Forum: Offtopic Wieso werden so wenige Handys gebaut- Android Development Boards


von Max N. (racerj)


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Hallo zusammen,

wieso gibt es eigentlich so wenige, verschiedene Smartphones auf dem 
Markt? Natürlich gibt es 1000 verschiedene Größen, Formen etc. Ich meine 
eher die Hersteller. Es gibt viele verschiedene Android Development 
Boards. Wenn man die kleiner konstruiert, Touch-Display dran, dann sind 
es doch schon Smartphones. Oder verstehe ich das falsch? Die Chips sind 
sowieso BGA (die meisten jedenfalls), dann ist halt das Routing 
aufwänidger, OK!

Wieso entscheiden sich die Hersteller von Android Development Boards 
nicht eher dafür, Smartphones zu bauen? Der Aufwand ist denke ich nicht 
sehr viel größer und lohnen würde es sich vermutlich auch mehr.


Gruß
Max

von Purzel H. (hacky)


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Die Marktforscher der involvierten Unternehmen sind wahrscheinlich keine 
Deppen. Wenn man auf's falsche Konzept setzt geht's schnell. Siehe 
Nokia.

von Max N. (racerj)


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Okay, das stimmt natürlich.

Aber wenn ich jetzt sagen würde, ich konstruiere das Wandboard neu, 
optimiere die Android Software (Roms, treiber etc.) dann habe ich doch 
schon ein fertiges Smartphone (abgesehen davon, das ich sowas mit meinem 
jetzigen Wissen wahrscheinlich nicht meistern könnte).

von Marek N. (Gast)


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Wann hast du versucht, dir das letzte Mal ein Smartphone auszusuchen?
Die Hersteller bringen jedes Jahr mindestens drei neue Modelle aus, 
manche sogar alle sechs Monate. Und dann gibt es nicht nur die 
Platzhirsche, sondern noch vor ein paar Jahren völlig unbekannte Exoten 
wie HTC oder Huyaioha... dings... äh bumms haben sich etabliert.
Vor Zwanzig, Fünfzehn Jahren gab es Nokia mit Pfeiltasten rauf und 
runter, dann noch die besseren mit Pfeiltasten nach links und rechts, 
damit war man auf dem Schulhof angesagt, damit konnte man Snake zocken. 
Und dann gabs da noch Nokia mit ner blauen Hülle und ner roten und ner 
grünen und ner gelben. Für die Manager gabs noch eins mit Klapptastatur 
und dann natürlich noch Siemens mit "fortschrittlichem" orangenem 2x16 
Alpha-Numerik-Display.

von Dennis H. (t1w2i3s4t5e6r)


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Marek N. schrieb:
> dann natürlich noch Siemens mit "fortschrittlichem" orangenem 2x16
> Alpha-Numerik-Display.

Mein altes S25, welches ich 2003 gebraucht(!) gekauft habe läuft heute 
noch bei meinem Vater. Mach das mal mit nem HTC oder IPhone.


Dennis

von Christian B. (casandro)


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Das ist ein Symptom des modernen Kapitalismus. Große Firmen werden nicht 
mehr von den Eigentümern geleitet, sondern von bestellten 
Geschäftsführern. Die Eigentümer sind Banken.

Die Konsequenz davon ist, dass niemand mehr Risiken eingehen will. 
Banken erwarten einen stetigen Gewinn.

Man hat ein Produkt welches sich gut verkauft. Das Vorgängerprodukt war 
quasi identisch, nur etwas langsamer. Jetzt ist es auch für den dümmsten 
MBA klar, dass sich das nächste Modell auch verkaufen wird, wenn es nur 
etwas schneller ist, sonst aber identisch.
Gleiches gilt für Produkte der Konkurrenz. Was Firma A erfolgreich 
verkaufen konnte, kann auch Firma B verkaufen.

Jede Abweichung davon bedeutet ein Risiko. Es könnte ja zum Beispiel 
sein, dass sich ein Telefon mit Stift nicht verkaufen lässt.

