Forum: Offtopic Text Übertragung durch zerstäubten Alkohol? Was?


von Dave C. (dave_chappelle)


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Hi!

Wer gestern mal auf Golem war oder sonst gerne News liest ist vielleicht 
über diesen Artikel gestolpert:

http://www.golem.de/news/chemische-datenuebertragung-sms-mit-alkoholwolken-versenden-1312-103543.html

Kurz: So weit ich das verstanden habe, gibt es einen Sender un einen 
Empfänger. Der Sender kriegt eine Nachricht, die er zu verschicken hat. 
Er zerstäubt Alkohol, ein Ventillator weht diese Wolke zum Empfänger 
rüber und der kann dann das auswerten und als Text wieder darstellen.

Ist das etwa ein verfrühter Aprilscherz?

von Thomas H. (nanana)


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Es könnte so etwas wie ein HID werden, vorausgesetzt man kann das 
Alphabet rülpsen ;)

von Marek N. (Gast)


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"Forscher [...] Arduino Uno"

Alles klar?

Wenn das Biologen sind, die für 7-Klässler einen einfachen 
Versuchsaufbau über die Wirkung von Pheromonen oder Hormonen 
demonstrieren wollten, ist es OK. Aber wenn das "richtige" 
Nachrichtentechniker oder Informatiker sind, dann schlage ich die Hände 
über dem Kopf zusammen!

* Die Intensität von Elektromagnetische Wellen  nimmt mit 1/r² ab. Ein 
chemischer Botenstofff, so er sich denn homogen im Raum verteilt, 
verliert seine Konzentration mit 1/r³.
* Ferner ist die Übertragungsrate extrem gering, da die "Bandbreite" des 
"Übertragungskanals" durch die Diffusionsgeschwindigkeit der Moleküle 
begrenzt ist.
* Auch wird die Kanalentzerrung schwierig, da sich der Kanal schneller 
ändert, als die Symboldauer beträgt.
* Interessant wird das ganze, da auch die Phasengeschwindigkeit des 
Symbols nicht konstant ist, sondern sich ständig ändert durch Windstöße, 
vorbeigehende Personen, zugeschlagene Türen, geöffnete Fenster etc. 
ändert
* Irgendwann ist der Kanal zu so zugerauscht von den vorherigen 
Symbolen, dass ein vernünftiges SNR nicht mehr zu Stande kommt. Hingegen 
sind die beteiligten Personen bereits unmächtig von den Alkoholdämpfen 
und es liegt eine explosive Atmospähre in der Luft vor.

Für die Informationsübertragung in unterirdischen Gängen und unter 
Wasser eignet sich Ultraschall sehr viel besser. Jeder, der schon mal 
einen Abwasserkanal bestiegen hat, weiß, dass sich der Schall der über 
die Gullis fahrenden Autos über Kilometer hinweg ausbreitet. Man wird 
fast verrückt!

Bei dem 5 Bit-Telegraph-Code handelt es sich wohl um RTTY.

Als einzige mögliche Anwendung stelle ich mir vor, die Aussendung einer 
chemischen Botensubstanz (oder einer Mischung mehrerer) als eine Art 
"Signalfackel", die sich in der Gegend ausbreitet und von 
Massenspektrometern direkt oder Infrarot-Spektrometern auch von der 
Ferne (Satelliten?) detektiert und ausgewertet werden kann: "Wir 
brauchen Hilfe!"
Verwendet man entsprechend codierte Moleküle (Isomere, mit Isotopen 
dotiert, Komplexe....) ließe sich das Symbolalphabet evtl. auf ein paar 
mehr Nachrichtenbausteine aufbohren.
Das Herunterladen von Full-HD-Videos zweifel ich aber mal stark an.

Übrigens: Seit 100 Jahren oder so, werden dem Erd- und Stadtgas 
Geruchsstoffe beigemischt, um Lecks zu detektieren. Nicht nur in den 
Wohnungen, sondern auch die Trassen werden mit Hubschraubern abgeflogen 
und mit Massenspektrometern untersucht. Ethylen wurde z.B. entdeckt, als 
eine Gasleitung undicht war und die Bäume in der Nähe die Blätter 
verloren haben-
Im Bergbau wurde bei Gefahr Merykaptan der Luft beigemischt: Wenns stank 
wusste man, dass man sich in Sicherheit bringen musste.

Golem -- Na ja, ein Gamer- und Gadget-Magazin halt.

Schönen Heiligen Abend!
Marek

von P. M. (o-o)


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Keine Panik, Leute! Höchstwahrscheinlich geht es hier doch bloss darum, 
die Leistungsfähigkeit des Sensors zu demonstrieren oder aber um ein 
Übungs-/Demonstrationsprojekt für irgend einen Zweck. Weil die Medien 
aber leider immer nur über solche absurd-witzigen Ideen berichten, hat 
die halbe Menschheit das Gefühl, die Forscher würden nur den lieben 
langen Tag ihr Steuergeld verschwenden.

von Norbert M. (Gast)


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P. M. schrieb:
>> Weil die Medien  aber leider immer nur über solche absurd-witzigen
>> Ideen berichten, hat die halbe Menschheit das Gefühl, die Forscher
>> würden nur den lieben langen Tag ihr Steuergeld verschwenden.

