Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Finger auf Masse oder VCC glättet Störungen! Warum?


von Wolfgang (Gast)


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Hallo zusammen,

ich habe einen diskreten Infrarotempfänger aufgebaut, der im 
wesentlichen aus einer Photodiode und einem Transimpedanzverstärker, 
verschiedenen passiven und aktiven Filter und einem Endverstärker 
besteht.

Funktioniert soweit ganz prächtig, so lange die Photodiode direkt am 
Transimpedanzverstärker platziert ist. Schließt man nun die Diode über 
ein 2adriges (ca. 20cm langes) Kabel an den Empfänger an, holt man sich 
verschiedenste Störungen herein, die durch die Verstärker soweit 
sichtbar gemacht werden, dass nichts mehr geht...

Ich habe die letzten Stunden versucht, dem ganzen durch anpassen der 
Filter in der Verstärkungskette Herr zu werden, allerdings erfolglos!
Alles was geholfen hätte, hat mein Nutzsignal ge-/zerstört.

Durch Zufall bemerkte ich, dass wenn ich die Masse oder die 
Versorgungsspannung (vor oder nach dem Fixspannungsregler) berühre die 
Störungen nachweislich (per Oszi) weg sind! (nämlich ganz weg und das 
Nutzsignal bleibt unverändert)

Hat jemand dazu eine Theorie? Wie kann ich diesen Effekt 
schaltungstechnisch nutzen? Kondensatoren parallel zur 
Versorgungsspannung (1pF - 10nF) haben nichts gebracht! 100nF, 4uF und 
100uF sind standardmäßig parallel zur Versorgung schon verhanden und 
jeder Verstärker hat 100nF parallel.

Vielen Dank im Voraus!

von Reinhard Kern (Gast)


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Wolfgang schrieb:
> dass wenn ich die Masse oder die
> Versorgungsspannung (vor oder nach dem Fixspannungsregler) berühre die
> Störungen nachweislich (per Oszi) weg sind!

Wahrscheinlich hast du deiner Schaltung dadurch zum ersten mal ein 
Potential verschafft. Ich würde mal Versuche damit machen, sie zu erden, 
notfalls auf PE, oder an einer Wasserleitung, damit könntest du 
zumindest Erkenntnisse gewinnen. Bei vielen Geräten, z.B. PCs, ist GND 
und das Gehäuse und damit auch PE direkt oder HF-mässig verbunden.

Theoretisch könnte es auch umgekehrt sein - du bist die Quelle der 
Störungen, und die verschwinden wenn du dich erdest. Dann müssten sie 
auch weg sein, wenn du an irgendeine andere geerdete Stelle fasst. Wenn 
du Elektronik baust solltes du am Arbeitsplatz ja eine haben.

Gruss Reinhard

von Wolfgang (Gast)


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Hallo Reinhard,

vielen Dank für deine Antwort!

Das hilft tatsächlich! Jetzt aber das große "aber":

Es handelt sich um eine portable Anwendung! Wie kann ich diese 
Erkenntnis nun umsetzen?

VG, Wolfgang

von Ulrich (Gast)


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Eine Abschirmung (mit der Schaltungsmasse) verbinden sollte ebenfalls 
ausreichen um die Störungen zu unterdrücken. Die Schaltung selber 
schwimmt dann ggf. noch, aber dann halt zusammen mit der Abschirmung, 
und die Störungen werden nicht verstärkt.

von Kai K. (klaas)


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>Funktioniert soweit ganz prächtig, so lange die Photodiode direkt am
>Transimpedanzverstärker platziert ist. Schließt man nun die Diode über
>ein 2adriges (ca. 20cm langes) Kabel an den Empfänger an, holt man sich
>verschiedenste Störungen herein, die durch die Verstärker soweit
>sichtbar gemacht werden, dass nichts mehr geht...

Dann vermeide doch eben dieses 20cm lange Kabel...

Oder schirme das Kabel geeignet ab. Aber vermeide Streukapazitäten! -> 
Umhülle das Kabel mit einem Schirm aus Alufolie, der möglichst großen 
Abstand zu den Adern hat und verbinde diesen Schirm beim TIA mit der 
Signalmasse.

von Wolfgang (Gast)


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Leider kann ich das Kabel nicht vermeiden! ich habe es schon von 60 auf 
20cm gekürzt, aber ganz weg bekomme ich es nicht!

Die Lösung mit dem geschirmten Kabel liegt natürlich auf der Hand, ist 
aber auch nicht ganz so einfach umzusetzen.

Die Lösung wurde ja schon genannt: Schaltung braucht definiertes 
Potential, was ich allerdings auch nicht bieten kann...

Demnach stehe ich wieder ganz am Anfang!

