Hallo,
im Rahmen der Vorbereitung eines Projektes, habe ich Fragen zur
Isolierung von Hochspannungsleitungen im Gerätebau.
Es geht um Spannungen von 40 bis 70 kV und folgende Punkte sind von
Interesse:
- Kann ich eine Gerätebuchse für den Anschluss des Kabels zur ext.
Hochspannungssonde einsetzen oder sollte ich das eher fest im Gerät
installieren?
- Gibt es Buchsen-Stecker-Kombis, welche bis zu 70 kV sicher verkraften?
- last but not least, wie kann ich das Hochspannungskabel im Gerät
zwischen Flyback und Buchse zuverlässig isolieren? Ich möchte das Kabel
nicht ohne weitere Maßnahmen in der Luft hängen lassen. Gerade der
Übergang auf die Gerätebuchse scheint prädesteniert zu sein für
Funkenüberschläge, die mittelfristig zur Zerstörung der Buchse führen.
- Ließe sich an diesen Stellen Kunstharz, 2k-Harze oder vielleicht
Trafoöl zur besseren Isolierung sinnvoll einsetzen?
Viele Grüße!
@ schemus (Gast)
>- Kann ich eine Gerätebuchse für den Anschluss des Kabels zur ext.>Hochspannungssonde einsetzen
Ja.
>oder sollte ich das eher fest im Gerät installieren?
Geht auch.
>- Gibt es Buchsen-Stecker-Kombis, welche bis zu 70 kV sicher verkraften?
Ja, sind aber nicht gerade klein, so um die 30cm lang.
>- last but not least, wie kann ich das Hochspannungskabel im Gerät>zwischen Flyback und Buchse zuverlässig isolieren?
Nimm passendes HV-Kabeln, gibt es bis 100kV Nennspannung ++.
>nicht ohne weitere Maßnahmen in der Luft hängen lassen.
;-)
>Gerade der>Übergang auf die Gerätebuchse scheint prädesteniert zu sein für>Funkenüberschläge, die mittelfristig zur Zerstörung der Buchse führen.
Nicht nur der.
>- Ließe sich an diesen Stellen Kunstharz, 2k-Harze oder vielleicht>Trafoöl zur besseren Isolierung sinnvoll einsetzen?
Das MUSST du. Denn bei 70kV braucht man ca. 28cm Kriechweg.
Es geht auch mit etwas weniger Abstand, Faustregel 100kV - 10cm, wir
bauen so. Die Oberflächen "so glatt" wie möglich, daran denken daß nicht
die Spannung das wirkende ist sondern die Feldstärke (keine Spitzen /
Kanten, immer schön runden), also die Geometrie entscheidet.
Echte HS Steckverbinder sind teuer, die Hersteller aus unserer Branche
machen sie alle selbst, und das erstaunlich einfach (Drehbank, Fräse ist
halt notwendig).
Labyrinte verlängern die Kriechwege, Rizinusöl (reines, aus der
Apotheke) ist hervorragend geieignet Isolierstrecken zu festigen
(reduziert / verhindert Gleitenladungen, Korona). Wird auch von uns
verwendet.
Als Trafoöl kenne ich Shell Diala in 20/50 l Gebinden.
HS Leitungen (intern im Gerät geht auch fast normales Koax*, nur die
Innenseele ohne Mantel) zu vertretbaren Preisen, auch in kleinen Mengen,
gibt es z. B. bei Schnier Elektrostatik.
*Zum fixieren kann dünne "Plastik-Kordel" dienen. An die mit der Zeit
kommende Feuchtigkeit (Betauung) denken.
@ b35 (Gast)
>Es geht auch mit etwas weniger Abstand, Faustregel 100kV - 10cm,
Suizidmaschinen?
An einen 100kV Elektrode würde ich nicht 10cm nah rangehen, will ja
keine Corana in der Nase haben.
Ausserdem muss man deutlich zwischen
Luftstrecke für Durchschlag
Kriechstrecke
Sicherheitsabstand
unterscheiden.
Ich kenn die Normwerte jetzt nicht, aber 100kV sind da eher 100-150cm
Sicherheitsabstand gefragt, eher noch mehr.
>Echte HS Steckverbinder sind teuer, die Hersteller aus unserer Branche>machen sie alle selbst, und das erstaunlich einfach (Drehbank, Fräse ist>halt notwendig).
Sowas gibt es fertig zu kaufen, soooo dolle ist die Technik oft nicht.
Soweit ich mich richtig erinnere, ist der Sicherheitsabstand in
110 kV-Anlagen 3 Meter. Beim Öffnen von Trennern entstehen auf jeden
Fall Funken, die länger sind wie 10 cm.
Gruß Carsten...
Die Angaben beziehen sich auf Elektrostatik Anwendungen und auf das
Innere der Geräte. Die Quellen von denen ich spreche sind frei
berührbar, aber energiebegrenzt auf 0.24mJ (60nC) bei Gasen, 2mJ (200nC)
bei Stäuben bzw. bei möglicher Personengefährdung auf 350mJ (50uC). Bei
erstern kribbelt es, bei den zweiten wird gezuckt, bei den dritten langt
niemand zweimal hin, sondern flucht, pinkelt ein wenig in die Hose und
überlegt sich den Job doch zu wechseln.
Bei "heißen" und offenen 100kV im HS-Schaltfeld / Umspannwerk gehe ich
keine 10m ran, isolierte 50kV im Elektrogerät kann man -wer mag- aus
50cm anschauen (aber nicht anfassen). Wer hierzu in diesem Forum für
diese Anwendungen Fragen stellen muß ist fehl am Platz, nicht geeignet
damit umzugehen.
Eure Rückfragen / Anmerkungen sind sehr gut, ich bin (etwas blind) von
unserem Equipment ausgegangen. Der "Gerätebau" von schemus kann
natürlich alles beinhalten, von der E-Fliegenklatsche bis zur SF6
Schaltanlage.
schemus schrieb:> - Gibt es Buchsen-Stecker-Kombis, welche bis zu 70 kV sicher verkraften?
Wenn sie diese Spannung nur übertragen sollen, ist das noch kein
Problem. Wenn Du sie unter Spannung trennen willst, ist das schwierig
bis unmöglich. Im Laborbereich werden solche Spannungen gern durch
Koax-Kabel mit aussen Masse geführt. Dann braucht man keine grossen
Sicherheitsabstände einzukalkulieren.
Gruss
Harald
b35 schrieb:> Der "Gerätebau" von schemus kann> natürlich alles beinhalten, von der E-Fliegenklatsche bis zur SF6> Schaltanlage.
Ja, so etwas mehr als Fliegenklatsche ist es, was aus dem Gerät kommen
wird. Hätte ich sicher dazuschreiben sollen. Beim aktuellen Gerät
"knuspert" es wenn man anpackt, es sind aber keine ernsthaften Probleme
zu erwarten.
Die Stecker-Buchsen-Kombi soll nicht getrennt werden wenn Spannung
anliegt. Mit einem anderen Gerät ist es aber immer wieder vorgekommen,
dass die Kombi sich im Laufe der Zeit verabschiedet hat, weil sich
Kriechwege gebildet und in die Kunststoffisolatoren regelrecht
eingebrannt haben. Immerhin kommen da schon hochwertige (und sauteure)
Verbinder von LEMO zum Einsatz und die scheinen aber unterdimensioniert
zu sein.