Forum: HF, Funk und Felder Paper zu DCF77


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von Daniel Engeler (Gast)


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Hallo zusammen

Ich habe mich eine Weile mit DCF77 beschäftigt und dazu ein Paper 
geschrieben. Vielleicht interessiert es euch (PDF im Attachment).

Das Paper geht um folgendes:

- Empfängerarchitekturen (Geradeaus, Quadratur)
- Decodervarianten (BCD, Maximum Likelihood)
- Bitfehlerrate (BER) abhängig vom Rauschen
- Maximale Entfernung des Empfängers zum Sender

Wäre gespannt auf Feedback.

Viele Grüsse,
Daniel

PS: Kostenpflichtiges offizielles PDF von IEEE:
http://dx.doi.org/10.1109/TUFFC.2012.2272

von Daniel E. (daniele)


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Hier noch ein Link, falls das PDF-Attachment nicht geht:

(Space nach Punkt von Hand entfernen, sonst meint das Forum es sei Spam)

http://goo. gl/sWjFX

von Mike (Gast)


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Hallo Daniel,

als Informatiker habe ich immer den Empfang so hingenommen wie ich ihn 
als "Baustein" geliefert bekam. Selber den Empfänger optimieren 
überstieg immer meinen Ehrgeiz.

Die in Deinem Paper enthaltenen Teile zum Empfang des DCF77-Signals kann 
ich nicht kommentieren.

Aber: Um aus dem "Brei" auch in ungünstigen Situationen, auch nach 
mehreren Minuten Durchlauf, eine Zeit zu erkennen, ist

"Maximum-likelihood decoding..."

naheliegend - mit statistischen Methoden (Korellation) mehrere Samples 
bewerten - das ist ein wertvoller Ansatz.

Sehe ich das richtig: In dem XC3S1400AN werkelt keine CPU Core sondern 
reine Hardware-Umsetzung um das zu erreichen?

Meine (bescheidenen) Versuche hatten stets damit zu kämpfen, daß an 
Anfang kein Reduktionsfaktor möglich war - obwohl vielleicht Jahr/Monat 
die Korellation verkleinert hätte bin ich immer von "Tabula Rasa" 
ausgegangen. Nach dem ersten korrekten Empfang war die Korellation dann 
natürlich gut bestückt - Datum und Stunde sind schon ordentliche 
Konstanten nach denen man gleitend im Bit-Strom suchen kann.

Du legst nahe, weil der Korrelationsansatz durchaus lange Zeit in 
Anspruch nehmen kann, mittels Phasen-Kodierung eine Zeitkodierung auf 
das DCF77-Signal draufzusetzen, um auch schneller an die Information zu 
kommen. In wie weit ist das PTB dazu bereit, ist das tatsächlich 
geplant?

Schickes Paper, habe es gerne gelesen!
Grüße,
Mike

von Mike (Gast)


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Ooops - kleine Korrektur - da Missverständlich geschrieben von mir...

MEINE Korrelations-Versuche nutzten immer n (n=1,2,3,...) Sätze von 60 
Samples und dauerten somit 1,2,3... Minuten.

Dein Ansatz ist schon stark. Die möglichen Kombinationen sind in der Tat 
weniger, das Signal ist unter Kenntniss der Historie hoch redundant.

Unter guten Bedigungen schon zwishen 60sek und 35sek auf die gesendeten 
Bits einrasten zu können ist natürlich keine "lange Zeit".

Aber bereits in wenigen Sekunden, durch ein Piggy-Back auf das DCF77 
Signal wäre schon ein Ding...

von Marek N. (Gast)


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Astrein! Danke!

von Daniel E. (daniele)


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Mike schrieb:
> Sehe ich das richtig: In dem XC3S1400AN werkelt keine CPU Core sondern
> reine Hardware-Umsetzung um das zu erreichen?

