Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Beidseitiges löten im Reflow Ofen


von Icke_Wa (Gast)


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Hallo liebe Forengemeinde,

seit kurzem haben wir auf der Arbeit einen kleinen Reflowofen und jetzt 
fragen wir uns plötzlich. Wie lötet man eigentlich jetzt beidseitig? 
Entweder bin ich zu blöd zum suchen oder das Internet ist da mit 
Informationen recht knauserig. Bei SMD Kondensatoren habe ich gesehen, 
dass diese vorher geklebt werden. Jetzt wollen wir aber unter Umständen 
auch mal auf beiden Seiten ein BGA Bauteil aufkleben oder noch schlimmer 
einer LCC Gehäuse mit Kühlfläche. Da habe ich dann unter dem Bauteil 
doch keinen Platz mehr um noch kleben aufzubringen? Wird dass dann 
aufgelötet, dann an den Bauteilrändern festgeklebt und dann die andere 
Seite gelötet? Das kann ich mir bei BGA ja noch vorstellen, aber bei LCC 
würde ich dann ja über die verlöteten Pins kleben. Ob das so schön ist.

Freue mich auf eure Tipps!

Beste Grüße,

Na Icke wa!?

von Cyblord -. (cyblord)


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Also ich löte in meinem Lötofen bisher ohne Kleber beidseitig. Das geht 
ohne Probleme wenn schwere Bauelemente alle auf einer Seite sind und 
diese wird als zweites gelötet. Normale ICs brauchen meist überhaupt 
nicht geklebt zu werden.  Mir ist noch keiner runtergefallen.
Erfordert natürlich immer 2 Durchgänge.

von Icke_Wa (Gast)


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Sprich du machst erst die leichten Bauteile, drehst die Platine um, 
packst die schweren drauf und gehst nochmal in den Reflow Ofen? Das 
flüssige Lötzinn hält die Bauteile dann fest oder wie? bzw. ... wenn dir 
dann ein kleiner Kondensator auf einmal abfällt ist das Drama groß oder 
wie?

von Icke_Wa (Gast)


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Nachtrag: Was wäre mit zwei verschiedenen Lötpasten mit 
unterschiedlichen Schmelzpunkten. Beim ersten Durchgang könnte man dann 
mit 220Grad löten, beim zweiten nur noch mit 170Grad. Das einzige 
Problem ist nur, dass ich nur bleihaltige Lötpasten finde, die einen so 
niedrigen Schmelzpunkt haben. Da es sich nicht im privaten Abspielt, 
fällt die leider raus :/ Gibt es sowas auch bleifrei?

von Cyblord -. (cyblord)


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Icke_Wa schrieb:
> Sprich du machst erst die leichten Bauteile, drehst die Platine um,
> packst die schweren drauf und gehst nochmal in den Reflow Ofen?
Ja

> Das
> flüssige Lötzinn hält die Bauteile dann fest oder wie?
Ja

> dann ein kleiner Kondensator auf einmal abfällt ist das Drama groß oder
> wie?
Ja dann geht die Welt unter.

von dunno.. (Gast)


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Icke_Wa schrieb:
> Das flüssige Lötzinn hält die Bauteile dann fest oder wie? bzw. ... wenn dir
> dann ein kleiner Kondensator auf einmal abfällt ist das Drama groß oder
> wie?

das erkennst du dann am AOI oder ICT. ;)

aber grad die kleinen und leichten teile bleiben wirklich im flüssigen 
zinn hängen, in der regel.

von Cyblord -. (cyblord)


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dunno.. schrieb:

> das erkennst du dann am AOI oder ICT. ;)

Eben. Du kannst ja nicht immer, auch bei einseitig, von 100% beim Löten 
ausgehen. Grabsteineffekte usw. können immer mal auftreten. Also 
brauchst immer irgendeine Kontrolle am Ende.

von Max G. (l0wside) Benutzerseite


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Erfahrung hier: alles bis zu ca. 1210-Kerkos fällt nicht runter, ICs 
sowieso nicht. Die Oberflächenspannung des flüssigen Zinns hält sie 
fest.

Problematisch wären also nur Elkos oder große Induktivitäten. Die 
solltest du dann alle auf einer Seite platzieren und dann diese Seite 
als zweites löten. Ist für die Elkos sowieso besser, wenn sie nur einmal 
die Temperatur sehen.

Max

von Icke_Wa (Gast)


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cyblord ---- schrieb:
> Ja dann geht die Welt unter.
Jetzt werden se doch nicht gleich so zynisch der Herr! Wir haben hier 
z.B. grade ne Platine wo wir nur 2 Samples haben und danach riesige 
Mindestbestellmengen kommen (alles sehr problematisch). Da wärs dann 
schon schade, wenn das Board im Eimer ist, nur weil sich auf der unter 
Seite der ein oder andere 0201 Kerko verabschiedet. Aber naja. irgendwie 
würde man auch den wohl dann wieder drauf bekommen ...

Habe grade tatsächlich noch ne Bleifreie Lötpaste gefunden mit nem 
Schmelzpunkt von 140Grad. So lange das Bauteil nicht viel Leistung 
umsetzt sollte das ja kein Problem sein...


