Hallo zusammen,
habe folgenden Schaltung siehe Handskizze im Anhang.
Es handelt sich um einen RC Oszillator mit
einem Komparator LMV762 mit Pushpull Ausgang. Die Frequenz beträgt bei
der Dimensionierung ca. 150kHz.
Jedesmal wenn der Komparatorausgang auf Lowpegel kippt, prellt der
Ausgang
einmal nach (siehe Skizze). Genauer gesagt bleibt der Komparator knapp
100nsec auf Lowpegel und kippt dann nochmal kurz für 50nsec auf
Highpegel.
Wenn ich jedoch beide Eingänge gleichzeitig messe, ist das Verhalten
nicht plausibel, weil die Hysterese am Pluseingang sofort nach unten
umschaltet.
Die Differenzspannung beträgt in dem Moment über 3V, und trotzdem kippt
der Ausgang um. Ich verstehe nicht wieso....
Zwei Auffälligkeiten habe ich festgestellt:
1. Wenn ich den Ck mit 47pF rauslöte, ist das Prellen weg.
2. Wenn ich Ck drin lasse, aber einen 100pF parallel zu R2 löte, habe
ich einen kapazitiven Spannungsteiler beim Umschalten und das Prellen
ist auch weg.
3. Wenn ich R_charge von 10k auf 4.7k kleiner mache, verschwindet das
Prellen auch. Im Grunde erreiche ich dadurch, dass die Spannung am
Kondensator mit 680pF schneller bzw. steiler sich der Schwelle am
Pluseingang nähert. Verstehe aber trotzdem nicht, wieso das Prellen dann
bei dieser Dimensionierung nicht mehr kommt.
Idee:
Der Komparator hat mit 5V Versorgung nur einen Common Mode Bereich von
3,8V worstcase an den Eingängen. Sollte aber noch reichen. Gibt es
vielleicht eine Limitierung der zulässigen Differenzspannung zwischen
den Eingängen ?
Hat jemand eine Idee ??
Danke
Hi Stefan,
wie hast du die Grounds verteilt?
Wahrscheinlich wird dir mein Vorschlag nichts nützen, weil ich eine ganz
andere Schaltung hatte (Stromregelung mit UC3843), aber bei mir sah das
Bild genau so aus. Der Grund war meine schlechte Masseverteilung. Gelöst
habe ich es, indem ich das GND vom IC sternförmig mit den anderen GNDs
geleitet habe.
Oder in anderen Worten:
Das GND vom IC war das "echte" GND, auf das sich alle anderen GNDs
bezogen haben. Seitdem ist das Prellen nicht mehr vorhanden.
Gruß
Kann dein Oszi subtrahieren? wenn ja, miss doch mal den Spannungsverlauf
am besagten Kondensator. Du hast hier 2 Zeitglieder in einer Schaltung
und damit 2 Pulse
Profi schrieb:> Nutze den Ck zum "integrieren" im Gegenkopplungszweig.
weiß nicht genau was du meinst. In der Schaltung wirkt sich Ck im Moment
eher als "Differenzierer" aus. d.h. die Hysteresschwelle macht einen
Spike nach unten, wie bei einem Hochpass. Ich habe mir überlegt parallel
zu R2 einen zweiten Kondensator einzubauen. Messtechnisch ist das
Prellen dann auch weg. Aber verstanden habe ich es trotzdem nicht...
Klaus Dietmar schrieb:> Der Grund war meine schlechte Masseverteilung. Gelöst> habe ich es, indem ich das GND vom IC sternförmig mit den anderen GNDs> geleitet habe.
An ein Masseproblem habe ich auch schon gedacht. Oder vielleicht sogar
ein Versorgungsproblem. Werde checken ob mein 100nF Abblock-C gut genug
angebunden ist, und gleichzeitig mal die Signal- und GND Pfade
anschauen.
Der Komparator schaltet ja extrem schnell. Auf dem Oszi lese ich ca.
5V/10nsec Flankensteiheit ab. Ein kurzer Einbruch der Versorgung könnte
ja theoretisch schon dazu führen, dass die Eingänge außerhalb des
spezifizierten Commonmode Bereichs liegen...
Profi schrieb:> Beim Pegelwechsel hebt der Kondensator die Mitkopplung auf.