Genau, alles in VHDL. Nachträglich würde ich eine Kombination einsetzen:
- VHDL für ADC-Interface, Clock-Korrektur, Timing, schnelle 
Signalverarbeitung
- CPU für Logik, Maximum-Likelihood-Decoder, Zeitanzeige etc.

> Du legst nahe, weil der Korrelationsansatz durchaus lange Zeit in
> Anspruch nehmen kann, mittels Phasen-Kodierung eine Zeitkodierung auf
> das DCF77-Signal draufzusetzen, um auch schneller an die Information zu
> kommen. In wie weit ist das PTB dazu bereit, ist das tatsächlich
> geplant?

Das war nur so eine Idee, ich hab die PTB nicht gefragt. Das Signal zu 
modifizieren ist natürlich ein heisses Eisen, schliesslich dürfen 
bestehende Empfänger ja nicht gestört werden. Die Frage ist auch was ein 
schneller Empfang wirklich bringt, ausser dass es ziemlich cool wäre :-)

von Max (Gast)


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Wäre ein gutes analoges Front-End nicht effizienter?
Ich nehm mal als simples Bsp. den Vergleich von zwei fertigen Modulen: 
Pollin DCF1: funktioniert nur wenn der winkel zu frankfurt > etwa 20 ° 
ist.
Empfänger aus Aldi Funkwecker: Funktioniert sogar wenn man in radial auf 
frankfurt richtet und in Alufolie einpackt (auf dem Oszi sind zum. keine 
Störungen auf der Leitung zu sehen...).

PS: Ich wohn ca. 100 km von Frankfurt (nur zum Vgl.)...

von Daniel E. (daniele)


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Max schrieb:
> Wäre ein gutes analoges Front-End nicht effizienter?
> Ich nehm mal als simples Bsp. den Vergleich von zwei fertigen Modulen

Mit dem CIC-Detektor gewinnt man 15 dB SNR gegenüber einem 
schmalbandigem Geradeaus-Empfänger. Mit dem Maximum-Likelihood-Decoder 
noch einmal 14 dB gegenüber dem normalen 2-Minuten-Decoder.

Ich hab ein paar Module ausprobiert, in meinem Büro funktionieren die 
nur am Fenster. Mein FPGA-Empfänger funktioniert noch ca. 7 m vom 
Fenster, inkl. Leuchstoffröhre, PCs, Netzteile etc.

von Mike (Gast)


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Also Du speicherst munter los, dann kommt irgendwann der 
"Minuten"-Aussetzer, Du speicherst weiter bis Std/Min da sind, weisst 
dann auch die Minute, evtl. Stunde = Stunde + 1, Minute = 0 wegen "Bad 
Luck bei Start kurz vor der neuen Stunde".

Gefällt mir. Mir jucken schon die Finger da ein wenig rumzuspielen.

Du schriebst:

In principle, any
amount of noise can be rejected by waiting long enough.

Ähm, dieses "long enough", diese Zeitdauer, steigt aber exponentiell mit 
dem SNR. So lange kann ich INDOOR nicht warten.

Ich bin überrascht, die Ferrit Antenne in solcher nähe des FPGA zu 
sehen, himmel weiss was da alles rausbrummt auf 77.5KHz.

Ich bekomme manchmal bei meinen Test-Spielereine nur alle Paar Stunden 
eine gültige Zeit und mit dieser korrigiere ich einen Faktor für einen 
Quarzofen und langlaufenden Zähler (auch ein Spartan).

von Mike (Gast)


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Ja, die Frankfurter, die haben es gut.

Wenn ich Daniel korrekt gelesen habe, ist es Schweiz.

In meinem Fall Süddeutschland.

Da wird das Signal im Keller oder Büro mit PC's schon knapp...

Grüße,
Mike

von Daniel E. (daniele)


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Mike schrieb:
> Also Du speicherst munter los, dann kommt irgendwann der
> "Minuten"-Aussetzer, Du speicherst weiter bis Std/Min da sind, weisst
> dann auch die Minute, evtl. Stunde = Stunde + 1, Minute = 0 wegen "Bad
> Luck bei Start kurz vor der neuen Stunde".

