Forum: Offtopic Arafat und das Polonium


von Karl O. (knorke)


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Hallo,

sicherlich habe einige von Euch die aktuelle Geschichte mit der 
mutmaßlichen Poloniumvergiftung von Arafat gelesen.
Hier ist der wissenschaftliche Report aus Lausanne dazu:

http://www.aljazeera.com/investigations/killing-arafat/swiss-forensic-report-arafat-death-201311671255163780.html

Mir geht es nicht um die politischen Motive, die sind sicher ziemlich 
klar. Er hatte hunderte Feinde und den Mörder wird man nie mehr mit 
Sicherheit identifizieren können. Also würde ich bitten jegliche 
politische Dimension hier aus der Diskussion herauszulassen.

Vielmehr interessiert mich Eure Meinung zu folgenden Fragen:

- Wie ließe sich erklären, dass die Poloniumspuren an den persönlichen 
Gegenständen "unsupported polonium" zeigen, die Spuren im Körper aber 
alle mehr oder wenig "supported" sind? Wäre es möglich, dass die 
biologische Ausscheidung vor dem Tod noch die Menge im Körper so stark 
reduziert hat, dass man die Spuren nicht mehr unterscheiden kann 
(effektive HWZ im Körper: 37d, radiologische HWZ 138,4 d)?

- Gibt es eine Quelle, wo man berechnet, welche Dosis von Polonium 
kompatibel zu den gemessenen Spuren wäre, und ob dies mit dem 
Krankheitsverlauf vereinbar wäre? Medizinisch muss die Dosis im Bereich 
von etwas unter einem Zehntel-Mikrogramm gelegen haben.

- Könnten sich Radon-Zerfallsprodukte im Boden bevorzugt an Geweberesten 
niederschlagen, da diese klebrig sind, oder ist das eher 
unwahrscheinlich?

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


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Hallo Karl,

wenn du tatsächlich Antworten auf diese Fragen suchst, würde es mich 
sehr wundern, wenn jemand der dir diese Auskünfte geben könnte das hier 
tun wird. Aber schauen wir mal.
Namaste

von Karl O. (knorke)


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Naja, im Prinzip könnte man es ja berechnen. In den 8 Jahren ist das 
Polonium auf 0.5^(365/138)=0.00004% der Ursprungsmenge zerfallen.

von Karl O. (knorke)


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mal 8 fehlt da noch...
Ist das Datum der Untersuchung der Gegenstände eigentlich identisch mit 
dem der Leiche? Irgendwo stand, dass die Gegenstände schon nach 5 Jahren 
untersucht wurden. Das würde das Problem lösen und erklären, wieso es da 
noch "unsupported" war.

von Kara B. (Firma: ...) (karabenemsi)


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In den Nachrichten wurde eben gesagt, daß das Schweizer Institut eine 
Vergiftung mit Polonium nicht ausschließen kann.

Ein Vergiftung ist also nicht wirklich nachgewiesen. Jetzt darf jeder 
nach seiner Facon spekulieren.

von Purzel H. (hacky)


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>In den Nachrichten wurde eben gesagt, daß das Schweizer Institut eine
Vergiftung mit Polonium nicht ausschließen kann.


Bedeutet: reicht mal eine Milion rueber, wir untersuchen gerne nochmals 
ein Jahr.

von Kara B. (Firma: ...) (karabenemsi)


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>Bedeutet: reicht mal eine Milion rueber, wir untersuchen gerne nochmals
>ein Jahr

Du bist ein ausgewiesener Analytikexperte?

von Christoph Z. (rayelec)


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Man kann an den Analysen heruminterpretieren wie man will. Eines ist 
klar, Pollonium ist nicht Hausstaub und nur ganz wenige Stellen auf der 
Welt können es herstellen/gewinnen.
Man "frisst" also nicht einfach so eine beträchtliche und nach Jahren 
noch nachweisbare Menge davon. Jemand muss es ganz gezielt zu Herrn 
Arafat gebracht haben - und das wohl kaum in guter Absicht.
Ob er daran gestorben ist, ist eigentlich nur noch juristische 
Haarspalterei. Alleine der Nachweis des Polloniums lässt schon auf einen 
Mordversuch schliessen.

von Wilhelm F. (Gast)


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Wenn Polonium über die Nahrung auf genommen würde, so vermute ich, daß 
es ein Schwermetall ist, und sich wie andere Schwermetalle (Quecksilber, 
Blei, Cadmium, etc.) bis zu Zerfällen zunächst mal im Körper fest setzt. 
Ich glaube, so Entgiftungsorgane wie Leber und Nieren werden da stärker 
befallen.

Spaltprodukte können sehr vielfältig sein, und so grob so ziemlich alle 
Elemente mit kleinerer Ordnungszahl als das Ursprungsprodukt enthalten. 
Es gibt dazu auch Verteilungskurven.

In den professionellen Brennstäben entstehen auch Gase, und deswegen 
müssen sie auch besonders hochdruckfest sein.

Andererseits strahlt der menschliche Körper auch durch die natürliche 
Radioaktivität. In einem Mensch mit 75kg Körpermasse finden ungefähr 
9000 Zerfälle pro Sekunde statt, alle möglichen Elemente und 
Strahlungsenergien von ca. einigen 10keV bis 200MeV.

