Hallo! Ich möchte einen kleinen aber interessanten Chip herstellen, und bin grade auf der Suche nach geeigneten Vermarktungsmöglichkeiten, oder zu schauen, ob die Welt das überhaupt braucht... Da kam der Tipp, Kickstarter oder Indiegogo zu nutzen. Ich hab mir mal die Projekte dort angeschaut, und muß sagen, so manches Geld lässt sich damit besorgen. Aber wie kann man das meiste aus seinem Projekt machen? Habt ihr auch schon mal geschaut wer das Meiste Geld vorgeschossen bekommt? Ich hab mal angefangen gemeinsame Eigenschaften der erfolgreichen Projekte zu finden: - Gutes, professionell gedrehtes Video - Video ist nicht länger als 3 Minuten - Man sieht die Entwickler - Man sieht das zu entwickelnde oder zu fertigende Produkt - Animationen und gute Musik peppt das Video auf - Glückliche, lächelnde Personen sind zu sehen - Auf der Seite sind klare, eindeutige Bilder - Die Verwendung des Geldes wird erklärt - Ein Projektplan ist beschrieben - Das Projektteam besteht nicht aus einer Einmannfirma Seht Ihr was was ich noch übersehen habe?
Du solltest irgend etwas haben, das die die Fähigkeiten zu dieser Entwicklung attestiert. Kampagnen die außer ein paar Animationen nichts zeigen können stehen inzwischen sehr schnell in der Kritik. Hast du denn schon etwas vorzeigbares? Einen (diskret) aufgebauten Prototyp oder eine Simulation oder sowas? Was bei sehr technischen Projekten auch immer noch gut zieht ist OpenSource. Kannst du denn umreissen um was es ungefähr geht? Was soll der Chip machen? Wie viel Geld benötigst du? Wie viel würde ein Chip/Kit/Whatever kosten?
Wenn Du ein technisch versiertes Publikum ansprechen möchtest, dann erkläre genau das Funktionsprinzip, die Schnittstellen, die Voraussetzungen und Einschränkungen. So daß ein technisch versierter Leser sich ein gutes Bild davon machen kann und einschätzen kann, ob das Produkt realistisch ist. Im Gegensatz zu normalen Herstellern willst Du vorher Geld als Investition haben und verkaufst kein fertiges Produkt. Der Investor geht ein deutlich höheres Risiko ein als ein normaler Käufer. Bevor er das eingeht, will er sich selber ein gutes Bild machen können. Oder die Meinung von anderen lesen die sich da genauer informiert haben. Hier sind ein paar gute Beispiele zu Produkten zu finden die sich selbst durch unvollständige, widersprüchliche oder unrealistische Angaben diskreditieren: http://www.eevblog.com/forum/crowd-funded-projects/
Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders? Ich ganz persönlich bevorzuge Geräte,die aus handelsüblichen Chips aufgebaut sind und bei welchen der Quellcode/Hexdump vorhanden ist. Und die meisten Spezialchips gibt es bereits fertig von AD,TI,Maxim, Xilinx, Atmel, Microchip etc und die sind in der Regel auch 20 Jahre später auf irgendeine Art in kleineren Stückzahlen erhältlich. Nimm ich aber den Chip von dir, von welchem vielleicht ein paar 1000 gefertigt werden, so gibts den nach 20Jahren vermutlich nimmer und das Gerät in dem der verbaut war, ist Schrott/Edelschrott. Ausserdem ist der Chip wegen der kleinen Stückzahl schweineteuer. Vieleich willste auch sowas wie den Äppelkram mit eigenem Chip nachbauen => kannste grad vergessen, weil du das nie so billig hinbekommst, sodass es auch jemand kauft.
Blauer Blaubär schrieb: > Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders? Nix. Gibt's schon, aber aus mehreren verschiedenen Elementen aufgebaut. Deshalb wird's warscheinlich keinen Investor interessieren, aber vielleicht Käufer, denen es ihre Entwicklungsarbeit erleichtert, weil sie bestimmte Elemente ihrer Entwicklung nicht mehr validieren müssen, sondern meine fix und fertige Lösung nur noch anwenden müssen. Eben wegen dem Schweineteuer will ich es erst mal sehen, wieviele es denn gerne haben wöllten, und dann wird es mit der Bestellung auch was, oder auch nicht, wenn es zu wenige sind. Wisst Ihr gute, günstige Lohn-Chipfertiger?