Ich speichere jede Sekunde das Phasenmodulationsbit (die 
Amplitudenmodulation berechnet mein FPGA nicht, das macht nur der 
Algorithmus im Paper). Der Speicher enthält 3600 Bit, also 1 Stunde. 
Nach jeder Sekunde rechne ich über den gesamten Speicher:

1) Wo ist der wahrscheinlichste Minutenanfang
2) Welches ist die wahrscheinlichste Minute
3) Welches ist die wahrscheinlichste Stunde

> Ähm, dieses "long enough", diese Zeitdauer, steigt aber exponentiell mit
> dem SNR. So lange kann ich INDOOR nicht warten.

Genau, bis ca. 30 Minuten holt man am meisten heraus, nachher muss man 
sehr lange warten. Mein Algorithmus speichert 1 Stunde, mehr schien mir 
unnötig kompliziert.

> Ich bin überrascht, die Ferrit Antenne in solcher nähe des FPGA zu
> sehen, himmel weiss was da alles rausbrummt auf 77.5KHz.

Das ist ein bisschen tricky. Am Anfang hat mein Board nicht empfangen, 
bis ich mit dem Spectrum Analyzer die vom FPGA und der Speisung 
ausgesendeten Störungen auf 77.5 kHz gesehen habe. Dann habe ich das 
FPGA so geändert, dass nur der ADC auf 12*77.5 kHz arbeitet. Die 
ADC-Samples werden zwischengespeichert und in zufälligen Abständen 
verarbeitet, um die Störstrahlung des FPGA auf andere Frequenzen zu 
verschieben. Ist auch im Paper beschrieben auf Seite 15 "Clock leakage".

von Mike (Gast)


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Daniel,
danke für die Antworten.

Ooops. Ich habe natürlich nur schnell gelesen und übersehen, mit welchen 
Mitteln Du Deine "Eigenstörungen" minimierst.

Ich denke eine abgesetzte Antenne ist in manchen Anwendungen (aber nur 
wenigen) eine gute Lösung.

In einem kompakten Gerät ist aber das sicher ein Gewinn. Und dann stellt 
es der User neben das Ladegerät seines Handys auf den Nachttisch :-) 
dann hilft natürlich jedes bisschen Empfangsüberlegenheit.

Mich interessiert natürlich nur folgender Part besonders: Bestehender 
(dödeliger) Empfänger, minderbemittelter PROZESSOR so a la ATMEGA und 
übernahme einiger Deiner ML-Dekoder Schmackazien, die in dem Paper SUPER 
GUT rüberkommen.

Also nochmal, das Paper kommt hier in die Sammlung!!!!

Grüße,
Mike

von Daniel E. (daniele)


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Mike schrieb:
> Mich interessiert natürlich nur folgender Part besonders: Bestehender
> (dödeliger) Empfänger, minderbemittelter PROZESSOR so a la ATMEGA und
> übernahme einiger Deiner ML-Dekoder Schmackazien, die in dem Paper SUPER
> GUT rüberkommen.

Geht am besten mit Phasenmodulation, aber leider haben die bestehenden 
dödeligen Empfänger ja nur Amplitudenmodulation.

Bei der Phasenmodulation hat man für den Minutenstart 15 konstante Bits, 
die eine hervorragende Korrelation ergeben. Bei der Amplitudenmodulation 
hat man nur das spezielle Bit 59, für das man neben dem Soft Bit 0...1 
eine spezielle Codierung braucht (vielleicht die Länge der Absenkung 
speichern?).

