Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Spektrum Analyzer Tek 2712 - Meinung zu Fehlerbild in HV-Teil der Bildröhre?


von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Hallöchen!

Ich benötige jetzt die Hilfe von HV/Oszilloskopröhren-Experten :-)

nachdem mein Unternehmen (bzw. ich ;-) nun stolzer Besitzer eines 
Tektronix 2712 (9kHz-1,8GHz Spektrumanalyzer) ist, geht es nun an die 
Reparatur eines "Schönheitsfehlers" des Geräts.

Soweit funktioniert das Teil einwandfrei nur ein leichtes "Flackern" des 
Bildes nervt mich. Ja, ich bin da Pedant: ich möchte diesen Fehler gerne 
beheben :-)

Vielleicht erst einmal zur Fehlerbeschreibung:

1. Das Bild ist manchmal zu "groß" für den Schirm, die Größe schwankt 
(meist nach dem Einschalten) um etwa 1cm, und zwar immer in Höhe und 
Breite gleichzeitig, das Bild "pumpt" quasi und zittert in diesem 
Bereich - allerdings recht zufällig. Es kann also kurz auf die korrekte 
Größe schrumpfen und bläht sich dann wieder auf

Gleichzeitig ist die Helligkeit reduziert und man muss die Intensität 
recht weit aufdrehen.

Das Ganze wird besser, wenn das Gerät warm ist - ich hatte es aber auch 
schon, dass das Bild direkt beim Einschalten perfekt war und blieb.
In 95% der Fälle ist es aber zumindest etwas zu groß und flackert 
leicht, bis das Gerät sich erwärmt hat.

Ok, die Analyse ergab bisher Folgendes: Netzteilspannungen sind alle da 
- nur die HV-Versorgung mit 1400V konnte ich nicht messen, da ich hier 
leider keinen HV-Tastkopf habe. Ebenso sind die Signale für Horizontal- 
und Vertikal-Ablenkung da (auch beim "Pumpen" unverändert), so dass ich 
das ausschließe.
Alle Einstellungen wie Focus, Astigmatismus, Drehung, Horizontal- und 
Vertikalposition lassen sich sauber einstellen.

Für mich blieb also nur eine kalte Lötstelle/Riss etc. im Bereich der 
Hochspannung.

Beim Einschalten des geöffneten Geräts fiel mir dann auf, dass es im 
HV-Bereich einen kleinen Funkenüberschlag über einen 1206-Widerstand gab 
- genau am Ausgang der Verdopplerschaltung (1400 -> 2800V) für die 
Spannung der Kathode/Wehneltzylinder(?).

Der entsprechende Widerstand R511 (grüner Kringel) sieht auch nicht mehr 
gesund aus (Beschriftung ist weg, R510 hat sie noch), so dass ich mal 
stark davon ausgehe, dass der hin ist. Die Lötstellen in dem Bereich 
habe ich auch schon alle nachgelötet, kalt dürfte da also nichts mehr 
sein.

Ich habe mal den relevanten Ausschnitt des Schaltplans angehängt.
U120 ist die Kaskade mit 11kV für die Anode und -2,8kV für die anderen 
Elemente. Der OP U630 dient mit dem Trimmer R639 der Regelung und 
Einstellung der Hochspannung, allerdings tut sich da auf dem Schirm 
nichts (zumindest nichts optisch sichtbares). Ist das so ok?

Beim Einschalten scheint ja die Hochspannung an R511 zu gelangen - ich 
vermute mal, dass sie dann auf die noch entladenen 3kV-Kondensatoren 
überschlägt und diese lädt. Ich vermute, dass R511 nicht ganz hin ist, 
sondern je nach Temperatur noch leicht leitet, und so eine Hochspannung 
an die Gitter abgegeben wird, aber eben sehr wackelig und stark von 
äußeren Einflüssen gesteuert.

Nun bin ich leider nicht der Röhrenfreak, aber mich würde doch 
interessieren, wie dann das Fehlerbild zustandekommt und ob der 
Widerstand (hoffentlich) die einzige Ursache ist.

