Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Musikverteilung in der Wohnung


von Klaus P (Gast)


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Ich möchte in meiner Wohnung Musik von einer Stelle aus verteilen. Ich 
weiß, dass es Systeme wie Sonos und Teufel (Raumfeld) gibt, die sind mir 
aber zu teuer und ich möchte mich nicht auf ein einzelnes proprietäres 
System einlassen. Daher (und aus anderen Gründen) möchte ich auch kein 
Apple mit AirPlay etc.

Zuerst die heutige Situation:
- Musiksammlung MP3 auf einer FritzBox
- Eine Denon CEOL RCD-N8 mit passiven Boxen
- Ein Pearl Auvisio Internetradio APD-100.bt an einer älteren 
Stereoanlage
- Küchenradio etc.

Das funktioniert - aber mehr schlecht als recht. Die Denon-Anlage 
braucht sehr lange, um auf die FritzBox oder auf ein Internetradio 
zuzugreifen, die Bedienung ist katastrophal. Die Wiedergabe bricht 
häufig ab. Die gespeicherten Internetsender gehen häufig verloren. Das 
Pearl Internetradio ist insgesamt etwas besser,  speichert aber nur 10 
Sender und hat eine kleinere Auswahl. Eine synchrone Wiedergabe ist mit 
der heutigen Konstellation nicht machbar.

Also habe ich squeezeplug auf einem Raspberry ausprobiert. Das 
funktioniert ebenfalls nicht so toll: Die Musiksammlung muss 
überarbeitet werden, weil andere MP3 Tags als bisher benutzt werden. 
Eine synchrone Wiedergabe auf DLNA Playern ist ebenfalls nicht möglich, 
nur mit anderen SqueezeLite Playern. Außerdem benötigt man einen Browser 
oder eine Handy- / Tablet-App, um das System zu steuern. Da mein Handy 
und mein Tablet meistens aus, leer oder unauffindbar sind, ist mir das 
zu umständlich.

Ich möchte:
1. Eine zentrale Station, an der ich
   - MP3 Alben starten kann, alternativ
   - Eine Internetradio-Station auswählen kann
2. Die zentrale Station sollte etwas tolerant sein und die Wiedergabe 
nicht bei dem kleinsten Netzwerkproblem abbrechen
3. Die zentrale Station sollte die Musik über das Netzwerk (WLAN) 
versenden. Ein Kanal reicht mir eigentlich aus, wenn es parallele Kanäle 
gibt, umso besser.
4. Unabhängige Empfänger, die die Musik aus dem Netzwerk abspielen und 
als analoges Signal ausgeben.
5. Die Empfänger sollten
   - Unempfindlich gegen An- und Ausschalten, Verlust der 
Stromversorgung etc. sein.
   - Nach dem Anschalten schnell arbeiten (so wie ein analoges Radio).
   - Evtl. eine Lautstärkeregelung enthalten
   - Evtl. eine Kanalauswahl enthalten
   - Der Signalqualität muss "ordentlich" sein. Ich höre noch bis ca. 11 
kHz, alles über 15kHz ist mir deshalb ziemlich egal. Aber hörbar 
rauschen sollte es nicht. 128kBit/s MP3 reicht mir vollkommen aus. 
Manche Internetradios empfange ich nur mit 32kBit/s.

Anscheinend gibt es so etwas nicht fertig, schon gar nicht als 
herstellerunabhängiges System. Einige der gewünschten 
Empfängerfunktionen hat AVM in den Fritz!Repeatern eingebaut. Da 
benötigt man aber wieder einen PC und muss umständliche Treiber 
installieren. Mit den Treibern von AVM habe ich aber schlechte 
Erfahrungen gemacht, daher scheidet das auch aus.

Meine Idee:
1. Einen Raspberry (oder etwas vergleichbares, ist mir eigentlich egal) 
als zentrale Station. Bedienelemente (Push-Drehwähler plus Screen oder 
ein Touchscreen) sollten anschließbar sein. Wenn die Software zu 
kompliziert wird, würde ich notfalls ein Tablet mit einer APP dafür 
missbrauchen und alles in ein Gehäuse einbauen.
2. Einen Server auf Windows-Basis würde ich auch akzeptieren, wenn er 
als eigenes kleines Gerät ohne 17" Bildschirm und Tastatur laufen kann.
3. Das Musiksignal sollte dann per UDP Broadcast im Haus verteilt 
werden. Die Auslastung im meinem Netzwerk ist normalerweise gering, 
eventuelle Unterbrechungen würde ich erstmal akzeptieren bzw. das ganze 
einmal testen.
4. Als Empfänger dann z.B. Arduinos oder eine ähnliche Plattform, die 
quasi sofort nach dem Einschalten läuft.