Dank Trivialpatenten (=Patente die einen Patentanwalt brauchten um 
durchgepeitscht zu werden) werden kleine Anbieter vom Markt fern 
gehalten.
Dadurch wird der Markt immer gleichförmiger.

von Mac G. (macgyver0815)


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Tja das ist ein interessantes Thema.

Nur wegen Android gibts heute überhaupt soviele Smartphone Hersteller 
wie es gibt.
Acer, HTC, Huawai, ZTE, Lenovo, LG, Dell, Panasonic, Sony, Motorola... 
hab ich wen vergessen? (Reicht Dir das nicht?)
Die hätten nie alleine ein gleichwertiges Stück Software ohne Google auf 
die Reihe bekommen!
Sowas wie Symbian von Nokia + viele Bugs und nie Updates für die Geräte, 
ja das hätten die meisten noch geschafft.


Es wird auch oft vergessen, dass Mobiltelefone zertifiziert werden 
müssen und aufwändige Prüfungen durchlaufen. Und nein da kann man sich 
nicht drumherum drücken wie beim normalen CE und einfach sagen "basst 
scho".
Pressformen für aufwändige Plastik Gehäuse sind auch nicht gerade 
billig...

Dazu kommen hohe Patentkosten (Microsoft!! alleine verdient 2 Mrd. 
Dollar pro Jahr an Android) für alle möglichen Dinge damit man das 
überhaupt so verkaufen darf ohne verklagt zu werden. Und da muss man 
auch erstmal Lizenzen erhalten. Schau Dir doch mal an wie oft Meldungen 
kommen: https://www.google.de/#q=android+verklagt
https://www.google.de/#q=android+patent
fortunebrainstormtech.files.wordpress.com/2010/12/screen-shot-2010-12-06 
-at-11-21-49-am.png
(Grafik von 2010)
http://www.fosspatents.com/2011/04/updated-apple-vs-nokia-battlemap.html

--> Absolutes Minenfeld ;-)
Warum hat Google wohl Motorola gekauft...

Ahja und die großen Hersteller von Smartphone SoCs und gescheiten 
Funkmodem Chipsätzen reden erst richtig mit Dir wenn Du mal 100000 Stück 
aufwärts abnimmst.
Und wenn Du pro Jahr nur 10000 verkaufst bleibste auf 90000 Stück sitzen 
die 1 Jahr später schon veraltet sind ;-)
(dass passiert selbst Apple - mit dem iPhone 5c, 3Mio auf Lager:
http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Schlechte-Verkaeufe-Angeblich-grosse-Lagerbestaende-beim-iPhone-5c-2136879.html
)

Da muss man also richtig Geld in die Hand nehmen um überhaupt starten zu 
können.


Oh und es gibt tatsächlich viele kleinere Hersteller:
In Asien, die ganzen Fakes die da produziert werden. Die scheren sich 
nämlich nicht um obige Dinge und sitzen quasi neben der Quelle der 
Bauteile und original Ersatzteile und bekommen alles spottbillig 
zusammengeschustert (was man natürlich auch an der Qualität sieht) ;-)

von Max N. (racerj)


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Freut mich, das der Thread so angenommen wird.

Vielen Dank erst mal für eure Antworten.

Wahrscheinlich ist es das Startbudget, woran es bei allen hapert.

Hier mal ein Beispiel: Man nehme den Freescale i.MX6 Dual oder Quad 
(Cortex A9), dann hat man noch 1-2GB DDR3 Ram, das wäre für ein 
Smartphone schon einmal ausreichend.

Das sind die Daten des Wandboardes, ein Android Development Board wie 
man so schön sagt. Die stellen einem netterweise ihre Schaltpläne zu 
Verfügung:
http://www.wandboard.org/images/downloads/wbquad-revb1-userguide.pdf

Bis auf den BGA Chip ist das Routing ja nicht so sonderlich aufwändig 
(natürlich schwer, aber noch machbar).

