Forum: Offtopic Ionisierende Strahlung und Regeln


von Mathias B. (dedi)


Lesenswert?

Hey,

ich würde mich in nächster Zeit sehr gerne mit Seitenkanalangriffen auf 
Chips befassen. Auf dem 30C3 wurde ein sehr interessanter Angriff 
erwähnt. Man bestrahlt den Chip und schaut mal, wie er reagiert, in der 
Hoffnung, dass einige (die richtigen) Bits kippen.

An diverse Strahler zu kommen, ist eigentlich kein Problem. Ich war 
letztens auf dem Trödelmarkt mit einem Geigerzähler. Wenn man weiß, 
wonach man sucht, wird man fündig. Auch sollte es über den 
Chemie-Großhandel kein Problem sein, an Versuchsstrahler zu kommen. Ich 
meine jetzt diese dünnen Stifte, die in einen dicken Stahlbetonblock 
verschraubt werden.

Was mich allerdings etwas stört, ist § 328 StGb:
http://dejure.org/gesetze/StGB/328.html

Dort ist vor allem von Mengen die Rede. Habt ihr eine Idee, wie hoch da 
die Mengen sind? Oder was etwa erlaubt ist?

Und wenn ich mehr brauche, an wen muss ich mich für eine Genehmigung 
wenden? Ist da das BfS zuständig?

von Icke ®. (49636b65)


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> Was mich allerdings etwas stört, ist § 328 StGb:
> http://dejure.org/gesetze/StGB/328.html

Die Gesetze wären nicht das, worüber ich mir vordergründig Sorgen machen 
würde, wenn sich radioaktives Material in meiner unmittelbaren Umgebung 
befindet. Du bist schon ein rechter Witzbold. Aber schön aufpassen, 
denn:

Zitat:
"(2) Ebenso wird bestraft, wer
...
  3.   eine nukleare Explosion verursacht"

von Lothar M. (Firma: Titel) (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> Man bestrahlt den Chip und schaut mal, wie er reagiert, in der
> Hoffnung, dass einige (die richtigen) Bits kippen.
Wer das Eine macht, der braucht sich um das Andere keine Sorgen zu 
machen:
Mathias Braun schrieb:
> http://dejure.org/gesetze/StGB/328.html

Mathias Braun schrieb:
> Dort ist vor allem von Mengen die Rede.
Dort ist zu aller letzt von Mengen die Rede:
1
 
2
   radioaktive Stoffe, die nach Art, Beschaffenheit oder Menge

> Und wenn ich mehr brauche, an wen muss ich mich für eine Genehmigung
> wenden?
Es geht nicht um "mehr", es geht vor allem um die "Art und 
Beschaffenheit". Und nicht alles, was du auf dem Flohmarkt "im freien 
Handel" findest, dürfte dort auch wirklich sein.
> Ist da das BfS zuständig?
Vermutlich schon, aber du glaubst nicht, was es für ein Aufwand ist, 
einen schäbigen Röntgenscanner zu betreiben. Gut ist, wenn in diesem 
Fall der Radiologe vom Krankenhaus den Duzfreund ist. Wäre interessant, 
zu wissen, welchen Aufwand du für einen genehmigten Umgang mit 
radioaktiven Strahlern haben wirst...

von Mathias B. (dedi)


Lesenswert?

Icke ®. schrieb:
> worüber ich mir vordergründig Sorgen machen
> würde, wenn sich radioaktives Material in meiner unmittelbaren Umgebung
> befindet.

Radioaktives Material ist überall zu finden. In den Nachbarhäusern 
wohnen etwas ältere Herrschaften. Ich wette, dass mind. einer von denen 
Teller mit Uranfarbe oder strahlende Zifferblätter oder Zeiger hat. 
Aufsteigende Radon-Gase sind auch radioaktives Material. Über wenige 
mg-g radioaktives Material würde ich mir zumindest keine Sorgen machen, 
da ich weiß, wie ich damit umgehen kann und wie ich es lagern muss.

Lothar Miller schrieb:
> Es geht nicht um "mehr", es geht vor allem um die "Art und
> Beschaffenheit". Und nicht alles, was du auf dem Flohmarkt "im freien
> Handel" findest, dürfte dort auch wirklich sein.

