Ich möchte gerne drei Geräte mit einer Leistung von jeweils ca. 500W
hinter einem einem bestehenden B16-LS nochmal separat absichern.
Der Defekt (Kurzschluss) eines Gerätes soll nicht die Funktion der
anderen beeinflussen.
Wie sieht es mit der Selektivität aus, wenn ich jetzt drei LS 4A mit
Z-Kennlinie hinter den einen B16 schalte?
Löst beim Kurzschluss nur der erste (Z4) aus oder dann beide (auch der
nachgeschaltete B16)?
Ich kann (darf) leider an der Stromversorgung (mit dem B16-LS) nichts
verändern. Die Zuleitung zum Schaltschrank (mit den Z4-LS) ist 3G2,5 und
ca. 8m lang.
Der Praktiker rechnet bei B und Z Charakteristik mit Faktor 3 für den
Kurzschlussstrom.
B 16-> 48A
Z 4 ->12A
Also alles im grünen Bereich
Elektrikergeselle
In der Praxis muss man bei einen echten Kurzschluss dennoch damit
rechnen das beide Automaten auslösen da die Verzögerungszeit vom
Auslösen bis zum vollständigen Trennen der Z 4 Automaten durchaus
ausreichend sein kann die B 16 auszulösen.
Bei einer Überlastung, durch einen Einschaltstrom z.B., ist die Aussage
vom Elektrikergesellen allerdings richtig.
Elektroniker
Ich habe vom Keller jedes Stockwerk mit 3xC32A abgesichert(weniger als
Absicherung wollte nur noch mal extra Schaltmöglichkeit) wenn irgendwo
ne B16 o. C16 fällt fällt der C32 im Keller ebenfalls die Hauptsicherung
E32A vor dem Zähler hält hingegen. Bin da bei Hager noch nicht findig
geworden, ein 3poliger Schalter würde es bei mir auch tun.
walTTer schrieb:> Der Praktiker rechnet bei B und Z Charakteristik mit Faktor 3 für den> Kurzschlussstrom.> B 16-> 48A> Z 4 ->12A>> Also alles im grünen Bereich
Es gibt keinen Faktor für Selektivität bei normalen
Leitungsschutzschaltern. Es gibt den Faktor 1,6 bei den Neozed und
_Diazed Schmelzsicherungen, und es gibt die Nachbildung dieser
Sicherungsart als selektiven Hauptschalter der verzögert auslöst(E32A).
Zuverlässig funktioniert walters Methode nur, wenn der
Leitungswiderstand unzulässig hoch ist. Bei 8 Meter 2,5mm² ist das eher
nicht der Fall. Wenn die Automaten richtig funktionieren lösen sie bei
Kurzschluss beide aus. Die Energie reicht auch bei Produktstreuung aus,
da noch Energie durch den Lichtbogen fließt, während ein Automat
eigentlich schon am abschalten ist.
Die richtige Lösung ist einzig eine passende Feinsicherung oder eine
andere für deinen Zweck geeignete Absicherung. Nochmal zum mitschreiben:
Selektivität bei normalen LS gibt es nicht, das machen die Neozed und
Diazed-Sicherungen.
P.S. Ich lasse mich natürlich gerne widerlegen, dann aber bitte mit
Fakten die ich nachlesen kann.
Kannst du lesen im VDE-Band 143 "Schutz bei Überlast u. Kurzschluss in
elektrischen Anlagen".
Seite 118: "Auch die Auslösewerte von Leitungsschutzschaltern liegen -
wie die der Schmelzsicherungen - innerhalb eines Toleranzbandes. Die
vordere Kennlinie des Toleranzbandes wird als Haltekennlinie (Haltewert,
Halte-strom), die hintere als Auslösekennlinie (Auslösewert,
Auslösestrom) bezeichnet."
Selektivität kann doch auch innerhalb derseben Charakteristik erreicht,
indem der übernächst kleinere Wert gewählt wird.
Z-Charakteristik 2..3 I_nenn
B-Charakteristik 3..5 I_nenn.
Das Problem ist, das ein Leitungsschutzschalter eine kleine Zeit für den
Abschaltvorgang benötigt. Selbst wenn der magnetische Schnellauslöser
bereits die Schwelle zum Abschalten erreicht hat, kann bis zur
Unterbrechung der Strom noch weiter ansteigen. Wie hoch ist von der
Schleifenimpedanz, ohmsch wie induktiv, abhängig. Dabei kann durchaus
die Abschaltschwelle des vorgeschalteten Leitungsschutzschalters
überschritten werden.
Ein selektiver Leitungsschutzschalter löst dieses Problem durch ein
Verzögerungsglied im Schnellauslöser. Erst wenn der Überstrom eine
gewisse Dauer überschreitet, wird abgeschaltet.
