Hallo! Mein Vater vertreibt als Einzelunternehmer Bäckereimaschinen. Alles im ziemlich kleinen Stil, also Maschinen für den kleinen Bäcker vorn an der Straßenecke. Er bietet die Geräte weltweit an und verkauft auch öfters weltweit. Jetzt hat er eine Anfrage aus den USA. Der Kunde wies darauf hin, dass er dort nicht seine üblichen H07xxx Kabel verwenden kann. Nach einiger Google-Suche durfte ich feststellen, dass es ganz und gar nicht einfach ist, herauszufinden, welche Kabel er denn nun verwenden darf. Zum einen geht es um einen kleinen Schaltkasten, ob dort schon intern ein anderer Draht verwendet werden muss. Zum anderen kommen aus dem Schaltkasten eine Zuleitung zu einem kleinen Motor(90Watt, Drehstrom), natürlich die eigentliche Zuleitung für die ganze Maschine und ein Kabel zu einem Endlagenschalter. Hat schonmal jemand etwas ähnliches in die USA verkauft und kann mir irgendwie weiter helfen? Ich möchte mich schonmal im Voraus für hilfreiche Antworten bedanken. Dennis
Dennis H. schrieb: > Nach einiger Google-Suche durfte ich feststellen, dass es ganz und gar > nicht einfach ist, herauszufinden, welche Kabel er denn nun verwenden > darf. Ich war lange nicht im usenet, aber in der dse Gruppe gibt es einen gewissen Joerg, einen sog. Consultanten, der Dir das sicherlich genau beantworten kann. Gruss Harald
Vielleicht könnte auch das Kabel das kleinere Problem sein: - Drehstrom gibt es, 220V von Außenleiter zu Außenleiter (könnte man den Motor auf Dreieck schalten); - 60 statt 50 Hz, entsprechend höhere Drehzahl, dafür geringeres Drehmoment, wenn der Motor unverändert bleibt; - ganz andere Zulassungen;
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nder%C3%BCbersicht_Steckertypen,_Netzspannungen_und_-frequenzen Laut der Liste im Artikel Stecker Typen A (ohne Erdung) und B (mit Erdung).
Dennis H. schrieb: > Hat schonmal jemand etwas ähnliches in die USA verkauft und kann mir > irgendwie weiter helfen? Um Gottes Willen, ja nicht! Sofern er noch eine Weile Freude an seinem Geschäft haben will, auf keinen Fall in die USA verkaufen. Da braucht sich nur einer den Finger an einem Deckel zu klemmen, und schon ist Dein Vater für den Rest seines Lebens am Abzahlen des Schadens. Ernsthaft: Meine Firmenhaftpflicht schließt Ansprüche aus USA und Kanada von vornherein aus. Warum wohl? Das andere ist: Wenn ich sehe, mit was für dünnen Käbelchen Geräte aus den USA versehen sind, kann das nicht so schwierig sein, da was Passendes zu finden.
Deine Kabel müssen UL zertifiziert sein: http://de.wikipedia.org/wiki/Underwriters_Laboratories Sprich mit dem Vertrieb eures Zulieferers darüber, er kann dir sicher Auskunft geben. http://www.helukabel.de/ http://www.helukabel.de/media/publication/de/poster/POSTER_UL-CSA_DE.pdf
Kabel nach UL-Norm hat jeder größere Hersteller im Programm (Lapp, Helu, igus,...). Die Querschnitte werden in AWG [1] statt in mm² gerechnet. Bei der Umrechnung muss man aufpassen, in welche Richtung man umrechnet. Es gilt also nur herauszufinden, welche Querschnitte für welche Ströme gefordert werden, und was man bzgl. Derating beachten muss. Zum Thema Haftung ist ja bereits alles gesagt worden. Für einen kleinen Auftrag würde ich mir so ein Thema nicht ans Bein binden. Mit freundlichen Grüßen Thorsten Ostermann [1] http://de.wikipedia.org/wiki/American_Wire_Gauge
1. Für den Auftrag eine neue Firma gründen,und nach Abschluß der Lieferung die Firma wieder schließen. Produkte in die USA sichert kein Versicherer ab. 2. Für E-Geräte in den USA gelten sehr spezielle Vorschriften. Die üblichen UL und UA Zertifizierungen gelten nicht überall in gleicher Weise. Etwas, was im County zugelassen ist muss noch lange nicht in der City zugelassen sein, vom State ganz zu schweigen und umgekehrt. Das gilt weniger für Consumer-Produkte, ist aber dafür bei Business Geräten und Installationstechnik ein ernstes Problem. Außerdem gibt es in Industrial- und Business-Bereich einen ganzen Berg sehr seltsamer Spannungsebenen.
