Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Verstärken + Filtern mit OP-Amp, Stabilität


von Thomas K. (alerte)


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Hallo,

Ich möchte eine Operationsverstärkerschaltung aufbauen, die ein 
differentielles Signal ca. 40 dB bis zu einer Grenzfrequenz von etwa 500 
kHz verstärkt. Ausgesucht habe ich mir dafür den LT6237 von Linear 
Devices, der (um notfalls noch etwas Reserve zu haben) ein GBW von 215 
MHz hat. Der Ausgang geht auf einen AD-Wandler, die dazu nötige 
Offsetspannung kopple ich am positiven Eingang des OP-Amp ein. Um die 
15k Widerstand zur Einkopplung komme ich nicht drumherum, da die 
Referenzspannung des ADC nur knapp 100µA liefern kann.

Einen ersten Ansatz habe ich mit LT-Spice simuliert (siehe Anhang Bild 
a). Unschön ist da der dicke "Hubbel" in der Verstärkung rund um 700 
kHz. Außerdem dreht sich die Phase im verstärkenden Bereich um mehr als 
180°, das würde also wohl vermutlich eher ein Oszillator werden!?

Im nächsten Schritt habe ich parallel zu R2 einen Kondensator von 15p in 
die Rückkopplung gelegt, der Hintergedanke dazu: die Verstärkung zu 
höheren Frequenzen reduzieren, um den Peak bei 700 kHz auszugleichen. 
Das hat auch funktioniert (siehe Bild b). Am Phasengang hat sich 
allerdings nicht viel getan.

Um bei 0dB Verstärkung eine Phasenreserve > 45° zu erreichen, habe ich 
die Kondensatoren C4 und C5 hinzugenommen (siehe Bild c). Zu höheren 
Frequenzen hin sinkt also sowohl die Rückkoppelimpedanz als auch die 
Eingangsimpedanz ab, dadurch steigt meine Phasenreserve auf ca. 50° - 
mit dem Nachteil, dass meine Tiefpassflanke nicht mehr so steil ist (ca. 
20 dB statt 40 dB / Dekade).


Das Finetuning der Werte steht noch aus, aber sind meine Änderungen 
generell gesagt sinnvoll? Oder gäbe es einen besseren Weg zu einer 
stabilen Schaltung, der mir nicht die Filtersteilheit so beschneidet?

Danke für jede hilfreiche Antwort :)

von Thomas K. (alerte)


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Hier noch der momentane Stand der Simulation aus LTSpice.

von ArnoR (Gast)


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Mit C1 und C2 baust du dir die Probleme selbst ein. Sieh dir einfach mal 
die Kombination aus R2 und C1 an. Das ist ein Tiefpass, der zu hohen 
Frequenzen hin das rückgekoppelte Signal in der Phase dreht und damit 
die Schwingneigung erhöht. Das kompensierst du durch C3 
(frequenzkompensierter Spannungsteiler).
Außerdem ist dein Bezug auf 0dB falsch. Die Schleifenverstärkung ist 
hier das Entscheidende und nicht die Schaltungsverstärkung. Der echte 
0dB-Schleifenverstärkungspunkt liegt bei 1MHz, anderenfalls wäre 
Schaltung b auch niemals stabil mit glatten Frequenzgang, weil bei 
"deinen" 0dB die Phasendrehung etwa 200° wäre.

von Thomas K. (alerte)


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Vielen Dank für die Antwort @ArnoR!

ArnoR schrieb:
> Mit C1 und C2 baust du dir die Probleme selbst ein. Sieh dir einfach mal
> die Kombination aus R2 und C1 an. Das ist ein Tiefpass, der zu hohen
> Frequenzen hin das rückgekoppelte Signal in der Phase dreht und damit
> die Schwingneigung erhöht.

Das Problem ist, das ich darauf nicht verzichten kann, der Tiefpass ist 
gewollt - die Schaltung soll im Endeffekt eine Grenzfrequenz von ca. 500 
kHz haben.

> Außerdem ist dein Bezug auf 0dB falsch. Die Schleifenverstärkung ist
> hier das Entscheidende und nicht die Schaltungsverstärkung.

Danke für den Hinweis! Das ändert natürlich einiges.

> Der echte
> 0dB-Schleifenverstärkungspunkt liegt bei 1MHz, anderenfalls wäre
> Schaltung b auch niemals stabil mit glatten Frequenzgang, weil bei
> "deinen" 0dB die Phasendrehung etwa 200° wäre.

Da muss ich nochmal kurz nachhaken, da ich mir noch nicht ganz sicher 
bin, ob ich das richtig nachvollzogen habe. Am besten mit einem 
Screenshot (siehe Anhang):
# Links die originale Schaltung "b"
-> Die rote Kurve Vout sollte demnach meinen Closed Loop Gain darstellen
# In der rechten Schaltung habe ich zusätzlich eine dicke Induktivität 
in die Rückkopplung gelegt, um den Rückkopplungspfad AC-mäßig zu öffnen
-> Ist das die richtige Methode, um den Open Loop Gain der Schaltung in 
der Simulation darzustellen? Das wäre dann die blaue Kurve Vol.

Der 0dB-Schleifenverstärkungspunkt liegt dort wo sich beide Kurven (Open 
Loop und Closed Loop) kreuzen, die Phasenreserve lese ich bei der Closed 
Loop Phase ab. Ergäbe folgende Ergebnisse:
0dB-Schleifenverstärkungspunkt = ca. 1MHz
Phasenreserve @ 1 MHz = ca. 70°

Wäre die Analyse so richtig?

von ArnoR (Gast)


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> Wäre die Analyse so richtig?

Ja.

von Thomas K. (alerte)


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Besten Dank! Ganz steige ich noch nicht dahinter, aber das hat schonmal 
ein paar Knoten im Hirn gelöst.

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