Affige Bezeichnungen

OP #2628981
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Wer hat eigentlich den Begriff "Hochsetzsteller" erfunden?
In einigen Beiträgen liest man das immer mal wieder.

Wiki sagt: den Begriff gibt´s wirklich....
gruselig.
Es hieß doch vorher auch bloss "Aufwärtsregler", und wenn er nicht 
regelt, dann halt "Aufwärtswandler" oder neudeutsch step up converter.

Warum muss man da nochmal einen so dämlichen Namen dazu erfinden?

Man hat den Eindruck, dass da irgendwelche hoch wichtigen 
Berufsschulbuch Autoren die Nase zu weit im Wind haben.

Grusel....

Bitte noch mehr solche Beispiele!
Moderator #2629005
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Es gibt in der Elektronik fast nur gruselige Bezeichnungen:

Die deutschen Bezeichnungen sind sowieso gruselig, die englischen sind
es erst recht, nur macht man sich dort als Deutscher weniger Gedanken
darum, aber am gruseligsten sind die vom Englischen wörtlich ins
Deutsche übersetzten.
#2629045
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Stefan M. schrieb:
> Wer hat eigentlich den Begriff "Hochsetzsteller" erfunden?

Irgendwie witzig, dass du gerade diesen Begriff als Beispiel für "affig" 
verwendest. Denn die IT-Welt hat diesbezüglich ja deutlich härteren 
Stoff zu bieten:

1. Affige Firmen- und Produktbezeichnungen: Der (Un-)Kreativität bei der 
Benennung von Start-Ups, Handies oder Netbooks sind keine Grenzen 
gesetzt...
2. Affige Versionsbezeichnungen: Unlogische Nummerierung, sinnfreie 
Namenszusätze, ständig wechselnde Schemata usw. (95, 98, Me, XP, 7 - um 
ein noch harmloses Beispiel zu nennen.)
3. Englisch-Wahn (No go), aber auch...
4. ... Zwangseindeutschen (Kellerspeicher...)
#2629048
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Uhu Uhuhu schrieb:
> Pink Shell schrieb:
>> Unterbrechungsanforderung ist auch so ein Wort.
>
> Und was ist der Unterschied zu interrupt request?

Keiner. Trotzdem sind solche Zwangseindeutschungen mühsam. Weil man den 
Sachverhalt unter dem englischen Begriff kennt und den eingedeutschten 
Begriff zuerst zurück ins Englische übersetzen muss, um ihn zu 
verstehen. Hast du ja in deinem Posting auch gemacht.
#2629058
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Nicht alles, was gewaltsam eingedeutscht klingt, ist es auch. Nur ist 
der Fachjargon seit Jahrzehnten englisch und da klingen mangels häufiger 
Verwendung deutsche Begriffe oft etwas schräg und unverständlich. Man 
sollte dabei nicht aber vergessen, dass es vor den Dominanz des 
Englischen auch schon Technik und Wissenschaft gab. Und damit 
deutschsprachige Begriffe. Vor dem Krieg lernten deshalb manche 
Wissenschaftler Deutsch.
#2629062
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P. M. schrieb:
> Trotzdem sind solche Zwangseindeutschungen mühsam.

Zwangseindeutschung? Wo ist der Zwang.

Bei *setzsteller und Zerknalltreibling ist es eher das "reim dich, oder 
ich freß dich", was ich, nun ja, etwas ulkig finde.

Für Fachausdrücke laß ich mir das Englisch aber durchaus gefallen und 
häufig kenne ich keinen einigermaßen handlichen und vor allem 
verbreiteten deutschen Ausdruck dafür.

Aber so richtig symmetrisch affig zu den *setzstellern wirds, wenn der 
Pseudo-Anglizismenwahn grassiert, wie z.B. bei der Post. Da ist es dann 
wirklich die Sprache des Siegers, derer sich die Bimbos glauben bedienen 
zu müssen - sie erhoffen sich davon wohl, daß keiner sieht, was für 
kleine Geister sie sind...
Gast #2629284
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Winfried J. schrieb:
> Verwandte Suchanfragen: Zerknalltreibling
Kannte ich nicht, finde ich aber bei manchen Mopeds ziemlich passend :-}

Ich mag deutsche Fachbegriffe. Die deutsche Sprache ist eigentlich ganz 
ausgezeichnet dazu geeignet, komplizierte Sachverhalte genau zu 
beschreiben. Viele (vorallem ältere) Fachbegriffe sind sogar ziemlich 
anschaulich. In jedem Fall macht es aber einen guten Eindruck, wenn man 
einen Sachverhalt ohne Denglisch schildern kann, insbesondere wenn der 
Gesprächspartner eben mal kein Experte ist. Mit Denglisch klingt das 
dann immer gleich nach Fachidiot...
#2629380
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Sven P. schrieb:
> Die deutsche Sprache ist eigentlich ganz
> ausgezeichnet dazu geeignet, komplizierte Sachverhalte genau zu
> beschreiben.

