Hallo,
ich musste während der Verschlüsselung mit Truecrypt eine Rescuedisk
erstellen. Was passiert, wenn jemand Zugriff auf meinen Computer und der
Rescuedisk bekommt.
Kann die Person mein System dann ohne Passwort entschlüsseln?
Martin schrieb:> erstellen. Was passiert, wenn jemand Zugriff auf meinen Computer und der> Rescuedisk bekommt.> Kann die Person mein System dann ohne Passwort entschlüsseln?
Nein.
Martin schrieb:> Was passiert, wenn jemand Zugriff auf meinen Computer...
WENN jemand PHYSIKALISCHEN zugriff auf deinen Rechner bekommt, hast du
eh verloren.
Martin schrieb:> Was passiert, wenn jemand Zugriff auf meinen Computer und der> Rescuedisk bekommt.
Das wuerde bedeuten das jemand deinen PC UND die Disc einsackt... Wie
gross ist diese Wahrscheinlichkeit?
Siehste...
Kaj schrieb:> WENN jemand PHYSIKALISCHEN zugriff auf deinen Rechner bekommt, hast du> eh verloren.
Weshalb? Der Sinn von Verschlüsselung liegt eigentlich darin, genau für
diese Situation vorzubeugen. Kritisch ist nicht der physikalische
Zugriff, sondern ein unerkannter Eingriff in Form eines Trojaners. Das
aber muss nicht vor Ort geschehen.
A. K. schrieb:> Der Sinn von Verschlüsselung liegt eigentlich darin, genau für> diese Situation vorzubeugen.
Das ist durchaus richtig, aber sobald ich die Festplatte in die
Handnehmen kann hab ich tausendmal mehr moeglichkeiten an die Daten ran
zu kommen, als durch einen "unerkannten Trojaner zugriff".
Sobald physikalischer Zugriff vorliegt, sinkt die Sicherheit deiner
Daten, trotz verschluesselung, ins Bodenlose. Das ist nunmal Tatsache.
A. K. schrieb:> Kritisch ist nicht der physikalische Zugriff,
Doch, denn das ist das schlimmste was ueberhaupt passieren kann!
Physikalsicher Zugriff ist der absolute Worst-Case, der Super-GAU!
Was ist denn schlimmer? Das Hacker die Server einer Firma hacken und da
vielleicht zwei oder drei Datenbanken teilweise auslesen (was ja auch
monate, teilweise auch Jahre unentdeckt bleibt!), oder das die Hacker in
den Serverraum gehen und einfach mal alle Platten einsacken?
Das entscheidene Schluesselelement heisst: Zeit!
Bei einem Trojaner hast du immer nur Zeitlich begrenzten Zugriff,
naemlich nur dann wenn die Platte erreichbar ist. Kann ich die Platte
aber mitnehmen, hab ich praktisch "unendlich" viel Zeit um nach belieben
mit der Platte zu spielen.
Der Sinn einer Verschluesselung ist tatsaechlich, Daten vor unbefugtem
Zugriff zu schuetzen.
Die Wirklichkeit ist allerdings, das eine Verschluesselung lediglich
dafuer sorgt, das sich ein Zugriff auf die Daten lediglich Zeitlich
verzoegert.
Ich sage nicht das Verschluesselung nutzlos ist. Aber es ist auch kein
Buch mit sieben Siegeln, das nicht geoeffnet werden koennte.
Und auch wenn es mit TrueCrypt oder PGP verschluesselt ist, ist es zwar
fuer den Moment "sicher" aber das kann in zwei, drei Jahren schon ganz
anders aussehen. Und solange das Passwort nicht mind. 20 Zeichen hat und
mind. aus 3 von 4 besteht,... naja.
Und da eine Verschluesselung ja gar nicht geknackt werden muss (was auch
nur in den seltesten Faellen passiert), sondern "nur der Safe in dem das
Passwort fuer die Verschluesselung" liegt...
Das ist naemlich das, was in der Regel passiert: Es wird der Safe in dem
das Passwort liegt, geknackt, nicht die Verschluesselung selbst.
