Forum: Offtopic Plausibilitätskontrolle


von Michel (Gast)


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ist sie Standard?
Muss ich sie beim Programmierer explizit fordern, oder ist eine Prüfung 
auf plausibilität selbstverständlich?
Grund der Frage ist, dass wir einen Entwickler haben, dem so ziemlich 
alles 'am Arsch vorbei geht'. Einige Beispiele:
- Er lässt es zu, dass sich ein einzig verfügbarer 'Admin' die Rechte 
wegnimmt, und dann keinen Zugriff mehr auf die Steuerung hat.
- Die in dem System verbauten Temperatursensoren kann man justieren, 
egal ob sie nicht angeschlossen sind, oder einen Kurzschluss haben, die 
Steuerung zeigt dann statisch den Wert an, der bei der Justierung 
eingegeben wurde. Wird so die Heizung eingeschlatet (Sollwert höher als 
der 'Messwert'), brennt ihre Übertemperatursicherung durch.
- Die Drehzahlregelung dreht voll auf wenn der Drehgeber keine Signale 
liefert, Motoren laufen dann mit max. Drehzahl.
- Bei Firmwareupdate prüft er nur, ob die Daten richtig im µC angekommen 
sind, und nicht, ob dieser die Daten auch korrekt im Flash gespeichert 
hat.

Ist dies alles jetzt des Programmierers Fehler, oder kann er sagen, dass 
davon nichts in einem Pflichten- oder Lastenheft stand.

Für mich wäre eine solche Kontrolle selbstverständlich, habe das während 
meiner Auabildung, bei der Programmierung einer SPS, auch immer so gut 
wie möglich umgesetzt.

Was denkt Ihr dazu?

michel

von Joachim R. (jorath)


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Nabend,

Michel schrieb:
> Ist dies alles jetzt des Programmierers Fehler, oder kann er sagen, dass
> davon nichts in einem Pflichten- oder Lastenheft stand.

kommt auf die Anwendung an. Bastelei oder Kommerziell. Bei letzerem 
steht sein Arbeitgeber (kann er auch selbst sein) mit einem Bein im 
Knast. Regressforderungen wegen Produktionsausfall, durch mangelnde 
Sorgfalt bei der Umsetzung (Entwicklung), sind nicht zu unterschätzen.

MfG

von Michel C. (michel13)


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Hallo Joachim,

der Entwickler ist selbstständig, und es ist kommerziell.
Aufgrund seiner 'Qualität' bekommt er schon keine neuen Projekte mehr, 
und die, die er noch hat, werden durch Neuentwicklungen ersetzt werden. 
Das dauert aber noch einige Zeit.
Wir haben Ihn schon mehrfach aufgefordert sich etwas einfallen zu 
lassen, aber das hätten wir uns sparen können, da kann man auch ne Kuh 
ins Horn petzen.


michel

von Peter D. (peda)


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Michel schrieb:
> Ist dies alles jetzt des Programmierers Fehler, oder kann er sagen, dass
> davon nichts in einem Pflichten- oder Lastenheft stand.

Ein Pflichtenheft sollte alle wichtigen Anforderungen beinhalten. Wenn 
etwas Wichtiges nicht drin steht, ist das schlecht. Dann kann man es 
sich ja ganz sparen.

Es reicht ja schon eine ganz formale Nennung: "Eine Fehlererkennung und 
Behandlung ist zu implementieren".
Wenn dann Unklarheiten zum Umfang bestehen, dann muß er eben fragen, ob 
man was weglassen kann.
Man muß ihn sozusagen mit dem Pflichtenheft in die Pflicht nehmen.


Peter

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Wenn es die Anforderungen nicht gab (Pflichtenheft), kann man eigentlich 
keinen direkten Vorwurf machen. Sicher, über manche Sachen sollte er 
sich auch selbst Gedanken machen - aber das kann auch in die Hose gehen. 
Er kann sich ja was ganz anderes dabei denken, als du jetzt meinst, wie 
es logisch wäre.
Es gibt nur wenige Möglichkeiten, solch ein Dilemma zu lösen:
1. komplettes Pflichtenheft (ist mir in der Praxis noch nie begegnet, 
vielleicht gibt es das in der Luft/Raumfahrt. Falls es das gibt, steckt 
eine gigantische Arbeit darin, mehr als die zu entwickelnde Software 
selbst)
2. ein unabhängiger Dritter prüft die Sache, völlig unvoreingenommen. 
Widersprüche, wenig sinnvolles Verhalten wird ausgemerzt (dabei auch 
direkt ins Pflichtenheft übernommen)
3. miteinander reden, wenn irgendwas nicht ganz klar ist und/oder 
Entscheidungsspielraum vorhanden ist