Wenn man englische und deutsche Fach-/Lehrbücher vergleicht, kann man 
den Eindruck gewinnen, dass die deutsche Sprache ausgezeichnet dazu 
geeignet ist, komplizierte Sachverhalte kompliziert zu beschreiben. 
Allerdings ist das wohl eher ein Kulturproblem.

Ein zu 90% exakter Text, von dem ich 90% verstehe, ist für mich 
hilfreicher als ein 100%iger, von dem 20% hängenbleiben.

A. K. schrieb:
> Vor dem Krieg lernten deshalb manche
> Wissenschaftler Deutsch.

Eben. Vor dem Krieg. Jetzt ist Englisch dran, in 30 Jahren dann 
Chinesisch. Im Zeitalter von Suchmaschinen ist Bezeichnung gut, wenn sie 
viele gute Treffer generiert.
#2629395
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Tom K. schrieb:

> Wenn man englische und deutsche Fach-/Lehrbücher vergleicht, kann man
> den Eindruck gewinnen, dass die deutsche Sprache ausgezeichnet dazu
> geeignet ist, komplizierte Sachverhalte kompliziert zu beschreiben.

Ja, das ist wohl so. Ich kommentiere genau deswegen meine Programme in 
englisch, weil viel einfacher und kürzer.
In romanischen Sprachkreisen verschärft sich das Problem noch um eine 
Größenordnung. Da werden selbst einfache Sachverhalte lang und 
kompliziert umschrieben.
Gast #2629467
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Man kanns auch übertreiben.

Ich denke da jetzt zum Beispiel an 'Programmieren in C'. Die deutsche 
Ausgabe ist einfach nur fantastisch, und man hat sehr viel Wert darauf 
gelegt, den englischen Krams ordentlich zu übersetzen. Es macht einfach 
Spaß, darin zu lesen.
Persönliche Seite #2629478
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Sven P. schrieb:
> Ich denke da jetzt zum Beispiel an 'Programmieren in C'. Die deutsche
> Ausgabe ist einfach nur fantastisch, und man hat sehr viel Wert darauf
> gelegt, den englischen Krams ordentlich zu übersetzen.

Du beziehst Dich ganz eindeutig auf die zweite Ausgabe. Die erste 
wirkte, als wäre sie durch einen Übersetzungsautomaten geschickt und war 
grässlich, schlecht zu lesen und unverständlich. Und die Vollpfosten 
hatten Sourcecodebeispiele in einer Proportionalschrift gesetzt.
Gast #2629488
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Sven P. schrieb:
>> Ich denke da jetzt zum Beispiel an 'Programmieren in C'. Die deutsche
>> Ausgabe ist einfach nur fantastisch, und man hat sehr viel Wert darauf
>> gelegt, den englischen Krams ordentlich zu übersetzen.
>
> Du beziehst Dich ganz eindeutig auf die zweite Ausgabe. Die erste
> wirkte, als wäre sie durch einen Übersetzungsautomaten geschickt und war
> grässlich, schlecht zu lesen und unverständlich. Und die Vollpfosten
> hatten Sourcecodebeispiele in einer Proportionalschrift gesetzt.
Ja klar, die zweite.

Die erste entspricht so in etwa dem, was heute die Windows-7-Doku ist 
:-}
Gast #2629513
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Hey kennt ihr "Die Hohe Schule der Elektronik" von Abramowitz/Hill in 
der deutschen Fassunfg aus dem Elektor-Verlag?
Da kommen dann so Konstrukte wie "Zweischienen-Versorgung" vor für 
"Dual-Rail-Supply".
Das ist echt ein Spaß zu lesen. Ein Einsteiger wird derart verdorben, 
dass er sich total blamiert, wenn er diese "Fachsprache" gegenüber einem 
erfahrenen Elektroniker äußert.

Beste Grüße, Marek
#2629538
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@  Marek N. (bruderm)

>Da kommen dann so Konstrukte wie "Zweischienen-Versorgung" vor für
>"Dual-Rail-Supply".

Wie würdest du sie übersetzen?

>Das ist echt ein Spaß zu lesen. Ein Einsteiger wird derart verdorben,
>dass er sich total blamiert, wenn er diese "Fachsprache" gegenüber einem
>erfahrenen Elektroniker äußert.