Um auf die Frage des TO zurueck zu kommen, hier Zitat aus Wikipedia:
Zu Beginn des Verschlüsselungsvorgangs einer Systempartition oder
-festplatte erstellt TrueCrypt ein ISO-Abbild für eine systemspezifische
Rettungs-CD ("Rescue Disk"), welche im Notfall die Wiederherstellung des
defekten Kopfbereichs oder des Bootloaders ermöglicht. Die Daten der
Partition können durch die CD nicht wiederhergestellt werden. Das
ISO-Abbild muss anschließend auf CD gebrannt werden; TrueCrypt startet
die Verschlüsselung erst, nachdem die fehlerfreie Lesbarkeit der
Rettungs-CD geprüft wurde.
Aber ok, da kann man viel drueber Philosophieren. Das sind aufjedenfall
meine Erfahrungen im Bereich Datenschutz/Datensicherheit.
Gruesse
> Kritisch ist nicht der physikalische> Zugriff, sondern ein unerkannter Eingriff in Form eines Trojaners.
Dagegen hilft allerdings keine Verschlüsselung. Wenn das System läuft
ist der Datenträger enschlüsselt (geht schlecht anders), der Trojaner
kann sich dann nach herzenslust bedienen.
Und nochmal Zitat aus Wikipedia, zum Thema "den Safe knacken in dem das
Passwort liegt":
Angriffsszenario
Seit Juli 2009 kursiert ein Bootkit für alle Windows-Versionen der
x86-Architektur, welches die Eingabe des Kennworts für die
TrueCrypt-Pre-Boot-Authentifizierung ausspähen kann. Bislang sind alle
x86-Rechner mit herkömmlichem BIOS davon betroffen, EFI-Systeme dagegen
nicht. Nach einer erfolgreichen Infektion kann das Bootkit, das bei
einem Rechnerstart zuerst geladen wird und sich zwischen Windows und
TrueCrypt hängt,[10] nicht von Virenscannern erkannt werden.
Es existiert ein weiteres Angriffsszenario, das zur Erlangung des
geheimen TrueCrypt-Passworts führen kann. Voraussetzung ist ein gerade
laufendes System mit gemountetem TrueCrypt-Volume.[11] In diesem Zustand
kann auch bei gesperrtem Computer mit einer speziellen Software über
eine FireWire-Verbindung der Inhalt des Arbeitsspeichers kopiert werden.
Dieses Speicherabbild kann danach mit der Angriffssoftware durchsucht
und das Passwort extrahiert werden. Damit kann schließlich vom Angreifer
das TrueCrypt-Volume gemountet und gelesen werden.
Auch der Einsatz einer sogenannten Cold Boot Attacke kann zum Angriff
auf einen mit TrueCrypt verschlüsselten Datenträger genutzt werden.
Hierbei ist es unter bestimmten Bedingungen in einem eng bemessenen
Zeitfenster nach Ausschalten eines Computers möglich, die zur
Entschlüsselung benötigten kryptographischen Schlüssel aus dem
Arbeitsspeicher auszulesen.
Also nochmal:
Physikalischer Zugriff ist nicht kritisch? Nette Einstellung...
Gruesse
Kaj schrieb:> Seit Juli 2009 kursiert ein Bootkit für alle Windows-Versionen der> x86-Architektur, welches die Eingabe des Kennworts für die> TrueCrypt-Pre-Boot-Authentifizierung ausspähen kann.
Das ist einer der Trojaner, von denen ich schrieb. Aber mitnichten der
einzige Weg. Entscheidend ist letztlich nicht, ob man vor Ort war,
sondern dass der Besitzer des verzierten Gerät nicht merkt, das man ihn
grad leimt.
An dieser Stelle mache ich mir weniger Sorgen vor netten geheimen
Besuchen uneingeladener Leutchens, als vor jenem Spezln, die dafür nicht
erst vorbei kommen müssen. Einen Besuch abzustatten ist nämlich Arbeit
und zeitraubend, im Gegensatz zu grossflächigen wohlmöglich
automatisierten Eingriffen aus dem sicheren Kämmerlein am anderen Ende
der Welt.
Das ist ja, um es mal ins Aktuelle abzuwandeln, der Unterschied zwischen
der NSA und traditioneller Schnüffelei. Wenn zu jedem angehörten
Menschlein ein anderes Menschlein gehört, das dabei zuhört, dann
drosselt sich die Sammlung solcher Informationen allein aufgrund des
Aufwands. Wenn Daten zu schnorcheln aber billig genug ist, um en passant
alle abzugreifen ohne den Staatshaushalt zu sprengen, dann hat man
wirklich ein Problem.