Muss er sich denn überhaupt darum kümmern? Das sollte man doch dem örtlichen Elektroinstallateur überlassen.
Die Zuleitung "kann" man dem örtlichen Installateur überlassen wenn man keine Leitung mitliefert. Für den Rest der Maschine ist aber nach wie vor der Hersteller verantworlich - und genau deswegen würde ich kein Gerät in die Staaten verkaufen - niemals. Bei einem Großauftrag kann man sich das noch überlegen, dort rechnet es sich dann vermutlich auch noch wenn man im Vorfeld eine erweiterte Produktdokumentation macht, die Geräte auf 60Hz umbaut und dann entsprechende Prüfzeichen einholt. Bei einer einzelnen Maschine würde ich da die Finger davon lassen!
Ingo Wendler schrieb: > Vielleicht könnte auch das Kabel das kleinere Problem sein: > - Drehstrom gibt es, 220V von Außenleiter zu Außenleiter (könnte man den > Motor auf Dreieck schalten); > - 60 statt 50 Hz, entsprechend höhere Drehzahl, dafür geringeres > Drehmoment, wenn der Motor unverändert bleibt; > - ganz andere Zulassungen; Der Motor ist nicht das Problem. Da hat er einen guten Zulieferer, dem er einfach die Spannung und die Frequenz sagt und dann bekommt er den passenden Motor. Gerade japanische Inseln ist hochinteressant, dort hat jede Insel ne andere Spannung. Hat aber bis jetzt immer super geklappt. Thomas W. schrieb: > Sprich mit dem Vertrieb eures Zulieferers darüber, er kann dir sicher > Auskunft geben. Dieser Lieferant hätte wohl irgendwas zum liefern, aber eben immer gleich einen 500m Bund. Für ein Gerät, wo man vielleicht zwei Meter insgesamt braucht ist das bisschen viel. Aber stimmt schon, die könnten garantiert Auskunft darüber geben, welche Kabel geeignet sind. Ansonsten zwecks Haftung find ich ganz interessant, werde ich ihm mal erzählen. Vielleicht entschließt er sich ja dann, den Auftrag ganz sein zu lassen. Auf jedenfall vielen Dank für eure ganzen hilfreichen Antworten Dennis
Dennis H. schrieb: > Ansonsten zwecks Haftung find ich ganz interessant, werde ich ihm mal > erzählen. Vielleicht entschließt er sich ja dann, den Auftrag ganz sein > zu lassen. In Ergänzung zu meiner ersten Antwort habe ich noch mal die Adresse von Joerg rausgesucht: http://www.analogconsultants.com/ Ich denke, Joerg kann auch eine kompetent Antwort geben, ob sich der ganze Auftrag lohnt. Ich nehme auch an, das er für einen ersten Anruf nicht gleich eine hohe Rechnung stellen wird. Wenn er noch einzelne Punkte genauer abklären müsste, geht das aber sicher nicht mehr kostenlos. Aufgrund der vielen Beiträge, die ich von Ihm schon in der NG gelesen habe, gehe ich aber davon aus, das er sich mit dem Thema "Lieferung in die USA" sehr gut auskennt. Gruss Harald PS: Bei einem Anruf bei Ihm an die Zeitverschiebung denken!
Harald Wilhelms schrieb: > In Ergänzung zu meiner ersten Antwort habe ich noch mal die > Adresse von Joerg rausgesucht: Vielen vielen Dank für deine weitreichende Mühe, die du dir gemacht hast. Bekommst beim nächsten Besuch in Dresden ein Bier spendiert :-) Dennis
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