Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Spannungen verstehen sich?


von Bezugspunkt (Gast)


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Guten Abend! Ich lese gerade folgenden Text: 
http://dieelektronikerseite.de/Lections/Minus,%20Masse,%20Erde%20-%20Spannende%20Grundlagen.htm

Dort wird vorausgesetzt, dass Spannungsquellen sich "verstehen" müssen. 
Warum kann ich nicht einfach zwei unterschiedliche Batterien in einer 
Schaltung vermischen [z.B. über einen Transistor)?
Was meint der Auto genauer mit dem Begriff "verstehen" von Spannungen?

von Frauenversteher (Gast)


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Das ist wie bei Frauen und Männern. Wenn der Mann die Frau nicht 
versteht, kommt es zu Spannungen und der Bezug geht verloren.

Scherz bei Seite:

Es geht dort darum, dass stehts ein Bezugspotenzial benötigt wird, damit 
verschiedene Schaltungen "zusammenarbeiten" können. Darum muss zum 
Beispiel zu RX und TX der RS232 Schnittstelle eines Rechners stets noch 
GND mitgeführt werden, wenn ein weiterer Rechner angeschlossen werden 
soll.

(nur so als Beispiel)

von Bezugspunkt (Gast)


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Warum ist das denn so? An einem Minuspol herrscht ein Überfluss an 
Elektronen und an einem Pluspol herrscht ein Mangel an Elektronen. Warum 
kann ich nicht einfach den Minuspol einer Batterie A mit dem Pluspol 
einer Batterie B verbinden? Wo liegt das Problem? Theoretisch herrscht 
zwischen den beiden Potentialen doch eine ähnliche hohe elektrische 
Spannung. Von daher sollte es doch möglich sein, beim RS232 keine Masse 
(GND) mitführen zu müssen?

Wie ist man überhaupt auf den Namen "Masse" gekommen?

von flip (Gast)


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stromkreis ist dir ein Begriff?

von radiostar (Gast)


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Bezugspunkt schrieb:
> Von daher sollte es doch möglich sein, beim RS232 keine Masse
> (GND) mitführen zu müssen?

Und wie soll der Stromkreis dann geschlossen werden, wenn die 
Masseleitung fehlt?

von P. M. (o-o)


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Also grundsätzlich gilt in der Elektrotechnik immer, dass ein 
Strom_kreis_ bestehen muss. Die dahinterstehende Modellannahmen sind die 
Kirchhoffschen Regeln.

Mir ist aus dem Studium bekannt, dass wir die mal aus den 
Maxwell-Gleichungen hergeleitet habe. Habe ich aber gerade nicht mehr 
präsent. Werde noch ein wenig darüber sinnieren und dann vielleicht eine 
eingehendere Antwort geben ;-)

Jedenfalls kann man deine Frage nicht ganz trivial beantworten, da du 
nämlich in gewissen Situationen sogar recht hast.

von Wassermann (Gast)


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Bezugspunkt schrieb:
> Warum kann ich nicht einfach zwei unterschiedliche Batterien in einer
> Schaltung vermischen [z.B. über einen Transistor)?

Man könnte jetzt mit dem alten Vergleich von Spannungen zu Bächen, wie 
sie in der freien Natur fließen, kommen. Die Spannung entspricht dann 
der Höhe und der Strom entspricht der pro Zeit fließenden Wassermenge. 
Wenn jetzt zwei Bäche mit unterschiedlicher Höhe (unterschiedlicher 
Spannung) aufeinander treffen, entsteht je nach Geländeform (Widerstand) 
ein Wasserfall (Kurzschluß), eine Stromschnelle oder ein kleines 
Rinnsal.
Das funktioniert aber nur, wenn man sich zur Angabe der Höhe (Spannung) 
auf einen gemeinsamen Nullpunkt für die Höhe (z.B. Normalnull) bzw. 
Spannung (Masse, Gnd) geeinigt hat. Die Batterie wäre eine Pumpe, die 
das Wasser über eine Höhendifferenz anhebt.

von Frauenversteher (Gast)


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> Warum ist das denn so? An einem Minuspol herrscht ein Überfluss an
> Elektronen und an einem Pluspol herrscht ein Mangel an Elektronen.

die Begriffe "Mangel" und "Überschuss" sind relativer Natur. Es gibt 
keinen absoluten Mangel und auch keinen absoluten Überschuss. Es gibt 
nur einen "Überschuss/Mangel im Bezug auf xy". Und dieser Bezug ist 
nunmal das Bezugspotenzial.

> Warum
> kann ich nicht einfach den Minuspol einer Batterie A mit dem Pluspol
> einer Batterie B verbinden?

Das kannst du machen. Dann fließt auch in der Tat ein Strom (abhängig 
von den bestehenden Kapazitäten). Allerdings nur so lange bis sich der 
Unterschied ausgeglichen hat. Danach fließt nichts mehr. Der Minuspol 
der Batterie A hat dann das gleiche Potenzial angenommen wie der Pluspol 
der Batterie B.

