Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Einstellung eines PID Reglers


von Flo N. (dave001)


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Hallo liebe Leute!

Ich habe eine kleine Frage und hoffe ihr könnt mir hierbei weiterhelfen.
Im Bild sind zwei Kurven ersichtlich, die Sollkurve (ROT) und die 
Istkurve (BLAU).

Es handelt sich hier um eine Messung von einem Ofen. Dabei wird 
aufgeheizt, dann die Temperatur gehalten. Wieder aufgeheizt und wieder 
die Temperatur gehalten.

Es ist ein PID verbaut. Meine Frage nun, welche Anteile müssen 
verändert/verbessert werden, um die Regelung besser zu gestalten.

Meine Meinung dazu: P-Anteil und I-Anteil erhöhen. Was der D Anteil hier 
zu suchen hat weiss ich nicht, da ich nur Laienwissen in der 
Regelungstechnik besitze.

Ich freue mich über jede Hilfestellung

LG
Dave

von Warum? (Gast)


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try 'nd error?

P-Anteil leicht runter, D-Anteil erhöhen, I-Anteil leicht erhöhen.

von Warum? (Gast)


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ne, D-Anteil auch leicht runter.

von Kachelofen (Gast)


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Der I-Anteil kompensiert den statischen Regelfehler des P-Reglers, da 
man dessen Verstärkung nicht auf +oo stellen kann. Viel I-Anteil macht 
den Regler träge und langsam, da jede Abweichung über die Zeit 
integriert, also aufsummiert wird. Bei sich rasch ändernder Istgröße 
kann das zum Problem werden. Beispiel: Ofentür wird während des 
Aufheizens geöffnet => Differenz Soll-Ist wird größer, mehr 
Heizleistungszufuhr => Ofen wieder zu => Überschwinger, da der 
Integrator immer noch die Soll-Ist-Differenz bei geöffneter Klappe 
"gespeichert" hat.

D-Anteil macht den Regler "schneller", da versucht wird, über die 
Steigung des Fehlersignals eine Prognose der Soll-Ist-Differenz in naher 
Zukunft zu treffen. Damit kann aber z.B. auch die thermische Kapazität 
bzw. auch Ankopplung des Heizelements teilweise kompensiert werden. Viel 
D-Anteil macht den Regler "nervös"; einfach mal für diesen Fall das 
Ofen-auf-Beispiel durchdenken.

von HW Entwickler (Gast)


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sieht so aus, als ob deine IST Kurve nach links verschoben wurde.
Nicht kausales Verhalten, es sei denn du hast magische Kugel im System 
:)
Ich tippe eher auf Zeitstempelfehler.

Geht es dir darum bleibende Abweichung wegzubekommen oder Regelung
schneller zu machen? Ich tippe auf das erste und empfehle I-Anteil
zu erhöhen.

von Warum? (Gast)


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Kachelofen schrieb:

Die Kurve zeigt eine dauerhafte Abweichung -> P runter, I rauf.

Bei den Knicken der Soll-Kurve erfolgt eine stärke Änderung -> D runter

von Luigi (Gast)


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Wie du siehst ist hier jeder nur am Raten...
Frag mal google wie man einen PID relativ geschickt und schnell 
einstellt.
Die meisten mir bekannten Ansätze versuchen das System zunächst rein mit 
dem P-Antei zu stabilisieren. Erst im Anschluss können D- und I-Anteile 
eingespielt werden. Aber ohne Ausprobieren wird das nicht klappen.
Ein PID-Regler ist meines Wissens ja nur eine Art handhabbare Notlösung 
zum idealen Regler, welcher die Kenntnis der Dynamik des echten Systems 
voraussetzt. Da man die aber eher selten hat, muss man eben 
ausprobieren.
Viele viele Versuche, sauber dokumentiert, führen zum Erfolg. Und der 
Schlüssel ist die Dokumentation, sonst wirst du dich ganz schnell im 
Wald der Parameter verlaufen und verlierst die Lust!