Das Beispiel ist harmlos, denn es ist sogar korrekt. Viel schlimmer ist 
Denglisch, ala "geclockte Prozesse" etc.

MFG
Falk
Gast #2629562
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Hm,

"symmetrische Versorgung", "bipolare Versorgung"...
Aber Zweischienen wirkte an dieser Stelle wirklich wie ein Fremdkörper.
Ich glaub ich leih mir das Buch mal wieder aus und trag mal die 
heftigsten Schoten zusammen löl

Beste Grüße, Marek
Gast #2629563
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Ich find Uralt-"Tonmeister" lustig, die "Flachbandschieberegler" statt 
"Fader" sagen.

Da muss man manchmal echt überlegen was die von einem wollen.

Die ganze Welt versteht was ne DI-Box ist und macht, und dann werden 
"Übertragerkistchen" oder "Symmetriereinheiten" verlangt ;-)

Is glaubich bei den alten rundfunkern noch recht schlimm.
#2629845
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Also wie man richtig die englischen Begriffe ins Deutsche übersetzt, 
könnt ihr von www.datasheetcatalog.net lernen, wenn ihr dort Deutsch 
auswählt - dann gibt's auf jeder Seite eine Erleuchtung.

z.B. als Einstieg
http://www.datasheetcatalog.net/de/katalog/p728280.shtml

Da gibt's so
Schwanzloser DC Bewegungssteuerpult

Rücksetzen des Systems mit eingebautem Wachhundtimer

SuperTan® nasse Tantal-Kondensatoren mit hermetischer Dichtung, 
EIGENSCHAFTEN: Sehr hohe Kapazitanz, 10 zu 1800µF, 25 zu 125VDC, -55°C 
zu + 125°C, sehr niedriger ESR und hoher Kräuselung-Strom

Foto Transistors(highempfindlichkeit NPN Silikonfototransistoren 
brachten in langlebiges Gut) an

Foto Transistors(highempfindlichkeit NPN Silikonfototransistor brachte 
in einen sidelooking freien Raum) an

16-BIT MCU MIT GRELLEM GEDÄCHTNIS 128KBYTE

16-BIT MCU MIT BLITZ-GEDÄCHTNIS DES BYTE-256K

...
..
.
#2629930
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Ich bekam mal 'ne Email, in der für irgendeinen neuen Prozi geworben 
wurde. Das wurde auch auf ähnliche Weise ins Deutsche übersetzt.

Beim Blitzgedächtnis musste ich ja bloss etwas schmunzeln, was gemeint 
war, war mir natürlich klar.

Aber bei:

"Bewertungskomitee erhältlich."

musste ich echt lange nachdenken. Na, was könnte das wohl heissen?

Gruäss
Simon
#2630286
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Tipp: Sieh Dir mal die englische Übersetzung
> von "Nockenwelle" an, dann bist Du auf dem richtigen Weg.

Gewisse multimediale Austauschmöglichkeiten zur Triebbefriedigung?

Lukas K. schrieb:
> Captain Subtext schrieb:
>> Zum Beispiel "veröffentlichen".
> IMHO auch eher weniger, denn Share kann ja auch bedeuten, dass man es
> nur einem begrenzen Personenkreis zur Verfügung stellt.

Weiterleiten. Wobei ich "teilen" nicht so schlimm finde.
Moderator #2630698
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Uhu Uhuhu schrieb:
> Das von mir genannte Beispiel stammt tatsächlich aus besagter Zeit.

Nur aus besagter Zeit oder tatsächlich auch von besagter politischer
Gruppierung? Ich würde in dem Begriff eher eine ironische/parodisierende
Wortschöpfung vermuten.

Der Begriff "Jahresendflügelfigur", der gerne der DDR-Regierung in den
Mund gelegt wird, ist auch so ein Mysterium, wo kein Mensch sicher weiß,
wo er wirklich herkommt.
Moderator #2630738
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Uhu Uhuhu schrieb:
> Nein, die Herrschaften meinten es ernst.

Wieso bist du dir da so sicher? Du kanntest diese Herrschaften doch
nicht etwa persönlich?

Ich glaube jedenfalls nicht, dass der Begriff von ihnen stammt. Es hätte
genügend weniger lächerlich klingende "reindeutsche" Bezeichnungsmög-
lichkeiten für den Verbrennungsmotor gegeben, bspw. Verpuffungsantrieb.

Den Zerknalltreibling hätte ich allenfalls noch den Spaßvögeln vom ADSV

  http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeiner_Deutscher_Sprachverein

zugetraut. Diese haben zwar mit den Nazis sympathisiert, aber nicht
umgekehrt, so dass man sie kaum zu den "Herrschaften" zählen kann.

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