Bei mir ist eine Softwareentwicklung eigentlich immer ein rantasten an 
das Endprodukt. Die Auftraggeber haben oft nur eine grobe Vorstellung, 
an die 1000 kleinen Dinge denkt erstmal keiner -> alles ist im Fluss.

von Georg A. (georga)


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Formal gesehen sollte sowas im Pflichtenheft drinnenstehen. Allerdings 
kommts IMO in der Realität auch auf die Einbindung der externen 
Entwicklung an. Wenn das nur einer ist und der auch noch quasi vor-ort 
und nicht in Indien sitzt, hat das ja wohl auch den Grund, den formalen 
Teil zugunsten einer effizienten Arbeitsweise zurückzufahren. Jegliche 
Unklarheiten oder Fragen könnten ja dann schnell per Telefon/Email 
gelöst werden. Dazu gehört natürlich auch ein bisschen das Mitdenken... 
Wenn das nicht passiert, kann man den Job auch gleich nach Indien geben 
;)

von Axel L. (axel_5)


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Formal muss das natürlich im Pflichtenheft drinstehen. Denn dass ein 
Motor bei fehlenden Drehgebersignalen stehenbleiben soll, ist ja 
keineswegs selbstverständlich, man könnte ja auch einen anderen 
"sicheren" Zustand wollen.

Andererseits muss sich natürlich jeder Entwickler, das daraufhin nicht 
wenigstens mal nachfragt, fragen lassen müssen, was ihn von einem 
beliebigen Auftragsentwickler in Indien unterscheidet und warum man ihm 
mehr Geld zahlen soll.

Gruss
Axel

von Rufus Τ. F. (rufus) Benutzerseite


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> Wenn es die Anforderungen nicht gab (Pflichtenheft), kann
> man eigentlich keinen direkten Vorwurf machen.

Naja, gewisse Dinge sollten als Selbstverständlichkeit angesehen werden, 
à la "good engineering practices", oder einfach Ingenieurshandwerk.

Aber das ist bei Softwareentwicklung ein Minenfeld ...

von Lothar M. (Firma: Titel) (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


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Ist nicht die ganze Softwareentwicklung ein Mineneld?

Macht der Programmierer z.B. eine Drehzalkontrolle rein und setzt wegen 
fehlender Vorgaben die Grenzen falsch, dann hatte er Arbeit und zudem 
noch den Ärger mit den falschen Abschaltungen. Tut er es nicht, hat er 
nur den Ärger...

von Johnny B. (johnnyb)


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In vielen Firmen ist es heutzutage leider sogar gefordert, den Fokus auf 
die Termine zu legen und nicht auf die Qualität, so wie das früher der 
Fall war.
Also lieber einen Monat früher fertig sein als alle Eventualitäten zu 
testen und Fehler zu korrigieren.
Das scheint also so im Trend zu sein und Dein Kollege macht es so 
gesehen richtig.

Persönlich teile ich aber auch Deine Meinung, dass der Programmieren ein 
wenig mitdenken sollte und gewisse Dinge abfangen die "gefährlich" sind. 
Aber wen interessiert schon unsere Meinung...

von (prx) A. K. (prx)


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Hängt natürlich etwas von Kundschaft und Unternehmensziel ab. Wenn man 
gut damit leben kann, einen Kunden nie wiederzusehen, es sei denn vor 
Gericht, dann ist eine Vorgehensweise "Dienst nach Vorschrift" der 
richtige Ansatz.

Ein gewisser "Schlupf" zur Wahrung möglicher teurer Folgeaufträge ist 
freilich gängige Praxis. Aber man sollte es dabei nicht übertreiben.

von Georg A. (georga)


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> und gewisse Dinge abfangen die "gefährlich" sind.