Kaj schrieb:> Martin schrieb:>> Was passiert, wenn jemand Zugriff auf meinen Computer...> WENN jemand PHYSIKALISCHEN zugriff auf deinen Rechner bekommt, hast du> eh verloren.
Quatsch.
Und was soll überhaupt "physikalischer Zugriff" sein? Abgrenzung zu
chemischem, biologischen und theologischem Zugriff? lol
Kaj schrieb:> Physikalischer Zugriff ist nicht kritisch? Nette Einstellung...
Du hast es ja gerade selbst be- und widerlegt: Man muss unterscheiden,
ob dir jemand nachts die Festplatte oder den ganzen Rechner ausbaut und
klaut oder ob jemand physikalisch an das laufende System kommt.
Physikalischer Zugriff auf den Datenträger ist tatsächlich
unproblematisch, denn genau dazu benutzt man ja eine
Datenträgerverschlüsselung. Zugriff in irgendeiner Form auf das laufende
System ist dann natürlich dumm.
Es gibt spezielle USV-Systeme (natürlich nur für Forensiker...). Die
werden per Vampirklemme bei laufendem System an die Stromversorgung
angeklemmt, sodass man den Rechner ohne Abschalten ins Labor
transportieren kann.
Kaj schrieb:> Martin schrieb:>> Was passiert, wenn jemand Zugriff auf meinen Computer...> WENN jemand PHYSIKALISCHEN zugriff auf deinen Rechner bekommt, hast du> eh verloren.
So pauschal ist die Aussage einfach nur völliger Unsinn.
Sven P. schrieb:> Es gibt spezielle USV-Systeme (natürlich nur für Forensiker...). Die> werden per Vampirklemme bei laufendem System an die Stromversorgung> angeklemmt, sodass man den Rechner ohne Abschalten ins Labor> transportieren kann.
In einem Mikrocontroller-Forum sollten sich genug Ideen zur Abwehr
finden lassen...
Kleiner Controller mit Beschleunigungssensor
kopfkratz
Ich weiß ja jetzt nicht wo das Problem liegt ?
Die Rescue-Disk ist nichts anderes als eine LiveBootCD die Truecrypt
startet und im Fall der Fälle die Verschlüsselung rückgängig macht MIT
dem RICHTIGEN Paßwort.
Ist vergleichbar mit Backup-CDs die dann von einem Image den Rechner
wiederherstellen.
Sobald auf der verschlüsselten Installation ein Trojaner ist kann der
zwar wenn das Paßwort eingegeben worden ist alles andere ausspähen aber
mir ist kein Trojaner bekannt der vor Truecrypt als Treiber geladen wird
?
Üblicherweise hängen sich Trojaner in autorun in der Registry ein oder
infizieren Systemdateien wie "svchost", um die dann auszuführen muß man
vorher Truecrypt erlauben das ganze zu entschlüsseln.
Wenn man schön paranoid ist installiert man Truecrypt auch mit der
Hiddenboot Option, dann kann man dem "freundlichen NSA Agenten der sich
TSA nennt" den Schleppi überlassen und dann nachsehen was der da auf der
"öffentlichen" Partition so installiert hat :-P
Bisschen zu viele Agentenfilme gesehen? Was man hier alles an
Schwachsinn liest, unglaublich...
Bei Truecrypt (und soweit ich weiß auch den entsprechenden Linux
Alternativen) wird der Datenträger mit einem komplett zufallsgenerierten
Schlüssel verschlüsselt. Da sich diesen keine Sau merken kann, wird er
mit einem Hash des Passworts verschlüsselt und an den Anfang des
Datenträgers gepackt (in einen Header). Auch an den Anfang kommt der
Truecrypt Bootloader (in den MBR). Beim Start des Rechners startet der
TC Bootloader, man gibt sein Passwort ein, der Bootloader decryptet den
Datenträger-Key, mit dem Datenträger Key wird dann der Windows Kernel
gestartet. Irgendwie arbeitet TC dann im Hintergrund weiter und bietet
Windows den Datenträger transparent decryptet an. Sprich, deine Software
merkt nicht dass der Datenträger verschlüsselt ist, der TC Treiber
kümmert sich darum.
Es wird also beim Start weder der ganze Datenträger entschlüsselt, noch
sonstwas. Lediglich der RAM Inhalt ist natürlich unverschlüsselt.
Zusätzlich liegt der Datenträger-Key irgendwo im RAM, den braucht
natürlich TC.