Nimm z.B. Rauchmelder. Afaik werden die in England im freien Handel 
verkauft und nach geltendem EU-Recht darf ich die problemlos einführen.

Was ist denn die Art und die Beschaffenheit? Vor allem das, was ich 
unter Beschaffenheit verstehe, ist relativ variabel. Heute Zeiger einer 
Uhr, morgen Pulver.

Lothar Miller schrieb:
> Wäre interessant,
> zu wissen, welchen Aufwand du für einen genehmigten Umgang mit
> radioaktiven Strahlern haben wirst...

Genau das interessiert mich auch. Am Ende wird es wohl eine 
Kosten(+Aufwand) / Nutzen Abwägung sein. Da zumindest der finanzielle 
Nutzen durch solche Angriffe relativ hoch sein dürfte und sonstige 
Analyse-Hardware auch im zweistelligen k€ Bereich liegt, bin ich schon 
zu einem gewissen Aufwand bereit.

von Sascha W. (arno_nyhm)


Lesenswert?

Vereinfacht ausgedrückt wird rechtlich zwischen zwei arten von 
radioaktiven Strahlern differenziert: Sie mit hoher Dosisleistung welche 
einer Registrierung bedingen und Kleinpräperate niedriger Dosisleistung 
die keinerlei Registrierung unterliegen und auch frei verkauft werden 
dürfen.
Letztere sind typischer Weise z.B. solche wie man sie aus dem 
Schulunterricht kennt.

Neben diesen offiziellen Strahlenquellen gibt es noch eine Grauzone von 
immer noch recht leicht beschaffbaren Strahlern die eben nicht 
kontrolliert werden, aber von der Dosisleistung her reguliert sein 
müssten (keine Angst - das sind keine Plutoniumschnippsel aus einer 
verlorenen Atombombe... die angesetzen max 10µCi sind schon sehr 
wenig): verschiedene Erze mir radioaktiven Verbindungen - ein schönes 
Stück Pechblende kann schon ganz schön strahlen.
Daneben kann man dann auch noch Th232 aus alten Glühstrümpfen ernten - 
wobei es vorwiegend ein Alphastrahler ist und somit für den oben 
beschriebenen Zweck uninteressant sein dürfte...

...was mich zum eigentlichen Thema bringt: Um Chips halbgar zu braten 
dürfte sich ein Aufbau mit einer Röntgenröhre tausendfach besser eignen 
als irgend ein radioaktives Element!
Allein dass sich Energie als auch Flussdichte bei einer Röntgenröhre 
einstellen lassen, dürfte einen viel mehr Freiheit bei der Dosierung 
geben um den 'sweet spot' für einen Chip zu finden, wo die gewünschten 
Effekte auftreten, er aber nicht unwiederruflich zerstört wird.

Ein auf eBay geschossene Dentalröntgenanlage dürfte wohl ein guter 
Ausgangspunkt sein. Eine Mammographieröntgenanlage wäre sicher noch 
besser, weil auch sehr niederenergetische Röntgenstrahlung erzeugt 
werden kann, jedoch sind diese eher rar.
Allerdings muss man da schon wissen was man tut, um die entstehende 
Röntgenstrahlung entsprechend abschirmen zu können. Eine Person die da 
(am besten zertifizierte) Erfahrung besitzt (Strahlenschutzbeauftragter 
o.Ä.) wäre da ein zwingendes Teammitglied, denn ansonsten ist schon eine 
kleine Röntgenanlage ein viel größeres Risiko für die Gesundheit als ein 
riesiges Stück Pechblende - mit eine Röntgenröhre lässt sich eine 
verdammt große Menge ionisierender Strahlung erzeugen - einfach mal die 
Dosisleistung errechnen...

Nachtrag:
Ja, die oben erwähnten Rauchmelder... auch eine gute Quelle, der 
'Nuclear Boyscout' hat mit denen ja auch etwas schönes gebaut ;)
Allerdings sind die Strahler in den heutigen Rauchmeldern wesentlich 
geringer dosiert, zudem ist Am241 ebenfalls ein Alphastrahler - absolut 
nicht geeignet zum Chipknacken.

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> Man bestrahlt den Chip und schaut mal, wie er reagiert, in der
> Hoffnung, dass einige (die richtigen) Bits kippen.

