Hallo zusammen, ich möchte physikalisch die Übertragungsrichtung in meinem Ethernet (100BASE-TX) vorgeben. Da Ethernet in den halb-duplex Modus wechseln kann, genügt es nicht, einfach das entsprechende Adernpaar (Rx oder Tx) zu trennen. Außerdem hat der Controller per Auto MDI-X die Möglichkeit, die Adernpaare zu tauschen (Rx könnte zum Senden verwendet werden oder umgekehrt). Mein Ansatz ist es deshalb, vor dem Übertrager einen OpAmp einzuschleifen. Ich würde also einen einfachen(?) Spannungsfolger verwenden. Soweit die Theorie. Offen gesagt habe ich aber nicht viel Erfahrung mit OpAmps. Funktioniert das in der Praxis so? Welchen OpAmp könnte ich dafür nehmen? Sehe ich das richtig, dass jeder mit >=125MHZ GBW passen würde? Muss ich noch irgendwas bzgl. der Frequenzkompensation beachten? Schöne Grüße Steffen
Ich halte das für eine "verrückte" Idee. Von so einem Vorhaben habe ich noch nie gehört. Meine Glaskugel sagt: Du suchst eine Firewall.
Willst du eine vorhandene Karte umbauen? Für Eigenentwicklungen gäbe es reine physical layer transceiver, mit TX_DATA und TX_ENABLE Eingang.
Meine Frage zielte darauf ab, dass viele Protokoll einen Datentransfer in beide Richtungen zwingend benötigen.
Noch einer schrieb: > Willst du eine vorhandene Karte umbauen? Für Eigenentwicklungen > gäbe es > reine physical layer transceiver, mit TX_DATA und TX_ENABLE Eingang. Ja, ich möchte eine vorhandene Karte umbauen (eine Eigenentwicklung ist zu aufwändig). Kannst Du mir bitte trotzdem ein Beispiel für solch einen IC nennen? Evtl. finde ich dann Karten, auf denen so einer verbaut ist (und kann mir das Umbauen per OpAmp sparen). Jan Berg schrieb: > Meine Frage zielte darauf ab, dass viele Protokoll einen > Datentransfer > in beide Richtungen zwingend benötigen. Ach so. Es gibt eine bereits eine lauffähige Lösung. Dort wird der Umweg über eine optische Übertragung genommen, bei der der entsprechende LWL nicht angeschlossen ist. Ich suche nach einer günstigeren und platzsparenderen Lösung. Falls es Dich interessiert, schau (beispielsweise) mal hier: http://ephemer1c.wordpress.com/2013/05/16/data-diode/ .
Paul Hamacher schrieb: > Wozu braucht man so was? In deutschen Wikipedia steht nichts, aber in der englischen: http://en.wikipedia.org/wiki/Unidirectional_network Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand bei meiner Frage weiterhelfen könnte: Klappt das mit einem OpAmp? Welche wäre dafür geeignet? Nach welchen Kriterien muss ich schauen? Kann ich da jeden beliebigen nehmen, der eine GBW von >=125MHz besitzt? Grüße Steffen
Steffen Hausinger schrieb: > Hallo zusammen, ... > Da Ethernet in den halb-duplex Modus wechseln > kann, genügt es nicht, einfach das entsprechende Adernpaar (Rx oder Tx) > zu trennen. Doch, das tut es, auf Schnittstellen mit getrennten Adernpaaren sind auch die Signale getrennt. Bei halbduplexen Verbindungen kommt halt das was Du rein schickst gleich wieder zurück. > Außerdem hat der Controller per Auto MDI-X die Möglichkeit, > die Adernpaare zu tauschen (Rx könnte zum Senden verwendet werden oder > umgekehrt). Das ist eher ein Problem, da Du aber eh vorher schon die Autonegotiation abschalten musst, kannst Du auch Auto MDI-X deaktivieren.
Christian Berger schrieb: > Das ist eher ein Problem, da Du aber eh vorher schon die Autonegotiation > abschalten musst, kannst Du auch Auto MDI-X deaktivieren. Ja, das stimmt schon. Jedoch schalte ich sie per Software ab. Ich bin aber explizit auf der Suche nach einer Hardware-Lösung. Also nach etwas, dass ich vollständig kontrollieren kann. Die Info mit dem Betrieb per halb-duplex habe ich übrigens von einem anderen User: Beitrag "Re: Unidirektionale Datenverbindung zwischen zwei Rechnern aufbauen" .
