Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Optokoppler an langem Kabel


von Andreas (Gast)


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Hallo zusammen,

ich grüble gerade an folgendem Problem herum:
Ich möchte ein Datensignal mit etwa 2 MBit/s über ein etwa 50m langes 
Kabel von einem Mikrocontroller zu einem Anderen übertragen (UART, eine 
Richtung). Nun habe ich das Problem, dass mein Signal nach dem langen 
Kabel etwas deformiert ist. In meiner Anwendung sollen NUR Daten über 
das Kabel übertragen werden, die Stromversorgung wird von unabhängigen 
Steckernetzteilen kommen, welche zudem an verschiedenen Phasen hängen, 
wie ich festgestellt habe. Genau das scheint mir aber ein ganz fieses 
Brummen auf die Masseleitung meines Datenkabels zu bringen. Die 
Netzteile sind zwar galvanisch vom Netz getrennt aber nicht geerdet. 
Standard Steckernetzteil halt...

Ich würde mir nun eine Verbesserung erhoffen, wenn ich Empfängerseitig 
einen Optokoppler einfüge siehe Bild. Der Sender würde dann mit einem 
kleinen Treiber und einem Widerstand die LED des Optokopplers am anderen 
Ende des Kabels ansteuern. Der Empfänger hätte dann das Ausgangssignal 
des Optokopplers welches (hoffentlich) relativ rauschfrei vor allem aber 
Brummfrei sein dürfte.

Nun habe ich keinen Optokoppler zur Hand und leider auch keinerlei 
Erfahrungen mit solchen Dingen (Datenübertragung über größere Distanzen) 
gemacht und würde mich daher sehr über Anregungen, Meinungen und 
Tips eurerseits freuen. Ich denke das könnte mir einiges an 
Misserfolgen und Zeit einsparen.

Vielen vielen Dank für alle Antworten

Grüße
 Andreas

von HolgerT (Gast)


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RS422 Sender und RS422 Empfänger, ist dann allerdings ein Draht mehr, da 
symmetrische Übertragung.

von Jens (Gast)


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Schaue dir mal die Grenzfrequenz der meisten Optokoppler an.

Wie sieht das Kabel aus? 2MBit über 50m ist schon recht sportlich. Da 
wirst du über Ethernet nicht drum rum kommen...

von Der Rächer der Transistormorde (Gast)


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Klassische Signalübertragung. Der Optokoppler ist zwar sinnvoll, aber 
nur um die beiden Geräte galvanisch zu trennen. Sonst können 
Ausgleichsströme fließen.

Für 50 m Übertragung gibt es Verfahren in Hülle und Fülle, ein 
symmetrisches sollte es schon sein, geschirmte verdrillte Kabel sind 
zwingend.

RS422 sollte bei gutem Kabel reichen, Ethernet Treiber machen auf diese 
Strecke Gigabit.

von Rainer Z. (razi)


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Hai!

Jens schrieb:
> Schaue dir mal die Grenzfrequenz der meisten Optokoppler an.

6N137 verwenden, der ist ziemlich fix.

> Wie sieht das Kabel aus? 2MBit über 50m ist schon recht
> sportlich. Da wirst du über Ethernet nicht drum rum kommen...

Natuerlich sollte man Kabel mit halbwegs definiertem Wellen-
widerstand verwenden und ungefaehr angepasst arbeiten.

Grusz,
Rainer

von Rainer Z. (razi)


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Hai!

Andreas schrieb:
> Ich möchte ein Datensignal mit etwa 2 MBit/s über ein
> etwa 50m langes Kabel von einem Mikrocontroller zu
> einem Anderen übertragen (UART, eine Richtung).

Kabel mit halbwegs bekannter Impedanz verwenden und
anpassen/terminieren (hast Du ja offenbar gemacht, lt.
Deiner Zeichnung).

> Ich würde mir nun eine Verbesserung erhoffen, wenn ich
> Empfängerseitig einen Optokoppler einfüge siehe Bild.

Kann man sicher machen (Terminierung sollte man vielleicht
verbessern).