Martin G. schrieb: > Blauer Blaubär schrieb: >> Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders? > > Nix. Das ist aber nicht gerade eine gute Strategie, um für dein Vorhaben zu werben. Martin G. schrieb: > Gibt's schon, aber aus mehreren verschiedenen Elementen aufgebaut. Warum so geheimnisvoll? Wenn du da wirklich Investoren finden willst, musst du eh mehr Daten raus rücken, hier könntest du auch schon auf Interessenten stoßen ;-) Martin G. schrieb: > aber > vielleicht Käufer, denen es ihre Entwicklungsarbeit erleichtert, weil > sie bestimmte Elemente ihrer Entwicklung nicht mehr validieren müssen, > sondern meine fix und fertige Lösung nur noch anwenden müssen. Da ist die Frage, ob dann dein Chip 100% beim ersten Wurf funktioniert. Ansonsten ist so was eher für größere Serien interessant, hier werden sich aber die Hersteller ihre eigenen Chips fertigen. Vor allem, da das Risiko bei deinen Chips um einiges höher sein wird, als Teile von etablierten Herstellern zu nehmen, von denen es dann auch noch oft second source Teile gibt. Also eher "Kleinbastler", eventuell eine Art Arduino on Chip, wo dann schon das Netzteil integriert ist? Ansonsten könnte auch die Zeitspanne für diese Art der Geldfindung problematisch werden. Wenn man mit 6 Monaten von deinem fertigen Design bis zum Eintreffen der Chips bei dir rechnet, wird das schon für einige Privatnutzer abschreckend. Besonders, wenn es dann ein Redesign bräuchte und sich die Zeit verdoppelt. Ansonsten; wie viel Erfahrung hast du denn auf dem Gebiet, womit designst du die Chips, etc? Wenn es wirklich interessant ist, könnte auch ein Chiphersteller selbst Interesse haben und dir das für entsprechende Eigenrechte machen. Aber wenn das ein Schaltplan aus zwei verbundenen 555ern ist und du sagst "bitte auf Chip portieren" dürfte es eher düster aussehen. Eben schwer abzuschätzen, wie gut dein Wissenstand und wie interessant der Chip wirklich ist.
Martin G. schrieb: > Kickstarter oder Indiegogo Das ist mittlerweile beides so überlaufen (auch mit viel Schrott)... da haben selbst gute Projekte sehr oft Schwierigkeiten ihre Ziele zu erreichen. Auch waren da in den letzten Jahren oft Leute unterwegs die ihre Projekte technisch eigentlich gar nicht umsetzen könnten (weil Quereinsteiger ohne Ahnung) und es dann in den Sand gesetzt haben oder die angegebene Lieferzeit um 1 - 3 Jahre überschritten haben - da ist das Vertrauen in solche Plattformen bei vielen schon dahin.
Dass man geliehenes Geld zurückzahlen muss, haben dir deine Eltern schon gesagt?
be kickstarter oder ähnlichen Plattformen wird dir aber kein Geld geliehen. Hat dir das schon jemand gesagt?
Den Chip zu designen würde ich in Auftrag geben, warscheinlich gleich dem Fertiger, der davon Ahnung hat, und auch seine Siliziumfertigungsschiene kennt. Da hier so viele wissen möchten, was es werden soll: Ohne Schutz kann ich nichts verraten... Ob sich ein Patent aber lohnt ist auch so eine Frage... Bleiben wir doch noch beim Thema, gibts noch irgendwelche Aspekte, die ein erfolgreiches Projekt charakterisieren?
