Forum: Offtopic Opensource - Ausnutzung von Nerds?


von Os (Gast)


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Opensource - Ausnutzung von Nerds?

Opensource wird massenhaft verwendet, aber nur ein geringer Teil der 
Arbeit wird bezahlt.

Analogie:
Ich konstruiere ein Kleinflugzeug.
Die Pläne gebe ich gerne kostenlos an andere Hobbyisten weiter, meldet 
sich aber eine Firma, erwarte ich eine Bezahlung.

Wie seht ihr das?

von wurstsemmel (Gast)


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Os schrieb:
> Wie seht ihr das?

99% meiner Erfahrungen sind:

Opensource ist kostenlos, Management geilt sich daran auf das es nicht 
kostet und nacher in den Wartung wird es extrem teuer bis unbezahlbar, 
da Experten beauftrgt werden müssen da es Inhouse nicht genügend 
Kompetenz gibt. Im speziellen beim Linux Kernel, wo aufgrund der 
Entwicklungsparadigmik niemals aktuelle, hochwertige und konsistente 
Dokumentation zur Verfügung steht.

Bei teuren, Properitären Produkten wie z.B. Keil bekommt man überwiegend 
erstklassigen Support - der ist zwar nicht kostenlos, aber in der 
wirtschaftlichen Betrachtung sicher günstig.

von Nerd (Gast)


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Du denkst schon wieder in Dollars.

Genau das will man bei vielen Projekten nicht. Arbeite selbst mit 3-10 
anderen an einem Projekt.

Ist wie der Trainer der Jugendmannschaft oder die Mutter die einen 14h 
Arbeitstag hat.

von Antimedial (Gast)


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Da liegst du wohl falsch. Natürlich gibt es ein paar Privatprojekte, 
davon bleiben aber 99% im Bastelstadium stecken. Die 
Open-Source-Projekte, die von Millionen genutzt werden, werden durch 
Firmen vorangetrieben. Entweder weil das deren Geschäftsmodell ist oder 
weil sie selbst intensive Nutzer der Software sind. Google, Facebook und 
Co. haben große Teile ihrer Software zu Open Source gemacht (natürlich 
nicht den entscheidenden Softwarekern). In den Firmen sitzen tausende 
bezahlte Entwickler, die Open Source entwickeln. Auch ein Linus Torvalds 
ist schon lange in einem Beschäftigungsverhältnis (bei mehreren Firmen), 
obwohl er hauptsächlich immer noch den Kernel pflegt.

von Os (Gast)


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>Jugendmannschaft

Hobbyisten dürfen meine Arbeit gerne kostenlos nutzen, aber wieso sollte 
ich Firmen dies ebenfalls ohne Bezahlung gewähren?

von Antimedial (Gast)


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Os schrieb:
> Hobbyisten dürfen meine Arbeit gerne kostenlos nutzen, aber wieso sollte
> ich Firmen dies ebenfalls ohne Bezahlung gewähren?

Hindert dich denn jemand, deine Werke unter eine entsprechende Lizenz zu 
stellen?

von Fuzz (Gast)


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> Hobbyisten dürfen meine Arbeit gerne kostenlos nutzen, aber wieso sollte
> ich Firmen dies ebenfalls ohne Bezahlung gewähren?

Nimm eine entsprechende Lizenz: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons

von Hank P. (hp67)


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Fuzz schrieb:
>> Hobbyisten dürfen meine Arbeit gerne kostenlos nutzen, aber wieso sollte
>> ich Firmen dies ebenfalls ohne Bezahlung gewähren?

Weil dir Firma vermutlich Verbesserungen und Anpassungen daran vornimmt, 
und sie (bei Wahl der passenden Lizenz) dann der Allgemeinheit wieder 
zur Verfügung stellen muß. Win-win.

>
> Nimm eine entsprechende Lizenz:
> http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons

CC für Software ist generell keine gute Idee.

von Andreas S. (Firma: Schweigstill IT) (schweigstill) Benutzerseite


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Os schrieb:
> Hobbyisten dürfen meine Arbeit gerne kostenlos nutzen, aber wieso sollte
> ich Firmen dies ebenfalls ohne Bezahlung gewähren?

Dann wähle eine geeignete Lizenz dafür aus. Wenn Du jedoch bei Deiner 
eigenen Arbeit schon auf andere Open-Source-Projekte aufsetzt, muss 
diese neue Lizenz kompatibel zu der Lizenz des Urpsrungsprojektes sein. 
Es wäre z.B. bei der GPL nicht zulässig, eigene abgeleitete Projekte 
kostenpflichtig zu machen.

Es ist auch durchaus zulässig, ein eigenes Projekt unter mehreren 
zueinander inkompatiblen Lizenzen zu veröffentlichen. Eines der 
bekanntesten Produkte, welches (bis Version 4.4) unter solch einer 
Mehrfachlizenz angeboten wurde, ist QT. Ohne Linux, die GPL-Version und 
KDE hätte niemand QT gekannt. Wem jedoch die GPL zu restriktiv war, 
konnte eben auch gegen Einwurf großer Scheine QT mit proprietärer (und 
ggf. sogar zwischen Kunde und Trolltech/Nokia/Digia individuell 
ausgehandelter) Lizenz erwerben.

Jedoch gibt es auch viele Lizenzformen, die keine so restriktiven 
Bedingungen wie die GPL enthalten, z.B. die BSD-Lizenz in etlichen 
Versionen und Varianten.

von Os (Gast)


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>Da liegst du wohl falsch.

Der Vergleich zwischen der Anzahl der bezahlten und der unbezahlten 
Stunden wäre sehr interessant.

