Forum: Offtopic Indiegogo, Kickstarter und co Strategien


von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Hallo!

Ich möchte einen kleinen aber interessanten Chip herstellen, und bin 
grade auf der Suche nach geeigneten Vermarktungsmöglichkeiten, oder zu 
schauen, ob die Welt das überhaupt braucht...
Da kam der Tipp, Kickstarter oder Indiegogo zu nutzen.
Ich hab mir mal die Projekte dort angeschaut, und muß sagen, so manches 
Geld lässt sich damit besorgen.
Aber wie kann man das meiste aus seinem Projekt machen? Habt ihr auch 
schon mal geschaut wer das Meiste Geld vorgeschossen bekommt?

Ich hab mal angefangen gemeinsame Eigenschaften der erfolgreichen 
Projekte zu finden:

- Gutes, professionell gedrehtes Video
- Video ist nicht länger als 3 Minuten
- Man sieht die Entwickler
- Man sieht das zu entwickelnde oder zu fertigende Produkt
- Animationen und gute Musik peppt das Video auf
- Glückliche, lächelnde Personen sind zu sehen
- Auf der Seite sind klare, eindeutige Bilder
- Die Verwendung des Geldes wird erklärt
- Ein Projektplan ist beschrieben
- Das Projektteam besteht nicht aus einer Einmannfirma

Seht Ihr was was ich noch übersehen habe?

von Simon S. (-schumi-)


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Du solltest irgend etwas haben, das die die Fähigkeiten zu dieser 
Entwicklung attestiert. Kampagnen die außer ein paar Animationen nichts 
zeigen können stehen inzwischen sehr schnell in der Kritik.

Hast du denn schon etwas vorzeigbares? Einen (diskret) aufgebauten 
Prototyp oder eine Simulation oder sowas?

Was bei sehr technischen Projekten auch immer noch gut zieht ist 
OpenSource.

Kannst du denn umreissen um was es ungefähr geht? Was soll der Chip 
machen? Wie viel Geld benötigst du? Wie viel würde ein Chip/Kit/Whatever 
kosten?

von Gerd E. (robberknight)


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Wenn Du ein technisch versiertes Publikum ansprechen möchtest, dann 
erkläre genau das Funktionsprinzip, die Schnittstellen, die 
Voraussetzungen und Einschränkungen. So daß ein technisch versierter 
Leser sich ein gutes Bild davon machen kann und einschätzen kann, ob das 
Produkt realistisch ist.

Im Gegensatz zu normalen Herstellern willst Du vorher Geld als 
Investition haben und verkaufst kein fertiges Produkt. Der Investor geht 
ein deutlich höheres Risiko ein als ein normaler Käufer. Bevor er das 
eingeht, will er sich selber ein gutes Bild machen können. Oder die 
Meinung von anderen lesen die sich da genauer informiert haben.

Hier sind ein paar gute Beispiele zu Produkten zu finden die sich selbst 
durch unvollständige, widersprüchliche oder unrealistische Angaben 
diskreditieren:
http://www.eevblog.com/forum/crowd-funded-projects/

von Blauer B. (blauer_blaubaer)


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Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders?

Ich ganz persönlich bevorzuge Geräte,die aus handelsüblichen Chips 
aufgebaut sind und bei welchen der Quellcode/Hexdump vorhanden ist. Und 
die meisten Spezialchips gibt es bereits fertig von AD,TI,Maxim, Xilinx, 
Atmel, Microchip etc und die sind in der Regel auch 20 Jahre später auf 
irgendeine Art in kleineren Stückzahlen erhältlich.

Nimm ich aber den Chip von dir, von welchem vielleicht ein paar 1000 
gefertigt werden, so gibts den nach 20Jahren vermutlich nimmer und das 
Gerät in dem der verbaut war, ist Schrott/Edelschrott. Ausserdem ist der 
Chip wegen der kleinen Stückzahl schweineteuer. Vieleich willste auch 
sowas wie den Äppelkram mit eigenem Chip nachbauen => kannste grad 
vergessen, weil du das nie so billig hinbekommst, sodass es auch jemand 
kauft.

von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Blauer Blaubär schrieb:
> Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders?


Nix. Gibt's schon, aber aus mehreren verschiedenen Elementen aufgebaut.
Deshalb wird's warscheinlich keinen Investor interessieren, aber 
vielleicht Käufer, denen es ihre Entwicklungsarbeit erleichtert, weil 
sie bestimmte Elemente ihrer Entwicklung nicht mehr validieren müssen, 
sondern meine fix und fertige Lösung nur noch anwenden müssen.

