Hallo zusammen, wieso gibt es eigentlich so wenige, verschiedene Smartphones auf dem Markt? Natürlich gibt es 1000 verschiedene Größen, Formen etc. Ich meine eher die Hersteller. Es gibt viele verschiedene Android Development Boards. Wenn man die kleiner konstruiert, Touch-Display dran, dann sind es doch schon Smartphones. Oder verstehe ich das falsch? Die Chips sind sowieso BGA (die meisten jedenfalls), dann ist halt das Routing aufwänidger, OK! Wieso entscheiden sich die Hersteller von Android Development Boards nicht eher dafür, Smartphones zu bauen? Der Aufwand ist denke ich nicht sehr viel größer und lohnen würde es sich vermutlich auch mehr. Gruß Max
Die Marktforscher der involvierten Unternehmen sind wahrscheinlich keine Deppen. Wenn man auf's falsche Konzept setzt geht's schnell. Siehe Nokia.
Okay, das stimmt natürlich. Aber wenn ich jetzt sagen würde, ich konstruiere das Wandboard neu, optimiere die Android Software (Roms, treiber etc.) dann habe ich doch schon ein fertiges Smartphone (abgesehen davon, das ich sowas mit meinem jetzigen Wissen wahrscheinlich nicht meistern könnte).
Wann hast du versucht, dir das letzte Mal ein Smartphone auszusuchen? Die Hersteller bringen jedes Jahr mindestens drei neue Modelle aus, manche sogar alle sechs Monate. Und dann gibt es nicht nur die Platzhirsche, sondern noch vor ein paar Jahren völlig unbekannte Exoten wie HTC oder Huyaioha... dings... äh bumms haben sich etabliert. Vor Zwanzig, Fünfzehn Jahren gab es Nokia mit Pfeiltasten rauf und runter, dann noch die besseren mit Pfeiltasten nach links und rechts, damit war man auf dem Schulhof angesagt, damit konnte man Snake zocken. Und dann gabs da noch Nokia mit ner blauen Hülle und ner roten und ner grünen und ner gelben. Für die Manager gabs noch eins mit Klapptastatur und dann natürlich noch Siemens mit "fortschrittlichem" orangenem 2x16 Alpha-Numerik-Display.
Marek N. schrieb: > dann natürlich noch Siemens mit "fortschrittlichem" orangenem 2x16 > Alpha-Numerik-Display. Mein altes S25, welches ich 2003 gebraucht(!) gekauft habe läuft heute noch bei meinem Vater. Mach das mal mit nem HTC oder IPhone. Dennis
Das ist ein Symptom des modernen Kapitalismus. Große Firmen werden nicht mehr von den Eigentümern geleitet, sondern von bestellten Geschäftsführern. Die Eigentümer sind Banken. Die Konsequenz davon ist, dass niemand mehr Risiken eingehen will. Banken erwarten einen stetigen Gewinn. Man hat ein Produkt welches sich gut verkauft. Das Vorgängerprodukt war quasi identisch, nur etwas langsamer. Jetzt ist es auch für den dümmsten MBA klar, dass sich das nächste Modell auch verkaufen wird, wenn es nur etwas schneller ist, sonst aber identisch. Gleiches gilt für Produkte der Konkurrenz. Was Firma A erfolgreich verkaufen konnte, kann auch Firma B verkaufen. Jede Abweichung davon bedeutet ein Risiko. Es könnte ja zum Beispiel sein, dass sich ein Telefon mit Stift nicht verkaufen lässt. Dank Trivialpatenten (=Patente die einen Patentanwalt brauchten um durchgepeitscht zu werden) werden kleine Anbieter vom Markt fern gehalten. Dadurch wird der Markt immer gleichförmiger.