Was heißt das für uns? Das laufende System ist gänzlich ungeschützt.
Solange er läuft kann jeder an den PC und alle deine Daten betrachten.
Schlimmer noch, es ist über Umwege (irgendeinen Exploit braucht es wohl
schon) sicher möglich, den Datenträger-Key aus dem laufenden System zu
extrahieren.
Andererseits dürfte es nicht möglich sein, das User-Passwort zu
extrahieren.
Die gefürchtetste Attacke ist übrigens starkes Abkühlen des
Arbeitsspeichers. Dadurch wird wohl (ich vermute da sich das thermische
Rauschen vermindert) der Inhalt auch ohne angelegte Spannung für längere
Zeit konserviert und kann also nach Ausschalten des Rechners noch
extrahiert werden.
Ist der Rechner dagegen aus (und der Arbeitsspeicher lange genug
Stromlos gewesen), so ist das System sicher. Zugriff auf die Festplatten
ist irrelevant, da ohne User-Passwort oder Datenträger-Key die Daten
nicht ausgelesen werden können. Bruteforce Attacken auf den
Datenträger-Key fahren ist witzlos, der ist zu lange. Was sich anbietet
sind Wörterbuch-Attacken auf das Passwort, hier hilft eben nur ein
Passwort zu wählen, das lange genug ist. Truecrypt speichert übrigens
meines Wissens nach NICHT, mit welchem Verfahren verschlüsselt wurde. Es
wird also bei jedem Start alles durchprobiert. Dies erhöht den Aufwand
von Wörterbuch- und Bruteforce Attacken nochmal stark. Hidden-Partitions
geben zusätzlich noch einen Unsicherheitsfaktor, der Angreifer weiß im
Allgemeinen nicht, ob eine Hidden-Partition vorliegt, muss also auf gut
glück Bruteforce Attacken fahren. Aus den Daten ist keine statistisch
belastbare Aussage über die Existenz einer Hidden-Partition möglich.
Soll heißen: Die Festplatte im ausgeschalteten Zustand könnt ihr dem
Feind ruhig geben, sie wird ihm nichts helfen. Der laufende Rechner
dagegen ist so gut wie eine unverschlüsselte Platte.
Zur Trojaner-Sache: Wie gesagt, für Programme sieht der Rechner
unverschlüsselt aus, entsprechend seid ihr genauso anfällig für Viren,
Trojaner und Keylogger wie sonst auch. Hier würde eher eine Chain of
Trust helfen, als alles andere. Secure Boot würde das theoretisch
ermöglichen. Auch mal in Richtung Spielekonsolen(hacking) umsehen, falls
das jemand interessiert, in dem Bereich gibts dazu viele Informationen.
Kritisch sind Bootkits. Man stelle sich vor, der Feind installiert auf
dem Rechner einen Bootloader der genauso aussieht wie der von Truecrypt
und auch das selbe tut, aber zusätzlich das eingegebene Passwort noch
irgendwo wegspeichert oder versendet. Tja, jetzt ist euer größtes
Geheimnis, das Passwort, das ihr auch noch für die anderen 10 Rechner
verwendet nicht mehr geheim. Auch hier würde Secure Boot helfen, ich
weiß nicht ob TC das mittlerweile kann.
Auf der TC Rescue CD ist der TC Bootloader und der Datenträger-Header
drauf. Also nichts, das nicht auch 1:1 so auf der Festplatte wäre. Ich
würde die CD zwar nicht dem Feind überlassen, da er Wörterbuch-Attacken
auf euer Passwort fahren kann, aber im Grunde ist es unkritisch.
Manchmal wird sogar empfohlen grundsätzlich immer von der CD zu starten.
Das ist sinnvoll um sicherzugehen dass der TC Bootloader auf der
Festplatte nicht modifiziert wurde, denn auf der CD wird er weiterhin
unmodifiziert sein. Es schützt aber natürlich trotzdem nicht vor anderen
Bootkits/Trojanern.
Alles in allem wäre eine Chain of Trust wie in UEFI mit SecureBoot
implementierte Methode wünschenswert. Auch auf asymetrischer
Kryptographie basierende Möglichkeiten der
Bootloader-Integritätssicherung wären interessant. Beides würde helfen
zumindest bis zum Kernel sicher booten zu können.
Ich habe alles nach bestem Wissen ausgeführt, ihr dürft aber gern
Zweifeln und eigene Recherche betreiben, meine Informationen sind
durchaus schon etwas älter und vielleicht nicht mehr ganz korrekt.