Als OS kommt dann Android Jellybean (4.3) drauf, fertig. Früher dachte 
ich immer, die Smartphones sind ein kleines Wunder. Aber irgendwie ist 
dem ja nicht so. Wenn man die ganzen Sachen erst einmal hat (CPUs, 
GMs-Module etc) dann ist es ja nicht mehr wirklich schwer. Das große 
Problem ist halt, wie schon gesagt, dass man als Privatmann nie die o.g. 
Teile bekommen wird.
Spaßeshalber Anfrage an Qualcomm geschickt- Antwort: Link zu Qualcomm 
Development Boards.

Wenn man ein paar Testchips zu Verfügung bekommen würde, könnte man ein 
Layout machen, es fertigen lassen und man hat sein etwas groß geratenes 
Smartphone- für den Anfang sicherlich ausreichend. Dann kommt der 
Moment, an dem man sein Produkt verkaufen möchte. Dann muss man sich 
natürlich
selbst was ausdenken, ok. Doch dann kennt mich noch keiner, keiner weiß 
dass ich Smartphones baue. Und dann noch in DE, mit all den hohen 
Gewerbevorschriften, Sicherheitsvorkehrungen und und und...

Verrückte Welt..

Gruß

von Michael B. (alter_mann)


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Max N. schrieb:
> Doch dann kennt mich noch keiner, keiner weiß
> dass ich Smartphones baue.

Die vorhandenen Smart-Phone-Erzeuger merken das ganz fix und überziehen 
Dich mit Patentrecht-Verletzungs-Schadenersatzklagen vor allen denkbaren 
Gerichten dieser Welt. Siehe die oben erwähnten Trivialpatente.

von Mac G. (macgyver0815)


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Der i.MX6 ist für ein Smartphone leider ungeeignet.
Viel zu groß, zu hoher Energiebedarf. Für die kompakten Bauformen von 
Qualcomm brauchste dann schon viel teurere Platinentechnik...
Freescale hat den Smartphone Markt schon lange aufgegeben.


Dann fehlt dir immer noch ein kompaktes Funkmodem und ein Antennendesign
(http://www.2dayblog.com/2010/07/19/apple%E2%80%99s-stargate-chamber-cost-100-million-not-for-party 
)
Das Modem ist bei Qualcomm und Mediatek (beides so Saftläden die Dir 
niemals kleinere Stückzahlen verkaufen würden) schon integriert. NVidia 
ist auch so ein Laden der nur ab 100k liefert.
Doku? Ja ne erstmal Verträge unterzeichnen und Chips bestellen, danach 
gibts dann das Datenblatt ;-)


> Das große Problem ist halt, wie schon gesagt, dass man
> als Privatmann nie die o.g. Teile bekommen wird.

Billig wird das als Privatmensch auch nicht gerade.
Das Wandboard ist nur so billig weil die große Stückzahlen fahren - wenn 
DU Dir sowas selbst baust biste irgendwo im 4 stelligen Bereich, ich hab 
beruflich schon ähnlich komplexe Boards für Kleinserien gebaut daher 
weiss ich wovon ich spreche ;-)

von Sni T. (sniti)


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Mac Gyver schrieb:
> Nur wegen Android gibts heute überhaupt soviele Smartphone Hersteller
> wie es gibt.
> Acer, HTC, Huawai, ZTE, Lenovo, LG, Dell, Panasonic, Sony, Motorola...
> hab ich wen vergessen? (Reicht Dir das nicht?)

Sicher, die meisten gab es doch vorher schon, wenn auch ein paar mit auf 
den Smartphonezug aufgesprungen sind. Ein Smartphone passt auch eher in 
das Geschäftsmodell von Lenovo und Co als "normale". Und Firmen wie HTC, 
ZTE usw gab es vorher schon, die haben nur früher nicht ihren Namen fett 
auf das Handy gedruckt. Wenn du aber bei den ganzen Handys die es 
günstig zur Simkarte dazu gab auf die Platine oder den Akku schaust, 
entdeckte man dann doch, das Vodafone die nicht selber baut ;-)

Max N. schrieb:
> Als OS kommt dann Android Jellybean (4.3) drauf, fertig. Früher dachte
> ich immer, die Smartphones sind ein kleines Wunder. Aber irgendwie ist
> dem ja nicht so. Wenn man die ganzen Sachen erst einmal hat (CPUs,
> GMs-Module etc) dann ist es ja nicht mehr wirklich schwer. Das große
> Problem ist halt, wie schon gesagt, dass man als Privatmann nie die o.g.
> Teile bekommen wird.