Tja das ist ein interessantes Thema. Nur wegen Android gibts heute überhaupt soviele Smartphone Hersteller wie es gibt. Acer, HTC, Huawai, ZTE, Lenovo, LG, Dell, Panasonic, Sony, Motorola... hab ich wen vergessen? (Reicht Dir das nicht?) Die hätten nie alleine ein gleichwertiges Stück Software ohne Google auf die Reihe bekommen! Sowas wie Symbian von Nokia + viele Bugs und nie Updates für die Geräte, ja das hätten die meisten noch geschafft. Es wird auch oft vergessen, dass Mobiltelefone zertifiziert werden müssen und aufwändige Prüfungen durchlaufen. Und nein da kann man sich nicht drumherum drücken wie beim normalen CE und einfach sagen "basst scho". Pressformen für aufwändige Plastik Gehäuse sind auch nicht gerade billig... Dazu kommen hohe Patentkosten (Microsoft!! alleine verdient 2 Mrd. Dollar pro Jahr an Android) für alle möglichen Dinge damit man das überhaupt so verkaufen darf ohne verklagt zu werden. Und da muss man auch erstmal Lizenzen erhalten. Schau Dir doch mal an wie oft Meldungen kommen: https://www.google.de/#q=android+verklagt https://www.google.de/#q=android+patent fortunebrainstormtech.files.wordpress.com/2010/12/screen-shot-2010-12-06 -at-11-21-49-am.png (Grafik von 2010) http://www.fosspatents.com/2011/04/updated-apple-vs-nokia-battlemap.html --> Absolutes Minenfeld ;-) Warum hat Google wohl Motorola gekauft... Ahja und die großen Hersteller von Smartphone SoCs und gescheiten Funkmodem Chipsätzen reden erst richtig mit Dir wenn Du mal 100000 Stück aufwärts abnimmst. Und wenn Du pro Jahr nur 10000 verkaufst bleibste auf 90000 Stück sitzen die 1 Jahr später schon veraltet sind ;-) (dass passiert selbst Apple - mit dem iPhone 5c, 3Mio auf Lager: http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Schlechte-Verkaeufe-Angeblich-grosse-Lagerbestaende-beim-iPhone-5c-2136879.html ) Da muss man also richtig Geld in die Hand nehmen um überhaupt starten zu können. Oh und es gibt tatsächlich viele kleinere Hersteller: In Asien, die ganzen Fakes die da produziert werden. Die scheren sich nämlich nicht um obige Dinge und sitzen quasi neben der Quelle der Bauteile und original Ersatzteile und bekommen alles spottbillig zusammengeschustert (was man natürlich auch an der Qualität sieht) ;-)
Freut mich, das der Thread so angenommen wird. Vielen Dank erst mal für eure Antworten. Wahrscheinlich ist es das Startbudget, woran es bei allen hapert. Hier mal ein Beispiel: Man nehme den Freescale i.MX6 Dual oder Quad (Cortex A9), dann hat man noch 1-2GB DDR3 Ram, das wäre für ein Smartphone schon einmal ausreichend. Das sind die Daten des Wandboardes, ein Android Development Board wie man so schön sagt. Die stellen einem netterweise ihre Schaltpläne zu Verfügung: http://www.wandboard.org/images/downloads/wbquad-revb1-userguide.pdf Bis auf den BGA Chip ist das Routing ja nicht so sonderlich aufwändig (natürlich schwer, aber noch machbar). Als OS kommt dann Android Jellybean (4.3) drauf, fertig. Früher dachte ich immer, die Smartphones sind ein kleines Wunder. Aber irgendwie ist dem ja nicht so. Wenn man die ganzen Sachen erst einmal hat (CPUs, GMs-Module etc) dann ist es ja nicht mehr wirklich schwer. Das große Problem ist halt, wie schon gesagt, dass man als Privatmann nie die o.g. Teile bekommen wird. Spaßeshalber Anfrage an Qualcomm geschickt- Antwort: Link zu Qualcomm Development Boards. Wenn man ein paar Testchips zu Verfügung bekommen würde, könnte man ein Layout machen, es fertigen lassen und man hat sein etwas groß geratenes Smartphone- für den Anfang sicherlich ausreichend. Dann kommt der Moment, an dem man sein Produkt verkaufen möchte. Dann muss man sich natürlich selbst was ausdenken, ok. Doch dann kennt mich noch keiner, keiner weiß dass ich Smartphones baue. Und dann noch in DE, mit all den hohen Gewerbevorschriften, Sicherheitsvorkehrungen und und und... Verrückte Welt.. Gruß
Max N. schrieb: > Doch dann kennt mich noch keiner, keiner weiß > dass ich Smartphones baue. Die vorhandenen Smart-Phone-Erzeuger merken das ganz fix und überziehen Dich mit Patentrecht-Verletzungs-Schadenersatzklagen vor allen denkbaren Gerichten dieser Welt. Siehe die oben erwähnten Trivialpatente.
