Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Anfängerfrage zu Tastköpfen für Lecroy 9410 Dual 150 MHz Oszilloskop


von Marco (Gast)


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Guten Morgen,

ich beschäftige mich erst seit kurzem mit Mikrocontrollern und bin dabei 
erste Gehversucher zu machen. Um bestimmte Sachverhalte besser zu 
verstehen / analysieren zu können, möchte ich mir nun ein Oszilloskop 
zulegen ohne viel dafür zu zahlen. Aktuell habe die Möglichkeit ein 
recht günstiges Lecroy 9410 Oszilloskop zu erstehen (2 Kanal 150 MHz) - 
einziges Manko: Die Tastköpfe fehlen. Da ich Oszilloskope eigentlich nur 
aus Youtube Videos kenne und keine praktische Erfahrung damit sammeln 
konnte hier nun die Anfänger-Frage: Welche Tastköpfe brauche ich dazu? 
Muss ich auf irgendwas achten oder kann man die quasi von der Stange als 
Standardprodukt von beliebigen Herstellern kaufen? Ein günstiges 
Oszilloskop nutzt mir am Ende nicht viel, wenn ich (im Verhältnis zum 
Kaufpreis) ein Vermögen für Tastköpfe ausgeben muss.

Grüße aus dem Saarland und schon mal danke an alle die sich die Mühe 
machen zu antworten. Falls ihr sonst noch Hinweise habt, könnt ihr die 
natürlich auch noch gerne loswerden (falls zum Beispiel das Gerät aus 
eurer Sicht völlig unsinnig für mein Vorhaben ist oder ich bei 
Gebrauchtgeräten noch ganz bestimmte Dinge beachten muss).

Marco

von Olaf (Gast)


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Bei normalen Tastkoepfen kannst du im Prinzip kaufen was du willst. Die 
sind immer austauschbar.Also ich sag mal Spannungmessung von 0 bis 
200Mhz.

Eventuell kann es sein das ein Tastkopf nicht den 1:10 Umschaltkontakt 
bedient. Dann stimmen alle angezeigten Spannungswerte nicht, nutzbar 
sind die aber schon.

Kritischer wird das bei speziellen Tastkoepfen. Zum Beispiel fuer Strom, 
oder Differenztastkoepfe. FET-Probes. Die versorgen sich dann unter 
Umstaenden ueber spezielle Anschluesse mit Spannungen.

Und allgemein gilt je moderner und teurer ein Oszi um so kritisch kann 
das sein.

Olaf

von Rufus Τ. F. (rufus) Benutzerseite


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Nimm keine 1:1-Tastköpfe, sondern nimm Tastköpfe mit eingebautem 
1:10-Teiler. Damit verringerst Du zwar die zu messende Spannung, 
belastest das zu messende Signal aber nicht so stark.

Durchaus anständig und für den Anfang mehr als ausreichend sind diese 
Tastköpfe hier:

http://www.reichelt.de/?ARTICLE=32415

http://www.reichelt.de/?ARTICLE=32416

Ansonsten: Definierere, was "günstig" ist.

Mittlerweile bekommt man für erstaunlich wenig Geld neue 4-Kanal-DSOs 
(bei denen dann auch gleich vier Tastköpfe beiliegen).

Der derzeitige Preisknüller ist ein Gerät mit zwar nur 50 MHz 
Bandbreite, aber dafür kostet es auch nur etwa 350 EUR.

Sofern bei den µC-Basteleien keine SDRAM-Interfaces o.ä getestet werden 
müssen, kommt man auch mit 50 MHz schon sehr weit.

von Mike (Gast)


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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Damit verringerst Du zwar die zu messende Spannung,
> belastest das zu messende Signal aber nicht so stark.

Der entscheidende Grund für den Einsatz von 1:10-Tastköpfen ist die 
HF-Kompensation. Ohne diese Kompensation werden hochfrequente 
Pulssignale durch Kabel- und Eingangskapazität des Oszis übel verformt.

von Rufus Τ. F. (rufus) Benutzerseite


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Mike schrieb:
> Ohne diese Kompensation werden hochfrequente Pulssignale durch Kabel-
> und Eingangskapazität des Oszis übel verformt.