Wieso? der Kondensator ist klein genug um die Hysterese rechtzeitig
genug auf den Spannungsteilerwert nach dem Pegelwechsel einzustellen.
Die Lade/Entladezeit von den 680pF ist deutlich langsamer, sodass die
47pF keine Rolle spielen sollten. Das Tau mit den 47pF ist wesentlich
kleiner als das Tau von den 680pF.
Schau mal Spizze_2 an im Anhang. Mit den 100pF ist wieder alles im Lot.
Hinzu kommt noch der Vorteil, dass ich jetzt eine bessere Entstörung der
Schwellspannung habe. Aber wie gesagt, verstanden habe ich es immernoch
nicht, warum dann das Prellen weg ist...
Im Grunde soll ja der Komparator eigentlich genau das machen, was an den
Eingängen passiert. Direkt nachdem der Komparator auf Lowpegel kippt,
wechselt mein Pluseingang von 3.4V auf 0.5V. In dem Moment ist meine
Spannung am Minuseingang um 3V größer als am Pluseingang. Trotzdem kippt
der Ausgang wieder auf 5V, was aber logisch gesehen nicht sein kann.
Ich möchte eigentlich nur herausfinden, woher das Prellen kommt, damit
ich hinterher sicher bin, dass das Problem nicht irgendwann wieder
zurück kommt.
zulu schrieb:> Deine Diode kann auch eine Ladung speichern
Ja, die Sperrschichtkapazität. Aber ich habe die Spannung an den 680pF
schon gemessen. Konnte nichts schlimmes erkennen. Du meinst wohl, dass
in dem Moment die Spannung an den 680pF kurz einbricht?
Ich miss sicherheitshalber nochmal nach...
stephan schrieb:> Wieso? der Kondensator ist klein genug um die Hysterese rechtzeitig> genug auf den Spannungsteilerwert nach dem Pegelwechsel einzustellen.
Bitte entferne das Ding und berichte, was passiert.
Profi schrieb:> Bitte entferne das Ding und berichte, was passiert.
ja, im Grunde schon getan:
stephan schrieb:> Zwei Auffälligkeiten habe ich festgestellt:> 1. Wenn ich den Ck mit 47pF rauslöte, ist das Prellen weg.> 2. Wenn ich Ck drin lasse, aber einen 100pF parallel zu R2 löte, habe> ich einen kapazitiven Spannungsteiler beim Umschalten und das Prellen> ist auch weg.
Habe im Anhang 3 Oszibilder.
Alle 3 sind jeweils ohne dem von mir vorgeschlagegen 100pF.
Lediglich der 47pF wurde rausgemacht.
Das zweite Bild ist nah rangezoomt.
Hi Stephan,
hast du mal die Sache mit den GNDs in Angriff genommen? Deine
Oszilloskopbilder sehen genau so aus wie meine :)
Vielleicht könntest du auch noch einen 100nF Kondensator (Keramik/Folie)
an die Versorgung des Komparators packen.
Gruß
stephan schrieb:> Habe im Anhang 3 Oszibilder.> Alle 3 sind jeweils ohne dem von mir vorgeschlagegen 100pF.> Lediglich der 47pF wurde rausgemacht.> Das zweite Bild ist nah rangezoomt.
Und was schließt Du daraus?
stephan schrieb:> Wieso? der Kondensator ist klein genug um die Hysterese rechtzeitig> genug auf den Spannungsteilerwert nach dem Pegelwechsel einzustellen.
Wie wird der C geladen? Welche Zeitkonstante ergibt sich?
Profi schrieb:> Und was schließt Du daraus?
nunja, grob betrachtet schließe ich daraus, dass die Schaltung ein
problem damit hat, wenn die Hysterese mit einem kurzen Spike beim
Umschalten nach unten geht. Die Spannungsdifferenz zwischen Plus- und
Minuseingang ist nach dem Umschalten aber groß genug, was ein
nachträgliches Prellen des Ausgangs somit nicht unbedingt erklärt.
Dass die Hysterese ebenfalls nach oben kippt, ist für mich lediglich die
Folgewirkung vom Ausgang.
Profi schrieb:> Wie wird der C geladen? Welche Zeitkonstante ergibt sich?