Wolf schrieb:> Selektivität kann doch auch innerhalb derseben Charakteristik erreicht,> indem der übernächste kleinere Wert gewählt wird.> Z-Charakteristik 2..3 I_nenn> B-Charakteristik 3..5 I_nenn.
Das steht so aber nicht in der VDE, oder ich kanns zumindest nicht
glauben, dass etwas derartig falsches da steht. Ich besitze leider kein
Exemplar der VDE.
Es kommt immer darauf an, wo du Selektivität erreichen willst. Was du da
versuchst ist Selektivität im Überstrom-Fall. Das funktioniert auch
wunderbar. Nur der Kurzschluss-Fall spielt sich in einem ganz anderen
Bereich ab. In der Praxis wird da mit Verzögerung-Gliedern gearbeitet.
Alternativ gibts noch die guten alten NeoZET und DiaZET, damit geht so
etwas auch.
Auszug aus "Grundlagen Leistungsschalter" von Klöckner Möller. Gibts als
PDF download.
>Den Kurzschlussschutz übernehmen die unverzögerten elektromagnetischen>Auslöser. Für Selektivitätsaufgaben zum nachgeschalteten>Kurzschlussschutzorganen sind Leistungsschalter mit kurzverzögerten Über->stromauslösern vorzusehen.
Ich hab dir zum Verständnis in ein Bildchen reingemalt, wo der
Kurzschlussstrom anschlägt, vielleicht wird dir dann das Problem klarer.
Da wir als Letzt Sicherung schon einen B16 Automaten haben, und dieser
auch nicht verändert werden darf, kann mit kleineren Automaten keine
Selektivität im Kurzschluss-Fall hergestellt werden. Mit einer
Feinsicherung müsste das gehen, ich habe dafür die Berechnungsgrundlagen
nicht parat. Flink sollte sie sein, und etwas über 2,4 Ampere machen
Sinn.
Etwas zu meiner Entlastung.
Aus dem VDE-Band 45 "Elektroinstallation in Wohngebäuden":
"Selektivität zwischen zwei LS ist für den Kurzschlussfall sehr begrenzt
erreichbar.
Die magnetische Schnellauslösung des jeweiligen Schalters wirkt ab einem
vorgegebenen Vielfachen des Nennstroms. Aus diesem Grund besteht nur
Selektivität bis zu einer Höhe des Kurzschlussstroms unterhalb des
Ansprechwerts des Elektromagnetauslösers des vorgeschalteten LS."
Kein passendes Beispiel des Autors Schmolke.
"Beispiel: Ein LS-Schalter Typ B mit einem Nennstrom von 16A ist mit
einem LS-Schalter Typ B mit einem Nennstrom von 25A in Reihe geschaltet.
Zwischen diesen Schaltern herrscht Selektivität bis zu einer Höhe des
Kurzschlussstroms von 5 x 25A = 125A.
Bei Kurzschlussströmen über 125A werden mit hoher Wahrscheinlichkeit
beide auslösen."
"Genau genommen liegt die Selektivitätsgrenze je nach Schaltertyp,
Hersteller und Nennstrom noch um etwa 50% bis 100% höher. Die
LS-Schalter aus dem Beispiel werden wahrscheinlich eine
Selektivitätsgrenze von etwa 190A bis 250A aufweisen, wenn sie vom
selben Hersteller gefertigt wurden. Dies liegt daran, dass der Schalter
mit dem kleineren Nennstrom den Strom etwas früher als Kurzschlussstrom
registriert und deshalb etwas früher abzuschalten beginnt. Dadurch
verändert er den Verlauf des Kurzschlussstroms. Dieser Verlauf fällt für
den Schalter mit dem höheren Nennstrom etwas flacher aus. Dadurch wird
die Selektivitätsgrenze zusätzlich ein wenig angehoben."
Ob der Autor das auch mal praktisch ausprobiert hat?
Auf eine Mischung der LS-Schalter-Typen geht er gar nicht ein.
Elektriker haben von Selektivität soviel Ahnung wie von
Summenstrom-wandlern. --> Irgendwo was gelesen, irgendwo eine VDE
aufgeschnappt, alles einmal durch den Wolf gedreht und nun hat man einen
Elektriker mit Fachwissen. Hab ich oft genug erlebt, sogar bei
Fachschul-Lehrern.
Ich kann dich nur nochmal auf das Bildchen hinweisen. Links vom roten
Kringel gibt es begrenzte Selektivität, die bezieht sich aber nur auf
das Überstrom-Verhalten. Bei Kurzschluss ist das einfach Falsch--> siehe
roter Kringel.