Beispiele:
7zip, VLC, ...

von Karl Käfer (Gast)


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wurstsemmel schrieb:
> Os schrieb:
>> Wie seht ihr das?
>
> 99% meiner Erfahrungen sind:
>
> Opensource ist kostenlos, Management geilt sich daran auf das es nicht
> kostet und nacher in den Wartung wird es extrem teuer bis unbezahlbar,
> da Experten beauftrgt werden müssen da es Inhouse nicht genügend
> Kompetenz gibt.

Tja, das ist dann wohl eigene Blödheit. Das Argument für OpenSource ist 
nicht der Preis. Wer das nicht verstanden hat, muß es eben lernen.

> Im speziellen beim Linux Kernel, wo aufgrund der
> Entwicklungsparadigmik niemals aktuelle, hochwertige und konsistente
> Dokumentation zur Verfügung steht.

Was willst Du denn für den Kernel entwickeln, daß Dir die vorhandene 
Dokumentation (auf einem gut gepflegten System unter 
/usr/src/linux/Documentation zu finden) und der tatsächliche aktuelle 
Sourcecode des Kernels immer noch nicht genügen? Vor allem der aktuelle 
Sourcecode ist doch die allerbeste Dokumentation, die man sich nur 
vorstellen kann. Ach ja: der Linux-Kernelcode ist ziemlich sauber 
gecodet und sehr umfangreich dokumentiert, wie sich das gehört. Und 
extra für Anfänger wie Dich gibt es die wunderbare Webseite 
http://kernelnewbies.org/ -- da findest Du alles an Dokumentation, das 
Du Dir in Deinen allerkühnsten Träumen vorstellen kannst, und noch einen 
riesigen Haufen mehr. Wo fehlt's denn noch, hm?

> Bei teuren, Properitären Produkten wie z.B. Keil bekommt man überwiegend
> erstklassigen Support - der ist zwar nicht kostenlos, aber in der
> wirtschaftlichen Betrachtung sicher günstig.

Ich kenne den Support von Keil nicht, aber ist das nicht nur ein 
popeliger Compiler für einige wenige Prozessorarchitekturen? Dann 
solltest Du das Ding lieber nicht mit einem Betriebssystem, sondern mit 
einem OpenSource-Compiler vergleichen, sonst, Du weißt schon, passiert 
Dir diese blöde Sache mit den Äpfelchen und den Birnchen. Und wenn ich 
mal die öffentlich verfügbare Dokumentation von diesem Keil-Gedöns mit 
dem vergleiche, was über den GCC zu finden ist, hat Keil so dermaßen 
haushoch verloren, daß es der beste Support nicht 'rausreißen kann. ;-)

Liebe Grüße,
Karl

von Karl Käfer (Gast)


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Hallo Andreas,

Andreas Schweigstill schrieb:
> Dann wähle eine geeignete Lizenz dafür aus. Wenn Du jedoch bei Deiner
> eigenen Arbeit schon auf andere Open-Source-Projekte aufsetzt, muss
> diese neue Lizenz kompatibel zu der Lizenz des Urpsrungsprojektes sein.
> Es wäre z.B. bei der GPL nicht zulässig, eigene abgeleitete Projekte
> kostenpflichtig zu machen.

Aber natürlich ist das zulässig, lies doch einfach mal die GPL-FAQ. Dort 
steht:

"Does the GPL allow me to sell copies of the program for money? 
(#DoesTheGPLAllowMoney)

    Yes, the GPL allows everyone to do this. The right to sell copies is 
part of the definition of free software. Except in one special 
situation, there is no limit on what price you can charge. (The one 
exception is the required written offer to provide source code that must 
accompany binary-only release.)" 
(http://www.gnu.org/licenses/gpl-faq.html#DoesTheGPLAllowMoney)

Liebe Grüße,
Karl

von Dussel (Gast)


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Karl Käfer schrieb:
> Tja, das ist dann wohl eigene Blödheit.
Karl Käfer schrieb:
> aber ist das nicht nur ein
> popeliger Compiler
Karl Käfer schrieb:
> von diesem Keil-Gedöns

Es ist immer wieder, ich kann mich nicht entscheiden, lustig oder 
nervig, wie irrational und aggressiv manche Open-Source-Leute werden, 
wenn man ihrem Glauben nicht folgen will :D  >:-(

von Antimedial (Gast)


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Ausbeutung schrieb im Beitrag #3711833:
> Die Firmen machen Profit mit der Arbeit der Beteiligten.
> => Ausbeutung

Die Firmen machen auch Profit mit der Arbeit ihrer Arbeitnehmer.

Ausbeutung schrieb im Beitrag #3711833:
> verglichen mit der gesamten
> Entwicklungsleistung ist dies aber der kleinere Teil.

Wohl kaum. Wenn man sich ernsthafte Projekte anschaut, steckt quasi 
immer eine Firma dahinter. 7zip sind Miniprojekte in Vergleich zu Apache 
und Eclipse. Und da kann man sich ja mal anschauen, wie viele Firmen 
hinter diesen Projekten stecken.

von Octet (Gast)


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Freie Software ist eine Infrastruktur, wie es zum Beispiel öffentliche 
Straßen sind. Und so eine Infrastruktur gehört dir und mir. Es gibt 
Menschen die Straßen nur nutzen und es gibt andere die es verbessern und 
...
Es gibt natürlich private Straßen, die sind viel besser und sicherer und 
günstiger, breiter, heller und es regnet dort nie.

von Bernd W. (berndwiebus) Benutzerseite


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Hallo Os.

Os schrieb:
> Opensource - Ausnutzung von Nerds?

Der Opensource produzierende Nerd gibt die Ergebnisse seiner Arbeit ja 
freiwillig kostenlos weiter. Er wird ja nicht dazu gezwungen.

> Wie seht ihr das?

Das man kein Geld für seine Arbeit verlangt, gibt einem eine große 
Freiheit: Ich kann mir etwas so Designen, wie ich es gerne hätte, ohne 
Rücksicht auf etwaige Kunden nehmen zu müssen.