Für solche Untersuchungen braucht es wohl weniger Mediziner und mehr 
Kernphysiker.

Ich hatte mal Kernphysik, weil es zum E-Technik-Studium gehörte. Aber 
davon sind Grunddinge geblieben, ein Grundverständnis, so richtig im 
Detail aber nicht mehr viel.

Der Lungenkrebsauslöser bei Rauchern soll auch hauptsächlich Polonium im 
Tabakrauch sein, noch nicht mal so sehr die sonstigen chemischen Stoffe. 
Die Tabakpflanze reichert es sehr gerne an. Es wird ja auch gesagt, daß 
dieses Erkrankungsrisiko bei Rauchabstinenz rasch wieder abnimmt, etwa 
so mit einer zweijährlichen Halbierung Halbwertszeit.

Zu Radon gibt es eine Deutschlandkarte mit Radongebieten. Diese sind 
wohl nicht besonders gesund, es sammelt sich aus dem Erdreich austretend 
gerne in Hauskellern an.

von Karl O. (knorke)


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Ok, habe mal gerechnet. Die stärkste Aktivität hat mit 200 mBq (echt 
viel nach so langer Zeit) ein Urinfleck, für den eine ursprüngliche 
Urinmenge von ca. 2 ml angegeben wird.

0.2 Bq * 2^(7 Jahre * 365 d/a / 138 1/d) = 75 kBq ursprüngliche 
Aktivität für den Fleck.

75 kBq * (70 kg / 0.002 g) = 2.6 GBq wenn der ganze Körper die Strahlung 
des Urins hätte. Da dort aber das Polonium aufkonzentriert wird, dürfte 
die Strahlung im Körper zu dem Zeitpunkt niedriger gewesen sein. Das 
würde ziemlich gut zu einer ursprünglichen Dosis von ca. 1 GBq passen, 
die wohl so einen Verlauf von Strahlenkrankheit auslösen würde - für 
Polonium alpha-Strahlen.
Interessant.

>Bedeutet: reicht mal eine Milion rueber, wir untersuchen gerne nochmals
>ein Jah

Die haben nicht sonderlich viel für den Report bekommen. Lies ihn doch 
mal! Der ist wirklich äußerst seriös geschrieben. Schon die 
Hypothesenbetrachtung am Ende und die Einschätzung von "moderat 
wahrscheinlich" lassen auf eine ausgezeichnete Arbeit schließen.

von Kara B. (Firma: ...) (karabenemsi)


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>Alleine der Nachweis des Polloniums lässt schon auf einen
>Mordversuch schliessen.

Und schon tauchen die selbsternannten Experten auf, die Polonium noch 
nicht einmal richtig schreiben können.

>Alleine der Nachweis des Polloniums lässt schon auf einen
>Mordversuch schliessen

"Einer speziellen Polonium-Exposition sind Raucher ausgesetzt. Als 
mögliche Quellen kommen sowohl die im Tabakanbau eingesetzten 
Phosphatdüngemittel als auch eine Adsorption atmosphärischer Einträge 
durch die Tabakpflanzen in Frage"

aus

http://de.wikipedia.org/wiki/Polonium

In den Meldungen war außerdem die Rede, daß der Poloniumghalt 10fach 
über dem Normalgehalt gelegen hat. Ergo kommt Polonium auch in 
"normalen" Menschen vor.

von (prx) A. K. (prx)


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Wilhelm F. schrieb:
> Spaltprodukte können sehr vielfältig sein, und so grob so ziemlich alle
> Elemente mit kleinerer Ordnungszahl als das Ursprungsprodukt enthalten.
> Es gibt dazu auch Verteilungskurven.

Es handelt sich dabei aber nicht um Spaltung, sondern um natürlichen 
Zerfall. Das gibt hier also kein Sammelsurium von Spaltprodukten, 
sondern stabiles Blei 206.

von Vn N. (wefwef_s)


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Kara Benemsi schrieb:
> Ergo kommt Polonium auch in
> "normalen" Menschen vor.

Ach ne? Und?

von Kara B. (Firma: ...) (karabenemsi)


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>Ach ne? Und?

Lies die Aussage im Zusammenhang mit dem Beitrag von

Autor: Christoph Z. (rayelec)
Datum: 08.11.2013 15:15

Vielleicht kommst du ja alleine auf den Hintergrund.

von Vn N. (wefwef_s)


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Kara Benemsi schrieb:
>>Ach ne? Und?
>
> Lies die Aussage im Zusammenhang mit dem Beitrag von
>
> Autor: Christoph Z. (rayelec)
> Datum: 08.11.2013 15:15
>
> Vielleicht kommst du ja alleine auf den Hintergrund.

Abgesehen davon, dass es dann vieleicht sinnvoll wäre, seinen Beitrag zu 
zitieren (und nicht einfach irgendeinen), hat er ja explizit 
geschrieben:

Christoph Z. schrieb:
> Man "frisst" also nicht einfach so eine beträchtliche und nach Jahren
> noch nachweisbare Menge davon.

Betonung liegt auf der beträchtlichen Menge.

von Karl O. (knorke)


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>"Einer speziellen Polonium-Exposition sind Raucher ausgesetzt.