Ich würde aber eher das Bit 59 ignorieren und dafür andere Bits 
benutzen:

- Konstant: Bit 0 (=0), Bit 20 (=1)
- Meistens konstant: Bits 16 und 19 als 0 annehmen
- Die 3 Prüfsummenbereiche inkl. Prüfbit mit XOR berechnen (aber nicht 
decodieren) und zur Korrelationssumme addieren (da immer 1 nach XOR). 
Das geht auch für Bits 17 und 18 (da 0/1 oder 1/0).

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Hi, Mike,

> Ich denke eine abgesetzte Antenne ist in manchen Anwendungen (aber nur
> wenigen) eine gute Lösung.
Meiner Erinnerung nach war das die Standardlösung von R&S für ihre DCF77 
Empfänger in ihrer Normalzeitserie XKE. (Da gehörte auch die Rubidium- 
und di Cäsiumuhr dazu). Standardlösung: Aktive Ferritantenne unter dem 
Dachvorsprung des Gebäudes. Also raus aus dem Störnebel.
Ich befürchte, das war noch vor der Erfindung des Intel 4004.

Was ich damals nicht nachgeschaut habe war, ob ein Kalibriertsignal 
bereits in die Ferritantenne eingespeist wurde oder erst später. Denn 
ein "gar kein Referenzsignal" halte ich für unmöglich, wo Präzision 
verlangt ist.

An der Fleißarbeit von Daniel gefällt mir zuerst die Biographie.
Aber, Daniel, Du scheinst Dich in der Patentliteratur gar nicht 
umgeschaut zu haben...

Wenn hohe Forderungen zu erfüllen sind, sei nach Kriterien wie 
a)"billig", b) "Präzision" oder auch c) "sofortige Verfügbarkeit des 
Zeitdienstes nach dem Einschalten" ist die Modellierung des ganzen 
Prozesses sinnvoll, wobei die Abschnitte unterteilt und einzeln 
untersucht werden auf Optimierungspotenzial.

Beispielsweise fallen die Forderungen b) und c) selten gleichzeitig an. 
Dann könnte der stromsparende Oszillator im Atmega am 32 kHz-Quarz nach 
Power On Reset schon mal eine Uhrzeit im Genauigkeitsbereich 10E-5 
liefern und man könnte sich mehr Zeit nehmen, die Zeitpunkte der 
schnellen Messungen durch spätere Zeitnahme am DCF77 zu korrigieren.

Besipielsweise könnte man dann den Batteriespar-Trick der 
DCF7-Uhr-Entwickler nutzen, die tagsüber Quarzzeit anzeigen und in 
ruhigen Nachtphasen die DCF77-Zeit übernehmen.

Zu den Varianten steuere ich noch diese bei: Ergänzung des 
DCF77-Empfängers um einen DCF77-Sender, der mit seinem Kalibriersignal 
als LO das Signal der Ferritantenne in die ZF umsetzt, vielleicht sogar 
als Quadratur-Mischsignal.
Der DCF77-Kalibriergenerator möge in den Zeiten, in denen der Datumscode 
von DCF77 prognostizierbar ist, genauso moduliert sein. Dann können die 
Tiefpässe nach dem Quadraturmischer für den Betrieb nach dem Einrasten 
auf den Träger so schmal ausfallen, wie es die Modulation durch Boden- 
und Raumwelle zulässt.

Ciao
Wolfgang Horn

von Daniel E. (daniele)


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Wolfgang Horn schrieb:
> Aber, Daniel, Du scheinst Dich in der Patentliteratur gar nicht
> umgeschaut zu haben...

Hast du mir einen Tipp?

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Hi, Daniel,

> Hast du mir einen Tipp?

http://www.patentfamily.de liefert auf "DCF77" 61 Einträge bis in die 
90er Jahre sowie auf "Time Code Receiver" 17623 Einträge.

Ich freue mich für Dein Engagement und Dein Streben nach "visibility".