Das hört sich an, als ob du was weißt, was ich nich weiß, bzw. als ob
das Verhalten der Schaltung für dich einleuchtend ist ? ;-)
Also die 47pF bilden am Anfang beim Umkippen einen Kurzschluss
(Hochpass) und werden dann über den Spannungsteiler R1&R2 geladen, d.h.
das Tau bestimmt sich aus dem Innenwiderstand ca. 1.5k mal 47pF.
Das große C wird einmal über R_charge+R_discharge geladen (11k*680pF)
und über R_discharge (1k*680pF) entladen (abzgl. Diodenflussspannung).
Klaus Dietmar schrieb:> hast du mal die Sache mit den GNDs in Angriff genommen?
nein, mach ich erst am Montag.
stephan schrieb:> Innenwiderstand
Und der Spannungsteiler? Ist der nicht am Ladevorgang beteiligt?
Der Kondensator wird durch das Kippen quasi geschaltet. Dann erst
erfolgt die Ladungsänderung.
Für mich sieht das fast wie eine Verletzung der Input Common Mode
Voltage aus. Wie schaut die Spannung am invertierten Eingang des OpAmps
aus?
Gruß,
Michael
Profi schrieb:> Und der Spannungsteiler? Ist der nicht am Ladevorgang beteiligt?>>> Der Kondensator wird durch das Kippen quasi geschaltet. Dann erst> erfolgt die Ladungsänderung.
ja, ich meinte auch den "Innenwiderstand" des Spannungsteilers.
ich verstehe aber noch nicht, was genau den Komparator zum Prellen
verleitet.
Nachdem der Ausgang kippt, springt der nichtinvertierende Eingang auf
eine deutlich kleinere Spannung gegenüber zum invertierenden Eingang ,
auch unabhängig davon, ob mit den 47pF oder ohne.
Warum kippt aber dann der Ausgang nochmal um? Das geht doch nur, wenn
der nichtinvertierende Eingang höheres Potential hätte.
Wenn ich jetzt ohne zu rechnen nur die Messung anschaue, fällt mir
spontan keine Erklärung ein...
Michael K. schrieb:> Wie schaut die Spannung am invertierten Eingang des OpAmps> aus?
Es ist das rote Signal aus den Oszibildern weiter oben.
Ich hatte auch erst an ein Common Mode Problem gedacht. Aber mit 3,3V am
oberen und ca. 0,4V am unteren Eingang sollte es eigentlich noch tun.
Vielleicht ein Totzeit bzw. Delay Effekt vom Komparator selbst ?
So ein Nachprellen aus der "Vergangenheit" :)
Werde wie gesagt nochmal das Layout checken.
Bin nun müde...
Ja ein Strom aus der Vergangenheit, so wie er in Spulen auftritt. Hast
du recht hohe Induktivitäten in deiner Schaltung? Ist sie aufm
Steckbrett aufgebaut mit recht langen Drähten?
Hallo zusammen,
also die Versorgung scheint wohl gut auszusehen. Die Schaltung ist auf
einem PCB. Der 100nF Abblock-C sitzt relativ gut.
Wenn ich mit dem Oszi direkt am Komparator messe, sehe ich ein Ripple
auf der Versorgung von +/- 30mV , was nicht gerade viel ist und ich
deshalb
als Ursache ausschließen würde.
Habe übrigens ein Experiment gemacht:
Habe den 47pF C mal rausgelötet (was anfangsseitg bereits diskutiert
wurde),
und hinterher die Hysterese weiter auseinandergezogen, d.h.
einen 1.8k parallel zu dem 4.7k Rückkoppel-R drübergelötet.
Jetzt liegt die High-Schwelle bei ca. 4V und die Lowschwelle bei 1V.
Und siehe da, er prellt wieder, obwohl die 47pF draußen sind.
Anderseits verziehe ich dadurch natürlich auch die Frequenz und das
Dutycycle von der Oszillatorschaltung. Daher natürlich immer schwierig,
das ganze neutral zu bewerten.
Die Entladezeitkonstante mit 1k und 680p ist wahrscheinlich zu klein.
Oder du hast eine zu große Streukapazität vom Ausgang zum "-" Eingang
des Komparators. -> Abstand vergrößern, eventuell den 1k Widerstand auf
zwei 510R Widerstände aufteilen, und vor allem auf GUTE Masseführung bei
einem so schnellen Komparator achten!! -> durchgehende Massefläche,
wobei die Massefläche gleichzeitig auch den "-" Eingang sehr effektiv
vom Ausgang des Komparators abschirmen kann.