PID sind 3 Parameter-Dimensionen... Und stabil und unstabil liegen in 
dem Raum nicht selten ganz nahe beieinander!

von Detlef K. (adenin)


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Flo Norbert schrieb:
> Es ist ein PID verbaut.

Das Bild sieht höhstens wie ein P-Regler aus, ohne den geringste 
I-Anteil.
Also zu erstmal ki erhöhen.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Das PDF zur Application Note AVR221 von Atmel erklärt anhand von 
Grafiken sehr gut die Wirkungsweise der P,I, und D Faktoren:
http://www.atmel.com/Images/doc2558.pdf

von Flo N. (dave001)


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Danke für die Antworten, das werde ich mal näher betrachten für die 
Reglerkonfiguration.

Eine Frage noch: Es heisst immer, dass der D-Anteil die Regelung 
schneller macht, bis jetzt verstehe ich dieses Phänomen nicht. Wenn der 
P Anteil erhöht wird, bekommt man eine schnelle Istwertänderung, und der 
I Anteil gleicht dann den Fehler aus (falls vorhanden). Wozu ist nun 
eigentlich der D Anteil da ?

Ist er dafür da um den P- und I Anteil zu unterstützen um diese noch 
schneller zu machen?

LG
Dave

von Amateur (Gast)


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Auch geraten:

In den meisten Fällen lohnt der D-Anteil nicht.
Der Grund hierfür ist einfach der: Die Nachteile überwiegen die 
Vorteile.

Da es sich in Deinem Falle um einen Ofen handelt - also Sprünge in der 
Temperatur nicht zu erwarten sind - sind Reaktionen auf schnelle 
Ereignisse nicht wichtig.

Auch das oben angesprochene Öffnen der Ofentür rechtfertigt keine 
schnelle Reaktion. Das Absinken der "Lufttemperatur" im Ofen und meist 
völlig neue Ausgangswerte durch das Be- oder Entladen des Ofens bedingen 
keine schnelle Reaktion, sondern eine neue Einstellung der Heizleistung.

Probleme treten auch oft nur dadurch auf, dass der Anwender zu Gattung 
der Sehmänner gehört. Diese stehen unter dem ständigen Drang die Ofentür 
zu öffnen, um zu sehen... keine Ahnung nach was.

von Max M. (jens2001)


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HW Entwickler schrieb:
> sieht so aus, als ob deine IST Kurve nach links verschoben wurde.
> Nicht kausales Verhalten, es sei denn du hast magische Kugel im System
> :)
> Ich tippe eher auf Zeitstempelfehler.

Warum wird auf diesen m.M. nach berechtigten Einwand nicht eingegangen?
So ist das alles doch nur Kaffesatzleserei.

Fürmich sieht das auch nicht nach einem Regelungsproblem sondern eher 
nach einem Messfehler mit ca. constantem Offset aus. Wurden die 
Kontrollmessungen mit dem selben Messaufnehmer und an dem selben Ort wie 
der Aufnehmer für die Regelung gemacht?
Sonst mal nachkalibrieren.

Ansonsten zur Grundeinstellung eines Reglers als erstes mal eine 
Sprungantwort aufnehmen.

von Detlef K. (adenin)


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Max Mustermann schrieb:
> Warum wird auf diesen m.M. nach berechtigten Einwand nicht eingegangen?
> So ist das alles doch nur Kaffesatzleserei.

Wenn Du das Forum länger beobachtest, wirst Du feststellen, dass 
beigestellter (wenn überhaubt was beigestellt ist) Sourcecode, Daten, 
Zeichnungen oder was auch immmer, meist so rauskopiert, neu abgetippt 
(mit neuen Fehlern) oder sonstwie verstümmelt sind, dass eine 
Fehlersuche zu meheren Interpretationen führen wird.
Hier ein aktuelles und besonders schönes Beispiel: 
Beitrag "STM32F4 Flash wird dauernd beschrieben"

von Wolle G. (wolleg)


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Flo Norbert schrieb:
> Meine Meinung dazu: P-Anteil und I-Anteil erhöhen. Was der D Anteil hier
> zu suchen hat weiss ich nicht, da ich nur Laienwissen in der
> Regelungstechnik besitze.