Es kann deshalb nicht dauerhaft was fließen, weil der Stromkreis nicht 
geschlossen ist.

von Bezugspunkt (Gast)


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Ah, ich glaube ich habs begriffen. Da Spannung immer eine Differenz 
zwischen zwei Potenzialen ist, muss man immer ein Vergleichspotenzial 
haben, damit man überhaupt bestimmen kann welche elektrische Spannung an 
dem Schaltkreis anliegt. Hätte man kein Pontenzial zum Vergleichen der 
Ladung, könnte man auch nicht feststellen, welche elektrische Spannung 
anliegt bzw. es würde absolut keine Spannung anliegen.
Soweit ist es mir klar. Wenn das hier eine Fehlvorstellung ist, bitte 
melden ;)

Und der Schutzleiter [Erde] ist mit meinem Sicherungskasten verbunden 
und trennt den Stromkreis, wenn ein negatives oder positives Potenzial 
an ihm anliegt? Ab welcher Spannung löst er denn aus?

von Andreas S. (Firma: Schweigstill IT) (schweigstill) Benutzerseite


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Bezugspunkt schrieb:
> Und der Schutzleiter [Erde] ist mit meinem Sicherungskasten verbunden
> und trennt den Stromkreis, wenn ein negatives oder positives Potenzial
> an ihm anliegt? Ab welcher Spannung löst er denn aus?

Oh nein, der Schutzleiter darf niemals etwas trennen! Vielleicht 
verwechselst Du die Begriffe Schutzleiter und Leitungsschutzschalter.

Eine hervorragende Beschreibung der Niederspannungsnetze findet man im 
folgenden Wikipedia-Artikel, und zwar für die in Deutschland überwiegend 
verwendeten TN-Systeme:

http://de.wikipedia.org/wiki/TN-System

Auch dabei muss man ggf. aufpassen, Bezeichnungen nicht zu verwechseln: 
bei einem IT-Netz handelt es sich nicht um eine Netzform zur 
Versorgung von Computersystemen o.ä., sondern sie wird dann eingesetzt, 
wenn der Erdschluss eines Außenleiters nicht zum Kurzschluss führen 
darf.

von Werner (Gast)


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Frauenversteher schrieb:
> die Begriffe "Mangel" und "Überschuss" sind relativer Natur.

Na, zum Glück nicht.
Wie bei Männlein und Weiblein ist das bei Ladungen recht genau 
definiert. Wenn jedes "-" ein "+" hat, besteht weder Überschuss noch 
Mangel.

Anschauliches Beispiel ist die Elektrostatik, wo dir die Haare zu Berge 
stehen, wenn ein Ladungsüberschuß (egal ob "+" oder "-") auf deinen 
Haaren vorhanden ist.

von Frauenversteher (Gast)


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> Na, zum Glück nicht.
> Wie bei Männlein und Weiblein ist das bei Ladungen recht genau
> definiert. Wenn jedes "-" ein "+" hat, besteht weder Überschuss noch
> Mangel.

Da hast du auch wieder Recht.

Ich habs falsch erklärt - mein Fehler. Bei Frauen bin ich aber 
unschlagbar - ich schwörs :D

von Michael S. (mikel_x)


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Man kann Ladungen austauschen, ohne daß eine zweite (Masse-)Verbindung 
einen Stromkreis bildet. Ein geladene Gewitterwolke, oder eine geladene 
Induktorkugel, können beim annähern an ein anderes Potenzial einen 
Funkenüberschlag (Stromfluss) in einer Richtung bewirken, auch ohne 
"Rückleitung" für einen Strom_KREIS.

Ein Elektroskop demonstriert, daß sogar eine quantitative Aussage 
möglich ist, ohne ein Masse-Bezugspotenzial zu haben. Alle leitenden 
Teile des E. liegen auf demselben Potenzial und dennoch kann die 
Spannung bzw. Ladung quantitativ angezeigt werden.

Es ist wirklich _nicht_ trivial und die Annahme, dass es für einen 
Stromfluss genügen müsste, wenn man Plus- und Minuspol verbindet, ist 
gar nicht so abwegig...

von Transi (Gast)


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Nein, das ist wirklich nicht trivial
und hat mit kleinen Spannungen schon in meiner Kindheit Probleme 
bereitet.
Meine Baumhütte wurde "Elektrifiziert" und mit Lampen und Klingeln 
versehen.
Die Energie kam vom + Pol des Eisenbahntransformators welcher sich in 
unserer Wohnung befand und ordentlich Power hatte und führte über einen 
Draht zur Baumhütte. Da 200m Draht das ganze Taschengeld aufgebraucht 
hatten musste der -Pol einer 4,5V Batterie aus Vaters Taschenlampe in 
der Baumhütte für das Minuspotential sorgen.
Hat irgend wie nicht funktioniert aber die Begeisterung für die Technik 
war geweckt.

Viel Erfolg beim weiteren Forschen, es macht Spaß.

Gruß

Transi

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