Das stimmt. Allerdings ist die nach so vielen Jahren nicht mehr 
detektierbar. Der Urinfleck hatte nach 7 Jahren eine Aktivität höher als 
der Urin eines aktuellen Kettenrauchers.

http://www.biomedicalpublications.com/dt10.pdf

30 mBq werden pro Tag von einem Raucher über den gesamten Urin 
ausgeschieden. Hier sprechen wir aber von 2 ml Urin nach 7 Jahren, die 
immer nch 200 mBq haben!

Zudem war Arafat Nichtraucher!

Übrigens: 1 Bq --> 1 Zerfall pro Sekunde, keine biologische 
Schadenswichtung

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Karl Otto schrieb:
> - Könnten sich Radon-Zerfallsprodukte im Boden bevorzugt an Geweberesten
> niederschlagen, da diese klebrig sind, oder ist das eher
> unwahrscheinlich?

Das ist auszuschließen:

- Natürliches Radon zerfällt in sehr kurzlebige Polonium-Isotope,
  etwa in Po-218 (t1/2 = 180 s) oder Po-216 (t1/2 = 0.15 s).

- Die Aufnahme von natürlichem Radon geschieht über die Atmung,
  wo es dann in Polonium zerfällt.  Da ein Leichnam nicht mehr atmet,
  scheidet diese Aufnahmequelle aus.

Zudem wurden Proben aus unterschiedlichen Körperregionen genommen, 
während das aus natürlichen Rn entstandene Po nur in die Lunge / 
Bronchien gelangt, sich dort niederschlägt und zerfällt.

Po-210 kommt in der natürlichen Uran-Radium-Zerfallsreihe vor, jedoch 
entsteht es dort aus Bi-210.

von (prx) A. K. (prx)


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Gibts den Bericht eigentlich auch irgendwo in lesbarer Form, nicht bloss 
embedded?

von Karl O. (knorke)


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von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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von (prx) A. K. (prx)


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Johann L. schrieb:
> (PDF, 220 MB) aber das ist schnach-langsam.

Auch nicht besser. Jetzt weiss ich wenigstens, wozu man heute einen 3GHz 
Quadcore braucht. Um Texte zu lesen. Mein Atom streicht schon bei 
vorigen Link die Segel, denn PDFs bloss aus Bildern goutiert der nicht 
so. Haben die das auf der Schreibmaschine getippt und dann eingescannt?

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Ganz interessant. Der Bericht erwähnt auch erhöhte Vorkommen von Pb-210.

Das Pb-210 tritt z.B. als herstellungsbedingte Verunreinigung von Po-210 
auf, und die Pb-210-Vorkommen sind ohne die Polonium-Hypotese schwerlich 
zu erklären.

Dieses Blei-Isotop hat eine Halbwertszeit von ca. 22 Jahren.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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A. K. schrieb:
> [PDFs] Haben die das auf der Schreibmaschine getippt und dann
> eingescannt?

Beide PDFs sind wohl Re-Distributionen von Al Jazeera :-)

Abgescannt und jede Seite mit einem Al-Jazeeral-Emblem versehen.  Bei 
genauem Hinsehen erkennt man, dass die Embleme über Texten und 
Grafiken liegt und nicht darunter :-/

von Karl O. (knorke)


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Na das will man doch wohl mal hoffen bei einem Bericht einer Schweizer 
Uni, dass die den nicht auf Al-Jazeera Briefpapier drucken. Dann wäre 
die Sache schon komisch.

von Norbert M. (Gast)


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Christoph Z. schrieb:
> Eines ist klar, Pollonium ist nicht Hausstaub und nur ganz wenige Stellen
> auf der Welt können es herstellen/gewinnen.

Als natürliches Zerfallsprodukt sowohl in der Thorium-Zerfallsreihe 
als auch in der Uran-Reihe ist Polonium (benannt nach Polen, also bitte 
ohne Deppen-Doppel-L) in der Umwelt wohl eher ubiquitär nachweisbar.

> Man "frisst" also nicht einfach so eine beträchtliche und nach Jahren
> noch nachweisbare Menge davon.

Wenn er nicht geraucht hat (Nicotiana tabaccum ist zum Beispiel das 
Paradebeispiel eines biologischen Polonium-Anreicherers) dann war er 
vielleicht oft unter der Erde (in Bunkern, beispielsweise) - denn auch 
das Edelgas Radon zerfällt "gerne" nach Polonium.

> Jemand muss es ganz gezielt zu Herrn Arafat gebracht haben - und das
> wohl kaum in guter Absicht.

Diese Schlussfolgerung ergründet sich mir inhärent nicht, immerhin hat 
hier (in diesem Theread) jemand gepostet, daß "das Schweizer Institut 
eine Vergiftung mit Polonium nicht ausschließen kann". Nur deswegen wird 
aber der Umkehrschluß, daß er mittels Po vergiftet wurde, nocht um einen 
Deut wahrscheinlicher.

> Alleine der Nachweis des Polloniums lässt schon auf einen  Mordversuch
> schliessen.

Und genau das is eben der Blödsinn. Das ist genau die selbe Taktik, der 
sich Ökofanatisten gerne betätigen: "Bei uns im Grundwasser hat man das 
90er-Strontium nachgewiesen, also ist der Reaktor bei uns 'undicht'."

Wilhelm F. schrieb:
> Der Lungenkrebsauslöser bei Rauchern soll auch hauptsächlich Polonium im
> Tabakrauch sein, noch nicht mal so sehr die sonstigen chemischen Stoffe.