Soweit würde ich noch gar nicht gehen, dass da schon Arbeit reingesteckt 
wird, ohne genau zu wissen, ob das überhaupt ein reales Problem ist. 
Aber Nachfragen sollte man schon, es kann ja auch durchaus Fälle geben, 
an die der Auftraggeber auch noch nicht gedacht hat und die evtl. ein 
etwas grösseres Redesign nötig machen...

von Weingut P. (weinbauer)


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das kommt meiner Meinung nach von der Entkopplung der Entwicklung von 
der Praxis.
Der Praktiker, der an der Maschine steht weiß, es kommt zu Ausfällen und 
dann muss die Maschine irgendwie reagieren. Der Softwareentwickler 
entwickelt mMn quasi eine Black Box ... irgendwas geht rein, irgendwas 
geht raus. Es ist auch nicht seine Aufgabe alle Eventualitäten 
nachzufragen, das ist Aufgabe des Auftraggebers zu beschreiben welche 
Fehlerfälle wie behandelt werden müssen. Hinterher kommen und dies und 
jenes muss so oder anders laufen ist immer schön.
Kenn das auch, vage Funktionsbeschreibung ewiges herumklabustern an 
irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen und dann huch, in zwei Wochen ist 
Deadline, jetzt aber schnell und perfekt.
Hinterher stellt sich der Kunde hin ... und das haben sie nicht 
berücksichtigt und das der Sensor ausfallen kann, dass müssen sie sich 
doch denken und das das Ventil dann auf statt zu gehen muss ist ja wohl 
logisch und überhaupt, warum wurde die Funktion über die wir überhaupt 
nicht gesprochen haben von Ihnen nicht einfach als Feature implementiert 
ohne Aufpreis versteht sich, wenn wir die nicht brauchten hätten wir die 
immernoch rauswerfen können.

Hab grad sowas bei Hardwareentwicklung ... hab schon Reserven 
eindesignt, extra Schaltausgänge, extra AD-Eingangänge, extra 
Digitalausgänge, jetzt ist Deadline, alle Reserven sind im Einsatz und 
der Kunde hätt gern noch mehr dazu, obwohl die nie gefordert waren, aber 
huch, da könnten wir ja auch noch x und y und z dazuhängen .... grrrrr

von Michel C. (michel13)


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Beispiel Auto - Tempomat: musste da explizit darauf hingewiesen werden, 
dass eine 'plausieble Geschwindigkeit' ermittelt wird bevor er diese 
konstant hält? Betätigung der Bremse o. Kupplung --> Tempomat = Aus, 
keine Signale vom 'Tachogenerator' = Tempomat Aus, oder gar nicht erst 
An????
Haha, ich bin von diesem Entwickler mittlerweile so dermaßen überzeugt, 
dass es Ihm schwer fallen wird mich zu enttäuschen.
Er hat mir mal erzählt, dass er 'ne neue Steuerung mit nem ARM' machen 
will, als ich fragte: 'warum nicht eine mit zwei Beinen?' hat's ne Weile 
gedauert, und er lachte (tolles Wortspiel? - oder hab ich ihn damit zu 
arg getroffen?).
Befürchte, dass das Ganze mit einer gewissen Anspruchslosigkeit zu tun 
hat, die mit meinem Denken auf Konfrontationskurs liegt.
Hinweise werden dementiert, und Ideen als Bestandslos gewertet.
Der (unser) Entwickler braucht wohl keinen Kunden, das was Er macht ist 
gut, und wenn wir damit nicht zufrieden sind, suchen wir nen 
anderen..... Ihm ist dies wohl egal.

von Läubi .. (laeubi) Benutzerseite


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Was ist eigentlich dein Problem? Bist du verheiratet mit dem Entwickler, 
dass du da derart viel Emotion reinbringst?

Michael B. schrieb:
> musste da explizit darauf hingewiesen werden
Wenn man etwas fordert (gerade im Sicherheitskritischem Bereich) dann 
gehört das in die Anforderungen, fertig! Man verlässt sich bei so was 
doch nicht darauf das doch "schon klar ist" was da passieren soll, und 
wenn ja dann ist das ein Versäumnis des Auftraggebers.

von Michel C. (michel13)