Eben wegen dem Schweineteuer will ich es erst mal sehen, wieviele es 
denn gerne haben wöllten, und dann wird es mit der Bestellung auch was, 
oder auch nicht, wenn es zu wenige sind.

Wisst Ihr gute, günstige Lohn-Chipfertiger?

von Sni T. (sniti)


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Martin G. schrieb:
> Blauer Blaubär schrieb:
>> Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders?
>
> Nix.

Das ist aber nicht gerade eine gute Strategie, um für dein Vorhaben zu 
werben.

Martin G. schrieb:
> Gibt's schon, aber aus mehreren verschiedenen Elementen aufgebaut.

Warum so geheimnisvoll? Wenn du da wirklich Investoren finden willst, 
musst du eh mehr Daten raus rücken, hier könntest du auch schon auf 
Interessenten stoßen ;-)

Martin G. schrieb:
> aber
> vielleicht Käufer, denen es ihre Entwicklungsarbeit erleichtert, weil
> sie bestimmte Elemente ihrer Entwicklung nicht mehr validieren müssen,
> sondern meine fix und fertige Lösung nur noch anwenden müssen.

Da ist die Frage, ob dann dein Chip 100% beim ersten Wurf funktioniert. 
Ansonsten ist so was eher für größere Serien interessant, hier werden 
sich aber die Hersteller ihre eigenen Chips fertigen. Vor allem, da das 
Risiko bei deinen Chips um einiges höher sein wird, als Teile von 
etablierten Herstellern zu nehmen, von denen es dann auch noch oft 
second source Teile gibt. Also eher "Kleinbastler", eventuell eine Art 
Arduino on Chip, wo dann schon das Netzteil integriert ist?

Ansonsten könnte auch die Zeitspanne für diese Art der Geldfindung 
problematisch werden. Wenn man mit 6 Monaten von deinem fertigen Design 
bis zum Eintreffen der Chips bei dir rechnet, wird das schon für einige 
Privatnutzer abschreckend. Besonders, wenn es dann ein Redesign bräuchte 
und sich die Zeit verdoppelt.

Ansonsten; wie viel Erfahrung hast du denn auf dem Gebiet, womit 
designst du die Chips, etc? Wenn es wirklich interessant ist, könnte 
auch ein Chiphersteller selbst Interesse haben und dir das für 
entsprechende Eigenrechte machen. Aber wenn das ein Schaltplan aus zwei 
verbundenen 555ern ist und du sagst "bitte auf Chip portieren" dürfte es 
eher düster aussehen. Eben schwer abzuschätzen, wie gut dein Wissenstand 
und wie interessant der Chip wirklich ist.

von Mac G. (macgyver0815)


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Martin G. schrieb:
> Kickstarter oder Indiegogo

Das ist mittlerweile beides so überlaufen (auch mit viel Schrott)... da 
haben selbst gute Projekte sehr oft Schwierigkeiten ihre Ziele zu 
erreichen.

Auch waren da in den letzten Jahren oft Leute unterwegs die ihre 
Projekte technisch eigentlich gar nicht umsetzen könnten (weil 
Quereinsteiger ohne Ahnung) und es dann in den Sand gesetzt haben oder 
die angegebene Lieferzeit um 1 - 3 Jahre überschritten haben - da ist 
das Vertrauen in solche Plattformen bei vielen schon dahin.

von Bernd G. (Gast)


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Dass man geliehenes Geld zurückzahlen muss, haben dir deine Eltern schon 
gesagt?

von A. B. (funky)


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be kickstarter oder ähnlichen Plattformen wird dir aber kein Geld 
geliehen. Hat dir das schon jemand gesagt?

von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Den Chip zu designen würde ich in Auftrag geben, warscheinlich gleich 
dem Fertiger, der davon Ahnung hat, und auch seine 
Siliziumfertigungsschiene kennt.
Da hier so viele wissen möchten, was es werden soll:
Ohne Schutz kann ich nichts verraten...

Ob sich ein Patent aber lohnt ist auch so eine Frage...