Die beiden großen Schwachstellen von TrueCrypt sind die eingeschränkten
Möglichkeiten zum Programmstart sowie die Passworteingabe.
Der Programmstart wird immer von irgendeinem Bootmedium geschehen, sodaß
bis zum Start von TC alles in klartext - inkl der (wenigen) Daten und
Programme im Klartext vorliegen muß. TC verwendet dazu einen eigenen
Bootloader, den es anstelle des normalen Windows-Bootloaders setzt.
dieser Bootloader fragt nach dem PW und startet seinerseits den
Windows-Bootloader. TC hat aber keine Möglichkeit zu prüfen, ob nicht
schon ein weiterer Bootloader vor TC geladen wurde, der seinersteits TC
geladen hat. Hier ist das Einfallstor für Stoned u.a. derartige
Programme.
das zweite Problem ist die PW-Eingabe: Egal über welchen Kanal
(Tastatur/USB-Stick mit PW-file etc) alles geht durch das ggf bereits
kompromittierte System, bevor TC überhaupt zum entschlüsseln kommt.
Die Installation eines Rootkits im aktiven PC könnte TC noch verhindern,
Eine Installation, während das System eigentlich ausgeschalten, die
Platte an ein anderen PC gesteckt und bearbeitet wird, dagegen ist auch
Tc Systembedingt schutzlos.
Hat ein Angreifer also die Möglichkeit, mechanisch auf die Anschlüsse
zuzugreifen, (=physikalischer Zugriff), sinken im Fall von TC die
Sicherheitshürden rapide - insbesondere, wenn mit dieser Platte
weitergearbeitet wird.Auf der RescueDisk ist lediglich ein
Startbetriebssystem + das Programm TC + ein paar zur Wiederherstellung
dieser_einen Festplatte gedachten Hilfsdaten drauf. Es benötigt noch
immer das PW des Benutzers. Die Hilfsdaten aber geben Aufschluß auf den
möglichen Klartext des verschlüsselten Windowsbootsektors: Welche
Windowsversion, Partitionstabelle etc.
Damit ließe sich eine Known-Plaintext-Attacke auf den Bootsektor bilden,
die nicht am System, sondern in einem FPGA-Array oder einem GPU-Array
durchprobiert wird (dauert immer noch ewig, aber besser als nichts).
Ergo: die Rescue-CD ist eine wiederherstellungshilfe, die nicht das
Passwort ersetzt, sondern genau das, was sie sein soll: eine Hilfe zur
Wiederhestellung. Und wer Angst vor Nachrichtendiensten (oder anderen
Angreifern mit entsprechenden Ressourcen) hat, sollte diese CD auch
geschützt aufbewahren.
Andy P. schrieb:> sollte diese CD auch geschützt aufbewahren
Ich hab die gar nicht erst physikalisch erstellen lassen (viele
Note/Netbooks haben ja nicht mal einen Brenner) da ich TC eh nur als
"Verlierschutz" nutze, d.h. geht der Datenträger oder der Laptop
verloren oder wird geklaut ist wenigstens nur die Hardware weg. Für den
Fall der Beschädigung des Headers gibt es ja noch Backups.
Andy P. schrieb:> Die beiden großen Schwachstellen von TrueCrypt sind die eingeschränkten> Möglichkeiten zum Programmstart sowie die Passworteingabe.> Der Programmstart wird immer von irgendeinem Bootmedium geschehen, sodaß> bis zum Start von TC alles in klartext - inkl der (wenigen) Daten und> Programme im Klartext vorliegen muß. TC verwendet dazu einen eigenen> Bootloader, den es anstelle des normalen Windows-Bootloaders setzt.> dieser Bootloader fragt nach dem PW und startet seinerseits den> Windows-Bootloader. TC hat aber keine Möglichkeit zu prüfen, ob nicht> schon ein weiterer Bootloader vor TC geladen wurde, der seinersteits TC> geladen hat. Hier ist das Einfallstor für Stoned u.a. derartige> Programme.> das zweite Problem ist die PW-Eingabe: Egal über welchen Kanal> (Tastatur/USB-Stick mit PW-file etc) alles geht durch das ggf bereits> kompromittierte System, bevor TC überhaupt zum entschlüsseln kommt.> Die Installation eines Rootkits im aktiven PC könnte TC noch verhindern,> Eine Installation, während das System eigentlich ausgeschalten, die> Platte an ein anderen PC gesteckt und bearbeitet wird, dagegen ist auch> Tc Systembedingt schutzlos.
