Forum: Offtopic Gemavermutung


von Vlad T. (vlad_tepesch)


Lesenswert?

Hi,

es gibt ja in letzter Zeit ziemlich viel Wirbel um die Gema.

Vielleicht kann mir ja einer ein paar Fragen beeantworten:

Angenommen ich fertige irgend ein Musikstück an und irgend jemand 
anderes spielt es öffentlich.
Der muss dann Gema-Gebühren bezahlen, oder?
Wie krieg ich da meinen Teil des Kuchens?

Was ist, wenn ich nicht möchte, dass der jenige Gebühren bezahlt?
Kann ich einfach der Gema schreiben, dass ich durch sie nicht vertreten 
werden möchte und die müssen das respektieren?

Oder ist das an bestimmte Mindestumsätze gekoppelt.

von Michael L. (michaelx)


Lesenswert?

Hi auch,

1. Gema-Vermutung bedeutet, dass erst mal pauschal davon ausgegangen 
wird, dass der "Hersteller/Erfinder" ;-) des betreffenden (aller) Titel 
bei der Gema Mitglied ist. Daher "muss" man beweißen, dass dem nicht so 
ist.

2. Um von der Gema Geld zu bekommen, musst du Mitglied in dem Laden 
werden.

3. Von allem, was du produzierst, trittst du der Gema die Rechte dafür 
ab.

Ich hoffe, das ich die Kurzfassung ("neulich" mal auf heise.de 
diskutiert) so einigermaßen richtig wiedergegeben habe.

Grüße.

von J.-u. G. (juwe)


Lesenswert?

Michael L. schrieb:
> Daher "muss" man beweißen, dass dem nicht so
> ist.

Und zwar muss das der Aufführer beweisen (zumindest laut 
Wikipediaartikel):

"Wer GEMA-freie Musik öffentlich aufführt oder gewerblich nutzt, muss, 
um Ansprüchen der GEMA zu entgehen, die Vermutung widerlegen, dass die 
genutzten Werke GEMA-pflichtig sind. Notwendig sind nach der bisherigen 
Rechtsprechung dafür die Nennung von Komponist, Texter, Bearbeiter und 
gegebenenfalls des Verlages, die an dem Werk beteiligt waren"

von Georg A. (georga)


Lesenswert?


von Uhu U. (uhu)


Lesenswert?

Michael L. schrieb:
> bei der Gema Mitglied ist. Daher "muss" man beweißen, dass dem nicht so

Nicht begrünen?

von Frank P. (mauz)


Lesenswert?

@UHU: Böse! :-)

von Lothar M. (Firma: Titel) (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


Lesenswert?

Uhu Uhuhu schrieb:
> Michael L. schrieb:
>> "muss" man beweißen
> Nicht begrünen?
Oder denen gar einbläuen?

Die Gemavermutung ist etwa, wie wenn du in der Stadt pauschal einen 
Strafzettel fürs Falschparken bekommen würdest, es sei denn, du kannst 
nachweisen (z.B. durch einen Parkschein), dass du nicht falsch geparkt 
hast.
Ich verstehe nicht, wie ein einfacher Nutzungsrechtevermarktungsverein 
so mächtig werden kann...

von c. m. (Gast)


Lesenswert?

Lothar Miller schrieb:

> Ich verstehe nicht, wie ein /einfacher Nutzungsrechtevermarktungsverein/
> so mächtig werden kann...

kriminelle energie in gesetze gegossen.

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


Lesenswert?

Durch die Segnungen des Lobbyismus? Eigentlich ist das ein Fall fürs 
Kartellamt. Stichwort ausnutzen einer marktbeherschenden Stellung.

Aber wer kann sich schon leisten denen ans Bein... und will es dann auch 
noch. Normale Menschnen halten zu so etwas Abstand.
der neueste spass von denen sie wollen diskotheken etc.mit einem Stz 
belegen der sich an Maximalen spitzenumsätzen orientiert. und dies Auf 
der Basis der verfügbaren Fläche. Wer also zukünftig so etwas nutzen 
will sollte 7/7 der Woche zur Party erscheinen. .....

Namaste

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


Lesenswert?


von Michael L. (michaelx)


Lesenswert?

Uhu Uhuhu schrieb:
> Michael L. schrieb:
>> bei der Gema Mitglied ist. Daher "muss" man beweißen, dass dem nicht so
>
> Nicht begrünen?

Was wissen Uhus schon von Farbe! Denen graut es doch höchstens ... :-^

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Winfried J. schrieb:
> Aber wer kann sich schon leisten denen ans Bein... und will es dann auch
> noch. Normale Menschnen halten zu so etwas Abstand.

Sonst bekommen sie früh um 6 Besuch und der PC ist weg...

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


Lesenswert?