Als Leser von IEEE Proceedings erwarte ich aber, dass die Redaktion die 
angebotenen Beiträge sorgfältig vorfiltert. Weniger auf Rechtschreibung, 
sondern eher auf Innovation.
Ich freue mich über Artikel, die wie eine Patentschrift
1. Das Anwendungsproblem beschreiben, das brennende, dessen Lodern den 
Mangel an Lösungen verkündet,
2. den Stand der Technik, dessen Grenzen,
3. und wie sie diese mit ihrer Innovation überschreiten.

Deine CIC sieht da schon interessant aus, aber wo ist das Lodern dazu?

Die stürmischen, innovativen Zeiten sind im Bereich der Time Code 
Receiver längst vorbei, die größten Schwierigkeiten gegen die präzise 
Mikrosekunde sind alle "im Griff" bis auf das Fading von Boden- und 
Raumwelle, und da sehe ich keine Lösung außer die Verlegung des Empfangs 
auf Tageszeiten mit stabiler Ausbreitung.

Wer heute Präzision braucht im nicht-militärischen Bereich und mit Blick 
auf den Himmel, der ist mit GPS billig versorgt.
Wer von GPS unabhängig sein will und hohe Genauigkeit braucht - heute 
staune ich über Rubidium-Atomuhren im Format eines 28poligen 
integrierten Schaltkreises.
Phantastisch. Genauigkeiten von 10E10 ohne Antenne, ohne Anschluss.

Welche Durchbrüche sind im Bereich der Time Code Receiver da noch zu 
erwarten - vor allem solche, die sich lohnen, weil sie ein brennendes 
Problem lösen?
Ich vermute einen für Time Code Receiver mit den Merkmalen "Kleinheit", 
"Empfindlichkeit", "Störsicherheit" , "minimaler Stromverbrauch" zur 
Steuerung von beispielsweise abgesetzten Sensoren mit Transceiver.

Deshalb ist mein Beifall verhalten. Aber die Arbeit war für Dich eine 
gute Übung, dasselbe mit echter Innovation zu wiederholen.

Ciao
Wolfgang Horn

von Lexi (Gast)


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Wolfgang Horn schrieb:
> Wer von GPS unabhängig sein will und hohe Genauigkeit braucht - heute
> staune ich über Rubidium-Atomuhren im Format eines 28poligen
> integrierten Schaltkreises.
> Phantastisch.

Nicht nur gackern, sondern bitte auch legen.

Wo gibt es die Teile?

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Hi, Lexi,

> Nicht nur gackern, sondern bitte auch legen.
>
> Wo gibt es die Teile?
Schau mal hier: 
http://www.symmetricom.com/products/frequency-references/chip-scale-atomic-clock-csac/

Naja, bisschen breiter als in dem Artikel, den ich noch im Kopf habe.

Ciao
Wolfgang Horn

von Daniel E. (daniele)


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Wolfgang Horn schrieb:
> Deine CIC sieht da schon interessant aus, aber wo ist das Lodern dazu?

> Deshalb ist mein Beifall verhalten. Aber die Arbeit war für Dich eine
> gute Übung, dasselbe mit echter Innovation zu wiederholen.

Die Goertzel- und CIC-Algorithmen sind natürlich bekannt, der 
Maximum-Likelihood-Decoder auch. Die Kombination für DCF77 und die 
Simulation der Empfindlichkeit ist meines Wissens aber neu. Der Titel 
des Papers ist ja auch "Performance Analysis".

Wo loderst Du am liebsten?

von W.S. (Gast)


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Wolfgang Horn schrieb:
> Phantastisch. Genauigkeiten von 10E10 ohne Antenne, ohne Anschluss.

..und von jedermann aus der Portokasse bezahlbar, oder?

Die bastlerische Realität siet etwas anders aus: ausgeschlachtete 
Rubidium-Normale für 100 Euro aus China.

W.S.

von Mike (Gast)


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W.S. schrieb:
> Die bastlerische Realität siet etwas anders aus: ausgeschlachtete
>
> Rubidium-Normale für 100 Euro aus China.