Und was nützt Dir das, wenn die falschen Bits kippen?

Das ist allenfalls stochastisch machbar, Du brauchst also eine seeehr 
große Menge Geräte.

Also wozu soll das gut sein?

von Mathias B. (dedi)


Lesenswert?

Timm Thaler schrieb:
> Und was nützt Dir das, wenn die falschen Bits kippen?

Irgendwann wird das richtige Bit kippen und dann gelangt man in 
Zustände, zu denen man keinen Zugang hatte.

Timm Thaler schrieb:
> Also wozu soll das gut sein?

In der Regel um einem Chip geheime Informationen wie z.B. den Quellcode 
oder Schlüssel zu entlocken. Besonders gut soll der Angriff ja bei den 
AVR Fuses funktionieren, die das Programm vor dem Auslesen schützen.

Und das ist nur ein Beispiel.

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> Besonders gut soll der Angriff ja bei den
> AVR Fuses funktionieren, die das Programm vor dem Auslesen schützen.

Wenn die AVR Fuses kippen, dann können auch andere Bits im Flash kippen. 
Du kannst dann zwar ein Programm auslesen, aber Du weisst nicht, was Du 
vorher schon für Mutationen angestellt hast. Das Originalprogramm wird 
es nicht mehr sein.

Das mag in der Theorie und im Labor funktionieren, aber praktisch 
anwendbar?

von Pink S. (pinkshell)


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> In der Regel um einem Chip geheime Informationen wie z.B. den Quellcode
> oder Schlüssel zu entlocken. Besonders gut soll der Angriff ja bei den
> AVR Fuses funktionieren, die das Programm vor dem Auslesen schützen.

Den Quellcode wirst du auf dem Chip nicht finden.

Zum gezielten Kippen der Fuses wäre es hilfreich, die Chip-Topologie zu 
kennen (wo ist was?) und dann mit einer Bleiblende mit winzigem Löchlein 
die Fuses gezielt zu bestrahlen.

Mit einem fokussierten Strahl draufbrennen ist bei diesen Wellenlängen 
leider nicht möglich.

von (prx) A. K. (prx)


Lesenswert?

Unabhängig von der rechtlichen Seite solltest du auch die technische 
Seite betrachten. Mit den verbreiteten Alpha/Beta Strahlern (Uran, 
Radon) kannst du Chips nur zu Leibe rücken, indem du sie nackt 
ausziehst. Weil du damit das Gehäuse nicht durchdringst. Das gilt 
umgekehrt aber auch für dich, d.h. während Alpha/Beta Strahlung leicht 
abzuschirmen ist, Blechdose reicht, ist das bei Röntgen- und 
Gammastrahlung deutlich aufwändiger.

von Icke ®. (49636b65)


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> Über wenige
> mg-g radioaktives Material würde ich mir zumindest keine Sorgen machen,
> da ich weiß, wie ich damit umgehen kann und wie ich es lagern muss.

Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, könnte mir aber vorstellen, daß 
die Stärke der Strahlung, die nötig wäre, um für deine Anwendung wirksam 
zu sein, das Maß natürlicher oder in "haushaltüblichen" Gerätschaften 
vorkommender Radioaktivität weit übersteigt und somit gesundheitlich 
nicht mehr unbedenklich ist. Ich würde sowas nicht im Hause haben 
wollen.

Sascha W. schrieb:
> ein schönes Stück Pechblende kann schon ganz schön strahlen.

Der Großvater meiner Ex hatte seinerzeit einen hübschen Stein auf seinem 
TV-Gerät liegen. Dessen Bildröhre sah über ca. die Hälfte sehr 
merkwürdig aus, mit verändertem Kontrast und Helligkeit. Schwer zu 
beschreiben, ich hatte so einen Bildfehler noch nie gesehen. Irgendwann 
kamen wir auf den Stein zu sprechen und es stellte sich heraus, daß er 
den von seiner Arbeit aus dem Wismut-Schacht mitgebracht hatte. Da war 
mir schlagartig klar, um welches Material es sich handelte und warum das 
Bild so komisch aussah.

von Mathias B. (dedi)


Lesenswert?

Timm Thaler schrieb:
> Wenn die AVR Fuses kippen, dann können auch andere Bits im Flash kippen.