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Läubi .. schrieb:
> Was ist eigentlich dein Problem? Bist du verheiratet mit dem Entwickler,
> dass du da derart viel Emotion reinbringst?
äääh?
Nun gut, meine Ansprüche und Erwartungen sind zu hoch, hab ich mal 
wieder vergessen.
Probier demnächst mal Mittelmäßigkeit und Ignoranz zu üben.
Gut braucht eh nix sein, es muss halt nur so irgendwie funktionieren.
Werd aber mal nachschauen was in den Anforderungen steht.

von Karl H. (kbuchegg)


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Michel C. schrieb:
> Läubi .. schrieb:
>> Was ist eigentlich dein Problem? Bist du verheiratet mit dem Entwickler,
>> dass du da derart viel Emotion reinbringst?
> äääh?
> Nun gut, meine Ansprüche und Erwartungen sind zu hoch, hab ich mal
> wieder vergessen.

Das ist ja nicht das Problem.
Aber wenn ihr ihm ohnehin keine Aufträge mehr zuschanzt, dann bist du 
ihn ja sowieso bald los.

von Peter D. (peda)


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Läubi .. schrieb:
> Wenn man etwas fordert (gerade im Sicherheitskritischem Bereich) dann
> gehört das in die Anforderungen

Bzw. umgekehrt, was nicht in der Liste steht, kann auch nicht abgehakt 
werden.

Wenn eh jeder alles im Kopf hätte, bräuchten z.B. Piloten ja keine 
Checklisten. Würdest Du mit einem Piloten fliegen, der keine Checkliste 
abarbeitet?

Der Entwickler hat in erster Linie das abzuarbeiten, was als Anforderung 
dokumentiert ist. Läuft eine Entwicklung nur auf Zuruf, dann läuft 
gewaltig was schief.


Peter

von Peter D. (peda)


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Eigentlich müßte man diesem Entwickler doch dankbar sein.
Er deckt ja damit die Mängel auf, die bei der Erstellung der 
Spezifikation immer noch bestehen.

Peter

von Michel C. (michel13)


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Peter Dannegger schrieb:
> Eigentlich müßte man diesem Entwickler doch dankbar sein.
> Er deckt ja damit die Mängel auf, die bei der Erstellung der
> Spezifikation immer noch bestehen.
>
> Peter
Ok Peter, von der Warte gesehen...
Er deckt die Mängel aber nicht direkt auf, sondern nur mit Hilfe der 
Querulanten, die sich nicht mit dem Ergebnis zufrieden stellen lassen. 
Ihm selbst hilft das nur wenig, da er nicht auf das Feedback eingeht. 
Uns hilft es sehr, sollten wir da geschlampt haben, Anforderungen beim 
nächsten Projekt besser zu formulieren. DANKE lieber Entwickler.
90% der Beteiligten sind solche Sachen egal, die machen Dienst nach 
Vorschrift, gehen den Weg des geringsten Widerstads, und bewirken keinen 
Fortschritt. Ich rege mich da halt gerne auf, und suche nach Ursache & 
Lösung.
@ Pflichtenheft und sonst nix Unterstützer: werde es auch mal versuchen, 
gebe dann zwar meine Ideale auf, werde aber mit Sicherheit eine 
leichtere Zeit a.d. Arbeit haben, nur tun - nicht denken, nix erwarten.
Muss Euch da Recht geben. Bekomme beim Autokauf ja auch keine Extras für 
umme.
Nebenbei... Ich soll ne neue klassische Steuerung für ein Gerät mit 
Drehstrommotor basteln (u.a. Stern-Dreieck), Kunde will nur wenig Geld 
ausgeben, und hat nichts von Sicherheit gesagt. Umsetzung wird zwar 
nicht gut, aber billig: u.a. Schütze ohne Hilfskontakte -> somit keine 
Verriegelung möglich. Wenn's mal knallt, weil ein Schütz klebt, kassiere 
ich halt noch mal, für nen neuen Plan, das Material, und meine 
Arbeitszeit. is doch nicht verboten.... oder ;-)

von Karl H. (kbuchegg)


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Michel Cheron schrieb:

> Uns hilft es sehr, sollten wir da geschlampt haben, Anforderungen beim
> nächsten Projekt besser zu formulieren. DANKE lieber Entwickler.