Andere (detailliertere) Worte, gleiche Aussage.

von Mike (Gast)


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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Damit verringerst Du zwar die zu messende Spannung,
> belastest das zu messende Signal aber nicht so stark.

Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Mike schrieb:
>> Ohne diese Kompensation werden hochfrequente Pulssignale durch Kabel-
>> und Eingangskapazität des Oszis übel verformt.
>
> Andere (detailliertere) Worte, gleiche Aussage.

Das ist eine grundlegend andere Aussage, denn ob man das zu messende 
Signal belastet oder ob man eine total verformte Signalform zu sehen 
bekommt, ist schon ein kräftiger Unterschied.

Wenn man z.B. von der Quelle bis zum Oszi-Eingang mit 50Ω-Technik, also 
Leistungsanpassung arbeitet, wird die Quelle kräftig belastet, aber das 
Signal kommt heil rüber.

von Mike (Gast)


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Aber eigentlich ging es um Tastkopfempfehlungen. Für den Einstieg reicht 
IMHO ein Set - oder besser zwei, falls mal einer kaputt geht - für 10€ 
von unseren Freunden aus dem fernen Osten (ebay "Oscilloscope Probe").

Für den Preis kann man nicht sooh viel verkehrt machen. Die meist 
angebotenen 100MHz reichen natürlich nicht, wenn man irgendwelche 
richtig schnellen Signale angucken möchte, aber für einen 16MHz µC ist 
das ganz in Ordnung. Als Ergänzung empfiehlt sich ein kleiner 
Logikanalysator, wie man ihn bei Ebay mit "8ch 24mHz" findet.

von Marco (Gast)


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Guten Abend,

vielen Dank an alle für die vielen Antworten. Insbesondere die beiden 
Links zu den Probes haben mir eine Vorstellung davon gegeben, was ich 
brauche - Danke Firefly.

Günstig bedeutet für mich bei dem Gerät 200 Euro. Aber ob es wirklich 
günstig ist, werde ich erst nach ausgiebiger Benutzung wissen, da ich 
mir mein mageres Wissen nur durch Lesen in Foren und Youtube angeeignet 
habe. Im Zweifelsfall bekomme ich das Gerät aber für diesen oder einen 
besseren Preis wieder los.

Ob ich den Kauf am Ende tätige, werde ich in der kommende Woche mit mir 
selbst ausmachen müssen.

Nochmals Danke und viele Grüße :)

von S. C. (samc)


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Hi,

ich hatte mal ein ganz ähnliches Oszilloskop, durfte die gleiche Reihe 
gewesen sein aber 2x350MHz.
Problem: Eingangsspannung nur bis 1V, nicht wie sonst üblich 5V. Also 
auch mit 1:10 Teiler nur max 10V messbar.

Und bei etwas Überspannung gingen die Eingansverstärker kaputt, 
unreparabel bzw unrentabel.

Im 50Ohm Modus hats dann zwar noch funktioniert, macht aber nur mit 
einer FET Probe Sinn. (hatte eine, mit 1:100 Teiler dann auch)

Wenn du keine Erfahrung damit hast, würde ich auch eher zu einem 
billigen aktuellen DSO raten, die verzeihen in der Regel viel mehr.

Grüße,
Simon

von testtest (Gast)


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Bei den ollen Lecroys gingen zuerst die 50-Ohm Widerstände kaputt. War 
aber einfach zu reparieren. Die Kisten können bei 1MEG 250V ab, bei 50 
Ohm aber nur max. 5V.
Was bei nicht-Lecroy Tastköpfen fehlt ist die automatische Anpassung des 
Teilers. Lecroy kocht da eine eigene Suppe und ist nicht zu TEK 
kompatibel. Kann man aber verschmerzen und billige Testtec nutzen.

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