Deine Medienkritik teile ich zwar inhaltlich, aber hier hätte man mit 
den Ausgaben meiner Meinung nach wirklich etwas sinnvolleres machen 
können. Neue Kaffeemaschinen für den Labortrakt, zum Beispiel.

Marek N. schrieb:
> Wenn das Biologen sind, die für 7-Klässler einen einfachen
> Versuchsaufbau über die Wirkung von Pheromonen oder Hormonen
> demonstrieren wollten, ist es OK. Aber wenn das "richtige"
> Nachrichtentechniker oder Informatiker sind, dann schlage ich die Hände
> über dem Kopf zusammen!

Es waren zwei Leute vom "Department of Electrical Engineering and 
Computer Science" der York University in Kanada" und einer der "School 
of Engineering" der University of Warwick, UK.

> Bei dem 5 Bit-Telegraph-Code handelt es sich wohl um RTTY.

Ja. "we use the International Telegraph Alphabet No. 2 (ITA2) standard"

> Verwendet man entsprechend codierte Moleküle (Isomere, mit Isotopen
> dotiert, Komplexe....) ließe sich das Symbolalphabet evtl. auf ein paar
> mehr Nachrichtenbausteine aufbohren.
> Das Herunterladen von Full-HD-Videos zweifel ich aber mal stark an.

Sie haben's geschafft, mit einem Pumpzerstäuber (also sowas wie man's 
auch für Fensterputzmittel nimmt) und einem Haushaltsventilator die 
Zeichenkette "O CANADA" ganze vier Meter zu übetragen.

Nebenbei haben sie noch herausgefunden, daß der billige Ventilator 
(Honeywell, 16 Dollar, nur zwei Stufen) etwas schlechter funktioniert 
als der Teure (250 USD, Dyson Bladeless, 5 Stufen).

Ergebnis: "At one bit per 2 seconds the transmission is unreliable at 
small distances of up to 2 meters, because of the sensor's resume time 
at higher concentrations is longer. Moreover, at larger distances 
(greater than 2 meters) successful communication is not possible at the 
rate of one bit per 2 seconds. At the rate of one bit per 5 seconds, the 
transmission is very reliable over various separation distances from 4 
meters to 1 meters. Based on experiments, the smallest transmission rate 
that is reliable at distances up to 4 meters is one bit per 3 seconds."

Bei 3 bps bräuchten sie 1 Jahr und zwei Monate für eine 3,5"-Floppy ;-)

> Interessant wird das ganze, da auch die Phasengeschwindigkeit des
> Symbols nicht konstant ist, sondern sich ständig ändert durch Windstöße,
> vorbeigehende Personen, zugeschlagene Türen, geöffnete Fenster etc.
> ändert

Haben sie auch gesehen. Zitat: "The nonlinear responses observed in our 
experiments are surprising [...] source of nonlinearity is not known, 
some likely candidates are: the sensor with its response and resume 
times, the flow generated by our fans which may be turbulent, the spray 
which is not precise enough to create uniform streams, and other 
environmental factors such as other flows within the room."

> Golem -- Na ja, ein Gamer- und Gadget-Magazin halt.

Ja, dachte ich erst auch. Aber die Kanadier haben wirklich diesen 
Blödsinn "erforscht". Interessant sind auch die "References": Von 
"Nanoscale communication with brownian motion" über "chemical-trail 
following robots" und "detection of pheromone, biosynthesized by an 
alcohol acetyl transferase" bus hin zu "design of polygon-shaped kinesin 
substrates for molecular communication" wird da referenziert. Ich war 
nie auf einer Uni und kenne mich in diesen Gebieten auch nicht aus, aber 
wahrscheinlich wäre der Erkenntnissgewinn für die "Forscher" sicher 
größer gewesen, wenn sie die referenzierten Papers gelesen hätten, 
anstatt solche "Unterstufen-Experimente" durchzuführen.

Das, was bei Conclusion steht, will ich auch nicht so recht glauben: "In 
this work we developed the first known platform capable of transmitting 
short text messages using chemical signals." Daran glaube ich auch 
nicht: "Whilst the test-bed itself is a macroscopic scale demonstration 
of molecular communication, the off-the-shelf equipment can be 
miniaturized easily in future generation platforms until molecular 
communication at microscopic scales is achieved."

Wer sich das Ganze selbst durchlesen will:
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0082935

Persönliches Fazit: Schade um die Zeit.

LG, N0R

von Michael L. (michaelx)


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Dave Chappelle schrieb:
> Hi!
>
> Wer gestern mal auf Golem war oder sonst gerne News liest ist vielleicht
> über diesen Artikel gestolpert:
>
> 
http://www.golem.de/news/chemische-datenuebertragung-sms-mit-alkoholwolken-versenden-1312-103543.html
>
> Kurz: ...
>
> Ist das etwa ein verfrühter Aprilscherz?

Da wollte sich nur jemand auch mal seine 5 Minuten mediale 
Aufmerksamkeit abholen ...

;-)

von Achim M. (minifloat)


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Norbert M. schrieb:
> one bit per 3 seconds."
>
> Bei 3 bps

?? eher wohl 1/3 bps

von Norbert M. (Gast)


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Joachim K. schrieb:
> Norbert M. schrieb:
>> one bit per 3 seconds."
>> Bei 3 bps
> ?? eher wohl 1/3 bps

Stimmt, gerechnet hab' ichs auch mit 1/3. Das da:
> 1 Jahr und zwei Monate für eine 3,5"-Floppy
passt.

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