Am besten mal Layout zeigen.
Dieser Comp hat zwar angeblich sehr schnelle Umschaltzeiten (reichlich
1ns), aber eine Propagation Delay von weit über 100ns. Heist, der
Hystereseeffekt zieht erst recht spät. In dieser Zeit ist der Comp also
offensichtlich eher noch im "sensiblen" Bereich, reagiert also auf jede
Störung.
Da er eine recht schnelle Endstufe zu haben scheint, muß der Abblock-C
auch unmittelbar am Comp platziert sein, weil sonst irgendwelche
Lastströme auch die +Ub und Masse verziehen, und damit während der
Propagation stören können.
wie wäre es mit "phase reversal" als Erklärung? Über Ck treibst du
deinen nichtinvertierenden Eingang bei jeder Schaltflanke auf Werte
jenseits der Versorgungsspannung. Z.B. bei der negativen Flanke startest
du bei 3,3V und machst einen von 5V Sprung nach unten auf rechnerisch
-1,7V. Die Skizze im ersten Beitrag zeigt diesen Effekt.
Wenn der Eingang so weit übersteuert wird, zeigen manche
OPV/Komparatoren am Ausgang ein Phase Reversal: das Signal kippt in die
andere Richtung, als man es aufgrund der Eingangsspannung erwarten
würde.
Die Erholung von diesem Effekt ist durch interne Umladevorgänge im Chip
bestimmt, die dafür benötigte Zeitkonstanten kann man nicht an den
externen Komponenten ablesen.
schöne Grüße
Achim
(PS: wurde eigentlich schon diskutiert, warum du diesen Kondensator
einsetzen willst, der zur Verletzung der max. ratings führt?)
>Am besten mal Layout zeigen.
Ja, genau.
>Dieser Comp hat zwar angeblich sehr schnelle Umschaltzeiten (reichlich>1ns), aber eine Propagation Delay von weit über 100ns. Heist, der>Hystereseeffekt zieht erst recht spät. In dieser Zeit ist der Comp also>offensichtlich eher noch im "sensiblen" Bereich, reagiert also auf jede>Störung.
Sehe ich genauso.
>Da er eine recht schnelle Endstufe zu haben scheint, muß der Abblock-C>auch unmittelbar am Comp platziert sein, weil sonst irgendwelche>Lastströme auch die +Ub und Masse verziehen, und damit während der>Propagation stören können.
"Schnelle" Komparatoren sind immer tükisch. Ohne richtig gutes,
HF-mäßiges Layout mit durchgehender Massefläche will eine solche
Schaltung nicht wirklich zuverässig funktionieren.
>(PS: wurde eigentlich schon diskutiert, warum du diesen Kondensator>einsetzen willst, der zur Verletzung der max. ratings führt?)
Der sollte die Schaltung wohl "retten", eine Art Verzweiflungstat.
Stephan, darf man fragen, warum du das nicht mit einem CMOS-555 gemacht
hast?
Hallo zusammen,
Jens G. schrieb:> Dieser Comp hat zwar angeblich sehr schnelle Umschaltzeiten (reichlich> 1ns), aber eine Propagation Delay von weit über 100ns. Heist, der> Hystereseeffekt zieht erst recht spät. In dieser Zeit ist der Comp also> offensichtlich eher noch im "sensiblen" Bereich, reagiert also auf jede> Störung.
ich bin mittlerweile eher auf der Schiene zu sagen, dass der Effekt
ein reines Delay Problem des Komparators ist. Wenn ihr meine oszibilder
anschaut, seht ihr, dass der invertierende Eingang sich sehr langsam dem
nichtinvertierenden Eingang nähert. Das führt dazu, dass für ca. 500nsec
von dem Kippmoment beide Eingänge nahezu auf gleichen Potential liegen.
Nach meiner Theorie passiert folgendes: die Eingangsstufe des
Komparators kippt in die andere Richtung, wobei die Ausgangsstufe das im
ersten Moment noch nicht erfährt. Zwischenzeitlich kippt die
Eingangsstufe aber nochmal um. Durch interne Speichervorgänge im
Komparator kippt der Ausgang nun zwei mal um. Mit dem Oszi würde ich
sowas natürlich nicht sehen, weil das alles intern im Komparator
stattfindet.