Der i.MX6 ist für ein Smartphone leider ungeeignet. Viel zu groß, zu hoher Energiebedarf. Für die kompakten Bauformen von Qualcomm brauchste dann schon viel teurere Platinentechnik... Freescale hat den Smartphone Markt schon lange aufgegeben. Dann fehlt dir immer noch ein kompaktes Funkmodem und ein Antennendesign (http://www.2dayblog.com/2010/07/19/apple%E2%80%99s-stargate-chamber-cost-100-million-not-for-party ) Das Modem ist bei Qualcomm und Mediatek (beides so Saftläden die Dir niemals kleinere Stückzahlen verkaufen würden) schon integriert. NVidia ist auch so ein Laden der nur ab 100k liefert. Doku? Ja ne erstmal Verträge unterzeichnen und Chips bestellen, danach gibts dann das Datenblatt ;-) > Das große Problem ist halt, wie schon gesagt, dass man > als Privatmann nie die o.g. Teile bekommen wird. Billig wird das als Privatmensch auch nicht gerade. Das Wandboard ist nur so billig weil die große Stückzahlen fahren - wenn DU Dir sowas selbst baust biste irgendwo im 4 stelligen Bereich, ich hab beruflich schon ähnlich komplexe Boards für Kleinserien gebaut daher weiss ich wovon ich spreche ;-)
Mac Gyver schrieb: > Nur wegen Android gibts heute überhaupt soviele Smartphone Hersteller > wie es gibt. > Acer, HTC, Huawai, ZTE, Lenovo, LG, Dell, Panasonic, Sony, Motorola... > hab ich wen vergessen? (Reicht Dir das nicht?) Sicher, die meisten gab es doch vorher schon, wenn auch ein paar mit auf den Smartphonezug aufgesprungen sind. Ein Smartphone passt auch eher in das Geschäftsmodell von Lenovo und Co als "normale". Und Firmen wie HTC, ZTE usw gab es vorher schon, die haben nur früher nicht ihren Namen fett auf das Handy gedruckt. Wenn du aber bei den ganzen Handys die es günstig zur Simkarte dazu gab auf die Platine oder den Akku schaust, entdeckte man dann doch, das Vodafone die nicht selber baut ;-) Max N. schrieb: > Als OS kommt dann Android Jellybean (4.3) drauf, fertig. Früher dachte > ich immer, die Smartphones sind ein kleines Wunder. Aber irgendwie ist > dem ja nicht so. Wenn man die ganzen Sachen erst einmal hat (CPUs, > GMs-Module etc) dann ist es ja nicht mehr wirklich schwer. Das große > Problem ist halt, wie schon gesagt, dass man als Privatmann nie die o.g. > Teile bekommen wird. Bis du deinen ersten Prototypen hast, kostet dich das aber erst mal ;-) Multilayer mit extrem feinen Strukturen, allen möglichen Varianten von Vias um aus den BGAs auf beiden Seiten raus zu kommen, die PCB Software, die Simulationssoftware, die Leute mit dem KnowHow.. Da kommt etwas zusammen. Auf der Anderen Seite gibt es ja trotzdem ein paar Nischenschmieden, z.B. Fairphone um ein Beispiel zu nennen. Aber rein Preis/Leistung/"Innovation"smäßig sicher nicht konkurrenzfähig zu den großen playern..
Michael Bauer schrieb: > Die vorhandenen Smart-Phone-Erzeuger merken das ganz fix und überziehen > Dich mit Patentrecht-Verletzungs-Schadenersatzklagen vor allen denkbaren > Gerichten dieser Welt. Siehe die oben erwähnten Trivialpatente. Erst wenn du gross bist und Milliardensummen als Kompensation drohen. Sonst lohnt der Spass den Aufwand nicht.
Sni Ti schrieb: > Und Firmen wie HTC, > ZTE usw gab es vorher schon, die haben nur früher nicht ihren Namen fett > auf das Handy gedruckt. Wenn du aber bei den ganzen Handys die es > günstig zur Simkarte dazu gab auf die Platine oder den Akku schaust, > entdeckte man dann doch, das Vodafone die nicht selber baut ;-) Klar, aber großgeworden sind sie erst mit Android. A. K. schrieb: > Erst wenn du gross bist und Milliardensummen als Kompensation drohen. > Sonst lohnt der Spass den Aufwand nicht. Stichwort Eipott oder Café Apfelkind.
vn nn schrieb: > Stichwort Eipott oder Café Apfelkind. Marken- und Designschutz hat nichts mit Patentrecht zu tun.
Ach ne? Trotzdem vertragen sich Klagen gegen deutsche Kleinunternehmen eher weniger mit der Behauptung, man wäre erst von Klagen bedroht, wenn Milliardensummen rausschauen.
vn nn schrieb: > Ach ne? Trotzdem vertragen sich Klagen gegen deutsche Kleinunternehmen > eher weniger mit der Behauptung, man wäre erst von Klagen bedroht, wenn > Milliardensummen rausschauen. Meine Aussage bezog sich aus dem Kontext heraus auf Patente. Wenn man Patentverletzungen sofort ahndet, dann kriegt man anfangs etwas Mäuse für die wenige verkauften Exemplare, bis der betreffende Hersteller die patentierten Sachen umgestellt hat. Danach kriegt man nichts mehr. Wenn man jedoch wartet, bis sich das Produkt jahrelang massenhaft verkauft hat, dann winken viele viele Mäuse für die verkauften Exemplare. Folge: Bei Patentverletzungen sollte man warten, bis es sich wirklich lohnt. Davor ist der Prozess meist teurer als dessen Ertrag. Patentverletzungen durch Andere haben i.d.R. auch keinen Einfluss auf den Ruf einer Firma, man hat also Zeit. Bei Markenverletzungen hingegen meine ich mich zu erinnern, dass man bei Kenntnisnahme prompt reagieren muss, um den Anspruch zu wahren. Mögliche Markenverletzungen sind gewöhnlich auch leichter identifizierbar als Patentverletzungen, so dass die Argumentation "erst jetzt erfahren" nicht zieht.
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