Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Wie wird eine Telefon-Teilnehmerleitung geflickt?


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von Tappo (Gast)


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Hallo,

zu mir: Ich bin 16 Jahre alt, beginne momentan eine Ausbildung zum 
Elektroniker für Betriebstechnik. Ich wohne in einem Mittelgroßen Dorf, 
das noch sehr Altertümlich ist.

Nun ist es so, dass "vor" unserer Tür der Gehweg erneuert wird. 
Abgesehen vom Lärm stört Neuerdings noch eine Sache daran: Scheinbar 
haben die Bauarbeiter eine "Telefon-Teilnehmer-Leitung" (Hab ich mir 
sagen lassen) durchtrennt, was zur Folge hatte das das Örtchen erstmal 
kein Telefon mehr hat.

Was mich jetzt aber Interessiert:

Wie flickt man eine solche (ca.) 2000 DA-Leitung eigentlich?
Das sind doch 4000 Adern, also insgesamt da die Leitung ja durch den 
Schnitt zu kurz ist ja ein kleines Stück einspleißen muss 8000 
Löt/Crimp/Irgendwasstellen. Wie lösen die das, das kann doch Jahre 
Dauern wenn man die Einzeln Abisolieren, Verlöten, gegen Kurzschluss 
sichern muss ?

Lohnt es sich da nicht schon fast eine Neue Leitung zu ziehen, 
geschweigedenn das Dorf gleich auf Glasfaser umzurüsten..

MFG

: Gesperrt durch Moderator
von bundes_pest (Gast)


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Ich denke, in Kürze wird es dir unser Experte für solche Dinge
Wilhelm F. kompetent erklären. :-)

von Thomas M. (thomaswm)


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Abisoliert und verlötet wird das nicht. Es wird mit einem 
schneid-klemm-Verfahren geflickt und zum Schluss durch eine Muffe 
(ähnlich Schrumpfschlauch) abgedichtet. Über einen "Kamm" können mehrere 
DA gleichzeitig zusammengefügt werden.

Für Glasfaser müsste man auch zusätzlich die Endgeräte der 
Vermittlungsstelle austauschen.

>
> Wie flickt man eine solche (ca.) 2000 DA-Leitung eigentlich?
> Das sind doch 4000 Adern, also insgesamt da die Leitung ja durch den
> Schnitt zu kurz ist ja ein kleines Stück einspleißen muss 8000
> Löt/Crimp/Irgendwasstellen. Wie lösen die das, das kann doch Jahre
> Dauern wenn man die Einzeln Abisolieren, Verlöten, gegen Kurzschluss
> sichern muss ?

von Peter II (Gast)


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Tappo schrieb:
> Lohnt es sich da nicht schon fast eine Neue Leitung zu ziehen,

ganz bestimmt nicht.

http://www.kabelmontage.net/unterseiten/kabelmontage/kupfer/images/muffe.jpg

das wird nichts abisoliert oder gelötet. Das sind Pressverbinder. Je 
mehr DA vorhanden sind je länger muss man den Mantel entfernen, weil man 
sonst die Bündel nicht sinnvoll gruppieren kann. Das kann dann durchaus 
mehr als 1m in jeder Richtung sein. Meist wird man dann wohl 2 Muffen 
setzen müssen.

von Thomas M. (thomaswm)


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von Klaus R. (klara)


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Hallo,
bei 2000 DA wird die Telekom sicher schon vor Ort sein. Im Prinzip muss 
ein neues Stück Kabel eingespleißt werden. Das Kabel wird gezogen worden 
sein. Deshalb muss man sicher 10m oder mehr auswechseln. Wenn es 
wirklich keine Glasfaser ist, dann kann das Kabel schon Adern mit 
Kunststoffisolierung haben oder es ist noch ein gutes altes 
Stahlwellkabel mit Papierisolierung. Bei Kunststoffisolierung gab es 
schon eine Vorrichtung um mehrere DA gleichzeitig zu quetschen. Bei 
Papierisolierung muss jeder Vierer für sich herausgesucht werden und mit 
dem Gegenstück verbunden werden. D.h., jede Ader einzeln mit dem 
Gegenstück kurz verdrillen, Papierisolierung abziehen und richtig 
verdrillen. Es gibt aber zwei Spleißstellen und es können nur max. zwei 
Arbeiter je Spleißstelle zugleich arbeiten.
Na ja, das ist spannend, schau es Dir mal genau an!
Lieber Löter sei nicht dumm, Amt im Rücken, rechts herum!
Gruss Klaus.

von Guest (Gast)


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Klaus Ra. schrieb:
> Lieber Löter sei nicht dumm, Amt im Rücken, rechts herum!