Ohne  opsensource produzierende Nerds gäbe es nur noch Mainstream....für 
mich eine Alptraumvorstellung.
Insofern füllt Opensource sogar eine deutliche Marktlücke....viel der 
Opensource wird aus Spass geschrieben und weil sich jemand über 
kommerzielle Software geärgert hat, und einen anderen Ansatz probieren 
möchte, der wegen seiner niedrigen Gewinnaussicht kommerziell keine 
Chance hätte.

Und manchmal finden die Ergebnisses sogar Stinos gut. Dann entwickelt 
sich auch der Mainstream weiter.   ;O)

> Wie seht ihr das?

Und wie sihst DU das selber? Du wirst diese Frage kaum gestellt haben, 
ohne dir nicht auch ein paar Gedanken dazu gemacht haben.


Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de

von Karl Käfer (Gast)


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Hallo,

Ausbeutung schrieb im Beitrag #3711833:
> Die Firmen machen Profit mit der Arbeit der Beteiligten.
> => Ausbeutung

Unfug. Ausbeutung wäre nach marxistischen Theorien die Aneignung fremder 
Arbeit. Aber das findet im OpenSource-Umfeld ja gerade nicht statt, denn 
dort geben die Beteiligten ihre Arbeit und die Verwertungsrechte daran 
ja ganz explizit freiwillig und willentlich auf. Daher steht die Arbeit 
unter gewissen Bedingungen im öffentlichen Raum zur gefälligen 
Bedienung, und wer sie nutzen will, der kann und soll das tun.

Mit Ausbeutung hat das überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil nutzen 
da Privatleute und Unternehmen etwas, das von seinen Schöpfern zu genau 
diesem Zwecke erdacht, entwickelt, und freigegeben worden ist.

Das alles ist eigentlich ziemlich leicht zu verstehen, außer für soziale 
Autisten, die geradezu zwanghaft auf alles einen Preis kleben müssen und 
niemals auf die Idee kämen, andern zu helfen. Aber über solche einsamen 
Menschen sollte man sich nicht ärgern, sondern Mitleid haben.

Liebe Grüße,
Karl

von Andreas S. (Firma: Schweigstill IT) (schweigstill) Benutzerseite


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Andreas Schweigstill schrieb:
> Es wäre z.B. bei der GPL nicht zulässig, eigene abgeleitete Projekte
> kostenpflichtig zu machen.

Karl Käfer schrieb:
> Aber natürlich ist das zulässig, lies doch einfach mal die GPL-FAQ.

Nein, das ist es nicht, lies doch einfach mal die GPL-FAQ.

Ich habe NICHT geschrieben, dass es verboten wäre, GPL-Software zu 
verkaufen. Darauf geht aber die von Dir aufgeführte Passage der GPL-FAQ 
ein.

Wenn Du weitergelesen hättest, wärst Du nämlich auf die relevanten 
Fragen und zugehörigen Antworten gestoßen:

"Does the GPL allow me to require that anyone who receives the software 
must pay me a fee and/or notify me? (#DoesTheGPLAllowRequireFee)

No. In fact, a requirement like that would make the program non-free. If 
people have to pay when they get a copy of a program, or if they have to 
notify anyone in particular, then the program is not free. See the 
definition of free software.

The GPL is a free software license, and therefore it permits people to 
use and even redistribute the software without being required to pay 
anyone a fee for doing so."

Auch aus den späteren Ausführungen folgt ganz klar, dass die 
Kosten*pflichtigkeit* nicht zulässig ist. Jeder, der GPL-basierte 
Software erhält, darf diese munter weiterverbreiten, wobei es ihm 
freigestellt ist, dafür Geld zu verlangen oder auch nicht. Er darf aber 
keinem Dritten, auch nicht den Empfängern der Software, Auflagen machen.

von Schiller72 (Gast)


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Karl Käfer schrieb:
> Ich kenne den Support von Keil nicht, aber ist das nicht nur ein
> popeliger Compiler für einige wenige Prozessorarchitekturen? Dann
> solltest Du das Ding lieber nicht mit einem Betriebssystem, sondern mit
> einem OpenSource-Compiler vergleichen, sonst, Du weißt schon, passiert
> Dir diese blöde Sache mit den Äpfelchen und den Birnchen. Und wenn ich
> mal die öffentlich verfügbare Dokumentation von diesem Keil-Gedöns mit
> dem vergleiche, was über den GCC zu finden ist, hat Keil so dermaßen
> haushoch verloren, daß es der beste Support nicht 'rausreißen kann. ;-)
> ....

Naja ich habe vor Jahren für den 80C167 ein paar C-Projekte gemacht und 
ich würde hier "wurstsemmel" zustimmen, wenn es um Compiler geht. Ich 
hatte damals einen C Compiler für Tasking, einen von Keil und den GCC 
angetestet.
Mit Keil und Tasking (dieser gefiel mir am besten) gelangt es mir sofort 
eine Zielapplikation auf dem Zielsystem zum "laufen" zu bringen. Einfach 
in den Menüs Board X mit 80C167 auswählen und los ging es.
Beim GCC hingegen habe ich es nach 2 Tagen aufgegeben mich mit 
Speicherbereichen und allerlei anderer Einstellungen via Makefile zu 
beschäftigen. Wen so etwas interessiert, der kann da auch gerne tun, von 
einem Produktivsystem erwartet man aber eben das es funktioniert und man 
mit SEINER Arbeit loslegen kann ohne das Pferd neu zu erfinden.

von Dr. Sommer (Gast)