Ich habe so ein Teil. Es funktioniert. Ich denke die Dinger werden 
turnusmässig ausrangiert sobald die Ru Quelle unter einen gewissen Level 
fällt. Ich bin dann traurig wenn der Level unter die Selbsttestgrenze 
fällt, denn dann isses quasi Schrott für mich.

Das Thema "Genaue Clock" fasziniert mich trotz aller Ausschlachtung des 
Themas trotzdem weiter.

DCF-77 ist doch mit einfachen Mitteln zu greifen. Sofern man ein Signal 
hat, wo man es vorher nicht hatte, geht aber das Problem los...

Am schwierigsten ist die Minimierung von Phasenjitter wenn man versucht 
die diversen Signale (Ru-Clock, GPS, DCF-77, Quarz-Ofen) der Priorität 
nach zur Synchronisierung einer Zentralen Uhr zu verwenden.

In dem Paper kommt das an einer Stelle zu Tage: Korrekturen sollten 
zumindestens niemals dazu führen, das eine bereits erreichte "Zeit" 
nochmals erscheint, also niemals "Rückwärts" korrigieren.

Ich sage es nochmals: Mich interessiert das ganze Gebiet weiterhin, denn 
der eine hat keine Sicht auf Satelliten, der andere kein Empfang im 
Keller etc. etc.

Und wie toll finden wir (theoretisch) sowas wie NTP unter IP? Die RFCs 
ergeben interessante Lektüre. Über WLAN sogar drahtlos...

Nochmal zur absetzbaren Antenne: Auerswald hatte eine aktive Antenne für 
eine PC-Einsteckkarte, welche DCF-77 Genauigkeit in den original IBM-PC 
brachte, mit Batterie-Puffer und einer "etwas" genaueren Quarz-Uhr. Die 
Schnittstelle zur Antenne war ähnlich zu einer alten 20mA Schnittstelle 
und auf der PC Karte war ein 8051. Im Rechenzentrum im Keller stand der 
PC, auf dem Dach die Wasserfeste, an Mainflingen auszurichtende Antenne. 
Einmal korrekt ausgerichtet, war da eigentlich ausser bei 
Sonnenfleckenmaximum nie eine Störung. Drinnen war ein Ferrit-Antenne, 
die konnte man erkennen.

Grüße,
Mike

von Jan S. (jan_s)


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Ich kann bei dieser Diskussion leider nicht mit eurem technischen Niveau 
mithalten, aber das DCF-77 wird seit einiger Zeit(min. 10 Jahre) 
zusätzlich Phasenmoduliert. Die Firma Meinberg liefert hierzu sowohl die 
Empfänger als auch die Sendetechnik.
http://www.meinberg.de/german/products/pzf600.htm

von oszi40 (Gast)


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Über Genauigkeit ist jetzt viel geschrieben. Nun wäre noch der Punkt der 
Sommerzeitumschaltung gründlicher zu beleuchten, da es hier um eine 
ganze Stunde geht, die bei ungünstiger Programmierung erst am nächsten 
Tag wirksam wird! Wenn zwischen 2 und 3 Uhr umgestellt wird sollte die 
Plausibiltätsprüfung das rechtezitig merken!

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Ja, Jan,

> ...aber das DCF-77 wird seit einiger Zeit ..Phasenmoduliert.

Der Daniel hat das auch betrachtet. Lies einfach seine Arbeit.

Ciao
Wolfgang Horn

von Matthias (Gast)


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Wolfgang Horn schrieb:
> Aber, Daniel, Du scheinst Dich in der Patentliteratur gar nicht
> umgeschaut zu haben...

Das wäre mir das neueste, daß Doktoranden -diese dürften zumindest im 
deutschsprachigen Raum den Großteil der IEEE-Autoren stellen - sich mit 
Patenten auseinandersetzen.

von Daniel E. (daniele)


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Matthias schrieb:
> Das wäre mir das neueste, daß Doktoranden -diese dürften zumindest im
> deutschsprachigen Raum den Großteil der IEEE-Autoren stellen - sich mit
> Patenten auseinandersetzen.