Das ist wieder zu bezweifeln. Mit einem Siedepunkt von knapp unter 1000 
Grad verbleibt der Großteil an "Raucher-Polonium" nämlich in der Asche, 
krebsauslösend dürften da wohl eher diverse aromatische Radikale (die 
als Oxidationsprodukte schnell neue Elektronen haben wollen) und 
Benz-Dioxide (aka. Dioxine) sein, neben den üblichen Verdächtigen wie 
Formaldehyd, Teerpartikeln und "Feinstäuben". Von hundert durch das 
Tabakrauchen ausgelösten Lungenkrebsfällen sind, wenn man mich nach 
einer Schätzung fragen würde, vielleicht 3 bis 5 eine Folge des 
Poloniums.

> Zu Radon gibt es eine Deutschlandkarte mit Radongebieten. Diese sind
> wohl nicht besonders gesund, es sammelt sich aus dem Erdreich austretend
> gerne in Hauskellern an.

Bei uns in der Region Süddeutschland/Österreichisches 
Voralpenland/Südböhmen gibt es große Vorkommen an Granit, ergo (relativ) 
große Radonvorkommen. Mir ist nicht bekannt, daß in diesen Gebieten 
gesundheitliche Risiken durch Radonexposition überhaupt nachweisbar 
wären. Im Gegenteil, in diesen Gebieten leben - so weit ich weiß - die 
Leute sogar signifikant länger. Allerdings gibt es auch hier immer 
wieder "Angebote" (Werbezettel, Postwurfsendungen, Radioschaltungen) für 
eine - natürlich kostenpflichtige - Radonmessung. Das ist wohl die selbe 
Geschäftemacherei wie mit erdstrahlen-abschirmenden Matratzen.

Karl Otto schrieb:
> 30 mBq werden pro Tag von einem Raucher über den gesamten Urin
> ausgeschieden. Hier sprechen wir aber von 2 ml Urin nach 7 Jahren, die
> immer nch 200 mBq haben!

Ich bezweifle, daß man die "normal ausgeschiedene Aktivität" überhaupt 
mit dem vergleichen kann, was man jetzt (angeblich) gemessen hat. 
Möglicherweise wurde jetzt gerade das Aktivitätsmaximum erreicht, aber 
da gibt's so viele Faktoren, die keiner kennt. GFanz davon abgesehen, 
daß man den normalen "Durrchlauferhitzer-Urin" (eines Lebendigen) wohl 
kaum mit dem "Extrakt" vergleichen kann, der sich nach einem 
dreiviertel-Jahrzehnt in der Blase eines Leichnams findet (und dort 
möglichwerweise angereichert hat).

Kara Benemsi schrieb:
> In den Meldungen war außerdem die Rede, daß der Poloniumghalt 10fach
> über dem Normalgehalt gelegen hat. Ergo kommt Polonium auch in
> "normalen" Menschen vor.

Jedes beliebige Isotop jedes beliebigen Elements kommt wohl in einem 
menschlichen Körper vor, wahrscheinlich kann man heutzutage sogar Astat 
(das wahrscheinlich seltenste Element mit Ordnungszahl < 95 und bestimmt 
das Seltenste Element bis inklusive Periode 6) in jedem Menschen 
nachweisen, wenn man nur genau genug sucht.

Winfried J. schrieb:
> wenn du tatsächlich Antworten auf diese Fragen suchst, würde es mich
> sehr wundern, wenn jemand der dir diese Auskünfte geben könnte

Ich kenne jemanden, der hat einen Freund, der wiederum über Ecken 
jemanden kennt, der es wohl wüsste...

> das hier tun wird.

Eben, genau da liegt ja der Punkt: Die, die es definitiv wissen, werden 
es ohne einen besonderen Grund wohl kaum sagen. Und die, die so 
versessen sind, es unbedingt um jeden Preis wissen zu wollen, können ja 
nur die fragen, die es definitv wissen. Um an dieses Wissen zu gelangen, 
müssten sie (also die Wissbegierigen) sich gegenüber den Wissenden erst 
dieses Wissens würdig erweisen. Dieses "würdig erweisen" setzt aber - 
salopp gesagt - eine Verpflichtungserklärung gegenüber den Wissenden 
voraus, und insbesondere geht diese Verpflichtungserklärung auch mit 
einem obligatorischen Schwur zur Verschwiegenheit einher. Wem persönlich 
dieses Wissen wirklich so viel wert ist, dem steht es natürlich frei, 
den bekannten langen Weg zu gehen, inklusive Verpflichtung, 
Vertrauensbeweise, Verlässlichkeitsüberprüfungen und Verschwiegenheit. 
Wenn man diesen Weg erfolgreich beschritten hat, dan stehen die chancen 
nicht schlecht, nach langjähriger Warte- und Prüfungszeit potentiell 
Zugang zu diesem Wissen zu erhalten - natürlich mit allen damit 
verbundenen Konsequenzen.

Mir wäre es das nicht wert.