Au jaaa! Absolut mühsam, zwei gegenläufige Kabel Spleissen zu müssen.

von Weingut P. (weinbauer)


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hab sowas vor zig Jahren mal gelernt, ja, ist ne mühselige Geschichte 
vorallem beim Papierkabel ... beim Farbkodierten Kunststoffkabel ists 
einfacher.
Zu meiner Lehrzeit gabs da anreihbare Löt-Schraub-Abisolierfreie 
Verbinder, in die dann immer 1:1 die passenden Adern eingeführt und die 
ganze Reihe dann in einem Vorgang mit ner Presse verbunden wurde. Zum 
Schluss dann ne Art großer Schrumpfschlauch drüber und mit dem 
Propanbrenner geheizt bis der Kleber an den Enden herausquoll und gut 
wars.
Blöd ist halt, dass man nicht von einer Seite mal nen Meter beiziehen 
kann zum spleißen, sondern eben zwei Spleißstellen machen muss.

Also erst n größeres Loch freiräumen um das Kabel, Zelt drüber, je nach 
Wetterlage Gasbrenner anwerfen und Drähte auseinanderfusseln ... gibt 
zarte Hände, da ist oft Vaseline in den Kabeln ...

von (prx) A. K. (prx)


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Ab und zu erwischt es mittlerweile aber auch Glasfasern. Das betrifft 
dann auch nicht mehr nur Dörfer oder einzelne Haushalte. So durfte 
beispielsweise am Freitag eine ganze Region für viele Stunden auf 
allerlei Dienste verzichten, weil eine Leitung irgendeinem Bautrupp 
(Bagger?) im Weg war. Sowas zu flicken dürfte auch nicht so trivial 
sein, zumal dafür kompetentes Personal nicht an jeder Strassenecke zu 
haben ist.

von Bastler (Gast)


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Hallo,

das hört sich ja nach einer Arbeit an für jemanden der Vater und Mutter 
umgebracht hat ;-)

Wenn die Glasfaser sicherlich aufwendige und sehr spezielle Werkzeuge 
benötigt nehme ich aber doch an das eine Reparatur doch wesentlich 
angenehmer und interessanter ist.

Ein Schutzrohrsystem was einen Bagger widersteht und gleichzeitig aber 
auch den anderen Anforderungen (Preis, Zugänglichkeit, Platzbedarf...) 
scheint es wohl nicht zu geben.


Es erstaunt mich immer wieder was für altes "Zeug" teilweise immer noch 
in der Erde liegt und unsere Telekommunikation und Energieversorgung 
sichert.

Gut das es gesetzliche Vorgaben zur Grundversorgung gibt, ich möchte 
nicht wissen wie es sonst in abgelegenen Gegenden aussehen würde...

Bastler

von Weingut P. (weinbauer)


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Schutzrohr ... überleg mal wieviele tausende Kilometer Kabel in der Erde 
liegen und welchen Gewalten die standhalten müssten.
So ein Zahn von ner Baggerschaufel oder auch die Schneide von nem Spaten 
kann umgerechnet Tonnen pro Quadratzentimeter aufbringen.

Und ja, ist ne Fleißarbeit.

Was die Güte angeht sind die alten Papierkabel keineswegs schlecht, 
zumindest solange sie trocken sind.

von Peter D. (peda)


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Bastler schrieb:
> das hört sich ja nach einer Arbeit an für jemanden der Vater und Mutter
> umgebracht hat ;-)

In der Lehre habe ich auch ne 100DA-Muffe machen müssen, geht schon.
Die Enden wurden abisoliert, verdrillt, so daß etwa 5mm isoliert + 10mm 
blank verdrillt waren, abgeschnitten und ein Pappröhrchen drüber 
geschoben.
Zum Schluß wurde selbstvulkanisierendes Gummiband drumgewickelt, reicht 
für Innenräume aus.

von Martin P. (billx)


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Peter Dannegger schrieb:
> In der Lehre habe ich auch ne 100DA-Muffe machen müssen, geht schon.
> Die Enden wurden abisoliert, verdrillt, so daß etwa 5mm isoliert + 10mm
> blank verdrillt waren, abgeschnitten und ein Pappröhrchen drüber
> geschoben.
> Zum Schluß wurde selbstvulkanisierendes Gummiband drumgewickelt, reicht
> für Innenräume aus.

Werden die Kabel dabei nicht verlötet?

von Richard Müller (Gast)


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Die Enden wurden nicht verlötet. Die verspleisten Enden ,abgedeckt mit 
Papierröhrchen, wurden zum Schluß mit Wachs vergossen und in einer 
Bleimuffe Luft und dampfdicht eingeschlossen. Deshalb gab es keine 
Korrosion der verdrillten Enden

von bodo b. (Gast)


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Richard Müller schrieb:
> Die Enden wurden nicht verlötet.

Die Frage wurde bereits am 25.08.2013 mehrfach(!!) beantwortet.

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