Auf jedenfall schonmal vielen Dank an dieser Stelle für die Tipps. Für 
Prototypen klingt das eigentlich alles in Ordnung. Aber der Interesse 
halber würde es mich trotzdem nochmal interessieren, wie die Profis das 
mit der Kleberei machen. Gibts hier jemanden, der sowas schonmal gesehen 
hat oder auf der Arbeit die ganze Zeit macht :P Hoffe ich stoße da in 
keine Betriebsgeheimnisse vor :P

von Marc V. (Firma: Vescomp) (logarithmus)


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Icke_Wa schrieb:
> Prototypen klingt das eigentlich alles in Ordnung. Aber der Interesse
> halber würde es mich trotzdem nochmal interessieren, wie die Profis das
> mit der Kleberei machen. Gibts hier jemanden, der sowas schonmal gesehen

 Feuerfestes Schaumgummi ?

von Andreas L. (andi84)


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Ich kenne das mit den "leichten" Bauteilen auch so, dass man die zur not 
auch Rückseitig setzen kann. Kleine SMD-Winderstände und -Kondensatoren 
fallen eigentlich nie runter. Auch SOT-23 sind meistens "erlaubt". QFN 
geht je nach größe auch.
Große Chips mit Ekelraster, BGA, FPGAs, Tantal-Cs und Elkos immer auf 
der zweiten Seite, also der, die zuletzt gelötet wird.
ist eigentlich eine normaler Prozess. Gleiche Lötpaste auf beiden 
Seiten.
Zuerst die "Unterseite" Paste, Bestückung, Löten
anschließend "Oberseite" gleiches Prozedere.
Anschließend Selektiv- oder Handlöten von unhandlichen THTs. Je nach 
Anforderungen mit AOI-Schritt dazwischen oder danach.
Abschließend typischerweise E-Test.
Grabsteine und Co treten dabei auf beiden Seiten praktisch gleich 
wahrscheinlich auf. Es kann natürlich immer sein, dass ein SMD, das beim 
ersten Löten gerade noch liegen geblieben ist (und dann ggf irgendwann 
Kontaktprobleme machen wird) sich beim zweiten Durchlauf doch noch 
aufstellt oder gleich ganz abfällt. Ist aber sehr selten.
Was man tunlichst vermeiden sollte sind Erschütterungen beim zweiten 
Reflow-Schritt.
Vorteil am Klebeprozess wäre, dass die Board nur einmal durch die 
Lötstraße müssen.
Wenn man Wellenlöten will, muss man SMDs unterseitig allerdings sowieso 
kleben.

von Icke_Wa (Gast)


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Ja das macht soweit etwas sinn. Um aber der einfachen Lösung nochmal 
Steine in den Weg zu legen. Was mach ich denn wenn ich auf beiden Seiten 
BGA Bauteile habe? Oder zumindest größere und etwas schwerere Bauteile. 
Oder zogar schlimmst anzunehmender Fall: Auf beiden Seiten ein LCC 
Gehäuse mit Kühlerfläche. Bei BGA könnt ich mir vorstellen, dass man an 
den Rändern nach dem ersten Reflowdurchgang eben einen Kleber anbringt, 
damit der bleibt wo er ist und nicht abfällt, aber Bei LCC mit 
Kühlerfläche ... wo soll da der Kleber hin? Muss bei sowas dann dem 
Layouter auf die Finger gehauen werden oder gibts da noch nen coolen 
Trick?

von Sebastian (Gast)


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BGAs neigen eigentlich nicht zum runterfallen. Kleben ist da such 
schlecht, höchstens Unterfüllen könnte man. Und beim LCC kann man 
kleben, wenn es aus Keramik ist. Wenn es sich um eine Form mit 
Unterseitenpad handelt, hält das aber durch die Oberflächenspannung des 
geschmolzenen Zinns. Ansonsten vielleicht doch lieber auf die Oberseite.

von Icke_Wa (Gast)


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Also verstehe ich das richtig, dass es eigentlich keinen Grund gibt zu 
kleben? Warum macht die Industrie das dann oder ist das nur für 
militärische Platinen die mechanisch belastbar sein müssen???

von :-) (Gast)


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Icke_Wa schrieb:
> Also verstehe ich das richtig, dass es eigentlich keinen Grund gibt zu
> kleben? Warum macht die Industrie das dann oder ist das nur für
> militärische Platinen die mechanisch belastbar sein müssen???

Man klebt Bauteile um diese dann über die "Chipwelle" fahren zu können!
Die Bauteile werden also ohne Lötpaste bestückt! Daher der Kleber!

von chris (Gast)


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Die Industrie kann rechnen, und klebt nur wenn es notwendig ist, oder
sie klebt Bauteile fuer das Wellenloeten.
Die Annaeherungsformel ist
Bauteil(Gramm) / Kontaktflaeche-Pins(square inch) < 30 .
Wenn dies zutrifft, dann geht es ohne kleben.
Bei BGA sowie QFN ab 50 Pins gibt es eine genauere Formel, bzw
Grafiken mit Pinanzahl und Divergenz zur einfachen Formel.
Abgesehen von Bestueckungslinien mit inline Dispensern, sind es eher
langsame Linien welche solche Platinen bestuecken.

Ohne Absprache mit Bestuecker geht da aber wenig, da dieser eventuell
Probleme mit dem Transportband hat und deswegen sowas nicht macht,
keine Maschine dafuer hat, usw.

von Soul E. (Gast)


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Icke_Wa schrieb:

> Sprich du machst erst die leichten Bauteile, drehst die Platine um,
> packst die schweren drauf und gehst nochmal in den Reflow Ofen?

Die "richtigen" SMD-Strassen heizen von oben und wärmen von unten. D.h. 
das Low wird auf der Unterseite im Idealfall gar nicht mehr weich. Falls 
Euer Prototypen-Ofen isotherm ist, müsste man es drauf ankommen lassen. 
Wie aber schon mehrfach geschrieben wurde -- die Oberflächenspannung 
hält ganz ordentlich.

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