Wäre sowas auf eurer Sicht denkbar ??
Diese Theorie wird sogar noch unterstützt, nachdem ich das Tau am
invertierenden Eingang verkleinert habe (er also sich schneller der
Schwelle nähert), und das Prellen auf einmal weg ist.
Maßnahme: ich müsste also entweder einen Komparator nehmen, mit einer
noch kleineren Propagation Delay, oder das RC-Glied so verändern, dass
die Ladekurve sich deutlich steiler der Hystereseschwelle nähert.
Achim S. schrieb:> Z.B. bei der negativen Flanke startest> du bei 3,3V und machst einen von 5V Sprung nach unten auf rechnerisch> -1,7V.
Habe auch daran gedacht. Jedoch hast du ja beim Messen durch den
tastkopf einen kapazitiven Spannungsteiler, wodurch die Spannungen laut
Oszibild von weiter oben noch innerhalb der Spec. liegen. Trotzdem
prellt der Ausgang.
Kai Klaas schrieb:> Stephan, darf man fragen, warum du das nicht mit einem CMOS-555 gemacht> hast?
Habe ich auch schon in Betracht gezogen. Laut Datenblatt ist der aber
ziemlich ungenau bzgl. der Hystereseschwellen am Eingang.
>Habe ich auch schon in Betracht gezogen. Laut Datenblatt ist der aber>ziemlich ungenau bzgl. der Hystereseschwellen am Eingang.
Aber deine Schaltung ist durch die Diode und deren Temperaturgang doch
viel ungenauer!
Der 555 ist außerdem weitaus stabiler als deine Schaltung, weil er
intern ein Flipflop hat.
Kai Klaas schrieb:>>Habe ich auch schon in Betracht gezogen. Laut Datenblatt ist der aber>>ziemlich ungenau bzgl. der Hystereseschwellen am Eingang.>> Aber deine Schaltung ist durch die Diode und deren Temperaturgang doch> viel ungenauer!>> Der 555 ist außerdem weitaus stabiler als deine Schaltung, weil er> intern ein Flipflop hat.
Hast Du jemals einen 150kHz-Oszillator mit einem 555 aufgebaut und die
theoretische Frequenz mit der tatsächlichen verglichen? Ich hab das mal
gemacht, das Ergebnis war ernüchternd.
Michael
>Hast Du jemals einen 150kHz-Oszillator mit einem 555 aufgebaut und die>theoretische Frequenz mit der tatsächlichen verglichen? Ich hab das mal>gemacht, das Ergebnis war ernüchternd.
Ja, du hast Recht. In diesem Datenblatt ist eine genauere Formel für
höhere Frequenzen angegeben:
http://www.ti.com/lit/ds/symlink/tlc555.pdf
Hat der Komparator eine Hysterese? Sollte er besser haben, damit beim
Umschalten kein Prellen auftritt.
Bei 5V würde ich mal überlegen, ob ein Logik-Gatter mit
Schmitt-Trigger-Eingang nicht die bessere Wahl ist.
Lexi schrieb:> Hat der Komparator eine Hysterese? Sollte er besser haben, damit beim> Umschalten kein Prellen auftritt.
Ein Komparator zeichnet sich dadurch aus, dass er keine Hysterese hat.
Die Hysterese ist in Stephans Schaltung extern dazugebaut, so wie man
das halt normalerweise macht. Leider bringt das in diesem Fall nichts,
weil der Komparatorausgang offensichtlich umfällt, obwohl er das den
Eingangssignalen zu Folge gar nicht machen dürfte. Offensichtlich
passiert im Komparator etwas, was man von außen nicht sehen und kaum
beeinflussen kann.
> Bei 5V würde ich mal überlegen, ob ein Logik-Gatter mit> Schmitt-Trigger-Eingang nicht die bessere Wahl ist.
Die Hysterese ist bei dieser Schaltung frequenzbestimmend. Wenn man ein
Logik-Gatter einsetzt, hat die Hysterese riesige Toleranzen. Dadurch
hätte auch die Frequenz riesige Toleranzen.
