Martin schrieb:
> Beim ATMega88A-PU wird bei 20MHz der Full Swing vorgeschrieben.
Nicht wirklich. Ja klar, in den angegebenen Bereichen scheint bei 16MHz
Schluß zu sein. Aber genauso wie man nicht zwingend in den nächsten
Bereich wechseln muß, wenn man statt 2.999.999Hz einen Quarz mit
3.000.001 Hz verwendet, nur weil die Tabelle halt die Grenze der beiden
Bereiche bei 3.000.000Hz zieht ist bei 16MHz natürlich auch nicht
wirklich Schluß.
Die angegebenen Bereiche sind also nur als grobe Richtwerte zu
verstehen, eine vereinfachte Darstellung der Realität.
Tatsächlich läuft der LP-Oszillator auch bei 20MHz sehr zuverlässig,
wenn die Bürde-Kapazitäten zum Quarz passen. Mit dem
Fullswing-Oszillator hat man nur eine größere Toleranz gegenüber groben
Fehlanpassungen, die bei einer ordentlichen Entwicklung eigentlich
überhaupt vorkommen sollten.
Übrigens gibt es ein einfaches Mittel, um die Sachlage bei Bauelementen
zweifelhafter Herkunft (also alles ohne Datenblatt) zu prüfen: Einfach
die Amplitude der Schwingung an XTAL1 messen (mit einem ausreichend
hochohmigen Oszi).
Ab ca. 0.7Vpp läuft der AVR, wenn auch mit teilweisen
Ausfallerscheinungen durch den teils extremen Jitter in Form des
Ausfalls einzelner Takte. Übrigens sehr interessant, sich die Art der
Funktionsausfälle mal genauer anzuschauen...
Wie auch immer: 2Vpp oder mehr und alles ist zuverlässig gut. Wenn die
Spannung unter diesen 2Vpp liegt, dann sind die Bürdekapazitäten falsch
gewählt, sie passen nicht zum Quarz. Bei den handelsüblichen
20MHz-Quarzen sind sie mit 22pF meist viel zu hoch gewählt. Die brauchen
eher was bei 12..15pF.
Übrigens leidet dadurch der FullSwing-Oszillator natürlich genauso und
ist dann eben auch keiner mehr. Nur ist seine Amplitude halt doch immer
höher als die des LowPower-Oszillators und deswegen geht's noch.
Vielleicht aber auch nur gerade noch so...
Für Bastler wäre deshalb mein Rat: solange Bürdekapazitäten tauschen,
bis es auch mit dem LowPower-Oszillator zuverlässig funktioniert. Dann
auf FullSwing konfigurieren. Es sei denn, man plant eine Anwendung, bei
der die Quarz-Alterung eine nennenswerte Rolle spielt (also z.B.: eine
Uhr) oder irgendwas, bei dem es auf minimalen Energieverbrauch ankommt.
Wobei in letzterem Fall bei typischen Bastlerprojekten auch nur sehr
selten der Energieverbrauch des Oszillators wirklich relevant wird...