Mfg, NOR

Ich erlaube mir, meinen Beitrag mit einem Auszug eines Interviews 
abzuschließen, den eine "Journalistin" der BBC (JB) bezüglich des Falls 
"Vanunu" mit Schimon Peres führte (oder führen wollte):

JB: Der Begriff 'nukleare Ambiguität' klingt irgendwie
    eindrucksvoll, aber ist das nicht einfach eine sprachliche
    Beschönigung für Betrug?
SP: Wenn Sie jemand umbringen will, und Sie führen ihn in die
    Irre, um Ihr Leben zu retten, dann ist das nicht unmoralisch.
    Hätten wir keine Feine, dann würden wir keine
    Irreführungen brauchen und keine Abschreckung.
JB: War das Rechtfertigung dafür, die unterirdischen Stockwerke
    der Plutoniumanreicherungsanlage vor den amerikanischen
    Inspektoren zu verbergen? [Die "Journalistin" ist entweder
    strunz-naiv oder "nur" hohl, wenn sie in diese Richtung geht]
SP: Sie führen einen Dialog mit sich selbst, nicht mit mir.
JB: Aber das ist doch dokumentiert, in mehreren Buchern...
SP: Stellen Sie diese Frage sich selbst - nicht mir.
JB: Stimmt es denn nicht?
SP: Ich muß Ihre fragen gar nicht beantworten,
    ich sehe gar keinen Grund dazu.

Und wenn man's aus der Sicht von Vanunus Verteidiger Avigdor Feldman 
sehen will (gleiche BBC-"Journalistin"):

JB: Wird das Gericht das Geheimnis hören,
    das Vanunu angeblich wissen soll?
AF: Sie werden einige Geheimnisse hören, nicht die wirklichen
    Geheimnisse. Sie werden nur Geheimnisse über die Geheimnisse hören.
JB: Und sie als sein Anwalt werden diese auch hören?
AF: Teilweise, aber weniger als das Gericht. Das Gericht wird die
    Geheimnisse über die Geheimnisse hören, ich werde (nur) die
    Geheimnisse über die Geheimnisse über die Geheimnisse hören.
JB: Ist das wirklich so, oder meinen sie das ironisch?
    [spätestens hier merkt man wieder, wie hohl die Dame ist,
    sonst würde sie nicht nachfragen]
AF: Nein, das ist wirklich so. Mir werden sie eine Art "allgemeine
    Beschreibung" der Geheimnisse geben. Das Gericht wird etwas
    konkreter informiert. Aber die Geheimnisse selbst werden niemandem
    enthüllt werden - falls diese überhaupt existieren.

Bester Gruß aus (D)einer M3ß573113 für F3RNM31D357A7!5T!K      xD

von Karl O. (knorke)


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>Blase eines Leichnams findet

Nene, diese Konzentration wurde in einem Urinfleck eines seiner 
Unterhöschens gefunden. Bedenke die vergangene Zeit! Die Konzentration 
muss im Bereich von Mega bis Giga-Bq gelegen haben! Einfach wegwischen 
kann man die Fakten nicht. Daher ja meine Fragen nach Berechnungen und 
realistischen Fehlerquellen.

von Uhu U. (uhu)


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Norbert M. schrieb:
> Und genau das is eben der Blödsinn. Das ist genau die selbe Taktik, der
> sich Ökofanatisten gerne betätigen: "Bei uns im Grundwasser hat man das
> 90er-Strontium nachgewiesen, also ist der Reaktor bei uns 'undicht'."

Ich habe mich schon nach Arafats Tod gewundert, wie man so grenzenlos 
blöd sein kann, eine Obduktion zu verhindern. Für mich ist die nette 
Ehefrau - die diese Blödheit zu verantworten hat - nicht weniger 
verdächtig, als der Rest der Mannschaft. Sie hätte sogar ein Motiv: 
Sicherung des Erbes des korrupten Fürsten...

von Karl O. (knorke)


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Das mag sein wie will, aber ich glaube es ist besser mit Spekulationen 
vorsichtig zu sein, da es jetzt einfach zu spät ist, einen Mörder 
wirklich identifizieren zu können. Z.B. lässt sich anders als im 
Litwinenko Fall nicht mehr nachweisen aus welchem Reaktor das Polonium 
stammt.

Was interessant wäre, wäre zu wissen, wer ihm das vergiftete Abendessen 
zubereitet und serviert hat. Aber auch da: wer weiß ob nicht schon die 
Zutaten verseucht waren? Oder er noch was nebenher gegessen hat 
(Süßigkeiten, Tabletten, etc.). Ziemlich müßig jetzt zu spekulieren 
imho. Leute die von seinem Tod profitieren wollten gab es genug.

von Uhu U. (uhu)


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Karl Otto schrieb:
> aber ich glaube es ist besser mit Spekulationen

Wo siehst du eine Spekulation?

Kern meiner Aussage ist, daß diejenige bekannt ist, die verschuldet hat, 
daß der Fall nicht aufgeklärt werden kann.

von Timm T. (Gast)


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Tja, die Israelis sind halt lernfähig: Gegen Polonium dürfte sich nicht 
so schnell ein Gegengift finden lassen. 
(https://de.wikipedia.org/wiki/Chalid_Maschal#Mordanschlag)

von Karl O. (knorke)


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Och, Dimercaptopropansulfonat dürfe helfen. Insbesondere bei einer 
Dosis, die Wochen bis zum Tod braucht.

von Uhu U. (uhu)


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Karl Otto schrieb:
> Och, Dimercaptopropansulfonat dürfe helfen. Insbesondere bei einer
> Dosis, die Wochen bis zum Tod braucht.

