eine 
Lötstelle abgerissen, hat aber die Bahn leicht mit angehoben.
Beim Löten hat das Amasan deutlich mehr Flussmittel verspritzt als das 
Felder. Sehr ekelig.
Dann habe ich noch einen Dochttest gemacht: 0,4er Kupferlitzen 
abisoliert und von der Spitze verzinnt. 08/15 hat sich schlecht 
reingesaugt. Amasan und Felder makroskopisch und mikroskopisch  gleich. 
Gegenüber bleihaltigem Zinn sind allerdings bei ein schlechter Witz fürs 
Litzenverzinnen!

Meine Zusammenfassung: Ich sehe keinen praktisch relevanten Unterschied 
zwischen Amasan und Ni100+. Maximal der niedrigere Schmelzpunkt. 
Ansonsten sind die beiden super ähnlich. Auf einer Skala von 1 bis 10, 
wobei 10 bleihaltiges Zinn ist, würde ich beide auf 7 setzen und das 
08/15 auf 4. 1 wäre dann eines der wirklich garstigen, first gen 
Sn100Cu-Lote, die nun wirklich gar nicht gingen.
Was immer man günstig bekommt, sollte man also bedenkenlos nehmen, wenn 
es denn bleifrei sein soll. Eventuell ist das Felder mit Silber etwas 
besser als die beiden hier getesteten, ich habe es allerdings nirgendwo 
kaufen können.

Hoffe meine Infos helfen.

von ZF (Gast)


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Ratgeberbär schrieb:

> Eventuell ist das Felder mit Silber etwas
> besser als die beiden hier getesteten, ich habe es allerdings nirgendwo
> kaufen können.

Bürklin hats, z.B.:
11L2680 Sn99Ag0,3Cu0,7NiGe 1% Flux
11L2640 Sn99Ag0,3Cu0,7NiGe 3,5% Flux
11L2586 Sn96,5Ag3,0Cu0,5

von Lötneuling (Gast)


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Hallo zusammen,

ich möchte mit dem Löten anfangen und suche mir gerade die Utensilien 
dazu zusammen. Ich möchte direkt mit dem bleifreien Löten loslegen und 
bin dadurch auf diesen Thread gestoßen. Das BF32-3 scheint ja gerade für 
als Anfänger besonders geeignet zu sein.

Auf der Webseite des Herstellers ist es jedoch nicht mehr zu finden. 
Auch im Handel ist es kaum zu erhalten. Wurde es eingestellt? Falls ja: 
Welches sollte ich nehmen, um möglichst ebenbürtige gute Eigenschaften 
zu haben?

Ich fand dieses hier: 
http://www.armack.de/de/a-195/amasan-loetdraht-bf26-3?category=125. Es 
ist fast identisch, bis auf das Flussmittel. Es enthält Halogenide als 
Aktivator, während das BF32-3 einen Aktivator enthielt, der nicht auf 
Halogenidbasis ist. Was bedeutet das in der Praxis?

Ich bin dankbar für jeden Rat / Tip.

VG,
Lötneuling

P.S.: Falls das BF32-3 tatsächlich nicht mehr verkauft wird, wäre es 
gut, diesen Info hier upzudaten: 
https://www.mikrocontroller.net/articles/L%C3%B6ten#Bleifreies_L.C3.B6ten

von Rudi P. (Firma: keine) (rudippunkt)


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