Bleiben wir doch noch beim Thema, gibts noch irgendwelche Aspekte, die 
ein erfolgreiches Projekt charakterisieren?

von Karl O. (knorke)


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Mit KS und Konsorten würde ich zur Vorsicht raten.
Wenn die Dinger für eine Sache gut sind, dann dafür, ein 
massentaugliches Produkt, welches schon zu Ende entwicklet ist, 
praktisch und kostengünstig zu bewerben und die Kosten für die 
Massenfertigung vom Kunden vorstrecken zu lassen.
Als "Venture Kapital"-Quelle, als die sie sich gerieren, sind sie völlig 
nutzlos! Die Leute leihen Dir ja kein Geld und wollen es verzinst 
zurück, sondern sie kaufen ein Produkt. Und da Du denen nicht mehr als 
ein paar Prozent Aufschlag auf den endgültigen Preis abknöpfen kannst 
(Shitstormgefahr), ja eher noch Rabatt geben musst, hast Du am Ende 
nicht viel von dem Geld. Außer, dass Du Dich plötzlich um das hegen und 
pflegen der social media, der blogosphere, Logistik, Verpackung und Zoll 
kümmern musst.
NIEMAND wird bei Kickstarter die Entwicklung eines Geräts finanzieren!
Richtig gemacht hat es zB der Typ von Magniclight mit beiden Projekten: 
das Ding war mehr oder weniger fertig, es ist ein super überteuertes 
Teil mit riesiger Gewinnspanne aufs Material und der Markt ist groß 
(Fahrradfahrer und Hipster, insbesondere die Schnittmenge der beiden).

Wenn Du meinst Dein Chip ist in 3 Monaten in 2000 Exemplaren auf Deinem 
Tisch, na dann nix wie los!

von Borislav B. (boris_b)


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Martin G. schrieb:
> Blauer Blaubär schrieb:
>> Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders?
>
> Nix. Gibt's schon, aber aus mehreren verschiedenen Elementen aufgebaut.

vs.

Martin G. schrieb:
> Da hier so viele wissen möchten, was es werden soll:
> Ohne Schutz kann ich nichts verraten...
>
> Ob sich ein Patent aber lohnt ist auch so eine Frage...

Was denn nun? Wenn es nichts Neues ist, sondern nur mehrere Funktionen 
in einen Chip integriert, ist wohl eher nicht schützens-/patentwürdig.

Warum du nichts zu deinem Projekt erzählen möchtest verstehe ich auch 
nicht so ganz. Spätestens wenn du das ganze auf Kickstarter startest, 
musst du ja  die Karten offenlegen.
Oder hast du Angst, dass noch schnell jemand heute Nacht eine eigene 
Kickstarte-Aktion mit deiner Idee lostritt?

von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Boris P. schrieb:

> Warum du nichts zu deinem Projekt erzählen möchtest verstehe ich auch
> nicht so ganz. Spätestens wenn du das ganze auf Kickstarter startest,
> musst du ja  die Karten offenlegen.
> Oder hast du Angst, dass noch schnell jemand heute Nacht eine eigene
> Kickstarte-Aktion mit deiner Idee lostritt?

Nee. Ich möchte nur so Geschichten Vermeiden wie die mit Pebble, wo die 
Idee und Finanzierung mit $10,266,845 super war, ein Jahr später aber 
Apfel und Sumsum diese Idee komplett kopiert/geklaut hat. Weil eben kein 
Schutz vorhanden war. Auch mit Schutz werden sie es mir klauen, nur eben 
kann ich da wenigstens eine Chance auf Einigung haben. Ich frage mich ob 
Pebble irgendeinen Schutz hatte.

von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Ok. Ich antworte mir selbst:
Pebble hat ein Patent:
http://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/originalDocument?CC=US&NR=2013040610A1&KC=A1&FT=D&ND=3&date=20130214&DB=worldwide.espacenet.com&locale=en_EP

Also die Patentierung war schon angetreten, als sie Kickstarter 
eigeschaltet haben...

von Mac G. (macgyver0815)


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Pebble hat die Smartwatches nicht erfunden, die gabs schon über ein 
Jahrzehnt vorher als erste Prototypen.

Du willst gegen Firmen wie Apple (oder meinetwegen Texas Instruments, 
Infineon...) ein Patent verteidigen? ;-)
Hast Du das Geld gute Anwälte über >3 Jahre hinweg durch alle Instanzen 
zu bezahlen?

Ein Patent zu besitzen nutzt Dir gar nix wenn Du es nicht verteitigen 
kannst (= Geld wie Heu hast).
Zumal große Firmen über ein mächtiges Defensiv-Portfolio mit tausenden 
Patenten verfügen mit dem sie DICH im Gegenzug belangen können wenn Du 
irgendwas davon auch nur Ansatzweise verwendest. Schwupps haste zwei 
Patentverfahren zu stemmen...