Schreibt in die nächste Aufgabe ein paar 'Standardsätze' rein, die 
darauf hinauslaufen, dass solche Sachen selbstverständlich sind. Eben 
auch mal was mit Plausibilitätskontrolle der Eingangswerte, Erkennen und 
Behandeln von Fehlersituationen. Immer schön schwammig bleiben und nicht 
konkret sagen, welche Werte, welche Standardaktionen, welche 
Fehleraktionen. Nur, das sie behandelt werden müssen und das nichts 
schlimmes passieren darf.

Dann was passiert dann: Kommt es beim Kunden zu einer Fehlersituation, 
dann darf er das auf eigene Kappe, und was ganz wichtig ist: auf eigenes 
Geld, korrigieren.

Dann hört sich das ganz schnell auf, wenn er 2 Tage nachbessern darf, 
die er nicht bezahlt bekommt. Das macht er ein, zwei mal, und irgendwann 
beginnt dann der Umdenkprozess, so dass man bei den ersten Besprechungen 
nicht nur die Standardfunkionalität betrachtet, sondern noch eine Stunde 
hinten nach einschiebt, in der man sich überlegt: und was kann da jetzt 
alles schief gehen.

Das man mal was vergisst, brauchen wir nicht diskutieren. Natürlich tut 
man das. Und natürlich übersieht man auch mal was. Die Frage ist nur: 
wie naheliegend wäre die Betrachtung dieser Fehlersituation eigentlich 
gewesen.  Und wenn er das nicht lernen will, das sich ein Profi auch um 
solche Dinge Gedanken machen MUSS, dann gehts nur übers Geld. Denn beim 
Geld hört sich jede Freundschaft auf. Von einem Profi erwarte ich, dass 
er State-of-the-art arbeitet. Und dazu gehört selbstverständlich auch 
Fehlerbehandlung.

von Peter D. (peda)


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Auch eine Fehlerbehandlung kann man nicht einfach ohne Auftrag 
hinzufügen. Es muß ja geklärt werden, wie bei welchem Fehler zu 
reagieren ist (Retry, Ignore, Anzeige, Tonsignal, Speichern, Neustart, 
Abschalten usw.).

Es bleibt natürlich oft nur ein Wunschdenken, eine ausreichende 
Spezifikation zu erhalten.

Wenn der Kunde dazu nicht bereit oder in der Lage ist, dann muß man eben 
zusätzliche Entwicklungszeit in Rechnung stellen, um eine wischi-waschi 
Spezifikation in eine verwendbare und belastbare überzuführen. Und die 
muß dann der Kunde unterschreiben, ehe man mit der Entwicklung beginnt.

Den Idealzustand, daß nach Erhalt der Spezifikation das Gerät entwickelt 
werden kann, ohne erneuten Kundenkontakt, wird man nur selten erreichen.
Aber das ist kein Grund, es nicht wenigstens zu versuchen, diesen 
anzunähern.


Peter

von Karl H. (kbuchegg)


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> Auch eine Fehlerbehandlung kann man nicht einfach ohne Auftrag
> hinzufügen. Es muß ja geklärt werden, wie bei welchem Fehler zu
> reagieren ist (Retry, Ignore, Anzeige, Tonsignal, Speichern, Neustart,
> Abschalten usw.).

Yep.
Allerdings denken die wenigsten Kunden bei den Gesprächen an solche 
Sachen. Die interessiert vorrangig normalerweise nur die einwandfreie 
Funktion im Nicht-Störfall. Daher muss man als Entwickler selber soweit 
sein, daran zu denken und im Zweifelsfall nachzufragen.

Und es ist mir mehr als einmal passiert, dass ich mit solchen Nachfragen 
in der Firma des Kunden etwas losgetreten habe. Der Mann, mit dem man 
sich unterhält sagt: "Dieses Problem kommt bei uns nicht vor". Aus 
Erfahrung weißt du als Entwickler "Oha, 'kommt bei uns nicht vor' ist 
ein Alarmsignal - nachbohren". Dann bohrst du und bohrst, bis es dem 
Mann zu blöd wird "Fragen wir halt sicherheitshalber mal in der 
Werkstatt nach". Dann lässt er den Mann von der Maschine antanzen ... 
selbe Frage ... und der erzählt dann plötzlich ganz was anderes :-)


Langer Rede kurzer Sinn: Als SW-Entwickler musst du mitdenken. Und du 
musst auch für den Kunden mitdenken.
Alles andere führt unweigerlich ins Fiasko. Und sei es nur, das 
hinterher gestritten wird, wer worauf vergessen hat und vor allen 
Dingen: Wer zahlt jetzt die Korrektur?

von Vlad T. (vlad_tepesch)


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Karl Heinz Buchegger schrieb:
> Schreibt in die nächste Aufgabe ein paar 'Standardsätze' rein, die
> darauf hinauslaufen, dass solche Sachen selbstverständlich sind. Eben
> auch mal was mit Plausibilitätskontrolle der Eingangswerte, Erkennen und
> Behandeln von Fehlersituationen.
was soll das bewirken?