Mit KS und Konsorten würde ich zur Vorsicht raten. Wenn die Dinger für eine Sache gut sind, dann dafür, ein massentaugliches Produkt, welches schon zu Ende entwicklet ist, praktisch und kostengünstig zu bewerben und die Kosten für die Massenfertigung vom Kunden vorstrecken zu lassen. Als "Venture Kapital"-Quelle, als die sie sich gerieren, sind sie völlig nutzlos! Die Leute leihen Dir ja kein Geld und wollen es verzinst zurück, sondern sie kaufen ein Produkt. Und da Du denen nicht mehr als ein paar Prozent Aufschlag auf den endgültigen Preis abknöpfen kannst (Shitstormgefahr), ja eher noch Rabatt geben musst, hast Du am Ende nicht viel von dem Geld. Außer, dass Du Dich plötzlich um das hegen und pflegen der social media, der blogosphere, Logistik, Verpackung und Zoll kümmern musst. NIEMAND wird bei Kickstarter die Entwicklung eines Geräts finanzieren! Richtig gemacht hat es zB der Typ von Magniclight mit beiden Projekten: das Ding war mehr oder weniger fertig, es ist ein super überteuertes Teil mit riesiger Gewinnspanne aufs Material und der Markt ist groß (Fahrradfahrer und Hipster, insbesondere die Schnittmenge der beiden). Wenn Du meinst Dein Chip ist in 3 Monaten in 2000 Exemplaren auf Deinem Tisch, na dann nix wie los!
Martin G. schrieb: > Blauer Blaubär schrieb: >> Und was ist an diesem Chip so genial/speziell/besonders? > > Nix. Gibt's schon, aber aus mehreren verschiedenen Elementen aufgebaut. vs. Martin G. schrieb: > Da hier so viele wissen möchten, was es werden soll: > Ohne Schutz kann ich nichts verraten... > > Ob sich ein Patent aber lohnt ist auch so eine Frage... Was denn nun? Wenn es nichts Neues ist, sondern nur mehrere Funktionen in einen Chip integriert, ist wohl eher nicht schützens-/patentwürdig. Warum du nichts zu deinem Projekt erzählen möchtest verstehe ich auch nicht so ganz. Spätestens wenn du das ganze auf Kickstarter startest, musst du ja die Karten offenlegen. Oder hast du Angst, dass noch schnell jemand heute Nacht eine eigene Kickstarte-Aktion mit deiner Idee lostritt?
Boris P. schrieb: > Warum du nichts zu deinem Projekt erzählen möchtest verstehe ich auch > nicht so ganz. Spätestens wenn du das ganze auf Kickstarter startest, > musst du ja die Karten offenlegen. > Oder hast du Angst, dass noch schnell jemand heute Nacht eine eigene > Kickstarte-Aktion mit deiner Idee lostritt? Nee. Ich möchte nur so Geschichten Vermeiden wie die mit Pebble, wo die Idee und Finanzierung mit $10,266,845 super war, ein Jahr später aber Apfel und Sumsum diese Idee komplett kopiert/geklaut hat. Weil eben kein Schutz vorhanden war. Auch mit Schutz werden sie es mir klauen, nur eben kann ich da wenigstens eine Chance auf Einigung haben. Ich frage mich ob Pebble irgendeinen Schutz hatte.
Ok. Ich antworte mir selbst: Pebble hat ein Patent: http://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/originalDocument?CC=US&NR=2013040610A1&KC=A1&FT=D&ND=3&date=20130214&DB=worldwide.espacenet.com&locale=en_EP Also die Patentierung war schon angetreten, als sie Kickstarter eigeschaltet haben...
Pebble hat die Smartwatches nicht erfunden, die gabs schon über ein Jahrzehnt vorher als erste Prototypen. Du willst gegen Firmen wie Apple (oder meinetwegen Texas Instruments, Infineon...) ein Patent verteidigen? ;-) Hast Du das Geld gute Anwälte über >3 Jahre hinweg durch alle Instanzen zu bezahlen? Ein Patent zu besitzen nutzt Dir gar nix wenn Du es nicht verteitigen kannst (= Geld wie Heu hast). Zumal große Firmen über ein mächtiges Defensiv-Portfolio mit tausenden Patenten verfügen mit dem sie DICH im Gegenzug belangen können wenn Du irgendwas davon auch nur Ansatzweise verwendest. Schwupps haste zwei Patentverfahren zu stemmen... Das Patentsystem nutzt kleinen Erfindern schon lange nicht mehr viel. Leider.
