Hi! Wer gestern mal auf Golem war oder sonst gerne News liest ist vielleicht über diesen Artikel gestolpert: http://www.golem.de/news/chemische-datenuebertragung-sms-mit-alkoholwolken-versenden-1312-103543.html Kurz: So weit ich das verstanden habe, gibt es einen Sender un einen Empfänger. Der Sender kriegt eine Nachricht, die er zu verschicken hat. Er zerstäubt Alkohol, ein Ventillator weht diese Wolke zum Empfänger rüber und der kann dann das auswerten und als Text wieder darstellen. Ist das etwa ein verfrühter Aprilscherz?
Es könnte so etwas wie ein HID werden, vorausgesetzt man kann das Alphabet rülpsen ;)
"Forscher [...] Arduino Uno" Alles klar? Wenn das Biologen sind, die für 7-Klässler einen einfachen Versuchsaufbau über die Wirkung von Pheromonen oder Hormonen demonstrieren wollten, ist es OK. Aber wenn das "richtige" Nachrichtentechniker oder Informatiker sind, dann schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen! * Die Intensität von Elektromagnetische Wellen nimmt mit 1/r² ab. Ein chemischer Botenstofff, so er sich denn homogen im Raum verteilt, verliert seine Konzentration mit 1/r³. * Ferner ist die Übertragungsrate extrem gering, da die "Bandbreite" des "Übertragungskanals" durch die Diffusionsgeschwindigkeit der Moleküle begrenzt ist. * Auch wird die Kanalentzerrung schwierig, da sich der Kanal schneller ändert, als die Symboldauer beträgt. * Interessant wird das ganze, da auch die Phasengeschwindigkeit des Symbols nicht konstant ist, sondern sich ständig ändert durch Windstöße, vorbeigehende Personen, zugeschlagene Türen, geöffnete Fenster etc. ändert * Irgendwann ist der Kanal zu so zugerauscht von den vorherigen Symbolen, dass ein vernünftiges SNR nicht mehr zu Stande kommt. Hingegen sind die beteiligten Personen bereits unmächtig von den Alkoholdämpfen und es liegt eine explosive Atmospähre in der Luft vor. Für die Informationsübertragung in unterirdischen Gängen und unter Wasser eignet sich Ultraschall sehr viel besser. Jeder, der schon mal einen Abwasserkanal bestiegen hat, weiß, dass sich der Schall der über die Gullis fahrenden Autos über Kilometer hinweg ausbreitet. Man wird fast verrückt! Bei dem 5 Bit-Telegraph-Code handelt es sich wohl um RTTY. Als einzige mögliche Anwendung stelle ich mir vor, die Aussendung einer chemischen Botensubstanz (oder einer Mischung mehrerer) als eine Art "Signalfackel", die sich in der Gegend ausbreitet und von Massenspektrometern direkt oder Infrarot-Spektrometern auch von der Ferne (Satelliten?) detektiert und ausgewertet werden kann: "Wir brauchen Hilfe!" Verwendet man entsprechend codierte Moleküle (Isomere, mit Isotopen dotiert, Komplexe....) ließe sich das Symbolalphabet evtl. auf ein paar mehr Nachrichtenbausteine aufbohren. Das Herunterladen von Full-HD-Videos zweifel ich aber mal stark an. Übrigens: Seit 100 Jahren oder so, werden dem Erd- und Stadtgas Geruchsstoffe beigemischt, um Lecks zu detektieren. Nicht nur in den Wohnungen, sondern auch die Trassen werden mit Hubschraubern abgeflogen und mit Massenspektrometern untersucht. Ethylen wurde z.B. entdeckt, als eine Gasleitung undicht war und die Bäume in der Nähe die Blätter verloren haben- Im Bergbau wurde bei Gefahr Merykaptan der Luft beigemischt: Wenns stank wusste man, dass man sich in Sicherheit bringen musste. Golem -- Na ja, ein Gamer- und Gadget-Magazin halt. Schönen Heiligen Abend! Marek
Keine Panik, Leute! Höchstwahrscheinlich geht es hier doch bloss darum, die Leistungsfähigkeit des Sensors zu demonstrieren oder aber um ein Übungs-/Demonstrationsprojekt für irgend einen Zweck. Weil die Medien aber leider immer nur über solche absurd-witzigen Ideen berichten, hat die halbe Menschheit das Gefühl, die Forscher würden nur den lieben langen Tag ihr Steuergeld verschwenden.