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Karl Käfer schrieb:
> Ach ja: der Linux-Kernelcode ist ziemlich sauber
> gecodet und sehr umfangreich dokumentiert, wie sich das gehört.
Genau, das sieht man zB am Macro DECLARE_DELAYED_WORK. Das nimmt 2 
Parameter. Um herauszufinden, welchen Typ diese Parameter haben müssen, 
muss man lediglich diesen Quellcode komplett auseinandernehmen (hier von 
mir nur der relevante Teil, die Datei ist insgesamt 600 Zeilen lang):
1
typedef void (*work_func_t)(struct work_struct *work);
2
3
struct delayed_work {
4
  struct work_struct work;
5
  struct timer_list timer;
6
7
  /* target workqueue and CPU ->timer uses to queue ->work */
8
  struct workqueue_struct *wq;
9
  int cpu;
10
};
11
12
struct work_struct {
13
  atomic_long_t data;
14
  struct list_head entry;
15
  work_func_t func;
16
#ifdef CONFIG_LOCKDEP
17
  struct lockdep_map lockdep_map;
18
#endif
19
};
20
21
#define __WORK_INITIALIZER(n, f) {          \
22
  .data = WORK_DATA_STATIC_INIT(),        \
23
  .entry  = { &(n).entry, &(n).entry },        \
24
  .func = (f),              \
25
  __WORK_INIT_LOCKDEP_MAP(#n, &(n))        \
26
  }
27
28
#define __DELAYED_WORK_INITIALIZER(n, f, tflags) {      \
29
  .work = __WORK_INITIALIZER((n).work, (f)),      \
30
  .timer = __TIMER_INITIALIZER(delayed_work_timer_fn,    \
31
             0, (unsigned long)&(n),    \
32
             (tflags) | TIMER_IRQSAFE),    \
33
  }
34
35
#define DECLARE_DELAYED_WORK(n, f)          \
36
  struct delayed_work n = __DELAYED_WORK_INITIALIZER(n, f, 0)
Die umfangreichen Kommentare nehmen einem dabei auch einen großen Teil 
der Arbeit ab.
Falls einem das zu viel Arbeit ist kann man auch nach DELAYED_WORK 
googlen und findet... genau diesen Quellcode.

Eine super Übung im Präprozessor spielen!

Im Ernst, wer den Linux Kernel als "sauber gecodet" und "umfangreich 
dokumentiert" betrachtet, hat sie nicht mehr alle. Die meisten 
Funktionen sind undokumentiert, und falls man im Internet doch mal ein 
Beispiel oder so findet, ist es... veraltet und nutzlos.

von Karl Käfer (Gast)


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Hallo Nomen est omen,

Dussel schrieb:
> Karl Käfer schrieb:
>> Tja, das ist dann wohl eigene Blödheit.
>> [...]
>> aber ist das nicht nur ein popeliger Compiler
>> [...]
>> von diesem Keil-Gedöns
>
> Es ist immer wieder, ich kann mich nicht entscheiden, lustig oder
> nervig, wie irrational und aggressiv manche Open-Source-Leute werden,
> wenn man ihrem Glauben nicht folgen will :D  >:-(

lol Eigentlich bin ich ausgesprochen gut gelaunt und gemeinhin auch 
keineswegs irrational. Aber einen winzigen Compiler wie Keil mit einem 
riesigen Betriebssystemkernel wie Linux gleichzusetzen, das ist doch nun 
wirklich ein bisschen, sagen wir, unintelligent. Findest Du nicht?

Liebe Grüße,
Karl

PS: Ich habe mir übrigens erlaubt, Dein Quoting etwas aufzuhübschen, 
damit man besser sehen kann, was ich geschrieben habe.

von Fritz (Gast)


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Ausbeutung schrieb im Beitrag #3711846:
> Der Kunde darf den Quelltext weitergeben und somit ist nur eine
> Finanzierung über den Support möglich.

AdaCore hat da ein lustiges Modell gefahren:

"Ihr zahlt ja zehntausende Dollar für Support. Und der Compiler ist GPL. 
Aber wenn ihr den weitergebt, dann wundert euch nicht, wenn wir den 
Telefonhörer das nächste Mal ein paar Stunden ignorieren."

Hat super geklappt. Die GPL-Version ist meines Wissens nie geleakt.

von Karl Käfer (Gast)


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Hallo Andreas,

Andreas Schweigstill schrieb:
> Auch aus den späteren Ausführungen folgt ganz klar, dass die
> Kosten*pflichtigkeit* nicht zulässig ist. Jeder, der GPL-basierte
> Software erhält, darf diese munter weiterverbreiten, wobei es ihm
> freigestellt ist, dafür Geld zu verlangen oder auch nicht.

Entschuldige, aber... wenn ich eine verbesserte Version einer 
GPL-Software entwickelt habe und sie nur gegen Bezahlung weitergebe, 
dann ist meine Software zunächst einmal kostenpflichtig.

Die GPL besagt an dieser Stelle nur, daß meine Rechte mit der (in dem 
Fall kostenpflichtigen) Weitergabe der Software enden und der Empfänger 
mit der von mir gekauften Software im Rahmen der GPL machen darf, was er 
will.

Ich rede hier also vom Erstverkauf, den ich als Entwickler ganz 
GPL-konform kostenpflichtig machen kann. Du hingegen redest von der 
Weiterverbreitung.

Liebe Grüße,
Karl

von Frei (Gast)


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Hallo,

mal anders betrachtet.
Wie würde es aussehen, wenn jeder hier bevor Tips, Hilfen, Ratschläge 
usw. gibt dafür Geld verlangt?
Außerdem hat Quelloffen nach meiner Meinung ganz andere Hintergründe.

