Spaltpolmotor von Plattenspieler brummt nur noch

Gast #2892156
Hallo! Habe hier einen 70er-Jahre B&O-Plattenspieler, dessen Motor 
leider nur noch brummt. Habe alle Wicklungen überprüft, ich messe 
bisschen über 100 Ohm, also nicht durchgebrannt (wozu ist eigentlich die 
dritte Wicklung? geht über sehr dünne Kabel irgendwo ins Gehäuse). 
Weiterhin liegt an jeder Wicklung auch Spannung an (mit Multimeter 
gemessen), dieser Spannungsauswahlschalter scheint also auch zu 
funktionieren.

Habe den Kondensator ebenfalls ersetzt (ist glaub eh nur nen Snubber, 
aber egal), die Verkabelung mit dem Plan überprüft, passt auch alles. 
Auch war er etwas schwergängig wenn man ihn mit der Hand drehte, habe 
ihn geöffnet und die Lager geölt, jetzt geht er wieder recht leicht, 
aber macht keine Anstalten anzulaufen, selbst wenn man ihn mit der Hand 
andreht. Was kann da los sein?!
Angehängte Dateien:
Gast #2892196
110V jeweils, sollte also passen. Jo, hab ich, brachte nix. Wundert mich 
was da kaputt sein kann, eigentlich schaut das konstrukt unkaputtbar 
aus, wenn nicht gerade ne Wicklung durch is.
Gast #2892295
Nochmal aufm Plan geschaut: Die dritte Wicklung geht zu einem 
(optionalen) Vorverstärkermodul, welches in einen Einschub geschoben 
werden kann. wozu auch immer, vielleicht Drehzahlkontrolle?
Gast #2892303
Wegen der dritten Wicklung:
Grundig hatte mal bei seinen Tonbandgeräten den Motor auch als Trafo 
verwendet.
Vielleicht ist das auch hier die Sekundärwicklung eines solchen 
Trafomotors??
#2892332
Sind die beiden am Netz liegenden 110V-Wicklungen für 220V auch 
polrichtig hintereinandergeschaltet?

Ist der Rotor mechanisch blockiert, weil z.B. das Öl verharzt ist? - und 
läuft deshalb nicht an? eventuell den Motor anwerfen.

Die Zusatzwicklung dürfte als Trafowicklung vorgesehen sein, aus der man 
den Vorverstärker versorgt, also für die Funktion des Motors keinen 
Einfluss haben. Aus der Spannung, die die Wicklung bringt, könnte man 
das klären.
Gast #2892406
Stimmt, das ist ne gute Idee mit der Spannungsversorgung mit der 
Extrawicklung, so wirds sein. Ja, das letzte was eigentlich sein kann 
ist, dass die Phasenlage der Wicklungen untereinander nicht stimmt, aber 
eigentlich habe ich die Kabel überprüft und stimmen nach Plan, 
nachgemessen habe ich es nicht. Könnte ich natürlich mal auf Verdacht 
tauschen, aber glaube nicht dass da wer rumgebastelt hat. Oder der Motor 
dreht immer noch zu schwer, wiegesagt, ausseinandergebaut und geölt 
hatte ich ihn schon, jetzt läuft er schon deutlich besser, allerdings 
immer noch nicht richtig butterweich. Wenn strom drauf ist und er brummt 
macht er auch keine Anstalten zu drehen wenn ich ihn anschubse, er fühlt 
sich auch nicht so an als würde er magnetisch irgendwie blockieren, bzw. 
zuckt auch nicht auf eine bestimmte Position wenn ich ihn einschalte. 
Irgendein Magnetfeld ist aber da, wenn ich nen Schraubenzieher in so nen 
Lüftungsschlitz von dem Motor halte wird der angezogen wenn Strom drauf 
is. Sehr sehr ominös....werde mal die Spannung der Hilfswicklung messen, 
ob da irgend ne Spannung ankommt, wäre ja immerhin ein Indikator für ein 
existierendes Feld. Aber selbst wenn nur eine Spule laufen würde müsste 
er ja irgendwie zucken, oder beim drehen an bestimmten stellen 
magnetisch "einrasten"?!
Gast #2892409
Achja, habe das Gerät jetzt auch nochma im 110 Volt-Modus getestet (mit 
Regel-Trenntrafo). Auch 110 Volt an jeder Spule und läuft immer noch 
nicht, nur fängt er jetzt logischerweise schon bei der halben Spannung 
an zu brummen (ca. 90V), das passt also.
Gast #2892416
Die B&O, das war schon was besseres. Ich könnte mir vorstellen, daß vom 
Motor ein Tachosignal an eine Elektronik geht, die ihrerseits wieder die 
Motordrehzahl regelt.
#2892548
Wilhelm Ferkes schrieb:
> Die B&O, das war schon was besseres. Ich könnte mir vorstellen, daß vom
>
> Motor ein Tachosignal an eine Elektronik geht, die ihrerseits wieder die
>
> Motordrehzahl regelt.