Ist schon wahr. Leider haben kleinere Musiker und Veranstalter keine 
Gewerkschaft oder Interessenvertretung, und die Grossen können mit der 
Gema gut leben. Aber bis auf diese und die grossen Musikmonopolisten 
hier im Land sind alle anderen gelackmeiert und werden ausgeweidet.
Das juristische Modell der Gema ist lt. Auskunft eines befreundeten 
Juristen übrigens tatsächlich anzuzweifeln. Mit einer Sammelklage gegen 
das Monopol und den Alleinvertretungsanspruch, sowie die 
Nichtoffenlegung der Bilanz könnte eine Musiker- und 
Veranstaltergemeinschaft sogar Erfolg haben. Leider gibts das ja nicht, 
siehe oben.
Und wenn die Gema was hat, dann sind das Anwälte. Es wäre also für 
einzelne Kläger sehr teuer und langwierig, Prozesse anzustrengen. Darauf 
hat sich die Gema schon Jahrzehnte verlassen.

von (prx) A. K. (prx)


Lesenswert?

Lothar Miller schrieb:
> Ich verstehe nicht, wie ein /einfacher Nutzungsrechtevermarktungsverein/
> so mächtig werden kann...

Typische Ansicht eines Netizen. Dass Politiker mittlerweile ab und zu 
twittern oder einen Facebook Account pflegen (lassen) heisst nicht, dass 
sie von der Netzwelt Ahnung haben.

Vor 50 Jahren war der bürokratische Aufwand für eine sinnvollere 
Vorgehensweise zu hoch und zudem stimmte mangels alternativer 
Verbreitungswege die Gema-Vermutung praktisch immer. Politik, Gema und 
Gerichte sind halt noch auf diesem Stand, obwohl das längst obsolet ist. 
Solche Anpassungsprozesse dauern Jahrzehnte.

Dass die Gema sich in ihrer heutigen Form nicht selbst abschafft ist ja 
wohl logisch. Vielleicht ahnt man dort auch, dass es nicht mehr ewig so 
gehen kann und zieht deshalb nun ein paar Extraschlucke aus der Pulle. 
Solange man noch kann.

von Uhu U. (uhu)


Lesenswert?

Lothar Miller schrieb:
> Ich verstehe nicht, wie ein einfacher Nutzungsrechtevermarktungsverein
> so mächtig werden kann...

Die tollste Rechtfertigung, die ich bisher fand:
1
Sie besagt im Groben, dass die Musikverwertungsgesellschaft in
2
Deutschland mit einer Beweislastumkehr begünstigt wird, weil sie ein
3
Monopol hat.

ist hier nachzulesen: http://www.heise.de/tp/artikel/37/37514/1.html

Dagegen werden die Energiekonzerne ja geradezu diskriminiert...

von (prx) A. K. (prx)


Lesenswert?

Uhu Uhuhu schrieb:
> Sie besagt im Groben, dass die Musikverwertungsgesellschaft in
> Deutschland mit einer Beweislastumkehr begünstigt wird, weil sie ein
> Monopol hat.

So irre ist das doch garnicht.

Wenn die Gema wirklich ein nahezu absolutes Monopol hat, dann kann die 
Gema-Vermutung nur in seltenen Ausnahmefällen falsch sein. Folglich ist 
sie so gesehen effektiv und daher vernünftig.

Zum Problem wird sie hauptsächlich deshalb, weil dieses Monopol durch 
direkte Vertriebswege allmählich zu bröckeln droht. Im Netzzeitalter 
sind Musikproduzenten im Grund nicht mehr auf die Gema angewiesen. Sie 
kommen aber aufgrund der vertraglichen Bedingungen ohne zeitweiliges 
Berufsverbot auch nicht mehr raus.

von Uhu U. (uhu)


Lesenswert?

A. K. schrieb:
> So irre ist das doch garnicht.

Na ja, dann monopolisieren wir doch einfach alles. Dann können die 
Monopolisten die Preise frei Schnauze festlegen und wer aufmuckt, 
kriegts gleich mit dem Gerichtsvollzieher zu tun. (Wobei man diesen Job 
dann auch zur örtlichen Mafia outsourcen könnte - als Monopol, versteht 
sich.)

Die Gerichtsbarkeit kann man sich dann auch gleich sparen - es ist ja 
sowieso alles ein für alle mal geregelt.

> Im Netzzeitalter
> sind Musikproduzenten im Grund nicht mehr auf die Gema angewiesen.

Das glaube ich jetzt wieder nicht, zumindest eine Gema ohne göttlich 
Universalkompetenz können die schon brauchen. Dann kämen wenigstens alle 
in den Genuß iherer Arbeit und nicht nur die ganz Großen.

von (prx) A. K. (prx)


Lesenswert?