Also man muss ja jetzt keine KLimmzüge mit Opamps machen. Schonmal darüber nachgedacht 2 Ethernet PHYs miteinander zu verbinden und das eben nur für eine Richtung? Die PHYs haben das sognenannte MII Interface. http://en.wikipedia.org/wiki/Media_Independent_Interface
Steffen Hausinger schrieb: > Welchen OpAmp könnte ich >100MHz: Mein Horoskop sagt, daß diese Signale etwas verschliffen und verzögert sein könnten durch den OPV.
Meiner Einschätzung nach ist das nicht so trivial, dass man sagen könnte, das es mit einem OP einfach so funktioniert. Also Finger weg. Die Leitungscodierung hat meist mehrere Spannungslevel (zumindest bei GbEth), und das Halb-Duplex macht es nicht einfacher. Die Idee von Martin Martin Wende schrieb: > Schonmal darüber nachgedacht 2 Ethernet PHYs miteinander zu verbinden > und das eben nur für eine Richtung? > Die PHYs haben das sognenannte MII Interface. > http://en.wikipedia.org/wiki/Media_Independent_Interface finde ich sehr gut. Man kann die Phys auch meist ohne FW so einstellen, dass sie keine Auto-negotiation machen und sich gleich als Halb-Duplex melden. Am MII Interface kann man das TXEN einfach auf 0 setzen und somit werden keine Daten mehr gesendet, aber falls notwendig wird die Leitungscodierung dementsprechend aufrecht erhalten. Ich bin in 10/100 MBit Ethernet leider zu weit weg. Aber wie gesagt, bei 1G Ethernet (sollte wohl ähnlich sein) ist das ganze nicht gerade einfach.
Wenn du ein Adernpaar kappst, wird das sowieso nichts mehr mit MDI-X, oder auch nur mit 100Mbit. Oder überhaupt mit Ethernet. Wenn keine Link-Pulse empfangen werden, denkt der MAC nämlich, es steckt kein Kabel in der Buchse, und sendet nichts, bzw. der Treiber meldet dann, daß die Schnittstelle tot ist. Link Pulse kann man fälschen, dann klappt zumindest 10Mbit. Oder man konfiguriert den Chip fest auf 100Mbit Vollduplex und irgendeinen Testmodus, damit er das Fehlen der Link-Pulse ignoriert. Dazu braucht man aber wahrscheinlich den Quelltext des Treibers. Wenn du das schon mal mit optischem Ethernet gemacht hast, gehe ich davon aus, daß mit den höheren Protokollschichten alles geklärt ist. Für IP z.B. (TCP kann man ja eh vergessen) muß man da ja die ARP-Tabelle von Hand bestücken. abc123 schrieb: > Meiner Einschätzung nach ist das nicht so trivial, dass man sagen > könnte, das es mit einem OP einfach so funktioniert. Also Finger weg. > > Die Leitungscodierung hat meist mehrere Spannungslevel (zumindest bei > GbEth), und das Halb-Duplex macht es nicht einfacher. Bei twisted-pair bis 100Mbit ist das Halbduplex nur künstlich, d.h. die MACs beider Seiten halten sich an die Regel, nicht gleichzeitig zu senden (wg. Rückwärtskompatibilität); es ist trotzdem für jede Richtung genau ein Adernpaar vorhanden. Mit mehreren Spannungsleveln sollte ein OP als grundsätzlich analoges Bauteil ja einigermaßen klarkommen. Und wenn er für den Frequenzbereich grundsätzlich geeignet ist, sollte er das Signal auch nicht schlimmer verschleifen als 100m Kabel das tun. Verzögerung spielt auch keine Rolle: der Empfänger kann ja nicht wissen, wann gesendet wurde.
Steffen Hausinger schrieb: > Ja, ich möchte eine vorhandene Karte umbauen Du hast also einen normalen PC und suchst dafür eine passende Netzwerkkarte die Du umbauen kannst? Wird glaube ich gar nicht mehr einfach, denn Du kannst ja nicht einfach auf PCI/PCIe-Ebene irgendwas blocken, sondern Du musst zwischen MAC und PHY und dort die passenden Leitungen unterbrechen. Und schon seit einigen Jahren sind MAC und PHY bei PC-Netzwerkkarten in einem gemeinsamen IC untergebracht. Du kommst also nicht so einfach an die nötigen Verbindungen. Etwas eigenes mit 2 PHY-ICs und nem µC der die konfiguriert hochzuziehen wäre zwar möglich, ich halte es aber nicht für wirtschaftlich. Du schreibst ja daß Du schon erfolgreich LWL-Medienkonverter einsetzt. Die Schiene würde ich weiter gehen und dort nach günstigen Komponenten suchen. Die Dinger sind echt nicht mehr teuer: Je 2 Stück von http://www.ebay.de/itm/311072659260 und http://www.ebay.de/itm/301307563515 zusammen sollten es eigentlich tun, das wären ca. 60 EUR insg. Geht wahrscheinlich noch günstiger, das waren jetzt nur 3 Minuten Suche. Mit einer selbstentwickelten Lösung dürfte es erst billiger werden wenn Du viele Hundert Stück brauchst.