...

nur mal kurze Gedanken

von jemand (Gast)


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Antimedial schrieb:
> Auch ein Linus Torvalds
> ist schon lange in einem Beschäftigungsverhältnis (bei mehreren Firmen)

falsch.
Er ist ausschließlich bei der Linux Foundation angestellt.

von Karl Käfer (Gast)


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Hallo Dr. Sommer,

Dr. Sommer schrieb:
> Karl Käfer schrieb:
>> Ach ja: der Linux-Kernelcode ist ziemlich sauber
>> gecodet und sehr umfangreich dokumentiert, wie sich das gehört.
> Genau, das sieht man zB am Macro DECLARE_DELAYED_WORK. Das nimmt 2
> Parameter. Um herauszufinden, welchen Typ diese Parameter haben müssen,
> muss man lediglich diesen Quellcode komplett auseinandernehmen (hier von
> mir nur der relevante Teil, die Datei ist insgesamt 600 Zeilen lang):
>
1
> #define DECLARE_DELAYED_WORK(n, f)          \
2
>   struct delayed_work n = __DELAYED_WORK_INITIALIZER(n, f, 0)
3
>

Offensichtlich will DECLARE_DELAYED_WORK ein struct delayed_work und 
einen Zeiger auf eine Funktion, die einen Zeiger auf ein struct 
work_struct als Parameter erwartet. Steht alles fein säuberlich in der 
Datei. Wo ist das Problem? Das ist eben Kernelcode, nicht irgendeine 
kleine Codelibrary für Anwendungsentwickler.

Liebe Grüße,
Karl

von jemand (Gast)


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Os schrieb:
> Opensource - Ausnutzung von Nerds?
>
> Opensource wird massenhaft verwendet, aber nur ein geringer Teil der
> Arbeit wird bezahlt.

Naja > 80% des Linux kernels wird von bezahlten Fachkräften gemacht.
Bei anderen Projekten ist es nicht so dolle, das stimmt. Allerdings sind 
andere Projekte auch nicht so gut kommerziell zu verwerten. ;)

>
> Analogie:
> Ich konstruiere ein Kleinflugzeug.
> Die Pläne gebe ich gerne kostenlos an andere Hobbyisten weiter, meldet
> sich aber eine Firma, erwarte ich eine Bezahlung.

Das kommt dann auf die Lizenz an. Wenn du ausdrücklich sagst, dass die 
Firma das kostenlos nehmen kann, dann kann sie das. (z.B BSD lizenz).

Wenn du aber zum Beispiel die Einschränkung machst, dass alle 
Veränderungen wieder offengelegt werden müssen (GPL) überlegt die Firma 
sich das ohnehin, da Sie dann nicht über bessere Flugzeuge als die 
Konkurrenz verfügt. Vielleicht besser gewartet, aber nicht besser 
konstruiert.

>
> Wie seht ihr das?

Man kann es aus beiden Seiten sehen. Lohndrückerei von professionellen 
Programmierern, da es ja vermeintlich kostenlose Konkurrenz gibt.
Oder Ausbeuterei von Programmiereren, da sie kostenlos Dinge tun, die 
eine Firma verkaufen kann.

Die andere Sichtweise ist folgende: Es macht Spaß zu programmieren. Es 
macht Spaß anderen zu helfen. Und wenn du ein Problem hast, was mglw. 
andere auch habe, teilst du deine Problemlösung(Programm) und hast 
doppelte Freude.
Die Firma kommt eh eher später, wenn es sich aus dem Hobbyprojekt 
herausentwickelt hat und ernsthaft wird. ;)

Und die OpenSource Programmierer kriegen bessere Jobs. Hier die 
Statistik bestehend aus einer Person:
Ich gehe zu einer Wald und Wiesenuni in Deutschland, meine Noten sind im 
oberen Drittel aber nicht 100prozentig. Dadurch dass ich viel im Bereich 
OpenSource gemacht habe, habe ich ein Stellenangebot nach dem Studium 
von Google in MountainView, CA, Jahresgehalt $105000.

Jetzt hatte ich nicht nur Spaß an dem OpenSource programmieren während 
des Studiums, sondern musste mich nichtmal Bewerbungen schreiben. Hat 
sich OpenSource für mich gelohnt? Ich denke schon.

von jemand (Gast)


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Ausbeutung schrieb im Beitrag #3711972:
> In welcher Form hast du gearbeitet?

Ich habe mehrere eigene Projekte angefangen, die sind alle versandet.
(halt so Wochenendprojekte, die nach 3 Tagen keinen Spaß mehr machen)

Meine größten Beiträge habe ich bei bestehenden Projekten gemacht, da 
man dort bei Laune gehalten wird durch die Community. Also man kann halt 
fachliche Dinge (oder alles andere) diskutieren.

Zwar habe ich auch schon mal zum Kernel was beigetragen, allerdings sind 
dort (wie hier im Thread schon angesprochen), hohe Einstiegshürden. Man 
muss wissen was man tut, die Doku ist mal mehr mal weniger da.

Daher bin ich eher bei mittelgroßen Projekten zu finden, also so 1-5 
aktive Leute, da gibts ne familiäre freundliche Atmosphäre und trotzdem 
haben die Projekte Relevanz. (Sie sind z.B. in den Paketquellen diverser 
Distributionen)

von jemand (Gast)


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Ausbeutung schrieb im Beitrag #3711983:
> Gerade mal nachgeschaut.
> Was verstehst du unter x > 105k?
> Verglichen mit Deutschland sind 105k $ vergleichbar mit 60k €.

Das > ist wohl durch das Ziteren hereingekommen.
Und auch hier in DE sind 60k Euro als Einstiegsgehalt von der Uni 
Spitzenklasse (mein Empfinden, deutscher Lohndurchschnitt sind 30k Euro 
über alle Berufe gemittelt).

von Dr. Sommer (Gast)


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Karl Käfer schrieb:
> Hallo Dr. Sommer,

> Offensichtlich will DECLARE_DELAYED_WORK ein struct delayed_work und
> einen Zeiger auf eine Funktion, die einen Zeiger auf ein struct
> work_struct als Parameter erwartet.
Siehste, schon falsch. Der erste Parameter ist ein Name, unter dem dann 
eine Instanz des structs angelegt wird.
> Steht alles fein säuberlich in der
> Datei. Wo ist das Problem?
Dass man erst 2 macros, die fiese Syntax-Dinge, und 2 structs 
auseinander nehmen muss, um die nötige Information zu bekommen.
Säuberlich für den Compiler, ja, aber nicht für den Menschen.
>Das ist eben Kernelcode, nicht irgendeine
> kleine Codelibrary für Anwendungsentwickler.
Das ist keine Entschuldigung für miesen Code und fehlende Doku. Im 
Gegenteil, gerade so wichtiger Code darf gerne ordentlich sein.