Fragen:
1. Weiß jemand, welche Server-Software für meine Idee geeignet ist? Die 
Funktionen von Squeezelite kommen dam ja schon recht nahe, aber gibt es 
noch etwas anderes? Insbesondere wenn man mehrere Kanäle verteilen 
möchte?
2. Kennt jemand fertige Lösungen / Treiber z.B. für den Raspberry, um 
das Musiksignal nicht analog auszugeben sondern als UPD-Pakete zu 
veteilen?
3. Hat jemand Erfahrung, ob ein Arduino ein brauchbares Audiosignal aus 
MP3 erzeugen kann?
3. Welche Library benötigt ein Arduino o.ä. für die Wandlung in ein 
analoges Signal?

Alle Hinweise, auch zu einzelnen Punkte sind hilfreich.

Danke!

Klaus

von Conny G. (conny_g)


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Ich habe vor Jahren mal mit Shoutcast gespielt, das ist eine 
Web-Radio-Sender-Software. Die könntest Du für die Verteilung im 
Netzwerk verwenden. Weiss nicht ob das heute noch der letzte Stand ist.
D.h. auch passende Webradio-Clients. Könnte man entweder auch mit 
Raspberry Pi selbst machen (mpd und mpc plus Touchscreen oder einfach so 
konfiguriert, dass sie einen Default-Stream abspiele). Und es würde mich 
wundern, wenn es nicht ganz kleine, kompakte Shoutcast Clients gibt... 
War damals zumindest ein Opensource-Standard in dem Bereich.

von Mark S. (voltwide)


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Für Deine Aufgabenstellung kann ich Dir zwar keinen konkreten Ratschlag 
geben. Aber ich kenne das Problem mit sehr langsamen Zugriffen über 
WLAN. Habe ich nämlich selbst, und Ursache sind Störungen verursacht 
durch die diversen Nachbarn, zeitweise sehe ich über 20APs. Wenn Du also 
nicht gerade im Eigenheim, sondern einem Mehrfamilienhaus wohnst, hast 
Du da möglicherweise ein prinzipielles Problem.
Ich bin vom Funk inzwischen ziemlich angepisst und hätte am liebsten 
überall LAN-Kabel.

von Gerd E. (robberknight)


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1. Schau Dir mal mpd an. Ich habe das auf dem Server laufen, Streaming 
zu den Clients (kleine ARM-Linux-Boxen) geht per Pulseaudio. Läuft gut.

2. Vergiss die Kombination von zuverlässig, schnell reagierend, synchron 
und WLAN. Nimm ne klassische Ethernet-Verkabelung, wenn es sein muss mit 
POF.

von Klaus P (Gast)


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Danke schon einmal für die Hinweise.

Shoutcast / Icecast scheint mit Arduinos zu laufen, hier gibt es einige 
(ältere) Projekte:
http://maniacbug.wordpress.com/2011/12/30/arduino-on-ice-internet-radio-via-shoutcast/
Ein MP3 Library gibt es auch für die VS1053 Breakout boards:
http://maniacbug.wordpress.com/2011/12/30/arduino-on-ice-internet-radio-via-shoutcast/

Das ist schon einmal ein Anfang.

mpd und pulseaudio werden ich mir auch einmal ansehen.

Ethernet-Kabel sind bei uns schwierig zu verlegen...

von Gerd E. (robberknight)


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Klaus P schrieb:
> Ethernet-Kabel sind bei uns schwierig zu verlegen...

Wie gesagt, schau Dir mal POF an, damit kommt man auch unter Türfugen 
und in Teppichritzen durch.

Mit WLAN wirst Du nicht glücklich werden, das ist zumindest meine 
Erfahrung und Marks Post oben geht genau in die selbe Richtung.

von Hubert M. (hm-electric)


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Ach bin ich glücklich ein altbackendes System zu haben, wo ich kein 
Netzwerk für die Musik brauch: Ein Tablet dient als MP3 Player, und ist 
über ein Kabel am Verstärker angeschlossen. Vom Verstärker geht es mit 
Lautsprecherkabel an die Lautsprecher in den verschiedenen Zimmer...
Ach, wie schön, gibt auch keine Störungen oder unterbrechungen...

von Klaus P (Gast)


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Gerd E. schrieb:
> Wie gesagt, schau Dir mal POF an, damit kommt man auch unter Türfugen
> und in Teppichritzen durch.
>
> Mit WLAN wirst Du nicht glücklich werden, das ist zumindest meine
> Erfahrung und Marks Post oben geht genau in die selbe Richtung.

Na mal sehen. Ethernet über Kabel ist mir zu aufwändig. Wenn schon 
Kabel, dann übertrage ich das NF-Signal direkt, vielleicht noch 
symmetrisch.

von PittyJ (Gast)


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Die Raspi-Audioausgabe ist qualitativ nicht sehr gut, Das liegt am 
verwendeten Verfahren. Es gibt aber Add-On Hardware z.B.
http://raspberry-hardware.com/die-wolfson-pi-audio-karte-fuer-raspberry-pi/
oder auch andere Klein-Rechner.

Ich verwendet einen Mini-Rechner (Intel) mit Itunes. Als MP-3 Datei 
Server läuft noch ein mt-daapd. Beides über Ethernet-Kabel verbunden.

Verteilt wird das über 2*150 Watt Boxen. Die hört man im ganzen Haus :-)

von Conny G. (conny_g)


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