Soweit ich weiß, verwendet Airbus solche "Datendioden" um die beiden Ethernet-Bordnetze für Cockpit und Infotainment zu trennen. Es können nur Daten vom Cockpit Richtung Kabine fließen, um z.B. Höhe und Geschwindigkeit anzuzeigen. Andersherum ist eine Beeinflussung elektrisch ausgeschlossen. Sicherlich gibt es noch mehr solcher Anwendungsfälle und daher auch günstige Lösungen.
Alexander Schmidt schrieb: > Airbus [...] > daher auch > günstige Lösungen. Ich glaube nicht daß "Airbus" und "günstige Lösung" zusammenpasst. Im Flugzeug hast Du außerdem kein normales Ethernet, da steckt noch jede Menge spezifische QoS-Technik, Priorisierung, Bandbreitengarantien etc. schon auf den unteren Layern. Es gibt aber wirklich noch mehr sinnvolle Anwendungsfälle für sowas, auch mit ganz normaler PC-Technik: z.B. ein Logging-Server bei dem man sichergehen will, daß er nicht über das Netz manipuliert werden kann.
Es gibt doch kleine managebare Switche, wie zB den HP Procurve 1810-8G v2. Damit sollte so etwas hinzubekommen sein. Du kannst zB den Traffic an einem Port zusätzlich an einen anderen ausleiten (Port Mirroring). Wenn dann der Mirror Port in einem anderen VLAN ist, müsstest Du Deine Konfiguration haben. fchk
Frank K. schrieb: > Wenn dann der Mirror Port in einem anderen VLAN ist, müsstest Du Deine > Konfiguration haben. Nein, weil sich das nach wie vor alles auf der Software-Ebene abspielt und Software bekanntermaßen "angreifbar" ist. Ich finde es erstaunlich wie wenig Verständnis es für den Fragesteller hier gibt. So ungewöhnlich ist die Anforderung nämlich nicht, und ich wünschte mir, dass sich die Industrie mit ihren Atomkraftwerken, Staudämmen und was es sonst noch so an "gefährlichen" Einrichtungen gibt, eine Scheibe davon abschneiden würde, anstatt alles willenlos ans Internet zu hängen, weil Fernwartung ja so bequem ist. Spätestens seit Stuxnet sollte doch bekannt sein was man mit reiner Software alles anstellen kann. Und da helfen VLANs und Treibermanipulationen nicht weiter, weil es prinzipiell angreifbar ist. Mit freundlichen Grüßen, Karol Babioch
Vielen Dank für Eure Antworten. Ich hatte geplant, den OpAmp zwischen PHY IC und Übertrager Baustein einzusetzen. Das hätte den Vorteil, dass es günstig und platzsparend ist. Schade, dass das nicht ohne Weiteres funktioniert. Ich werde mir die Idee mit den 2x PHY MII Bausteinlösung von Gerd E. diese Woche anschauen! Grüße Steffen
Du suchst einen "Network Tap". Für Glasfaser und 10/100Mbit geht das rein passiv, für Kupfer Gigabit leider nicht so leicht. Da du den etwas zweckentfremden willst und nicht Daten mitschnorcheln, müsstest du ggf. am anderen Ende ein Dummy-Device hängen, damit der Quellrechner einen Link aufbaut. Im einfachsten Fall kann das ein dummer kleiner Switch sein. Am Mirror Port greifst du dann dein Nutzsignal ab. Jedwedes Verbindungsorientiertes Protokoll auf höheren Ebenen ist damit natürlich ohnehin raus, denn antworten geht ja nicht.
>z.B. ein Logging-Server bei dem man >sichergehen will, daß er nicht über das Netz manipuliert werden kann. In dem man verhindert das er Daten senden kann? Hier würde das Datenempfangen wohl eher ein Sicherheitsproblem darstellen... gruß Jonas
Dir ist aber schon klar, dass über diese "Diode" das heute übliche TCP/IP-Protokoll nicht funktioniert? Zu jedem gesendeten Datenpaket gehört ein Acknowledge, und das kommt dann nicht durch. Darüber hinaus besteht der Grundgedanke bei CD/MA darin, erst am Bus zu lauschen und nur zu senden, wenn dort gerade Ruhe ist. RX-Only wäre möglich. D.h. ein Netzwerksniffer, der den Datenverkehr nicht beeinflußt. Aber Du scheinst ja TX-Only haben zu wollen.
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