Ganz klar ist mir aber trotzdem nicht, woher die Störung kommt! Die 
Schaltung hat keine Schnittstelle zu anderen Systemen außer Licht! Die 
Störsignale haben ja ebenfalls kein Potential... Warum sind die 
Störungen dann WEG, wenn die Schaltung plötzlich ein definiertes 
Potential hat?

von Ulrich (Gast)


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Ein externe elektrisches Wechselfeld kann an 2 Stellen einkoppeln: 
einmal am Kabel und dann noch an der Masse der Schaltung selber. Damit 
kann ein kleiner störender Wechselstrom zwischen den beiden Punkten 
fließen.

Wirklich helfen tut da nur eine Abschirmung, wenigstens beim Kabel zur 
Fotodiode. Etwas helfen könnte ein Fototransistor als Empfänger, weil da 
das Signal schon intern etwas verstärkt wird.

von Kai K. (klaas)


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>Die Lösung wurde ja schon genannt: Schaltung braucht definiertes
>Potential, was ich allerdings auch nicht bieten kann...

Wieso ist das die Lösung? Die Schaltung braucht kein definiertes 
Potential. Kein Handy hat ein definiertes Potential und sie 
funktionieren trotzdem.

>Ganz klar ist mir aber trotzdem nicht, woher die Störung kommt! Die
>Schaltung hat keine Schnittstelle zu anderen Systemen außer Licht!

Du vergißt die Streukapazitäten zur Erde und zu den Störern. Da bilden 
sich die kuriosesten kapazitiven Spannungsteiler. Du hast einfach eine 
bestimmte Störung mit deiner Berührung zur Erde kurzgeschlossen, als ob 
du die Schaltung geerdet hättest.

Gegen Streukapazitäten hilft Abschirmen. Ein Faradayischer Käfig muß 
her, der möglichst rundum geschlossen ist. Über der Fotodiode genügt ein 
grobmaschiges Metallgitter, das die elektrischen Feldlinien auf sich 
enden, die Photonen aber nahezu ungehindert passieren läßt. Auf diese 
Weise bleibt der Faradayische Käfig geschlossen, zumindest für den 
Frequenzbereich, der für deine Anwendung relevant ist. Natürlich mußt du 
die Abschirmung, inklusive Metallgitter, irgendwo mit der Signalmasse 
verbinden, am besten in der Nähe des TIA.

von Reinhard Kern (Gast)


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Hallo,

optimal ist, die Photodiode einseitig an GND anzuschliessen und ein 
Koaxkabel zu verwenden.

Gruss Reinhard

von Kai K. (klaas)


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>optimal ist, die Photodiode einseitig an GND anzuschliessen und ein
>Koaxkabel zu verwenden.

Ein Koaxkabel kann die Streukapazität vom "-" Eingang des TIA zur Masse 
vergößern, was den TIA schnell instabil werden läßt (Aufzehren der 
"phase margin" durch die zusätzliche "phase lag"). Deswegen habe ich ja 
die "lockere" Abschirmung empfohlen. Ein Koaxkabel führt allerdings zu 
einer besonders kleinen Leiterschleifenfläche zwischen Hin- und 
Rückleiter, was natürlich auch von Vorteil ist.

Ich würde Hin- und Rückleiter gut verdrillen und um das Kabel eine 
"lockere" Abschirmung verlegen.

von Ulrich (Gast)


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So viel größer ist die Kapazität bei einem Koax Kabel auch nicht. Auch 
da sind 100 pF je Meter die Faustformel, genau wie für das Netzkabel zum 
Lötkolben.

von Wolfgang (Gast)


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>> Kein Handy hat ein definiertes Potential und sie
funktionieren trotzdem.

Das ist natürlich auch ein Argument! ;-)

Leider ist auch der faradayischer keine Lösung, da zu aufwändig!

Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass die Schaltung auf 
Leuchtstoffröhren allergisch ist. Zum Einen reagiert sie (no-na) auf das 
Licht (durch den Tageslichtfilter kommt halt doch einiges durch) aber 
auch meiner Interpretation nach auf elektromagnetische Störungen. (Wenn 
die Diode abgedeckt ist, sind noch immer "hochfrequente Störungen" zu 
sehen.

Das verdrillte Kabel, werde ich nächste Woche mal testen, jedoch würde 
mich interessieren, ob es schaltungstechnisch gesehen irgendwo gesammelt 
"best practice" Ratschläge gibt. Die Störungen können natürlich 
vielfältig sein, dass ist mir schon klar, aber es wird ja immer wieder 
auf dieselben Übeltäter zurückgehen: Leuchtstoffröhren, Handys, WLAN, 
...

von Martin W.T. (Gast)


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...und helfen tut da nur Abschirmung.

von Kai K. (klaas)


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>Leider ist auch der faradayischer keine Lösung, da zu aufwändig!

Aber irgendwie wirst du doch abschirmen können??

>...und helfen tut da nur Abschirmung.

Genau. Ohne Abschirmung wird das nichts!

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