Die Einstellmethode von PID-Reglern nach "Ziegler-Nicols" soll zwar 
"altmodisch" sein, führt aber zumeist zum Erfolg.
siehe 
auch:http://de.wikipedia.org/wiki/Faustformelverfahren_%28Automatisierungstechnik%29

von Flo N. (dave001)


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Also das Thermoelement für den Ofen sitzt oben im Eck, der quasi die 
Temperaturrampen im Ofen regeln soll. Unser Thermoelement haben wir am 
Boden mittig platziert der am Datenlogger hängt.
Es handelt sich um einen Kammerofen, die Größe der Heizkammer ist mit 
dem Innenraum einer Mikrowelle vergleichbar.
Zusätzlich ist dieser Ofen mit einer integrierten Luftumwälzung für eine 
angeblich optimale Wärmeverteilung ausgestattet.
hmm :/

von not easy (Gast)


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Die beiden Kurven haben drei sehr markante Knicke. Verschieb die Kurven, 
damit die Knicke direkt den gleichen Zeitpunkt treffen.

Für mich sieht das nach einem PD Regler aus.

von Karl H. (kbuchegg)


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Interessant waere auch eine Beschriftung der Kurven. In welcher 
Groessenordnung bewegt sich die Abweichung? Wenn das Zehntelgrad sind - 
vergiss die Abweichung. Wenn das 10 Grad sind - ok du hast 
moeglicherweise Handlungsbedarf. Moeglicherweise deshalb, weil eine 
absolut gleichmaessige Temperaturverteilung in einem bestimmten 
hinreichend grossen Volumen ein Mythos ist.

Bist du sicher, dass du die Kurven nicht verwechselst. Ist seltsam wenn 
die Isttemperatur schon in einen ansteigenden Ast geht, noch bevor die 
Solltemperatur eine hoehere Vorgabe macht.

von Ulrich H. (lurchi)


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Das die blaue Kurve schon vor der roten (Sollwerte) reagiert, sieht 
verdächtig aus. Wenn das ein Programmregler ist, wäre das eventuell 
möglich, wenn der die zukünfigen geplanten Änderungen schon aus 
Ausnutzt. Das wäre dann aber mehr als ein PID Regler.

Wegen der Abweichung sieht es danach aus, das der I Anteil fehlt oder 
viel zu klein ist. Bei einem 2. Sensor für die Messung kann das aber 
auch einfach die Abweichung der Sensoren sein.

Der D- Anteil ist ein Versuch den gemessenen Wert ein wenig in die 
Zukunft zu extrapolieren und damit ein Überschwingen zu verringern. Man 
benötigt den D Anteil ggf. wenn der Regler sehr schnell im Vergleich zum 
System werden soll.

Die Einstellung des D Anteils ist aber nicht ganz einfach, zumal ein 
realer Regler keinen wirklichen D Anteil haben kann, sondern immer nur 
ein Bandbreitenbegrenzte Näherung davon. Man hat damit ggf. 2 Parameter 
für den D Anteil (den eigentlichen Faktor und dazu die Dämpfung bzw. 
Filterung). Da sich die Umsetzungen in dem Punkt unterscheiden passen 
auch die üblichen Einstellregeln nicht unbedingt immer.

Die Kurve sieht nach einer eher langsamer, konservativen Einstellung des 
Reglers aus. Man könnte also vermutlich den P und I Anteil noch 
vergrößern oder den D Anteil etwas verkleinern. So wirklich viel kann 
man aus der Kurve aber auch nicht ablesen, vor allem wenn der Ist-wert 
von einem anderen Sensor kommt als der für die Regelung genutzt wird.

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