Woher hast du das?

Der Wirkmechanismus ist hier beschrieben: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Dimercaptopropansulfons%C3%A4ure . Fragt 
sich, ob das ausreicht, tödliche Strahlenschäden zu verhindern.

von Timm T. (Gast)


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Uhu Uhuhu schrieb:
> Fragt
> sich, ob das ausreicht, tödliche Strahlenschäden zu verhindern.

Naja, wenn die Komplexe verhindern, dass sich das Polonium im Gewebe 
anlagert und die Ausscheidung fördern, wäre das schon möglich.

Allerdings habe ich heute was gehört, dass die Symptome wohl recht 
heftig waren und es schnell ging, was auf eine entsprechend hohe Dosis 
hindeutet.

von Dirk S. (dirk_s76)


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Mich würde mal interessieren wieso man ausgerechnet Polonium benutzt, 
wenn es sicherlich 100e von Substanzen gibt, die leichter zu besorgen 
und bei einer Untersuchung unauffälliger sind?

von Uhu U. (uhu)


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- Das Mordmittel kann eine Botschaft an die Hinterbliebenen sein.
- So lange der Trick nicht bekannt war, war es sehr schwer die
  Todesursache herauszufinden.

von Karl O. (knorke)


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Dirk S. schrieb:
> ausgerechnet Polonium benutzt,
> wenn es sicherlich 100e von Substanzen gibt, die leichter zu besorgen
> und bei einer Untersuchung unauffälliger sind?

Naja, das stimmt so nicht. Falls Arafat wirklich damit getötet wurde, 
war es der erste bekannte Giftmord mit Polonium weltweit. Und wenn 
niemand danach sucht... Der Unterschied zu anderen Substanzen ist der 
fast reine Alpha-Zerfall. D.h. man kann von außen nichts messen. Man 
muss Blut oder Urin untersuchen, und das auch nicht mit den gängigen 
Szintillationsmessgeräten, sondern mit Alpha-Detektoren, die eher selten 
sind. Weiterhin braucht man nur eine winzige Menge, die unschmeckbar ist 
und für den professionellen Anwender auch keinerlei 
Eigenvergiftungsrisiko darstellt. Schon ein ideales Mordgift. Damals 
wurde es ja auch nicht gefunden, nicht nur weil es vielleicht nicht da 
war, sondern weil kein einziger Test auf einen Alphastrahler gemacht 
wurde. Gammastrahler hätte man gefunden! Und nach ein paar Jahren ist es 
zerfallen.

von Uhu U. (uhu)


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Karl Otto schrieb:
> war es der erste bekannte Giftmord mit Polonium weltweit.

Nein. Mindestens Alexander Walterowitsch Litwinenko starb an 
Polonium-210.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Walterowitsch_Litwinenko

von (prx) A. K. (prx)


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Uhu Uhuhu schrieb:
>> war es der erste bekannte Giftmord mit Polonium weltweit.
>
> Nein. Mindestens Alexander Walterowitsch Litwinenko starb an
> Polonium-210.

Arafat 2004, Litwinenko 2006.

von Karl O. (knorke)


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genau!

von Uhu U. (uhu)


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Hätte die blöde Kuh von einer Ehefrau einer Obduktion zugestimmt, wäre 
das garantiert ans Licht gekommen. Strahlenschäden als solche zu 
erkennen, ist für die Pathologie kein Hexenwerk.

von (prx) A. K. (prx)


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Uhu Uhuhu schrieb:
> Hätte die blöde Kuh von einer Ehefrau einer Obduktion zugestimmt, wäre
> das garantiert ans Licht gekommen. Strahlenschäden als solche zu
> erkennen, ist für die Pathologie kein Hexenwerk.

Jenseits offensichtlicher Schäden erkennen die Pathologen hauptsächlich 
das, wonach sie auch suchen. Ob Polonium dabei gewesen wäre? Die 
Strahlung selbst ist, wie schon aufgeführt wurde, nicht so einfach 
direkt zu erkennen. Daher wäre evtl. ein Anfangsverdacht auf 
Strahlenschäden mit einem negativen Resultat eines üblichen 
Gammastrahlendetektors erledigt gewesen.

Ob sie eine blöde Kuh war, oder vielmehr wusste weshalb sie das gerade 
nicht tat, ist überdies offen. Immerhin wird sie mit als Verdächtige 
gehandelt.

von Norbert M. (Gast)


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Dirk S. schrieb:
> Mich würde mal interessieren wieso man ausgerechnet Polonium benutzt,
> wenn es sicherlich 100e von Substanzen gibt, die leichter zu besorgen
> und bei einer Untersuchung unauffälliger sind?