Glaube ich nicht!.

Ich tippe darauf, das der Motor immer noch zu schwergängig geht.

Ich vermute weiterhin, das es sich um einen ganz hundordinären 
Spaltpolmotor handelt.

Mache doch mal ein Foto von dem Motor.

Ralph Berres
#2892689
Die Lager eines solchen Motors waren üblicherweise aus gesinterter 
(poröser) Bronze, die zur Dauerschmierung mit Öl getränkt war. Wenn da 
das Öl verharzt ist, reicht ein einfaches Ölen mit neuem Öl nicht aus, 
das Lager gängig zu machen. Dazu kommt es, dass die Lager außen 
Kugelform haben und zwischen federnden Klemmplatten gelagert sind. Wenn 
da beim Ausbauen die Lager etwas verrutscht sind, klemmt die ganze 
Angelegenheit. Oft kann man das durch Klopfen an die Motorachse wieder 
ausrichten. Jedenfalls sollte der Anker des Motors frei drehbar sein. 
auch geringe Schwergängigkeit ist meistens zu viel.

Es kann auch sein, dass der Luftspalt zu schmal ist, weil die Lager zu 
viel Spiel haben oder die Lagerschilde verrutscht sind. Dann kann es 
ein, dass ohne Strom der Anker beweglich ist, aber beim Einschalten in 
Richtung Pol verschoben wird und dann klemmt.
Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #2892724
Peter R. schrieb:
> Dann kann es ein, dass ohne Strom der Anker beweglich ist, aber beim
> Einschalten in Richtung Pol verschoben wird und dann klemmt.
Sowas ähnliches hatte ich auch schon bei 2 Waschmaschinenpumpen: das Rad 
ließ sich stromlos locker drehen, sobald das Magentfeld dazukam, hat 
sich der Rotor verkantet und Fine...   :-(

Ein klares Indiz wäre also seitliches Spiel in der Lagerung...
Gast #3804557
Hallo,

ich weiß, der Thread ist schon älter. Ich habe hier ebenfalls einen 
B&O-Plattenspieler (Beogram 3000) mit exakt demselben Motorproblem: Hat 
sich hier irgendetwas neues ergeben? Der Motor brummt, dreht aber nicht 
(auch nicht wirklich mit "anstupsen"). Ich habe versucht, der Achse Öl 
zu geben, ich kann aber kaum sagen, dass sich die Achse jetzt besser 
drehen lässt.

Hat sich also noch was neues ergeben?

Grüße, Erich
(Firma: matzetronics) #3804920
Erich schrieb:
> Ich habe versucht, der Achse Öl
> zu geben, ich kann aber kaum sagen, dass sich die Achse jetzt besser
> drehen lässt.

Das ist genau das Problem. Wenn die Achse sich nur widerwillig dreht, 
musst du dafür sorgen, das die beiden Lager wieder sauber laufen (Ober- 
und Unterlager), siehe die obigen Tipps. Ein elektrisches Problem liegt 
vermutlich nicht vor. Ich benutze in hartnäckigen Fällen manchmal 
Filzscheibchen getränkt mit Spezialöl, die ich auf die Achse setze.
Wenn die Achse sich stromlos leicht drehen lässt (und natürlich die 
angetriebenen Teile bis zum Plattenteller auch), ist das Problem gelöst.
#3805290
Fehlendes Öl kann zwar ersetzt werden. Wenn da aber verharzter Dreck ist 
muß der entfernt werden. Das kann man nicht immer so leicht einfach nur 
mit neuem Öl ausschwemmen. Dann muß man reinigen, zerlegen und oder 
Lösungsmittel verwenden. Danach muß aber auch das Lösungsmittel entfernt 
werden bevor man es nach der Reinigung neu ölt.
Gast #3837867
Sorry für die lange Pause, aber die Tipps hatten Erfolg. Ich musste 
wirklich die komplette Achse einfach mal durchreinigen und den Motor 
behutsam ölen. Und auf einmal lief wieder alles. Danke!

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