Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Embedded Linux - Lizenzverletzung?


von Gerhard (Gast)


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Mal eine Frage.

Ich habe ein Gerät für eine solide vierstellige Summe gekauft, welches 
Daten misst und auf einem Farbdisplay anzeigt. Es basiert ganz 
offensichtlich auf einem Embedded Linux.

Woran ich das sehe? Beim Startup erscheint am Anfang ein U-Boot-Symbol 
(Bootloader uboot?), dann ein Pinguin-Symbol und schließlich weitere 
Symbole, bis schließlich die Applikation startet. Im gedruckten Handbuch 
und im Produktflyer wird an veschiedenen Stellen darauf hingewiesen, 
dass das Gerät auf dem Betriebssystem LINUX basiert.

Allerdings: Es war keinerlei Software auf Datenträgern im Lieferumfang. 
Es gibt keinerlei Lizenzhinweise in den gedruckten Handbüchern. Auf der 
Homepage des Herstellers findet man ebenfalls nur Firmware-Updates und 
ein PDF des gedruckten Handbuches. Nirgendwo findet man einen Hinweis 
auf GPL-Software im Gerät. Im Gegenteil, auf dem Startbildschirm steht 
dick und fett "Copyright 2007-2014 <Gerätehersteller>".

Meiner Meinung ist das eindeutig gegen die Lizenzbestimmungen vom 
Linux-Kernel, von uboot und zahlreicher weiterer OS Software, die sich 
sehr wahrscheinlich auf diesem Gerät befindet.

Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen? Mich ärgert eine solche 
Einstellung gegenüber der OS-Community maßlos.

von Grendel (Gast)


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>  Meiner Meinung ist das eindeutig gegen die Lizenzbestimmungen


Jup, kannst ja mal die hier fragen:
http://gpl-violations.org/faq/violation-faq.html

Da mal die Mailinglisten (archive) checken...

von Strubi (Gast)


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Nenne doch hier einfach mal den Namen des Herstellers. Allerdings ist 
das "daily business", dass die GPL-Verpflichtungen am laufenden Band von 
so einigen Herstellern ignoriert werden (ich könnte da so einige nennen, 
und nicht nur aus Fernost).

von Georg A. (georga)


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Frag halt einfach mal die Firma nach den Sourcen. Meistens haben die 
einfach nur keine Zeit, für NULL Nachfrage (eigene Erfahrung im 
Embedded-Bereich...) ein Build-Paket zusammenzubasteln. Absichtlich 
"bösartig" ist das Verhalten eher selten.

von Christian B. (casandro)


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Vermutlich kriegst Du das einfach wenn Du nachfragst. Oder es ist 
irgendwo versteckt auf der Homepage. Dass die da keine Festplatte mit 
dem Quellcode mitliefern ist irgendwie verständlich.

von F. F. (foldi)


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Apple und Samsung (wie auch alle anderen Firmen) hauen sich für 
Kleinigkeiten vor Gericht und ihr findet es nicht schlimm, wenn sich 
Firmen dann freie Software zu, ja man muss schon sagen zu eigene 
Software machen?
Unglaublich!
Wie sehe wohl unsere Welt aus ohne die ganzen Ehrenämter und die, die 
das machen?
So was ist ein Schlag ins Gesicht dieser Leute.

von F. F. (foldi)


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Kleiner Nachtrag noch:

Von dieser "soliden vierstelligen Summe" könnte diese Firma auch dann 
noch die Gemeinde der vielen Freiwilligen etwas unterstützen.

von Stefan (Gast)


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Du weißt nicht, was die Firma für Lizensvereinbarungen hat. Wenn sie 
Geld in die Hand genommen haben, dann kann es schon sein, dass sie keine 
Sourcen rausgeben müssen.
Der Linux-Kern wird sicher ein 2er sein, der nicht unter der GPL3 steht.
Freie Software ist schön und gut, aber sie ist meistens nur für 
Privatleute "frei" und Firmen dürfen zahlen.
Davon abgesehen gibt es auch genug Firmen, die die Opensource Projecte 
proffesionel unterstützen. Siehe Eclipse.

von Bronnoysund (Gast)


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Gerhard schrieb:
> Meiner Meinung ist das eindeutig gegen die Lizenzbestimmungen vom
> Linux-Kernel, von uboot und zahlreicher weiterer OS Software, die sich
> sehr wahrscheinlich auf diesem Gerät befindet.

Das kommt darauf an: wenn U-Boot/Linux komplett unverändert eingesetzt 
werden und sie nur ihre eigene Software innerhalb dieses Systems 
starten, dann ist alles OK, da diese Sourcen ja bereits an anderer 
Stelle öffentlich sind.

