Kondensatormodellierer schrieb:
> Hallo,
>
> man modelliert einen realen Kondensator vereinfacht durch einen idealen
> Kondensator parallel geschaltet mit einem Widerstand (für die Verluste:
> Stromfluss im Dielektrikum).
Das ist dann aber noch nicht vollständig.
Ein idealer Kondensator geht in Ordnung. Parallel dazu ein Widerstand
(Leckwiderstand, Isolationswiderstand) auch, der soll aber nicht die
Verluste im Dielektrikum modellieren, sondern den Leckstrom durch die
endliche Isolierung des Dielektrikums. Quasi die Selbstentladung, wenn
du so willst.
Das, was man meistens mit den 'Verlusten im Dielektrikum' meint, ist
gewissermaßen das Gegenstück zu den Eisenverlusten im Trafo, die
entstehen durch das umpolarisieren des Dielektrikums. Das braucht
Arbeit. Aber die braucht es nur, wenn auch wirklich umpolarisiert wird,
ansonsten ist die Sache statisch.
Überlegung: Kondensator an konstanter Spannung. Nach Ausgleichsvorgängen
(Kondensator aufgeladen) wird das Dielektrikum nicht mehr umpolarisiert,
es wird aber weiterhin ein wenig Arbeit verheizt. Der parallele
Widerstand kann also nicht als Ersatz für die Verluste im Dielektrikum
stehen, denn er verheizt auch jetzt noch Arbeit. Der ist also für den
Leckstrom gedacht.
Der Ersatzwiderstand für die Verluste liegt dann in Reihe zur
Parallelschaltung des idealen Kondensators und des Leckwiderstandes, er
nennt sich ESR. Und dazu in Reihe fehlt noch eine Induktivität ESL, die
unter anderem die Anschlussbeinchen erfasst.
> Aber wo in diesem Modell fließt jetzt der
> Verschiebungsstrom?
>
> a) durch den idealen Kondensator
> b) durch den Widerstand
> c) er ist die Summe des Stromes durch Widerstand und den idealen
> Kondensator.
Er muss durch die ESL und den ESR und dann noch durch den Kondensator,
sinnigerweise. Ein idealer ohmscher Widerstand (der Leckwiderstand)
produziert normalerweise keinen Verschiebungsstrom.
Du könntest bei 'Verschiebungsstrom' an einen Blindstrom aus
Ladungsträgern denken, die auf die beiden Kondensatorplatten hinauf und
wieder herunterfließen, ohne durch den Kondensator hindurchzufließen.
Physikalisch nicht ganz korrekt, aber doch recht anschaulich, finde ich.