So etwas hätte nicht geschadet:
1
 /** Declares a delayed_work instance.
2
@param n - Name of the instance
3
@param f - Callback function of type \ref work_func_t  */
4
#define DECLARE_DELAYED_WORK(n, f)          \
5
  struct delayed_work n = __DELAYED_WORK_INITIALIZER(n, f, 0)

Bei genereller Verwendung von Doxygen-Syntax könnte man sogar eine 
einfach navigierbare Referenz erzeugen.

von Georg A. (georga)


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Naja, meistens gibts ja genügend Beispiele im Kernel, wie man bestimmte 
Subsysteme/Strukturen nutzt. Klar ändern sich relativ häufig internen 
APIs, das kann beim Pflegen eines Treibermoduls für die Allgemeinheit 
lästig werden. Wenn man den Kernel aber für ein eigenes 
(Embedded)Projekt braucht, ist das recht egal, der Kernelupdatewahn ist 
da nicht nötig...

Und ansonsten bist du ja auch nicht gezwungen, den Linux-Kernel zu 
nehmen. Kannst ja gern ein kostenpflichtiges OS nehmen ;) Bei Linux 
macht es IMO die Entwicklung im Embedded-Bereich schon deutlich 
einfacher, dass es vom Poppelärmchen bis zur High-End-CPU wirklich 
überall läuft. Wenn man das Ding mal gebootet bekommt, macht es einfach 
keinen Unterschied mehr.

von Dr. Sommer (Gast)


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Georg A. schrieb:
> Naja, meistens gibts ja genügend Beispiele im Kernel, wie man
> bestimmte
> Subsysteme/Strukturen nutzt.
Die dann veraltet sind >.<
> Klar ändern sich relativ häufig internen
> APIs, das kann beim Pflegen eines Treibermoduls für die Allgemeinheit
> lästig werden. Wenn man den Kernel aber für ein eigenes
> (Embedded)Projekt braucht, ist das recht egal, der Kernelupdatewahn ist
> da nicht nötig...
Wenn man aber eine halbwegs neue Version braucht um bestimmte Treiber zu 
haben...
> Und ansonsten bist du ja auch nicht gezwungen, den Linux-Kernel zu
> nehmen. Kannst ja gern ein kostenpflichtiges OS nehmen ;)
Linux ist nicht das einzige Open-Source OS...
> Bei Linux
> macht es IMO die Entwicklung im Embedded-Bereich schon deutlich
> einfacher, dass es vom Poppelärmchen bis zur High-End-CPU wirklich
> überall läuft. Wenn man das Ding mal gebootet bekommt, macht es einfach
> keinen Unterschied mehr.
Ja, schon. Ich sage ja nicht dass Linux grundsätzlich schlecht und nicht 
verwendbar ist. Aber der Programmierstil und die Dokumentation lassen 
dennoch sehr zu wünschen übrig.

von Georg A. (georga)


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> Die dann veraltet sind >.<

In derselben Kernelversion eher selten ;)

> Linux ist nicht das einzige Open-Source OS...

Auf x86 nicht, im Embeddedbereich wirds aber schon sehr dünn, wenn man 
was taugliches jenseits 0815-Taskswitcher haben will. eCos geht noch, 
das ist aber schon eine ganze Ecke tiefer angesiedelt.

> Aber der Programmierstil und die Dokumentation lassen
> dennoch sehr zu wünschen übrig.

Irgendwo ist halt immer ein Haken ;) Ich bin bisher damit aber nicht 
schlecht gefahren. Aber es braucht halt auch etwas Verständnis und 
Motivation für die Sache. Für den dümmsten anzunehmenden Entwickler, der 
ohne Pamperung durch eine Support-Hotline nichts zustande bringt (kenne 
leider genügend solche Exemplare, die nicht eigenständig 
"entwicklungsfähig" sind), ist es halt nix.

von Arc N. (arc)


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jemand schrieb:
> Er ist ausschließlich bei der Linux Foundation angestellt.

Und wer steht hinter der Foundation? Samsung, Oracle, IBM, Intel...

jemand schrieb:
> Man kann es aus beiden Seiten sehen. Lohndrückerei von professionellen
> Programmierern, da es ja vermeintlich kostenlose Konkurrenz gibt.
> Oder Ausbeuterei von Programmiereren, da sie kostenlos Dinge tun, die
> eine Firma verkaufen kann.

U.a... was im übrigen RMS auch mal so formuliert hat 1).

Aus OpenSource 2) ist heute allerdings etwas anderes geworden als es 
damals idealistisch und/oder z.T. ideologisch gedacht war.
Ähnlich wie bei Patenten 3), bei denen es schon lange nicht mehr um 
tatsächliche Neuerungen ("nichts neues mehr, sondern nur ihre Version 
des Patents" 3)), sondern nur noch um Marktbeherrschung, 
Geopolitik/Wirtschaftskrieg und Ausgrenzung geht, wird OpenSource heute 
ebenso eingesetzt. Es geht den Konzernen nicht mehr darum wirklich zu 
konkurrieren, sondern zum einem um die genannten Kosteneinsparungen und 
zum anderen Konkurrenz zu verdrängen oder im Keim zu ersticken.
Google ist dafür ein gutes Beispiel: Es werden nicht nur strategisch 
Konkurrenten/passende Produkte gekauft, integriert und/oder (dann) 
eingestellt, sondern, falls dies nicht möglich ist, kostenlose, z.T. 
mehr als mittelmäßige, (aber für die Masse) ausreichende Alternativen in 
den Markt gedrückt.
Hinzukommen psychologische Effekte u.a. das "people appear to act as if 
zero pricing of a good not only decreases its cost, but also adds to its 
benefits." 4) was die Konzerne natürlich ebenso wissen...