Ich erlaube mir, eine hoffentlich brauchbare Antwort zu geben:

a.) Wir macht das, weil man es kann. Dadurch, daß nicht jeder
    "dahergelaufene Irre" Zugang zu diesem Mittel hat, demonstriert
    man damit zugleich die Beherrschung seines Handwerks.
b.) Bei fachmännischer Anwendung kann eine Inmittleidenschaft-
    ziehungbzw. Schädigung Dritter ausgeschlossen werden.
c.) Üblicherweise wird bei "Vergiftungserscheinungen" durch
    medizinische Institute nicht auf strahleninduzierte Wirkung
    untersucht, bei einem üblichen Tox-Screening wird auf solche
    Stoffe gar nicht getestet. Wenn man gezielt danach sucht ist
    natürlich die Massenspektroskopie das Mittel der Wahl, allerdings
    ist in der Regel davon auszugehen, daß diese nicht als
    primäre Diagnostik eingesetzt wird. Und wenn schon:
d.) Es gibt für hochaktive Strahler praktisch kein brauchbares
    Gegenmittel, wenn das Zeug mal richtig appliziert wurde. Die
    angedeutete mögliche Chelat-Therapie mit Dimaval, EDTA, etc.
    kann man vergessen, das funktioniert nur theoretisch, weil die
    applizierte wirksame Dosis viel zu gering ist, um damit
    brachbare Erfolge erzielen zu können.

Der technologische Fortschritt macht eben auch in diesem Metier nicht 
halt, früher nahm man Rizin (und in der Rainissance Arsen), für dieses 
galten die selben Argumente, es als Mittel der Wahl einzusetzen, wie 
jene die oben angeführt wurden (mit Ausnahme von a.) - allerdings gibt 
es in diversen Kreisen gegen Rizin angeblich brauchbare Antidots, und 
selbst diese Restwahrscheinlichkeit des Versagens kann ein signifikantes 
Argument gegen den Einsatz sein. Ausserdem ist die Versagerquote 
wesentlich höher.

Heute würde das Markow'sche Regenschirmattentat jedenfalls nicht mehr 
mit Rizin ausgeführt werden, aber Polonium käme sicher in die engere 
Wahl.

Ausdrücklich möchte ich festhalten, daß sich diese Informationen nicht 
auf den "Fall Arafat" beziehen (falls dieser wirklich umgebracht worden 
sein sollte - ich habe keinen Zugang zu sachdienlichen Informationen und 
es interessiert mich auch nicht sonderlich - tot ist tot), sondern 
lediglich der allgemeinen Information bezüglich dieser Thematik dienen 
sollen.

MfG, BvD für öffentliche Kommunikation

von (prx) A. K. (prx)


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Norbert M. schrieb:
>     Wenn man gezielt danach sucht ist
>     natürlich die Massenspektroskopie das Mittel der Wahl

Kannst du damit Po 210 von Pb 210 unterscheiden? Spuren von Blei sind 
zunächst nicht weiter weltbewegend. Um da aufzuhorchen musst du schon Po 
bereits auf dem Kieker haben.

von Uhu U. (uhu)


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A. K. schrieb:
> Jenseits offensichtlicher Schäden erkennen die Pathologen hauptsächlich
> das, wonach sie auch suchen.

Bei Litwinenko hat man die Ursache gefunden. Der Unterschied: man hat 
gesucht. Und da Pathologen nicht an Wunder, oder Strafen Gottes glauben, 
währen sie auch bei Arafath dahinter gekommen, wenn man sie rangelassen 
hätte.

Das Polonium ist ja nicht innerhalb kurzer Zeit nach Eintritt des Todes 
verschwunden, wie es z.B. bei Insulin der Fall wäre.

Norbert M. schrieb:
> c.) Üblicherweise wird bei "Vergiftungserscheinungen" durch
>     medizinische Institute nicht auf strahleninduzierte Wirkung
>     untersucht, bei einem üblichen Tox-Screening wird auf solche
>     Stoffe gar nicht getestet.

Das mag beim Tod von Lieschen Müller so sein. Im Fall Arafat und festem 
Willen die Sache aufzuklären sicher nicht.

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


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Ich denke mal Po210 ist heute das Mittel der Wahl um ein 
Defactobekennerschreiben für Informierte zu hinterlassen.
Schon der beschränkte Zugang ist ein Machtbeweis.
Dagegen ist Rizin nachgeradezu ein Hausmittel für Arme die nicht weiter 
wissen.

Ferner denke ich, dass dem geneigten Zuschauer auch damals klar war wer 
das Inszeniert hat. Die "blöde Kuh" war eventuell gar nicht so doof, 
wenn sie die Würde des Toten verteidigte und nicht noch durch eine 
Obduktion den Mördern zusätzliche Genugtuung gab. Denn ich gehe davon 
aus, dass Arafat in seinen letzten lichten Momenten schon noch erkannte 
was geschen war, mindestens aber seine Vertrauten. So konnte er 
erhobenen Hauptes sterben, trotz des offensichtlichen körperlichen 
Verfalles.

Namaste

von Norbert M. (Gast)


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A. K. schrieb:
> Norbert M. schrieb:
>>     Wenn man gezielt danach sucht ist
>>     natürlich die Massenspektroskopie das Mittel der Wahl
> Kannst du damit Po 210 von Pb 210 unterscheiden?

Ich bin kein Physiker, aber mit den "modernen" ICP-Geräten soll das wohl 
funktionieren. Aber ehrlich gesagt, ich weiß es als Laie nicht, 
vielleicht muß man auch erst einen dieser Röntgenfluoreszenz-Apparate 
hintanflanschen.

> Spuren von Blei sind zunächst nicht weiter weltbewegend.
> Um da aufzuhorchen musst du schon Po bereits auf dem Kieker haben.