Zufällig weiß ich, dass dieser Oszillator in einem professionellen
Produkt in großer Stückzahl über einen sehr großen Temperaturbereich
eingesetzt wird. Man kann sich da eine Schaltung, die nur auf dem
Basteltisch funktionieren, nicht leisten.
Leider ist genau das aber auch mit dieser Schaltung passiert. Sie
funktioniert einfach nicht zuverlässig.
Für mich liegt das Problem IM Komparator, man kann es von außen
beeinflussen, kann aber nie beweisen, dass es nicht doch wieder
auftritt. Was im Chip abläuft, darauf hat man keinen Einfluss, außer
einen anderen Komparator zu verwenden. Oder man ersetzt die Schaltung
durch was gescheites.
Michael
MIchael schrieb:> Zufällig weiß ich, dass dieser Oszillator in einem professionellen> Produkt in großer Stückzahl über einen sehr großen Temperaturbereich> eingesetzt wird.
Jetzt laufen wir uns schon wieder über den weg ;)
"Oder man ersetzt die Schaltung durch was gescheites."
Ja, was ist denn was gescheites?
Ich gebe ja zu, dass ich ein kleiner Dummi bin, aber was ein
Fensterkomparator ist, dass weiß ich schon.
Wenn es mit einem Komparator nicht geht, nimmt man halt zwei.
Selbstverständlich ist die Hysterese bei dieser Schaltung
frequenzbestimmend. Das ist das Funktionsprinzip der Schaltung. Dass die
Frequenz riesige Toleranzen hat, weil die Hysterese beim Gatter riesige
Toleranzen hat, ist jedoch ein geistiger Kurzschluss. Ein bestimmtes
Gatter kippt nicht einmal bei der Spannung und das nächste Mal bei einer
ganz anderen Spannung. Der Trick liegt darin, dass man die Frequenz für
jedes Exemplar JUSTIEREN muss. Sie bestimmt sich eben nicht mehr alleine
aus den Werten für C und R.
Wen das nicht passt, der muss halt ZWEI Komparatoren nehmen und schon
geht es - ohne Prellen.
Ohne den Artikel vollständig gelesen zu haben, hier mal ein Link, der
vielleicht ein paar Anregungen bietet:
http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/wincst.htm
Lexi schrieb:> "Oder man ersetzt die Schaltung durch was gescheites."> Ja, was ist denn was gescheites?
z.B. ein 20Cent µC
Oder Oszillator-ICs von z.B LT oder Maxim, ...
> Ich gebe ja zu, dass ich ein kleiner Dummi bin, aber was ein> Fensterkomparator ist, dass weiß ich schon.>> Wenn es mit einem Komparator nicht geht, nimmt man halt zwei.
Wo dann zwei prellen könnten ...
> Selbstverständlich ist die Hysterese bei dieser Schaltung> frequenzbestimmend. Das ist das Funktionsprinzip der Schaltung. Dass die> Frequenz riesige Toleranzen hat, weil die Hysterese beim Gatter riesige> Toleranzen hat, ist jedoch ein geistiger Kurzschluss. Ein bestimmtes> Gatter kippt nicht einmal bei der Spannung und das nächste Mal bei einer> ganz anderen Spannung. Der Trick liegt darin, dass man die Frequenz für> jedes Exemplar JUSTIEREN muss. Sie bestimmt sich eben nicht mehr alleine> aus den Werten für C und R.
Genau, mach das mal bei großen Stückzahlen zu niedrigen Preisen.
Trimmpotis sind sowas von out. Wie gesagt, das ist ein professionelles
Produkt.
Außerdem spezifiziert Dir kein Hersteller, wie stark sich die Hystere
zwischen -40°C und 125°C verändert.
>> Wen das nicht passt, der muss halt ZWEI Komparatoren nehmen und schon> geht es - ohne Prellen.
Solange die wirkliche Ursache des Prellens unbekannt ist, kann Dir das
auch mit mehreren Komparatoren passieren.
Michael
Versuche eine Schaltung aufzubauen, in der du mittels Poti oder beim
Verstellen irgendwelcher Spannungen den Prellzeitpunkt 'sichtbar'
verändern kannst. Nur was der Ingenieur sieht, kann er auch begreifen!
Ja - das übliche Problem von Mirocontroller.net:
Person A will wissen: weshalb das so und so ist. Keiner hat ne wirkliche
Ahnung.