1) https://www.gnu.org/gnu/manifesto.html
2) hier sind hauptsächlich Programme etc. unter GPL und vergleichbaren 
Lizenzen gemeint, mit BSD-ähnlichen Lizenzen sind einige der genannten 
Sachen nicht so einfach zu machen
3) u.a. "Krieg der Patente" 
http://www.arte.tv/guide/de/046926-000/krieg-der-patente
4) u.a. "Zero as a Special Price: The True Value of
Free Products" http://people.duke.edu/~dandan/Papers/PI/zerofree.pdf

> Die andere Sichtweise ist folgende: Es macht Spaß zu programmieren. Es
> macht Spaß anderen zu helfen. Und wenn du ein Problem hast, was mglw.
> andere auch habe, teilst du deine Problemlösung(Programm) und hast
> doppelte Freude.

Völlig richtig.

> Und die OpenSource Programmierer kriegen bessere Jobs.

Was auch, zynisch formuliert, der Logik von Konzerne/Investoren folgt:
Die sind es gewohnt ohne Bezahlung zu arbeiten. Überstunden weil es Spaß 
macht sich mit interessanten Dingen zu beschäftigen. Was an sich alles 
andere als schlecht ist...

> Jetzt hatte ich nicht nur Spaß an dem OpenSource programmieren während
> des Studiums, sondern musste mich nichtmal Bewerbungen schreiben. Hat
> sich OpenSource für mich gelohnt? Ich denke schon.

OpenSource hat sich, nicht nur für einzelne, gelohnt. Es hat 
Alternativen und Möglichkeiten geschaffen, aber ebenso neue 
Missbrauchsmöglichkeiten.

von Michael B. (laberkopp)


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Os schrieb:
> Opensource - Ausnutzung von Nerds?
> Wie seht ihr das?

Meiner Meinung nach: Ja.
So ähnlich wie Ehrenamtliche in anderen Bereichen.
Weil viele Menschen dazu neigen, gerne Dinge zu tun, von denen sie von 
Anderen gelobt werden und warme Worte empfangen, gibt es Computernerds 
die dafür programmieren und das Produkt kostenlos anbieten.

Die kommerziellen Anbieter, nehmen wir DSL-Modems, Settop-Boxen, 
IP-Fernseher, etc. nehmen das Zeug gerne und verdienen Geld damit von 
dem sie nichts abgeben. Ich kenne einige Firmen, die GPL Zeugs nutzen, 
ohne sich an GPL Veröffentlichungspflicht zu halten, die sich das Zeug 
also einfach illegal einverleiben.

Opensource halte ich aber für wichtig zur Dokumentation und als oftmals 
einzige Konkurrenz für die kommerziellen Anbieter im selben Bereich. 
Allerdings bedeutet OpenSource auch, daß der Bereich kommerziell gar 
nicht mehr erfolgreich zu beackern ist.

In anderen Wirtschaftsbereichen gibt es Strafen, wenn ein Anbieter ein 
Produkt billiger als die Gestehungskosten unters Volk bringt, 
Anti-Dumping-Gesetze und unlauterer Wettbewerb, um eben den 
kommerziellen Anbietern nicht durch zu niedrige Preise die Möglichkeit 
zu nehmen, zumindest kostendeckend zu arbeiten.

Statt OpenSource könnte ich mir aber Gesetze vorstellen, die Software 
Anbieter dazu zwingen, ihre Schnittsellen und Dateiformate offen zu 
legen, um Drittanbietern die Chance zu geben, "kompatibel" zu sein. Also 
das Gegenteil der aktuellen Gesetzslage, in der kommerzielle Anbieter 
vor den Kadi gezogen werdne, wenn sie zu kompatibel sind.

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Os schrieb:
> Die Pläne gebe ich gerne kostenlos an andere Hobbyisten weiter, meldet
> sich aber eine Firma, erwarte ich eine Bezahlung.

Du hast bei deiner Konstruktion aber einen Motor genommen, für den
jemand anders ebenfalls die Pläne bereits veröffentlicht hatte, auch
die Steuerung stammt von jemandem anders, und ach, das CAD-Programm
war auch opensource. :-)

Da dir der Entwurf außerdem in erster Linie Spaß gemacht hat, auch
nicht zuletzt dank der vielen Bausteine, die dir andere genauso
freizügig zur Verfügung gestellt haben, hast du hernach nicht die
geringsten Skrupel, ihn zu veröffentlichen.

So ungefähr ist die gesamte Opensource-Kultur entstanden.  Ich habe
auf meinem Computer zu Hause ein einziges gekauftes Programm (das ich
aber gut finde, weshalb ich es auch gern gekauft habe).  Den Rest haben
andere für mich getan.  Ich gebe durch das Freigeben eigener
Opensource-Projekte dann einfach nur diese Kultur weiter (sehr
wahrscheinlich selten an die, deren Arbeit ich nutze, sondern an wieder
andere, aber das tut nicht viel zu Sache).