Fällt keinem mehr was ein, wie man eine wahrscheinlich gute Idee so gut wie möglich vermarkten kann?
Dein Problem und nicht nur deines besteht im ersten Satz:
> Ich möchte einen kleinen aber interessanten Chip herstellen,
Deinen Wunsch in allen Ehren, aber es scheint niemanden zu
interessieren, wie toll dein Schaltkreis ist, oder aber - noch schlimmer
- es besteht vielleicht kein Bedarf.
Ich habe zuerst in meiner Selbständigkeit eben genau diesen Fehler
gemacht, das zu entwickeln, was ich toll fand und von dem ich dachte,
dass es jemand anderes ganz bestimmt ganz dringend braucht bzw. auch
ganz toll findet. Dann macht man ein wenig Werbetrara und der Laden
läuft und man verdient sich zum Krüppel.
War aber nicht.
Glücklicherweise bin ich dann auf jemanden gestoßen, der etwas ganz
bestimmtes brauchte. Dieses Gerät erschien mir im Gegensatz zu meinen
geplanten Entwicklungsobjekten so geistlos, trivial, unprätentiös und
die Ingenieursehre dermaßen beleidigend, dass ich den Auftrag eigentlich
gar nicht übernehmen wollte.
Hab ich dann aber doch gemacht. Hunger macht charakterlos.
Innerhalb der letzten sieben Jahre ist daraus ein ganzes Gerätesortiment
entstanden, bei dem ich weltweit der einzige Lieferant bin.
Der geistige Anspruch dieser Geräte ist immerhin noch so hoch, dass
unsere chinesischen Genossen das bis heute nicht nachbauen konnten.
Einziger Wermutstropfen: 95% der Produktion kommen unter fremdem Namen
unter die Kunden, was andererseits auch den Vorteil hat, dass ich mich
nicht mit dem Endkunden herumschlagen muss.
Also vielleicht eher bei mittleren und großen Mittelständlern aufmerksam
horchen, was die so brauchen könnten.
Den Träumen von der schönen Entwicklung hinterherzuhängen, scheint nicht
viel zu bringen.
Im übrigen will ich dich nicht dazu verleiten, kleine Brötchen zu
backen.
Also, handele so, wie du denkst, es tun zu müssen.
Danke für deinen Beitrag. Es ist schön zu hören, daß dir es gelungen ist ein Produkt zu verkaufen. Gratuliere!
Hallo, zur Vermarktung kan ich nicht viel beitragen; zum Schützen der Idee schon etwas: Auch wenn es stimmt, dass es im Zweifel einfach geklaut wird (wenn es wirklich gut ist) und man dann Probleme hat, Recht zu bekommen, so ist gar nicht schützen auch keine Alternative. Abgesehen davon gibt es genug Patentanwälte, die gegen eine Gewinnbeteiligung arbeiten, so dass Du zumindest nichts vorstrecken musst. Allerdings bleibt das Risiko, den Prozess zu verlieren und damit die gegnerischen Anwaltskosten tragen zu müssen. Dem kann man aber im gewissen Maß mit einer Stufenklage beikommen (erst feststellen lassen, wem die Idee gehört, dann erst den Schaden einklagen). Die billigste und schnellste Variante des Schutzes ist dabei im Fall eines Gerätes das Gebrauchsmuster. Kostet bei Online-Anmeldung 30 Euro und bietet bis zu 10 Jahre (theoretisch) den gleichen Schutz wie ein deutsches Patent (dieses schützt aber bis zu 20 Jahre). Auch kannst Du innerhalb von 12 Monaten noch eine Patentanmeldung daraus ableiten. Sobald Du den Gebrauchsmusterschutz beantragt hast, kannst Du dann allen von der tollen Erfindung erzählen (bzw. beim Gebrauchsmuster sogar schon bis zu 6 Monate vor Anmeldung, dann lässt sich aber kein Patent mehr ableiten). Schöne Grüße, Martin
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