Eben, genau das ist ja auch der Punkt, auf den ich hinaus wollte. Wenn 
man nach irgendwas ganz genau sucht, dann findet man es wohl immer. Nur 
muß man eben danach suchen, das ist ja wohl auch der Grund, warum 
Parathion ("605er-Lösung") einst in den 50ern und 60ern bei diversen 
Hausfrauen so populär war.
Findet man heute fix, weil bei Verdacht auf Vergiftung praktisch 
routinemässog wohl der HPLC angeworfen wird, und da fällts wohl auf, war 
damals in der Zeit aber wohl eben nicht so.

Hmm, das wär' eigentlich auch ein spannendes Thema: "Was soll man heute 
am besten nehmen, um die Alte wegzubringen?" Wird dann aber wohl 
aufgrund der Problematik (irgendwelche Irren gibts ja immer) schnell 
gesperrt. Wenn ich meine Alte umnieten wollen würde, dann würd ich wohl 
auf Curare setzen.

Aber ich sehe wir verstehen uns,
Gruß, NOR-Jäger

von Uhu U. (uhu)


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Norbert M. schrieb:
> Heute würde das Markow'sche Regenschirmattentat jedenfalls nicht mehr
> mit Rizin ausgeführt werden, aber Polonium käme sicher in die engere
> Wahl.

Wieso? Die Methode war sehr ausgebufft und dem Opfer ist nach 
intramuskulärer Beibringung des Giftes kaum zu helfen.

Und da Rizin im Prinzip jeder Apotheker extrahieren kann und der 
Rohstoff relativ leicht zu beschaffen ist, ist das Gift einer breiteren 
kriminellen Kohorte zugänglich. Wenn ein Geheimdienst sich seiner 
bedient, dann kann er das immer auf die Mafiakontakte o.ä. des Opfers 
schieben...

von Timm T. (Gast)


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A. K. schrieb:
> Jenseits offensichtlicher Schäden erkennen die Pathologen hauptsächlich
> das, wonach sie auch suchen. Ob Polonium dabei gewesen wäre?

Im Gegenteil hat man wohl Strahlenschäden eigentlich ausgeschlossen, 
weil kein Haarausfall. Eventuell war die Einwirkzeit dafür zu kurz, oder 
der Mechnismus greift bei Polonium nicht.

von Blauer B. (blauer_blaubaer)


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> Kannst du damit Po 210 von Pb 210 unterscheiden?

Geht schon, da die beiden Isotope nicht genau diegleiche Masse haben.
http://en.wikipedia.org/wiki/Isotopes_of_polonium
http://en.wikipedia.org/wiki/Isotopes_of_lead
210Pb: 209.9841885u
210Po: 209.9828737u

Mit Sektorfeld-MSen sind 1ppm möglich, z.B. wie hier:
http://www.amberlab.ugent.be/MAT95XP/MAT95XP.html

von (prx) A. K. (prx)


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Winfried J. schrieb:
> Ich denke mal Po210 ist heute das Mittel der Wahl um ein
> Defactobekennerschreiben für Informierte zu hinterlassen.

Und zwar ein recht teures. Ich las grad, dass man in Litwinenko Polonium 
im Wert von 30 Mio € investiert habe. Kommt mir zwar komisch vor, aber 
das klingt nicht nach dem Mittel der Wahl für missachtete Ehefrauen.

von Uhu U. (uhu)


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A. K. schrieb:
> Ich las grad, dass man in Litwinenko Polonium im Wert von 30 Mio €
> investiert habe.

Weltjahresproduktion: ca. 100 g

von (prx) A. K. (prx)


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Bloss: Bei Litwinenko sollen es den Symptomen zufolge 10µg gewesen sein. 
Wenn die tatsächlich 30 Mio € wert wären, dann wären diese 100g 300 
Billionen € wert.

von Uhu U. (uhu)


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Für das Zeug gibts wohl keinen offiziellen Listenpreis...

von Karl O. (knorke)


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>Im Gegenteil hat man wohl Strahlenschäden eigentlich ausgeschlossen,
>weil kein Haarausfall.

Das ist definitiv ein ganz wichtiger Punkt! Weiß jemand von Literatur, 
wo beschrieben wird, dass das bei innerer Aufnahme nicht unbedingt 
erfolgt? Das ist ja die Argumentation in dem Report.

von (prx) A. K. (prx)


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Karl Otto schrieb:
> Das ist definitiv ein ganz wichtiger Punkt! Weiß jemand von Literatur,
> wo beschrieben wird, dass das bei innerer Aufnahme nicht unbedingt
> erfolgt? Das ist ja die Argumentation in dem Report.

So arg viele akut tödliche und gut dokumentierte Fälle gab es bisher 
noch nicht, als dass man daraus eine klare Symptomatik speziell für 
Po-Vergiftung ableiten könnte.

Wo immer die Texte etwas konkreter werden, wird erkennbar auf allgemeine 
Erfahrungen mit Strahlenkrankeit zurückgegriffen, und der Fall 
Litwinenko scheint dem nicht zu widersprechen. Es gibt von ihm auch ein 
Bild mit Glatze, kurz vor dem Tod.

von (prx) A. K. (prx)


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PS: Da man früher mal Po als Waffe studierte dürfte es aus dieser Zeit 
Erfahrungen aus Tierversuchen geben. Allerdings sind solche 
Institutionen nicht für ihren freien Umgang mit Information bekannt.

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