Ich heisse das Monopol nicht gut. Aber die Gema war bisher eines, und so 
betrachtet war die Gema-Vermutung effizient. Es gibt aber, auch durch 
Internationalisierung, eigentlich keine logische Basis mehr für ein 
solches nationales Monopol. Es wäre sinnvoll, dieses Monopol aufzulösen. 
Die Künstler und Produzenten hätten dann freie Wahl der Vertriebswege. 
Und die Gema-Vermutung hätte dann keine Grundlage mehr.

von Uhu U. (uhu)


Lesenswert?

A. K. schrieb:
> Aber die Gema war bisher eines, und so betrachtet war die Gema-Vermutung
> effizient.

Effizienz und Fairnes sind zweierlei Paar Stiefel. Dikaturen sind i.d.R. 
effizienter, als Demokratien - deswegen sind sie aber nicht besser.

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


Lesenswert?

Womit dann blutsaugende Anwälte für dir Geselschaft ebenso obsolet 
würden, wie der blasfämische Richterstand. Im unglücklichen Fall gibt es 
dann einen größenwahnsinnigen Diktator im günstigen hingegen eine weisen 
Monarchen welche beide per Dekret regierten. Der Rest darf sich diesem 
unterwerfen.

Was für ein Kleines Dorf/Fürstentum noch angehen mag, .....

Namaste

von (prx) A. K. (prx)


Lesenswert?

Uhu, bei deiner Prinzipienreiterei wäre schon jeder einfache 
Amtsgerichtsprozess frühestens beim dem Ableben aller Beteiligten 
beendet.

von Uhu U. (uhu)


Lesenswert?

Fällt dir nichts mehr ein?

von (prx) A. K. (prx)


Lesenswert?

Immerhin versuche ich doch, die gleiche Aussage über die Jahre immer 
wieder mal verschieden auszudrücken. Ist das nichts? ;-)

von Michael K. (charles_b)


Lesenswert?

A. K. schrieb:
> Ich heisse das Monopol nicht gut. Aber die Gema war bisher eines, und so
> betrachtet war die Gema-Vermutung effizient. Es gibt aber, auch durch
> Internationalisierung, eigentlich keine logische Basis mehr für ein
> solches nationales Monopol. Es wäre sinnvoll, dieses Monopol aufzulösen.
> Die Künstler und Produzenten hätten dann freie Wahl der Vertriebswege.
> Und die Gema-Vermutung hätte dann keine Grundlage mehr.

Statt solcher vernünftiger Dinge können wir uns freuen, dass man drüber 
nachdenkt, die alten Nummerschilder wieder zuzulassen, Black-Boxen in 
Autos einzubauen und uns (bzw. der Versicherungswirtschaft) 5 Euro pro 
Monat für ne Pflegeversicherung zuzuschustern. Ähnlich wichtige Themen 
sind der Punkte-Katalog in Flensburg und das Verbot, in Bayern nach 20 h 
an Fahrradfahrer Mineralwasser an der Tanke zu verkaufen.

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


Lesenswert?

hehe warum so angep...

die Zeit regelt das. Eentwicklung lässt sich nicht verhindern noch 
forcieren. Sie findet statt und es ist ein Irrglaube die Richtung 
beinflussen zu können, wie jeder Ossi weiss.

Namaste

von Ulrich S. (voodoofrei)


Lesenswert?

Michael L. schrieb:
> 2. Um von der Gema Geld zu bekommen, musst du Mitglied in dem Laden
> werden.

Geld bekommen nur die Großen und die, die dort an den Hebeln sitzen.

Es wird immer über "Umverteilung von Arm nach Reich" gesprochen, bei der 
GEMA wird sie perfekt praktiziert, aber das stört die Allgemeinheit 
natürlich nicht.

Eigentlich müssten man dem Laden die gesetzliche Legitimationsgrundlage 
entziehen.

von Michael K. (charles_b)


Lesenswert?

GEMA:

Gebt
Eure
Mäuse
Ab

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


Lesenswert?

Hier heißt die Gema AKM  und ist wohl noch rabiater.

http://www.vol.at/hier-spielt-die-musik-strafurteil-wegen-akm/3457475

von Back F. (Firma: Backflow) (backflow)


Lesenswert?

>Hier heißt die Gema AKM  und ist wohl noch rabiater.

Warum lehnt sich denn jetzt der mündige östereichische Staatsbürger 
nicht dagegen auf. Im Gegensatz zum obrigkeitshörigen Deutschen?

Die Platte spielst du doch sonst immer:

Autor: Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne)
Datum: 28.08.2012 07:16
"Durch die Segnungen des Lobbyismus? Eigentlich ist das ein Fall fürs
Kartellamt. Stichwort ausnutzen einer marktbeherschenden Stellung."

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.