Im Polen der 80-er lief "40-latek" (Der 40-jährige). -- Produziert schon
in der zweiten Hälfte der 70-er, aber ich habs aus biologisch-kognitiven
Gründen erst in den 80-ern gesehen.
Die Serie handelt von Stefan Karwowski, einem Bau-Ingenieur
(Magister-Inżynier), der in der ersten Folge seinen 40. Geburtstag
feiert und sich in den den nachfolgenden Teilen philosophisch mit der
Midlife-Crisis auseinander setzt: Aufhören zu rauchen, Haarausfall,
verringerte körperliche Kondition und entsprechende Abwehrmaßnahmen wie
Selbstverwirklichung durch Ehrenamt etc.
Auf der Baustelle wird er von vorlauten, besserwisserischen doch stets
arbeitsscheuen Vorarbeitern und Polieren genervt (/"Panie
Maliniak...!"/). Daheim von seinen pubertierenden Kindern und seiner
emanzipierten und berufstätigen Frau (Chemie-Laborantin und ebenfalls
"Magister").
Die Familie führt ein Leben im gehobenen Mittelstand und verkörpert den
wirtschaftlichen und sozialen "Aufschwung" des Ostblocks in den 70-ern:
4-Zimmer-Wohnung im Plattenbau in Warschau, Kleinwagen, Fernseher,
Doppeleinkommen. Trotz körnigem Celluloid-Materials wirken die Farben
sehr grell und bunt wie sie in dieser Zeit wohl waren.
Ein Running Gag in der Serie ist die Kobieta Pracująca ("Arbeitende
Frau"), die in jeder Folge mindestens einmal in einem jeweils anderem
(oft männertypsichen) Beruf von Milchfrau über Schornsteinfegerin bis
Baggerführerin auftaucht und Stefan ein Anekdötchen aus ihrer
"Karriere" erzählt, das ihm oft eine andere, Sicht auf die Dinge
verschafft und ihn seine persönliche "Krise" für diese Folge lösen
lässt. Ihr Leitspruch und Markenzeichen: /„...ja jestem kobieta
pracująca – żadnej pracy się nie boję”/ ("Ich bin die arbeitende Frau -
fürchte mich vor keiner Arbeit")
Alles in allem sehr amüsant und hat mich auf jeden Fall für meinen
späteren Berufsweg geprägt, auch wenn ich nicht Bau-Ing geworden bin.
Englischer Wikipedia-Artikel:
https://en.wikipedia.org/wiki/Czterdziestolatek
Die Serie gehört in Polen faktisch zum Allgemeinwissen und genießt nicht
nur bei Fans Kultstatus neben anderen Serien aus der Zeit des
kommunistischen Polens wie Zmiennicy und Alternatywy 4, weil sie
sich trotz strenger Zensurauflagen überspitzt-humoristisch mit dem
Alltagsleben in der damaligen Mangel- und Planwirtschaft
auseinandersetzt, so dass sich praktisch jeder Zuschauer mit den
Situationen und Charakteren identifizieren konnte.