Das Patentsystem nutzt kleinen Erfindern schon lange nicht mehr viel. 
Leider.

von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Fällt keinem mehr was ein, wie man eine wahrscheinlich gute Idee so gut 
wie möglich vermarkten kann?

von Bernd G. (Gast)


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Dein Problem und nicht nur deines besteht im ersten Satz:
> Ich möchte einen kleinen aber interessanten Chip herstellen,
Deinen Wunsch in allen Ehren, aber es scheint niemanden zu 
interessieren, wie toll dein Schaltkreis ist, oder aber - noch schlimmer 
- es besteht vielleicht kein Bedarf.

Ich habe zuerst in meiner Selbständigkeit eben genau diesen Fehler 
gemacht, das zu entwickeln, was ich toll fand und von dem ich dachte, 
dass es jemand anderes ganz bestimmt ganz dringend braucht bzw. auch 
ganz toll findet. Dann macht man ein wenig Werbetrara und der Laden 
läuft und man verdient sich zum Krüppel.

War aber nicht.

Glücklicherweise bin ich dann auf jemanden gestoßen, der etwas ganz 
bestimmtes brauchte. Dieses Gerät erschien mir im Gegensatz zu meinen 
geplanten Entwicklungsobjekten so geistlos, trivial, unprätentiös und 
die Ingenieursehre dermaßen beleidigend, dass ich den Auftrag eigentlich 
gar nicht übernehmen wollte.

Hab ich dann aber doch gemacht. Hunger macht charakterlos.

Innerhalb der letzten sieben Jahre ist daraus ein ganzes Gerätesortiment 
entstanden, bei dem ich weltweit der einzige Lieferant bin.
Der geistige Anspruch dieser Geräte ist immerhin noch so hoch, dass 
unsere chinesischen Genossen das bis heute nicht nachbauen konnten.
Einziger Wermutstropfen: 95% der Produktion kommen unter fremdem Namen 
unter die Kunden, was andererseits auch den Vorteil hat, dass ich mich 
nicht mit dem Endkunden herumschlagen muss.

Also vielleicht eher bei mittleren und großen Mittelständlern aufmerksam 
horchen, was die so brauchen könnten.

Den Träumen von der schönen Entwicklung hinterherzuhängen, scheint nicht 
viel zu bringen.

Im übrigen will ich dich nicht dazu verleiten, kleine Brötchen zu 
backen.
Also, handele so, wie du denkst, es tun zu müssen.

von Martin G. (Firma: http://www.gyurma.de) (martin_g)


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Danke für deinen Beitrag. Es ist schön zu hören, daß dir es gelungen ist 
ein Produkt zu verkaufen. Gratuliere!

von Martin L. (maveric00)


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Hallo,

zur Vermarktung kan ich nicht viel beitragen; zum Schützen der Idee 
schon etwas:

Auch wenn es stimmt, dass es im Zweifel einfach geklaut wird (wenn es 
wirklich gut ist) und man dann Probleme hat, Recht zu bekommen, so ist 
gar nicht schützen auch keine Alternative. Abgesehen davon gibt es genug 
Patentanwälte, die gegen eine Gewinnbeteiligung arbeiten, so dass Du 
zumindest nichts vorstrecken musst. Allerdings bleibt das Risiko, den 
Prozess zu verlieren und damit die gegnerischen Anwaltskosten tragen zu 
müssen. Dem kann man aber im gewissen Maß mit einer Stufenklage 
beikommen (erst feststellen lassen, wem die Idee gehört, dann erst den 
Schaden einklagen).

Die billigste und schnellste Variante des Schutzes ist dabei im Fall 
eines Gerätes das Gebrauchsmuster. Kostet bei Online-Anmeldung 30 Euro 
und bietet bis zu 10 Jahre (theoretisch) den gleichen Schutz wie ein 
deutsches Patent (dieses schützt aber bis zu 20 Jahre). Auch kannst Du 
innerhalb von 12 Monaten noch eine Patentanmeldung daraus ableiten.

Sobald Du den Gebrauchsmusterschutz beantragt hast, kannst Du dann allen 
von der tollen Erfindung erzählen (bzw. beim Gebrauchsmuster sogar schon 
bis zu 6 Monate vor Anmeldung, dann lässt sich aber kein Patent mehr 
ableiten).

Schöne Grüße,
Martin

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