Ich wuerde auch senderseitig zwischen Mikrocontroller und
Treiber-IC einen Optokoppler verwenden (z.B. 6N137) und
die dann entstehende "Insel" ueber einen DC/DC-Wandler
(Traco) potenzialgetrennt versorgen.

Das soll nicht heiszen, dass Deine Loesung nicht funktionieren
kann. Es waere mir persoenlich nur unsympathisch, eine 50m
lange Strippe galvanisch an eine Mikrocontrollerschaltung
anzukoppeln.

Ganz andere Loesung waere mit zwei Uebertragern; da sparst Du
die galvanisch getrennte Versorgung, hast aber mehr Stress
mit der Codierung/Modulation. Weil ich gern mit HF rumbastele,
wuerde ich das wahrscheinlich probieren, aber ich rate Dir
davon ab :)

Grusz,
Rainer

von Andreas (Gast)


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Danke ersteinmal für eure Anregungen.

Ich habe mich jetzt ein wenig mit der differenziellen Übertragung ohne 
galvanische Trennung über RS485 beschäftigt und u.A. folgenden Artikel 
gefunden:
http://www.fccps.cz/download/adv/frr/RS485/RS485.html
Wie gesagt erst einmal nicht galvanisch getrennt aber ich denke das ist 
dennoch ein Anfang.
Mit übertragern und HF gebastel will ich mich definitiv nicht 
rumschlagen. Ich will ja auch irgendwann fertig werden ;)

Ja, ich bin mir noch etwas unsicher ob die galvanisch Trennung nicht 
eventuell zwingend nötig ist, aber dazu finde ich einfach keine wirklich 
für mich hilfreichen Antworten oder Artikel. Daher werde ich wohl oder 
übel erst einmal die RS485-Methode ausprobieren und Hoffen dass es 
klappt.

Was denkt ihr darüber. Ist das vernünftig oder verschwendete Zeit?

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Andreas schrieb:
> Was denkt ihr darüber. Ist das vernünftig oder verschwendete Zeit?

Als Beispiel ist z.B. DMX geeignet, das ist praktisch RS485 ohne die 
Bidirektionalität, da es nur einen Sender und viele Empfänger gibt. DMX 
arbeitet bei 230kBit/s und geht schon über 100-200 m, solange die Kabel 
und Stecker einigermassen anständig sind. Deine Datenrate liegt 
natürlich um den Faktor 10 höher, so das es grenzwertig werden kann. 
Gute Kabel wirst du auf jeden Fall brauchen - soll es sicher sein, ist 
Ethernet im Endeffekt vermutlich billiger, weil die Hardware weit 
verbreitet und bewährt ist. Die galvanische Trennung fällt dabei gleich 
mit ab.

von Rainer Z. (razi)


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Hai!

Andreas schrieb:
> Mit übertragern und HF gebastel will ich mich definitiv nicht
> rumschlagen. Ich will ja auch irgendwann fertig werden ;)

Wir sprechen uns zwischen Weihnachten und Silvester wieder, wenn
dann hier zu lesen sein wird: "Seit knapp einem Vierteljahr ist
meine Datenuebertragungsstrecke (ca. 50m, 2Mbit/s) fertig, aber
sie laeuft nicht zuverlaessig... Hilfe!!!..."

fiesgrins

> Ja, ich bin mir noch etwas unsicher ob die galvanisch Trennung
> nicht eventuell zwingend nötig ist,

Da ja wohl alles Kleinspannung ist, ist sie ganz sicher nicht
zwingend noetig - zumindest nicht wegen der elektrischen Sicherheit.

Ich wuerde trotzdem potenzialtrennen, aber das ist nur meine
persoenliche Meinung. (Ich kenne das auch von Industrieanlagen so:
Lieber einmal zuviel potenzialtrennen, als ewig fehlersuchen.)

Grusz,
Rainer

von Der Rächer der Transistormorde (Gast)


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Andreas schrieb:
> Ja, ich bin mir noch etwas unsicher ob die galvanisch Trennung nicht
> eventuell zwingend nötig ist, aber dazu finde ich einfach keine wirklich
> für mich hilfreichen Antworten oder Artikel. Daher werde ich wohl oder
> übel erst einmal die RS485-Methode ausprobieren und Hoffen dass es
> klappt.