Die Fuses kippen ja nicht. Die müssen einfach nur geladen werden. 
Deshalb sollte da eine "sanftere" Behandlung ausreichend sein, noch 
bevor Bits kippen. Im Labor reicht es angeblich aus, wenn man den 
nackten Chip mit UV Strahlung bestrahlt.

Das Kippen lassen von Bits bezieht sich außerdem nicht auf den Flash 
bzw. Programmspeicher, sondern auf den Arbeitsspeicher.

Timm Thaler schrieb:
> Du kannst dann zwar ein Programm auslesen, aber Du weisst nicht, was Du
> vorher schon für Mutationen angestellt hast. Das Originalprogramm wird
> es nicht mehr sein.
Ich kann davon ausgehen, dass alle Bits mit der gleichen 
Wahrscheinlichkeit kippen. Und wenn nicht, dann kann ich mit Test-Chips 
herausfinden, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Bit kippt. Und wenn mir 
dann mehrere Chips zum Auslesen zur Verfügung stehen, kann ich anhand 
der ausgelesenen Informationen und der Wahrscheinlichkeit dass die Daten 
richtig sind, Schlussfolgerungen auf das ursprüngliche Programm 
schließen.

Wenn es ein Schlüssel ist, auf den ich es abgesehen habe, dann kann ich 
anhand der Wahrscheinlichkeitstabelle ein Exhaustive Search Angriff 
stark beschleunigen.

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Mathias Braun schrieb:
> Die Fuses kippen ja nicht. Die müssen einfach nur geladen werden.

Die Fuses sind aber nichts anderes als Flash-Speicher auch. Der ist am 
Anfang auch 0xFF, und wird beim Programmieren "entladen". Merkst Du, 
wenn Du mal versuchst, ohne vorheriges Erase zu Programmieren.

Wenn Du die Fuses also "lädst", lädst Du mit gleicher Wahrscheinlichkeit 
auch die Flash-Zellen. Du weisst aber nicht welche. Du wirst also ein 
sinnlos entstelltes Programm vorfinden.

Das geht, wenn Du 10.000 gleich programmierte AVRs hast, wo Du über die 
Statistik das Programm wiederherstellen kannst. Das geht aber nicht, 
wenn Du nur 2-3 Chips hast.

Programmier einen Zufallszahlengenerator, da hast Du keinen Ärger mit 
radioaktivem Material und das gleiche Ergebnis.

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Icke ®. schrieb:
> es stellte sich heraus, daß er
> den von seiner Arbeit aus dem Wismut-Schacht mitgebracht hatte

Autsch, da fragt man sich doch, wie naiv manche Leute sind. Die Leute, 
die ich aus der Region kenne, wussten alle, was da rausgeholt wird. Und 
die wussten auch, dass es böse aua macht, wenn man länger da arbeitet. 
Trotzdem fanden sich immer welche, die es für bißchen mehr Geld getan 
haben.

von Purzel H. (hacky)


Lesenswert?

Mir scheint ein Scanning Elektronenmikroskop die beste Loesung, denn der 
Strahl laesst sich deswegen in der Position verstellen. Auf Nanometer 
genau. Also vorher die Chiptopologie einlesen, dann bestrahlen.

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


Lesenswert?

Timm Thaler schrieb:
> Die Leute, die ich aus der Region kenne, wussten alle, was da rausgeholt
> wird.

Klar wussten die das.  Aber die Pechblende allein ist kein
lebensgefährlicher Strahler.  So ein Steinchen hat man hier auch mal
ganz öffentlich im Museum ausgestellt (Technische Sammlungen), ein
paar Meter weiter dann einen Geigerzähler.  (Die Ausstellung befasste
sich mit Wellen und Strahlung.)

Wo man aber den Krempel absolut nicht haben will, ist im Körper.
Genau das dürfte jedoch das Problem dieser Bergleute gewesen sein.

von Icke ®. (49636b65)


Lesenswert?

Timm Thaler schrieb:
> die wussten auch, dass es böse aua macht, wenn man länger da arbeitet

Das wußte der Opa auch und bezahlte seine Ignoranz mit dem Leben. Ist 
keine 60 geworden und konnte die letzten Jahre auch nicht mehr 
genießen...

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.