> Immer schön schwammig bleiben und nicht
> konkret sagen, welche Werte, welche Standardaktionen, welche
> Fehleraktionen. Nur, das sie behandelt werden müssen und das nichts
> schlimmes passieren darf.

Bs hierhin dacht eich das soll Ironie sein, aber irgendwie passt der 
Rest des Beitrags nicht dazu.

Wie soll man sowas denn implementieren, wenn die Werte nicht 
spezifiziert werden. Solche Anforderungen würde ich solange mit "to be 
clarified" oder "not testable" zurückgehen lassen, bis sie testbar 
beschrieben sind.

von Karl H. (kbuchegg)


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Vlad Tepesch schrieb:

> Wie soll man sowas denn implementieren, wenn die Werte nicht
> spezifiziert werden. Solche Anforderungen würde ich solange mit "to be
> clarified" oder "not testable" zurückgehen lassen, bis sie testbar
> beschrieben sind.


Du hast erkannt, worauf das ganze hinausläuft! (Auch wenn du es nicht 
gemerkt hast).
Genau darum geht es, dass du den Typen zwingst "die Spezifikation zu 
durchdenken und die Anforderungen zu überdenken und im Zweifel auch mal 
zurückgehen zu lassen", solange bis er begriffen hat, dass er mit seiner 
Minimallösung (hinter mir die Sintflut) allen, inklusive sich selbst, 
nichts gutes tut.
Entweder er lernt das oder es kostet ihn #sein# Geld.

Es wird immer wieder vorkommen, dass irgendwas nicht in den 
Pflichten/Lastenheften steht. Da muss man dann als Entwickler soweit 
sein, dass man auch mal beim Auftraggeber anruft und sagt: "OK, ich hab 
jetzt die Motorregelung soweit fertig. Was soll eigentlich passieren, 
wenn der Sensor ausfällt? Welchen Wert liefert er dann und was machen 
wir mit der Regelung?". Klar im Idealfall steht das so in den Papieren 
drinnen. Und wenn nicht, dann kann es nicht sein, dass ein Profi (also 
jemand, der seine Brötchen mit SW-Entw. verdient) da einfach 
stillschweigend nichts tut, sondern er muss das mit dem Auftraggeber 
abklären. Und zwar von sich aus.

von Michel C. (michel13)


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Vlad Tepesch schrieb:
> Wie soll man sowas denn implementieren, wenn die Werte nicht
> spezifiziert werden.

Macht er die Harware selbst, muss er z.B. Opamps und Sensoren den 
Anforderungen entsprechend auswählen und dimensionieren, damit weiß er 
auch, wann was zu erwarten ist (Kennlinie / Messbereich i.e. 12 bis 
65Grad), und kann dies in der SW berücksichtigen.
Sollwerte werden begrenzt (i.e. 25.0 - 45.0 Grad), Justierungen nur in 
einem bestimmten Bereich zugelassen (in dem von mir angesprochenen Fall 
aber nur im Bezug auf den eingebbaren Referenzwert), dann ist es doch 
mit Sicherheit kein Problem festzustellen, daß einer der Sensoren 
außerhalb des erwarteten Bereichs liegt, weil nicht angeschlossen oder 
defekt?
Spezifiziert ist genug?

von Karl H. (kbuchegg)


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Michel Cheron schrieb:

> Spezifiziert ist genug?

Spezifiziert ist nie genug!
Aber die Idee des "Steht alles in der Spec" ist genauso eine Illusion, 
wie die Illusion eines fehlerfreien Programms :-)

Und wer das nicht begreift und statt dessen mit der sprichwörtlichen 
Beamtenmentalität an den Job herangeht, ist im falschen Job gelandet.

(meine persönliche Sicht der Dinge)

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