Liege ich soweit richtig? Vielleicht kann dazu jemand eine Einschätzung 
geben.

Sonst sind wir hier sehr zufrieden mit dem Gerät - nur dieser kleine 
Makel stört noch :-)

Vielen Dank für jede Hilfe,
Chris

P.S.: Der Widerstand ist schon geordert (den habe ich leider nicht hier 
und für Frickeleien ist mir das da im HV-Teil zu heikel).

von Mani H. (Gast)


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Hallo

Die Hochspannung ist im Fehlerfall kleiner.
Deshalb groessere Auslenkung in beiden Richtungen.
Die Emission von der Kathode wird auch geriner, da die Anode nicht mehr 
so saugt.
Dadurch weniger Helligkeit.
Passt also alles.

Gruss Mani

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Danke für die Antwort - das lässt ja hoffen :-)

Ich berichte weiter, wenn die Widerstände hier sind.

Chris

von Andrew T. (marsufant)


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Chris D. schrieb:
> P.S.: Der Widerstand ist schon geordert (den habe ich leider nicht hier
> und für Frickeleien ist mir das da im HV-Teil zu heikel).

Wenn Du es (R510,511) durch etwas Gutes ersetzen willst: Hier machen 
aufgrund der Schaltungsauslegung Kohlemassewiderstände  Sinn.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Ich habe leider schon Metallfilmwiderstände bestellt (so wie offenbar im 
original verbaut).

Inwiefern sind denn solche Widerstände bei Hochspannung besser?

von Andrew T. (marsufant)


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HV-Impulsfester.

ich schrieb ja bereits, wie die schaltung ausgelegt ist.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Alles klar, besten Dank.

Ich bin mal gespannt, ob das alles war ...

von guy (Gast)


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R511 ist teil eines Tiefpasses. Durch den fehlerhaften Widerstand kann 
es also gut sein, dass die Spannung nicht richtig geglättet wird, was 
wiederum dazu führt, dass das Bild flackert da sich der Fokus des 
Strahls verschiebt, bzw. der Strahl gar nicht erst richtig gebündelt 
wird und sich gleichzeitig auch noch die Emission der Elektronen-Quelle 
verändert. Es muss also gar nicht der Wert des Widerstandes schwanken um 
das Flackern zu erklären.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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guy schrieb:
> R511 ist teil eines Tiefpasses. Durch den fehlerhaften Widerstand kann
> es also gut sein, dass die Spannung nicht richtig geglättet wird, was
> wiederum dazu führt, dass das Bild flackert da sich der Fokus des
> Strahls verschiebt, bzw. der Strahl gar nicht erst richtig gebündelt
> wird und sich gleichzeitig auch noch die Emission der Elektronen-Quelle
> verändert. Es muss also gar nicht der Wert des Widerstandes schwanken um
> das Flackern zu erklären.

Wobei das Flackern schon sehr ungleichmäßig und zufällig ist, sowohl bei 
der "Aufblähgröße" als auch in Frequenz und Temperaturabhängigkeit.

Für mich sieht das so aus, als würde der Widerstand mal leiten und mal 
nicht bzw. es gibt immer wieder kleine Spannungsüberschläge.

Vielleicht sollte ich mal ein Video davon erstellen.

Aber ich warte jetzt mal auf die morgige Lieferung und löte den neuen 
Widerstand ein. Wenn es das war: wunderbar :-)

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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So, Widerstände sind heute morgen gekommen, eingelötet, eingeschaltet:

Scharfes, stabiles Bild :-)))

Schauen wir mal, wie lange der Metallfilmwiderstand hält. Zur Not hab 
ich noch 9 Mal Ersatz :-)

Nochmal vielen Dank an alle für die Einschätzungen.

von Mani H. (Gast)


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Wird schon halten.
Bei Kohlewiderständen gab es oft Überschläge zwischen den einzelnen 
Wendeln.
Deshalb wurden auch ab einer gewissen Spannung mehrere in Serie verbaut.
Man ist das lange her.
Gruß Mani

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