Forum: Offtopic Welche Kabel für die USA?


von Dennis H. (t1w2i3s4t5e6r)


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Hallo!

Mein Vater vertreibt als Einzelunternehmer Bäckereimaschinen. Alles im 
ziemlich kleinen Stil, also Maschinen für den kleinen Bäcker vorn an der 
Straßenecke. Er bietet die Geräte weltweit an und verkauft auch öfters 
weltweit. Jetzt hat er eine Anfrage aus den USA. Der Kunde wies darauf 
hin, dass er dort nicht seine üblichen H07xxx Kabel verwenden kann.

Nach einiger Google-Suche durfte ich feststellen, dass es ganz und gar 
nicht einfach ist, herauszufinden, welche Kabel er denn nun verwenden 
darf.

Zum einen geht es um einen kleinen Schaltkasten, ob dort schon intern 
ein anderer Draht verwendet werden muss.
Zum anderen kommen aus dem Schaltkasten eine Zuleitung zu einem kleinen 
Motor(90Watt, Drehstrom), natürlich die eigentliche Zuleitung für die 
ganze Maschine und ein Kabel zu einem Endlagenschalter.

Hat schonmal jemand etwas ähnliches in die USA verkauft und kann mir 
irgendwie weiter helfen?

Ich möchte mich schonmal im Voraus für hilfreiche Antworten bedanken.


Dennis

von Harald W. (wilhelms)


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Dennis H. schrieb:

> Nach einiger Google-Suche durfte ich feststellen, dass es ganz und gar
> nicht einfach ist, herauszufinden, welche Kabel er denn nun verwenden
> darf.

Ich war lange nicht im usenet, aber in der dse Gruppe gibt es einen
gewissen Joerg, einen sog. Consultanten, der Dir das sicherlich
genau beantworten kann.
Gruss
Harald

von Ingo W. (Gast)


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Vielleicht könnte auch das Kabel das kleinere Problem sein:
- Drehstrom gibt es, 220V von Außenleiter zu Außenleiter (könnte man den 
Motor auf Dreieck schalten);
- 60 statt 50 Hz, entsprechend höhere Drehzahl, dafür geringeres 
Drehmoment, wenn der Motor unverändert bleibt;
- ganz andere Zulassungen;

von K. L. (trollen) Benutzerseite


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https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nder%C3%BCbersicht_Steckertypen,_Netzspannungen_und_-frequenzen

Laut der Liste im Artikel Stecker Typen A (ohne Erdung) und B (mit 
Erdung).

von Timm T. (Gast)


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Dennis H. schrieb:
> Hat schonmal jemand etwas ähnliches in die USA verkauft und kann mir
> irgendwie weiter helfen?

Um Gottes Willen, ja nicht! Sofern er noch eine Weile Freude an seinem 
Geschäft haben will, auf keinen Fall in die USA verkaufen.

Da braucht sich nur einer den Finger an einem Deckel zu klemmen, und 
schon ist Dein Vater für den Rest seines Lebens am Abzahlen des 
Schadens.

Ernsthaft: Meine Firmenhaftpflicht schließt Ansprüche aus USA und Kanada 
von vornherein aus. Warum wohl?

Das andere ist: Wenn ich sehe, mit was für dünnen Käbelchen Geräte aus 
den USA versehen sind, kann das nicht so schwierig sein, da was 
Passendes zu finden.

von Thomas W. (Gast)


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Deine Kabel müssen UL zertifiziert sein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Underwriters_Laboratories

Sprich mit dem Vertrieb eures Zulieferers darüber, er kann dir sicher 
Auskunft geben.

http://www.helukabel.de/
http://www.helukabel.de/media/publication/de/poster/POSTER_UL-CSA_DE.pdf

von Thorsten O. (Firma: mechapro GmbH) (ostermann) Benutzerseite


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Kabel nach UL-Norm hat jeder größere Hersteller im Programm (Lapp, Helu, 
igus,...). Die Querschnitte werden in AWG [1] statt in mm² gerechnet. 
Bei der Umrechnung muss man aufpassen, in welche Richtung man umrechnet. 
Es gilt also nur herauszufinden, welche Querschnitte für welche Ströme 
gefordert werden, und was man bzgl. Derating beachten muss.

Zum Thema Haftung ist ja bereits alles gesagt worden. Für einen kleinen 
Auftrag würde ich mir so ein Thema nicht ans Bein binden.

Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Ostermann

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/American_Wire_Gauge

von Tex A. (tex)


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1. Für den Auftrag eine neue Firma gründen,und nach Abschluß der 
Lieferung die Firma wieder schließen. Produkte in die USA sichert kein 
Versicherer ab.
2. Für E-Geräte in den USA gelten sehr spezielle Vorschriften. Die 
üblichen UL und UA Zertifizierungen gelten nicht überall in gleicher 
Weise. Etwas, was im County zugelassen ist muss noch lange nicht in der 
City zugelassen sein, vom State ganz zu schweigen und umgekehrt. Das 
gilt weniger für Consumer-Produkte, ist aber dafür bei Business Geräten 
und Installationstechnik ein ernstes Problem.
Außerdem gibt es in Industrial- und Business-Bereich einen ganzen Berg 
sehr seltsamer Spannungsebenen.

von Stefan M. (derwisch)


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Muss er sich denn überhaupt darum kümmern?
Das sollte man doch dem örtlichen Elektroinstallateur überlassen.

von Jeffrey L. (the_dude)


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Die Zuleitung "kann" man dem örtlichen Installateur überlassen wenn man 
keine Leitung mitliefert.
Für den Rest der Maschine ist aber nach wie vor der Hersteller 
verantworlich - und genau deswegen würde ich kein Gerät in die Staaten 
verkaufen - niemals.

Bei einem Großauftrag kann man sich das noch überlegen, dort rechnet es 
sich dann vermutlich auch noch wenn man im Vorfeld eine erweiterte 
Produktdokumentation macht, die Geräte auf 60Hz umbaut und dann 
entsprechende Prüfzeichen einholt.
Bei einer einzelnen Maschine würde ich da die Finger davon lassen!

von Dennis H. (t1w2i3s4t5e6r)


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Ingo Wendler schrieb:
> Vielleicht könnte auch das Kabel das kleinere Problem sein:
> - Drehstrom gibt es, 220V von Außenleiter zu Außenleiter (könnte man den
> Motor auf Dreieck schalten);
> - 60 statt 50 Hz, entsprechend höhere Drehzahl, dafür geringeres
> Drehmoment, wenn der Motor unverändert bleibt;
> - ganz andere Zulassungen;

Der Motor ist nicht das Problem. Da hat er einen guten Zulieferer, dem 
er einfach die Spannung und die Frequenz sagt und dann bekommt er den 
passenden Motor. Gerade japanische Inseln ist hochinteressant, dort hat 
jede Insel ne andere Spannung. Hat aber bis jetzt immer super geklappt.

Thomas W. schrieb:
> Sprich mit dem Vertrieb eures Zulieferers darüber, er kann dir sicher
> Auskunft geben.

Dieser Lieferant hätte wohl irgendwas zum liefern, aber eben immer 
gleich einen 500m Bund. Für ein Gerät, wo man vielleicht zwei Meter 
insgesamt braucht ist das bisschen viel. Aber stimmt schon, die könnten 
garantiert Auskunft darüber geben, welche Kabel geeignet sind.

Ansonsten zwecks Haftung find ich ganz interessant, werde ich ihm mal 
erzählen. Vielleicht entschließt er sich ja dann, den Auftrag ganz sein 
zu lassen.

Auf jedenfall vielen Dank für eure ganzen hilfreichen Antworten



Dennis

von Harald W. (wilhelms)


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Dennis H. schrieb:

> Ansonsten zwecks Haftung find ich ganz interessant, werde ich ihm mal
> erzählen. Vielleicht entschließt er sich ja dann, den Auftrag ganz sein
> zu lassen.

In Ergänzung zu meiner ersten Antwort habe ich noch mal die
Adresse von Joerg rausgesucht:
http://www.analogconsultants.com/
Ich denke, Joerg kann auch eine kompetent Antwort geben, ob sich der
ganze Auftrag lohnt. Ich nehme auch an, das er für einen ersten
Anruf nicht gleich eine hohe Rechnung stellen wird. Wenn er noch
einzelne Punkte genauer abklären müsste, geht das aber sicher nicht
mehr kostenlos. Aufgrund der vielen Beiträge, die ich von Ihm schon
in der NG gelesen habe, gehe ich aber davon aus, das er sich mit
dem Thema "Lieferung in die USA" sehr gut auskennt.
Gruss
Harald
PS: Bei einem Anruf bei Ihm an die Zeitverschiebung denken!

von Dennis H. (t1w2i3s4t5e6r)


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Harald Wilhelms schrieb:
> In Ergänzung zu meiner ersten Antwort habe ich noch mal die
> Adresse von Joerg rausgesucht:

Vielen vielen Dank für deine weitreichende Mühe, die du dir gemacht 
hast.

Bekommst beim nächsten Besuch in Dresden ein Bier spendiert :-)


Dennis

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