Bis du deinen ersten Prototypen hast, kostet dich das aber erst mal ;-) 
Multilayer mit extrem feinen Strukturen, allen möglichen Varianten von 
Vias um aus den BGAs auf beiden Seiten raus zu kommen, die PCB Software, 
die Simulationssoftware, die Leute mit dem KnowHow..
Da kommt etwas zusammen.

Auf der Anderen Seite gibt es ja trotzdem ein paar Nischenschmieden, 
z.B. Fairphone um ein Beispiel zu nennen. Aber rein 
Preis/Leistung/"Innovation"smäßig sicher nicht konkurrenzfähig zu den 
großen playern..

von (prx) A. K. (prx)


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Michael Bauer schrieb:
> Die vorhandenen Smart-Phone-Erzeuger merken das ganz fix und überziehen
> Dich mit Patentrecht-Verletzungs-Schadenersatzklagen vor allen denkbaren
> Gerichten dieser Welt. Siehe die oben erwähnten Trivialpatente.

Erst wenn du gross bist und Milliardensummen als Kompensation drohen. 
Sonst lohnt der Spass den Aufwand nicht.

von Vn N. (wefwef_s)


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Sni Ti schrieb:
> Und Firmen wie HTC,
> ZTE usw gab es vorher schon, die haben nur früher nicht ihren Namen fett
> auf das Handy gedruckt. Wenn du aber bei den ganzen Handys die es
> günstig zur Simkarte dazu gab auf die Platine oder den Akku schaust,
> entdeckte man dann doch, das Vodafone die nicht selber baut ;-)

Klar, aber großgeworden sind sie erst mit Android.

A. K. schrieb:
> Erst wenn du gross bist und Milliardensummen als Kompensation drohen.
> Sonst lohnt der Spass den Aufwand nicht.

Stichwort Eipott oder Café Apfelkind.

von (prx) A. K. (prx)


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vn nn schrieb:
> Stichwort Eipott oder Café Apfelkind.

Marken- und Designschutz hat nichts mit Patentrecht zu tun.

von Vn N. (wefwef_s)


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Ach ne? Trotzdem vertragen sich Klagen gegen deutsche Kleinunternehmen 
eher weniger mit der Behauptung, man wäre erst von Klagen bedroht, wenn 
Milliardensummen rausschauen.

von (prx) A. K. (prx)


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vn nn schrieb:
> Ach ne? Trotzdem vertragen sich Klagen gegen deutsche Kleinunternehmen
> eher weniger mit der Behauptung, man wäre erst von Klagen bedroht, wenn
> Milliardensummen rausschauen.

Meine Aussage bezog sich aus dem Kontext heraus auf Patente.

Wenn man Patentverletzungen sofort ahndet, dann kriegt man anfangs etwas 
Mäuse für die wenige verkauften Exemplare, bis der betreffende 
Hersteller die patentierten Sachen umgestellt hat. Danach kriegt man 
nichts mehr.

Wenn man jedoch wartet, bis sich das Produkt jahrelang massenhaft 
verkauft hat, dann winken viele viele Mäuse für die verkauften 
Exemplare.

Folge: Bei Patentverletzungen sollte man warten, bis es sich wirklich 
lohnt. Davor ist der Prozess meist teurer als dessen Ertrag. 
Patentverletzungen durch Andere haben i.d.R. auch keinen Einfluss auf 
den Ruf einer Firma, man hat also Zeit.

Bei Markenverletzungen hingegen meine ich mich zu erinnern, dass man bei 
Kenntnisnahme prompt reagieren muss, um den Anspruch zu wahren. Mögliche 
Markenverletzungen sind gewöhnlich auch leichter identifizierbar als 
Patentverletzungen, so dass die Argumentation "erst jetzt erfahren" 
nicht zieht.

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