Dieses Mal war's keine Doktorarbeit, nur etwas Freizeit. Und ja, Patente 
habe ich noch keine angeschaut, ich finde die meisten ziemlich unlesbar.

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Ne, Jungs, jetzt erst recht was für die
Allgemeinheit:

Ja, Patente sind für den Ungeübten schwer zu lesen. Insbesondere die 
Verschachtelung der Ansprüche. Weil die mit dem Hauptanspruch beginnen 
muss, und dann müssen alle Nebenansprüche und Nebennebenansprüche 
logisch darauf aufbauen wie die Linien einer Linienorganisation.

Aber, so mein Empfinden, leichter zu lesen als ein Firmwareprogramm in 
C.
Beides braucht Übung, bis sich die eigenen Augen das Wichtigste zuerst 
sehen.

Die Patentliteratur ist die Wichtigste zur Beobachtung der Konkurrenten.
Sowohl der Firmen, als auch der Erfinder.
Über die Zeit sieht man die Entwicklungslinien der Erfinder und 
Entwicklungsabteilungen. Zwar werden Patentanmeldungen erst nach einer 
Schonfrist veröffentlicht, dann aber mit Stand der Technik, Referenzen 
und einer Nachbauanleitung.
Die muß geeignet sein, dass der "durchschnittliche" Fachmann die 
Apparatur nachbauen kann. Da darf nicht getrickst werden, denn sollte 
die Erfindung nicht nachbaubar sein, kostet das den Patentschutz.

In Veräffentlichungen wie für die IEEE kann hingegen getrickst werden. 
Zumindest soweit, wie derjenige, der die Peer-Review durchführt, den 
Trick nicht durchschaut.

Ciao
Wolfgang Horn

von Jan S. (jan_s)


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Wolfgang Horn schrieb:
> Ja, Jan,
>
> Der Daniel hat das auch betrachtet. Lies einfach seine Arbeit.
Sorry, hab nur den Thread überflogen und wohl etwas missverstanden.

von Roland (r_fischer)


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Hallo Daniel,
danke für diese wirklich nützliche Schrift.

Roland

von ADC (Gast)


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Hallo!

Eine sehr schöne Arbeit. Vielen Dank dafür!

Dürfte ich fragen, mit welcher Software du die Darstellungen erstellt 
hast?

z.B.
die Darstellung der Spektren in Fig 7 ?
oder die Signalflussdiagramme in Fig 6 ?
Fig 4 stammt ursprünglich wahrscheinlich aus Matlab?


Gruss

von Christian B. (casandro)


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oszi40 schrieb:
> Nun wäre noch der Punkt der
> Sommerzeitumschaltung gründlicher zu beleuchten,

Mein Umgang mit der Sommerzeit ist ganz trivial. Einfach alles in 
Unix-Epochen umrechnen und mit denen arbeiten. Sonst macht das nur 
Probleme.

Schwieriger sind die Schaltsekunden. Man könnte zwar die GPS- oder 
Atomzeitskala verwenden, aber DCF77 liefert nicht die aktuelle 
Abweichung in Sekunden. Man müsste das also anfangs manuell einstellen 
und dann ständig lauschen um nicht das Schaltsekundensignal zu 
verpassen.

Übrigens die nächste Schaltsekunde wird am 30.6.2012 eingefügt.

von Daniel E. (daniele)


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ADC schrieb:
> die Darstellung der Spektren in Fig 7 ?
Matlab
> oder die Signalflussdiagramme in Fig 6 ?
Inkscape
> Fig 4 stammt ursprünglich wahrscheinlich aus Matlab?
Genau

Also alles aus Matlab oder Inkscape, via PDF und pdflatex.

von JoachimB (Gast)


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Hallo,

vielen Dank für die interessante Arbeit.
Hier noch zwei Patentschriften, die zum Thema passen und evtl. 
interessant sind.
DE000003733966A1 und
DE000004219417C2

Gruß
Joachim

von Daniel E. (daniele)


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JoachimB schrieb:
> Hallo,
>
> vielen Dank für die interessante Arbeit.
> Hier noch zwei Patentschriften, die zum Thema passen und evtl.
> interessant sind.
> DE000003733966A1 und
> DE000004219417C2
>
> Gruß
> Joachim

Interessant! Wäre spannend die Empfindlichkeit dieser Verfahren zu 
messen.