Zu deinem Flugzeug: wenn eine Firma das dann zur Serienreife treibt,
wird sie sowieso noch genügend eigene Arbeit reinstecken müssen dafür.
Damit hat sie sich aber ihre Brötchen dann doch wieder erarbeiten
müssen …

von El Patron B. (bastihh)


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wurstsemmel schrieb:
> 99% meiner Erfahrungen sind:
>
> Opensource ist kostenlos, Management geilt sich daran auf das es nicht
> kostet und nacher in den Wartung wird es extrem teuer bis unbezahlbar,
> da Experten beauftrgt werden müssen da es Inhouse nicht genügend
> Kompetenz gibt. Im speziellen beim Linux Kernel, wo aufgrund der
> Entwicklungsparadigmik niemals aktuelle, hochwertige und konsistente
> Dokumentation zur Verfügung steht.
>
> Bei teuren, Properitären Produkten wie z.B. Keil bekommt man überwiegend
> erstklassigen Support - der ist zwar nicht kostenlos, aber in der
> wirtschaftlichen Betrachtung sicher günstig.


Endlich mal einer, der meine Meinung vertritt! 1000% FULL ACK! take my 
like!

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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El Jefe schrieb:
> 1000% FULL ACK!

Die Tausendprozentigen wurden schon im Sozialismus sehr gemocht. :-)

von Co E. (Firma: keine) (emco)


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El Jefe schrieb:
> wurstsemmel schrieb:
>> 99% meiner Erfahrungen sind:
>>
>> Opensource ist kostenlos, Management geilt sich daran auf das es nicht
>> kostet und nacher in den Wartung wird es extrem teuer bis unbezahlbar,
>> da Experten beauftrgt werden müssen da es Inhouse nicht genügend
>> Kompetenz gibt. Im speziellen beim Linux Kernel, wo aufgrund der
>> Entwicklungsparadigmik niemals aktuelle, hochwertige und konsistente
>> Dokumentation zur Verfügung steht.
>>
>> Bei teuren, Properitären Produkten wie z.B. Keil bekommt man überwiegend
>> erstklassigen Support - der ist zwar nicht kostenlos, aber in der
>> wirtschaftlichen Betrachtung sicher günstig.
>
> Endlich mal einer, der meine Meinung vertritt! 1000% FULL ACK! take my
> like!

Wie oben schon angemerkt wurde:
Keil ist ein Compile, Linux ein Betriebsystem. Das ist nicht aml ein 
Vergleich Äpfel mit Birnen sondern noch viel weiter entfernt. ;-)

Und ja: Opensource ist kostenlos. aber nicht umsonst! Das sollte 
eigentlich jedem halbwegs kompetenten Entscheidungsträger bewusst sein.

Aber mal eine Frage:
Wieviel von Linux ist denn wirklich als Freizeitbeschäftigung und 
wieviel von bezahlten Entwicklern programmiert worden? Ich würde mal 
tippen, dass der größte Teil bezahlte Arbeit war. Oder?

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Co Em schrieb:
> Ich würde mal tippen, dass der größte Teil bezahlte Arbeit war. Oder?

Das wird dir keiner so genau sagen können.  Außerdem verschiebt
sich sowas mit der Zeit natürlich: in dem Moment, wo das alles auch
für Firmen attraktiv wird, nimmt der Anteil bezahlter Arbeit dann
zu.

von Unbekannt U. (Gast)


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Jörg Wunsch schrieb:
> Co Em schrieb:
>> Ich würde mal tippen, dass der größte Teil bezahlte Arbeit war. Oder?
>
> Das wird dir keiner so genau sagen können.

Ach komm, eine einfache Suche ergibt als erstes Ergebnis:

http://lwn.net/Articles/590354/


Michael Bertrandt schrieb:
> Allerdings bedeutet OpenSource auch, daß der Bereich kommerziell gar
> nicht mehr erfolgreich zu beackern ist.

Selten so ein Blödsinn gelesen: Es gibt kein Windows, weil es Linux 
gibt? Es gibt kein Keil und wie sie alle heissen, weil es GCC (und LLVM) 
gibt? Es gibt kein Oracle weil es Postgresql gibt?

Es ist doch genau das Gegenteil der Fall: Das Opensource-Habitat 
ermöglicht vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen erst deren 
Existenz.

Was in der Tat richtig ist, Opensource unterbindet die Möglichkeit, für 
Nichtigkeiten und Trivialitäten Phatasiepreise zu verlangen. Nepper, 
Schlepper und Bauerfängern wird das Handwerk erschwert.

Ebenso ermöglicht Opensource die Flucht aus dem Vendor-Lock-In. Einmal 
Deine mühsam erarbeitete Daten einem propritären Programm anvertraut, 
sind sie darin eingesperrt. Wenn das Programm eingestellt wird, hast 
halt Pech. Wie war das gleich nochmals vor einigen Jahren mit so einer 
Buchungssoftware für viele Selbstständige?



Co Em schrieb:
> Und ja: Opensource ist kostenlos. aber nicht umsonst!

Wer auf dieser Welt an alles ein Preisschild pappt, lebt sehr primitv 
und eingeschränkt. Bei Opensource geht es nicht um kostenlos, sondern in 
erster Linie darum, dass der Source-Code zur Verfügung steht.

Und das ist der Vorteil: Z.b. veröffentliche ich alle meine kleinen 
Tools und Helferchen. Sind sie für andere nützlich, bekomme ich mit 
etwas Glück eine Handvoll Bug-Reports und/oder Patches und kann so die 
Qualität meiner Tools verbessern.

Benötige ich bestimmte Tools, kann ich auf Arbeit von anderen aufsetzen. 
Viele Dinge währen ohne Opensource schlichtweg nicht durchführbar. Mal 
eben einen kleinen Compiler für eine Spezialanwendung schreiben? Ohne 
ein Framework wie LLVM eine Monate-dauerndes Full-Time-Projekt. Mit LLVM 
in einer Arbeitswoche erledigt, mit allem Brimborium inkl. Optimierer 
etc.

von Unbekannt U. (Gast)


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Ganz vergessen: Ohne Opensource gäb es diese Website auch nicht, wie 
vermutlich das ganze Internet so wie wir es kennen.

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