Dieses Problem wirst du aber immer haben, wenn nicht das ganze System
komplett signiert ist.
Und selbst dann kann der Angreifer immer noch einen Hardwarekeylogger
zwischen USB-Port und Tastatur stecken.
Andy P. schrieb:> Hat ein Angreifer also die Möglichkeit, mechanisch auf die Anschlüsse> zuzugreifen, (=physikalischer Zugriff), sinken im Fall von TC die> Sicherheitshürden rapide - insbesondere, wenn mit dieser Platte> weitergearbeitet wird.
Ich würde sagen, nur, wenn weitergearbeitet wird, denn andernfalls
kann ja das Passwort nicht mitgeschnitten werden. Einzige Möglichkeit
wäre sonst noch ein laufender Rechner, bei dem der Schlüssel ggfs. aus
dem RAM extrahiert wird (runterkühlen, FireWire, etc).
Läubi schrieb im Beitrag #3460356
> Andy P. schrieb:>> sollte diese CD auch geschützt aufbewahren> Ich hab die gar nicht erst physikalisch erstellen lassen..
Was natürlich aus Datenschutzsicht noch besser ist. Es schränkt aber das
ein-zwei-klicks-Wiederherstellen ein.
vn nn schrieb:> Andy P. schrieb:>> Die Installation eines Rootkits im aktiven PC könnte TC noch verhindern,>> Eine Installation, während das System eigentlich ausgeschalten, die>> Platte an ein anderen PC gesteckt und bearbeitet wird, dagegen ist auch>> Tc Systembedingt schutzlos.>> Dieses Problem wirst du aber immer haben, wenn nicht das ganze System> komplett signiert ist.
Jein, noch ist TC nicht auf UEFI+GPT lauffähig, also bleibt nur der
unsignierte Weg. Doch selbst das wäre mit einem signierten UEFI-treiber
umgehbar (wie viele gefälschte und als gültig erkannte SSL-Zertifikate
gibt es im Inet und zu welchem Zweck? Wie wird das bald mit UEFI
aussehen?)
> Andy P. schrieb:>> Hat ein Angreifer also die Möglichkeit, mechanisch auf die Anschlüsse>> zuzugreifen, (=physikalischer Zugriff), sinken im Fall von TC die>> Sicherheitshürden rapide - insbesondere, wenn mit dieser Platte>> weitergearbeitet wird.>> Ich würde sagen, nur, wenn weitergearbeitet wird, denn andernfalls> kann ja das Passwort nicht mitgeschnitten werden. Einzige Möglichkeit> wäre sonst noch ein laufender Rechner, bei dem der Schlüssel ggfs. aus> dem RAM extrahiert wird (runterkühlen, FireWire, etc).
Wie gesagt, ließe sich mit phys Zugriff eine Kopie der verschlüsselten
Platte machen und versuchen, diese zu entschlüsseln, wenn gleichzeitig
im Zielsystem ein Abgriff der nächsten PW-Eingabe eingesetzt wird. (das
ist Sinn und Zweck des legalen Einbruchs und Manipulation der DV-Anlage
- Stichwort "Quellüberwachung".)
Anders wäre es, würde man TC in einem Bios-extention-ROM installieren,
daß vor dem Bootvorgang gestartet wird... (wer schreibt TC um?)
Zum Thema PW-Mitschnitt: nur wenn die Ver- und Entschlüsselung nicht im
Speicher der ArbeitsCPU stattfindet, sondern in einem extra Controller
mit eigenen Schlüsselinterface, dann kann auch ein Hardwarekeylogger am
PC oder ein Speicherabbild nicht mehr helfen.
Es sei denn, du versuchst, die Kommunikation des genannten Controllers
mit seinem Schlüssel mitzuschneiden, wozu du wiederum dessen internen
Aufbau kennen musst etc. Dies ist dann wirklich der Punkt, an dem
bluppdidupps "http://xkcd.com/538/" ins Spiel kommt. :)
Ich würde die ISO übrigens unbedingt auf CD brennen oder anderweitig
wegsichern. Im MBR schreibt gern mal alles mögliche rum, dann ist der TC
Bootloader weg und ohne die CD alle Daten gleich mit.