Gast
#3681874
Ich würde gern anhand von gut verständlichen Beispielen möglichst trollfrei eine Diskussion über Risiken, Wahrscheinlichkeiten und deren Betrachtung und Handhabung führen. Stichworte wie Flugzeugabstürze, medizinische Notfälle, Blitzschlag, Kernfusion oder Verkehrstote - es gibt viele Bereiche bis hin zum irgendwo in Asien gefertigtem Springseil. Ein Beispiel und eine kurze Erläuterung aus meiner Erfahrung: Zu meiner Zeit als Berater durfte ich zuerst ein firmeneigenes Museum besuchen. Wir waren zu zweit, eine Kollegin von mir war mit dabei – sie schickten immer Teams Man_frau – angeblich wäre das effizienter. Der Museumsdirektor führte uns durch die multimediale Show und es fiel auf das er betrunken war. Naja, ich dachte so, wenn ich jeden Tag Leute durch so ein quasi vollautomatisches Museum führen müsste, würde ich das auch nicht nüchtern machen. Gleich am Anfang ging es um Vertrauen, das war die Firmenphilosophie. Wir standen in einer mässig beleuchteten Loge und vor uns, über einer Liege schwebte ein Stein oder besser gesagt ein Felsbrocken vor uns in Augenhöhe der an einem etwa 1 cm Stahlseil aufgehängt war. Das Seil verschwand in der Decke, man konnte nicht sehen wie es befestigt war. Der betrunkene Museumsdirektor im schwarzen Anzug forderte mich auf mich unter den Stein auf die Liege zu legen. „Es geht um Vertrauen“. Das stand auch in Leuchtschrift an der Wand in einer nüchternen Schriftart. Ich sagte ohne Nachzudenken: „Ich bin Ingenieur, ich leg mich da nicht drunter“ Der Museumsdirektor: „Die Seile werden regelmässig vom TÜV geprüft“ Ich: „Und was ist mit der Aufhängung und wissen Sie was Mikrokorrosion ist – wie prüft der TÜV das denn; hängen die noch einen zweiten Stein dran und wenn es hält ist es für ein Jahr ok? Oder es wurde kritisch überbelastet und fällt am nächsten Tag ab?“ Naja, ich wollte nicht, so legte sich meine Kollegin unter den Stein, der dann doch nicht herunter fiel. Nun die Analyse: Der Stein wog eine Tonne und das Seil ca. 1 cm (ihr könnt es ja mal durchrechen) war damit etwa doppelt bis dreifach überdimensioniert. Wie will man das Seil testen – röntgen vielleicht. Und die Verbindung mit dem Stein? Die obere Aufhängung ist dabei noch das einfachste. Man hat Temperaturschwankungen die zu Materialalterung führen und in den Stahl diffundierenden Sauerstoff der diesen auch oxidiert und damit schwächt. Wenn man dann noch weiter denkt, ist es selbst bei einer kleinen Wahrscheinlichkeit nicht sinnvoll sich einem unnötigem Risiko auszusetzen. Einfach gesagt: Gäbe es in jeder Stadt in jedem Supermarkt so einen Aufbau und jeden Tag würden sich Millionen Leute unter diese Steine legen, würde irgendwann einer von dem Stein erschlagen werden – das kann man empirisch mit vergleichbaren Risiken zeigen. Eine Absurdität z.B. ist die Tatsache das viele Menschen Lotto spielen die sich aber um viel wahrscheinlichere Ereignisse die sie beeinflussen können, keine Gedanken machen. Soviel zum Einstieg. Feuer frei Jim