Person B bis ZZZZ antworten: Mach es doch anders.
Ich glaube, man hat klar und deutlich rausgehört / gelesen, dass er es
zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklung nicht anders machen kann.
Jan
Jandelä schrieb:> Ja - das übliche Problem von Mirocontroller.net:>> Person A will wissen: weshalb das so und so ist. Keiner hat ne wirkliche> Ahnung.>> Person B bis ZZZZ antworten: Mach es doch anders.>> Ich glaube, man hat klar und deutlich rausgehört / gelesen, dass er es> zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklung nicht anders machen kann.
Das ist die traurige Realität als Entwickler.
Entwickler will es ändern, weil er weiß, dass es nicht richtig
funktioniert.
Projektleitung/Management möchte aber keine neuen Änderungen/Risiken
mehr und dann muss man es es irgendwie hinmurksen, teilweise jahrelang.
Norbert
Hallo,
falls es noch jemand interessiert.
Nach Absprache mit dem Hersteller kam folgendes Ergebnis heraus:
Der Grund für das Prellen ist tatsächlich ein Phase Reversal.
Ursache dafür sind die extrem steilen Flanken am Plus-Eingang des
Komparators aufgrund der kapazitiven Rückkopplung über die 47pF. Eine
kapazitive Rückkopplung wäre erlaubt, solange die Slewrate am Eingang
begrenzt wird.
Eine zu steile Slewrate hat zur Folge, dass die Drain-Gate Kapazität der
Eingangsstufe zu stark entladen wird. Dadurch dreht sich die
Ausgangsspannung der internen Differenzstufe um, was sich von Stufe zu
Stufe bis zum Ausgang hin fortpflanzt und der Ausgang des Komparators
dadurch nochmal umkippt. Das zeigte eine IC-Simulation des Herstellers.
Unglaublich oder ?
Dies könnte im schlimmsten Fall sogar mehrfach hintereinander passieren,
als nicht nur einmal.
Abhilfe wäre nun einen langsameren Komparator zu nehmen, oder die
Slewrate beim Umschalten des Komparators zu begrenzen. z.b. mit einem
Reihenwiderstand zu den 47pF oder mit einem kleinen RC-Glied direkt am
Eingang. Im Grunde alle Maßnahmen, die den Eingang beim Umschalten
bedämpfen...
Grüße Stephan ;-)
Profi schrieb:> soviel Geschreibsel für so eine Banalität. Es wurde doch schon genannt.> Beitrag "Re: RC Oszillator prellt"
Hi Profi...
hast du das wirklich gleich erkannt, dass die Drain-Gate Kapazitäten am
Eingang entladen werden und der Komparator dadurch intern umschaltet ?
Dein Satz "Beim Pegelwechsel hebt der Kondensator die Mitkopplung auf"
war für mich nicht gleich schlüssig, dass du damit die
Eingangskapazitäten der Differenzstufe meinst...
>Eine kapazitive Rückkopplung wäre erlaubt, solange die Slewrate am>Eingang begrenzt wird.>Eine zu steile Slewrate hat zur Folge, dass die Drain-Gate Kapazität der>Eingangsstufe zu stark entladen wird. Dadurch dreht sich die>Ausgangsspannung der internen Differenzstufe um, was sich von Stufe zu>Stufe bis zum Ausgang hin fortpflanzt und der Ausgang des Komparators>dadurch nochmal umkippt. Das zeigte eine IC-Simulation des Herstellers.>Unglaublich oder ?
Ja, in der Tat unglaublich. Vor allem, wenn man bedenkt, daß bei einem
schnellen Komparator generell mit möglichst steilen Flanken auf die
Eingänge gegangen werden soll, damit der kritische Umschaltbereich
möglichst schnell durchfahren wird. Das hier die Slew Rate am Eingang
begrenzt werden soll, widerspricht nicht nur gängiger Praxis, sondern
ist auch im Datenblatt nirgendwo erwähnt.
An anderer Stelle im Datenblatt steht übrigens, daß es die kleinen
Eingangsströme des LMV762 erlauben würden, mit sehr hochohmigen
Beschaltungswiderständen zu arbeiten. Nun, das ist bei einem sehr
schnellen Komparator alles andere als empfehlenswert...