Hier noch die direkten Links:

http://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/originalDocument?CC=DE&NR=3733966A1&KC=A1&FT=D&ND=3&date=19890420&DB=EPODOC&locale=en_EP

http://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/biblio?FT=D&date=19960321&DB=EPODOC&locale=en_EP&CC=DE&NR=4219417C2&KC=C2&ND=5

von Abdul K. (ehydra) Benutzerseite


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Noch umständlicher? Nein!

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Abdul K. schrieb:
> Noch umständlicher? Nein!

Ja, Abdul, beide Vorschläge schauen mir genial aus.

Ciao
Wolfgang Horn

von Abdul K. (ehydra) Benutzerseite


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Ich meinte die Art die pdfs zu holen ;-)

Was die Vorschläge angeht: Die beiden Methoden kenne ich in anderen 
Formen. Wie so oft bei neuen Ideen und Patenten, gibt es das oftmals 
unter anderen Namen oder Anwendung. Oder wird auch mal gezielt 
verschleiert, um es als neu darzustellen.
Matjaz Vidmar benutzt z.B. in einem seiner PSK-Empfänger einen 
kreiselnden Multiplexer mit passiven Netzwerken an diversen eingehenden 
Abgriffen. Das scheint mir eine der obigen Methoden zu sein. Eben nur 
leicht anders dargestellt.

Mir fehlen aber die mathematischen Fähigkeiten diese Methoden optimiert 
anzuwenden. Gibts irgendeine realisierte Quelle oder wird das jemand 
ausprobieren?

von Wolfgang H. (Firma: AknF) (wolfgang_horn)


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Hi, Abdul,

> Wie so oft bei neuen Ideen und Patenten, gibt es das oftmals
> unter anderen Namen oder Anwendung.
Das ist der Futter der Patentanwälte, wenn sie Umgehungspatente 
einreichen, auf Nichtigkeit klagen, Gegenklage einlegen....

> Matjaz Vidmar benutzt z.B. in einem seiner PSK-Empfänger einen
> kreiselnden Multiplexer mit passiven Netzwerken an diversen eingehenden
> Abgriffen.
Zur Verschaltung von vielen Adcock-Peilantennen zu einem Sinus- und 
einem Cosinus-Signal gibt es etwas Ähnliches aus der Zeit vor dem 
Weltkriege.

> Mir fehlen aber die mathematischen Fähigkeiten diese Methoden optimiert
> anzuwenden.
Optimieren, ein endloses Geschäft.

Den AD-Wandler mit der vierfachen Trägerfrequenz zu takten und daraus 
Real- und Imaginarteil zu gewinnen, das halte ich zwar für genial, aber 
für keine wirkliche Neuigkeit zum Zeitpunkt der Patentanmeldung. CORDIC 
ist seit 1959 bekannt, gibt's sogar in C für AVR, und dass man ihn nicht 
bei jeder Abtastung rechnen müsste, sondern nur beim Auslesen 
gemittelter Werte, liegt auf der Hand.

> Gibts irgendeine realisierte Quelle oder wird das jemand ausprobieren?
Da fehlen mir die Informationen. Aber einen Nachbau halte ich für 
relativ leicht.

Ciao
Wolfgang Horn

von Abdul K. (ehydra) Benutzerseite


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Du hast sie zumindest genau gelesen. Das ist heutzutage schonmal was.

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