P. M. schrieb: >> Weil die Medien aber leider immer nur über solche absurd-witzigen >> Ideen berichten, hat die halbe Menschheit das Gefühl, die Forscher >> würden nur den lieben langen Tag ihr Steuergeld verschwenden. Deine Medienkritik teile ich zwar inhaltlich, aber hier hätte man mit den Ausgaben meiner Meinung nach wirklich etwas sinnvolleres machen können. Neue Kaffeemaschinen für den Labortrakt, zum Beispiel. Marek N. schrieb: > Wenn das Biologen sind, die für 7-Klässler einen einfachen > Versuchsaufbau über die Wirkung von Pheromonen oder Hormonen > demonstrieren wollten, ist es OK. Aber wenn das "richtige" > Nachrichtentechniker oder Informatiker sind, dann schlage ich die Hände > über dem Kopf zusammen! Es waren zwei Leute vom "Department of Electrical Engineering and Computer Science" der York University in Kanada" und einer der "School of Engineering" der University of Warwick, UK. > Bei dem 5 Bit-Telegraph-Code handelt es sich wohl um RTTY. Ja. "we use the International Telegraph Alphabet No. 2 (ITA2) standard" > Verwendet man entsprechend codierte Moleküle (Isomere, mit Isotopen > dotiert, Komplexe....) ließe sich das Symbolalphabet evtl. auf ein paar > mehr Nachrichtenbausteine aufbohren. > Das Herunterladen von Full-HD-Videos zweifel ich aber mal stark an. Sie haben's geschafft, mit einem Pumpzerstäuber (also sowas wie man's auch für Fensterputzmittel nimmt) und einem Haushaltsventilator die Zeichenkette "O CANADA" ganze vier Meter zu übetragen. Nebenbei haben sie noch herausgefunden, daß der billige Ventilator (Honeywell, 16 Dollar, nur zwei Stufen) etwas schlechter funktioniert als der Teure (250 USD, Dyson Bladeless, 5 Stufen). Ergebnis: "At one bit per 2 seconds the transmission is unreliable at small distances of up to 2 meters, because of the sensor's resume time at higher concentrations is longer. Moreover, at larger distances (greater than 2 meters) successful communication is not possible at the rate of one bit per 2 seconds. At the rate of one bit per 5 seconds, the transmission is very reliable over various separation distances from 4 meters to 1 meters. Based on experiments, the smallest transmission rate that is reliable at distances up to 4 meters is one bit per 3 seconds." Bei 3 bps bräuchten sie 1 Jahr und zwei Monate für eine 3,5"-Floppy ;-) > Interessant wird das ganze, da auch die Phasengeschwindigkeit des > Symbols nicht konstant ist, sondern sich ständig ändert durch Windstöße, > vorbeigehende Personen, zugeschlagene Türen, geöffnete Fenster etc. > ändert Haben sie auch gesehen. Zitat: "The nonlinear responses observed in our experiments are surprising [...] source of nonlinearity is not known, some likely candidates are: the sensor with its response and resume times, the flow generated by our fans which may be turbulent, the spray which is not precise enough to create uniform streams, and other environmental factors such as other flows within the room." > Golem -- Na ja, ein Gamer- und Gadget-Magazin halt. Ja, dachte ich erst auch. Aber die Kanadier haben wirklich diesen Blödsinn "erforscht". Interessant sind auch die "References": Von "Nanoscale communication with brownian motion" über "chemical-trail following robots" und "detection of pheromone, biosynthesized by an alcohol acetyl transferase" bus hin zu "design of polygon-shaped kinesin substrates for molecular communication" wird da referenziert. Ich war nie auf einer Uni und kenne mich in diesen Gebieten auch nicht aus, aber wahrscheinlich wäre der Erkenntnissgewinn für die "Forscher" sicher größer gewesen, wenn sie die referenzierten Papers gelesen hätten, anstatt solche "Unterstufen-Experimente" durchzuführen. Das, was bei Conclusion steht, will ich auch nicht so recht glauben: "In this work we developed the first known platform capable of transmitting short text messages using chemical signals." Daran glaube ich auch nicht: "Whilst the test-bed itself is a macroscopic scale demonstration of molecular communication, the off-the-shelf equipment can be miniaturized easily in future generation platforms until molecular communication at microscopic scales is achieved." Wer sich das Ganze selbst durchlesen will: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0082935 Persönliches Fazit: Schade um die Zeit. LG, N0R
Dave Chappelle schrieb: > Hi! > > Wer gestern mal auf Golem war oder sonst gerne News liest ist vielleicht > über diesen Artikel gestolpert: > > http://www.golem.de/news/chemische-datenuebertragung-sms-mit-alkoholwolken-versenden-1312-103543.html > > Kurz: ... > > Ist das etwa ein verfrühter Aprilscherz? Da wollte sich nur jemand auch mal seine 5 Minuten mediale Aufmerksamkeit abholen ... ;-)
Joachim K. schrieb: > Norbert M. schrieb: >> one bit per 3 seconds." >> Bei 3 bps > ?? eher wohl 1/3 bps Stimmt, gerechnet hab' ichs auch mit 1/3. Das da: > 1 Jahr und zwei Monate für eine 3,5"-Floppy passt.
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