Hi, Oliver,
Managementmoden taugen nicht zur Orientierung. Denn sie kommen und
gehen.
Kein Damenmodengeschäft setzt seine Zukunft auf eine Mode, sondern eher
auf eine Zielgruppe.
Hammer und Champy hatten im BPM Erfolg, weil ein Unternehmen in blanker
Not war, sie zur rechten Zeit an der rechten Stelle und die Leute ihre
Hoffnungen in ihren Ansatz setzten.
Sie schrieben einen Bestseller.
Ihre Schüler setzen die Methode BPM aber eher zur Gewinnmaximierung ein
statt zur Firmenrettung. Da wird aus dem Vertrauen der Belegschaft in
die Retter ihrer Arbeitsplätze blanke Abneigung gegen a) die
Abschlächter von Arbeitsplätzen und b) gegen die Methode.
„Aber über 70% aller Change-Projekte scheitern an Soft-Fact-Risiken!“
(Entschuldigung eines Change Managers)
Da hat der "Berater" dann einen Fehlschlag nach dem anderen zu erwarten,
bis seine Stelle frei wird für den nächsten.
Die Methode BPM vermittelt aber einen gewissen Charme und findet ihre
Auftraggeber. Richtig angewendet funktioniert sie ja auch besser als
manche andere. Bei manchen Beratungsunternehmen mit Auftrag ohne
Manpower könnte sie der Türöffner sein.
Aber: Lasse Dir auf keinen Fall eine Identität einreden wie "Mr. BPM" -
denn dann gehst Du mit der Methode unter. Tausend Starlets, deren
biologisches Ende ihrer prallen Schönheit auch das Ende ihrer Besetzung
als "jugendliche Lieberhaberin" bedeutete, ohne dass sie in "reiferen"
Rollen besetzt wurden, sind Kronzeuginnen.
Betrachte die Methode besser wie die Reinkarnation der Glaskugel der
Hellseherin. Sie ist nur ein Hilfsmittel. Viel wichtiger ist der Dame
ihre Menschenkenntnis und das Geschwätz vom Wochenmarkt. Damit findet
sie die Lösungen, die ihre Klientinnen zu Dauerzahlern machen.
Die Methode BPM bewirkt nicht mehr Wunder als andere. Die wirklichen
Probleme in den Unternehmen liegen nicht in den Prozessen - denn das
könnten Unternehmen aus eigener Kraft stemmen. Wo wirklich Not ist, eine
Lösung gesucht wird und möglich ist, da hat sie der eine oder andere der
Betroffenen auch schon durchdacht - aber irgendwie hört ihn keiner, oder
ihm drohen Sanktionen, wenn er das sagt, was "politisch nicht korrekt"
ist.
Diese Probleme hinter den offensichtlichen Problemen sind die
eigentlichen Probleme.
Deshalb ist die Expertise im Erkennen und Lösen der eigentlichen
Probleme viel wichtiger als die Perfektion in der Beherrschung der
Glaskugl, äh, BPM.
Aber wenn Du Glück hast, lernst Du das von Deinem "Senior Consultant".
Ich empfehle Dir aber eine solide Arbeit, in der Du die praktischen
Erfolge und die Erfahrung sammelst, die Du brauchst, damit die Leute
wirklich gern auf Deinen Rat hören.
Ciao
Wolfgang Horn