Lediglich im Fall von eigenen Modifikationen an U-Boot oder den 
(Kernel)Sourcen ist die Firma zu einer separaten Veröffentlichung 
mindestens dieser Modifikationen verpflichtet.

von F. F. (foldi)


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Wollen wir mal wetten?

von Rolf Magnus (Gast)


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Gerhard schrieb:
> Allerdings: Es war keinerlei Software auf Datenträgern im Lieferumfang.

Ist ja laut GPL auch nicht erfoderlich.

> Es gibt keinerlei Lizenzhinweise in den gedruckten Handbüchern.

Ein Lizenzhinweis inklusive einer Kopie des GPL-Textes ist allerdings 
ist Pflicht. Der muß aber nicht zwingend im Handbuch sein. Ist 
vielleicht in irgendeinem Hilfe- oder Info-Menü des Geräts ein solcher 
Hinweis vorhanden? Bei meinem Garmin-Navi ist das z.B. so gelöst.

Stefan schrieb:
> Du weißt nicht, was die Firma für Lizensvereinbarungen hat. Wenn sie
> Geld in die Hand genommen haben, dann kann es schon sein, dass sie keine
> Sourcen rausgeben müssen.

Beim Linux-Kernel? Wohl eher nicht.

> Der Linux-Kern wird sicher ein 2er sein, der nicht unter der GPL3 steht.

Dafür unter GPL2. Auch in der steht nirgends, daß man mit genug Geld die 
Lizenzbestimmungen außer Kraft setzen kann.

> Freie Software ist schön und gut, aber sie ist meistens nur für
> Privatleute "frei" und Firmen dürfen zahlen.

Dann ist es keine freie Software. Beim Linux-Kernel gibt's auch keine 
solche Regelung.
Es gibt ein paar Projekte, die unter zwei Lizenzen verfügbar sind, eine 
freie, die jeder (auch Firmen) nutzen darf, die aber bei 
Veröffentlichung zur Herausgabe der Sourcen zwingt, und eine 
"kommerzielle", die auch Closed-Source ermöglicht, aber Geld kostet.

> Davon abgesehen gibt es auch genug Firmen, die die Opensource Projecte
> proffesionel unterstützen. Siehe Eclipse.

Und deswegen dürfen andere Firmen die Lizenzbestimmungen ignorieren? 
Oder was willst du damit sagen?

Bronnoysund schrieb:
> Das kommt darauf an: wenn U-Boot/Linux komplett unverändert eingesetzt
> werden und sie nur ihre eigene Software innerhalb dieses Systems
> starten, dann ist alles OK, da diese Sourcen ja bereits an anderer
> Stelle öffentlich sind.

Dennoch muß irgendwo ein Hinweis stehen, welche GPL-Software enthalten 
ist, inklusive Lizenztext.

> Lediglich im Fall von eigenen Modifikationen an U-Boot oder den
> (Kernel)Sourcen ist die Firma zu einer separaten Veröffentlichung
> mindestens dieser Modifikationen verpflichtet.

Allerdings auch nicht zwingend als Beilage des Geräts. Die Sourcen auf 
Nachfrage zu versenden reicht. Es muß aber auch dann beim Gerät irgendwo 
ein schriftlicher Hinweis darauf vorhanden sein.

von Gerhard (Gast)


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Ein Hinweis in Schriftform lag nicht bei, wobei ich unter Schriftform 
"gedruckte Buchstaben auf Papier" verstehe.

Ich werde nochmal schauen, ob irgendwo tief in den Menüs oder Infoseiten 
der Firmware etwas versteckt ist.

Anpassungen am Kernel wurden mit an Sicherheit grenzender 
Wahrscheinlichkeit vorgenommen. Nach meinem Verständnis der GPL gehört 
die .config des Kernel zu den Dingen, die mit herausgegeben werden 
müssen.

von Rolf Magnus (Gast)


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Gerhard schrieb:
> Ein Hinweis in Schriftform lag nicht bei, wobei ich unter Schriftform
> "gedruckte Buchstaben auf Papier" verstehe.

Warum? Wenn du eine Linux-Distro runterlädst, erwartest du ja auch 
nicht, daß dir daraufhin der Betreiber des Servers einen Brief mit der 
GPL schickt, oder? Das liegt den Softwarepaketen halt als Textfile bei 
und/oder wird in irgendwelchen About-Dialogen oder so angezeigt.

von Gerhard (Gast)


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In keinem Menü oder Infobildschirm wird eine entsprechende Information 
angezeigt. Ich werde den Hersteller kontaktieren und nach den 
Quelltexten fragen. Mal sehen, was passiert.

von Kein Name (Gast)


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Wenn du die Leute wirklich zurück ärgern willst - Anfragen an die Firma 
bringen nichts. Da musst du wie Richard Stallman reagieren: mit einem 
offenen Konkurrenzprodukt der Firma das Wasser abgraben.

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