Das klappt, wenn du anständig terminierst. Per Definition ist es 
übrigens RS422 (one way).

Da du Steckernetzteile hast ist die galvanische Trennung (des gesamten 
Systems) vorhanden.

Kritisch wird es vielleicht wenn irgendwo andere Masseverbindungen sind. 
Ein einfaches Ohmmeter beseitigt da aber jeden Zweifel.

-

Erdung ist übrigens keine Entstörung sondern eine Schutzmaßnahme. Sie 
schützt Mensch und Tier vor gefährlichen Spannungen im Fehlerfall 
(Spannung an leitenden Teilen die berührt werden können). Das ist 
vorrangig und birgt die Gefahr das Ströme den Weg über deine Leitung zur 
anderen geerdeten Systemen nehmen. Das wird durch  die Trennung 
verhindert. Bei Steckernetzteilen  ohne Schuko Stecker kommt aber wg. 
der nicht vorhandenen Erdung so oder so nicht vor.

von Der Rächer der Transistormorde (Gast)


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Rainer Ziegenbein schrieb:
> aber sie laeuft nicht zuverlaessig

Eins nach dem anderen, muss ja kein industrielles Umfeld sein.

Gute Kabel sind wichtiger als alles andere. Fehlerraten sind mittels 
Checksumme schnell ermittelt. Wenn's kneift kann er z.B einfach mehrmals 
senden.

Ich habe im Tagebau kilometerlange RS422 Verbindungen gesehen wo die 
Anschlussdosen komplett abgesoffen waren oder Lüsterklemmen dezent im 
Teich versenkt wurden weil ein Baggerfahrer die Kabel gekappt hatte.

Funktionierte problemlos, jahrelang (aber mit galv. Trennung).

von Helge A. (besupreme)


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Diese Schaltung hatten wir genommen, als es um "schnelle" Signale über 
100m Telefondraht ging. Aber lange her, das war zu Z80 Zeiten.

Bei passenden Optokopplern hatten wir 1MHz ausprobiert, das sah noch 
sehr gut aus. Schneller wurde nicht getestet, wir haben ja nur 38400 
baud übertragen wollen ;)

von Rainer Z. (razi)


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Hai!

Der Rächer der Transistormorde schrieb:
> [Datenuebertragung ueber 50m Kabel]
>
> Eins nach dem anderen, muss ja kein industrielles Umfeld sein.

Natuerlich, zugestanden.

Bei 50m Kabel bin ich von Verlegung im Auszenbereich ausgegangen
(was natuerlich nicht stimmen muss), und da haette ich einfach
zu viel Angst, dass das naechste Gewitter meinem nicht potenzial-
getrennten Sender einen Knacks versetzt, so dass an den geraden
Tagen richtige und an ungeraden Tagen falsche Daten uebertragen
werden.

Gegen einen direkten Treffer hilft auch ein Optokoppler nicht,
das ist schon klar, aber jeder Stoerung eine 50m-Antenne anbieten
wuerde ich dann doch nicht.

> Gute Kabel sind wichtiger als alles andere. Fehlerraten sind
> mittels Checksumme schnell ermittelt. Wenn's kneift kann er
> z.B einfach mehrmals senden.

Sicher. Ich sehe die (senderseitige) Potenzialtrennung auch
nicht als zwingende Bedingung fuer den Normalfall an, sondern
nur als Schadensbegrenzung im Fehlerfalle.

Grusz,
Rainer

von ./. (Gast)


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Bei 50m wuerde ich auch mal ueber Lichtwelle nachdenken.

Passende Komponenten gibts z.b. bei Agilent (HFBR-0400...).

Die schaffen die 2 MBit bequem.

von Karl O. (knorke)


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Genau. 5mm POF Lichtleiter bekommst Du für billig hinterhergeschmissen. 
2 MBit sind kein Problem, galvanische Trennung inklusive.

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