Ein déjà-vu? In der Tat. Das hatten wir doch bereits am 03.12. im Thread "Neuer Atomunfall im Südosten der Ukraine". Da war ein Transformator defekt. Leider musste dieser Thread vom Moderator zwangsabgeschaltet werden, weil dort eine unkontrollierte Kettenreaktion der Teilnehmer stattfand. Diesmal heisst es in der Titelzeile: "Neue Atompanne in der Ukraine". Immerhin kein "Atomunfall" mehr. Lernt die Presse ein wenig dazu ? Was war es diesmal? Zitat: Der Grund sei eine Störung des Transformators, sagte Energieminister Wladimir Demtschischin. Dies sei ein technisches Problem, das in wenigen Tagen behoben sein werde. Um das Kraftwerk sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden. Also wieder eine 'Atompanne im Transformator'? Was sind denn da für böse Atome in so einem Transformator vorhanden? Schon komisch, diese reflexartige Meldung "Um das Kraftwerk sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden." Als ob eine Störung im Transformator eine erhöhte Strahlung produzieren könnte. Vielleicht die bösen Atome?
Bernd K. schrieb: > Schon komisch, diese reflexartige Meldung "Um das Kraftwerk sei keine > erhöhte Strahlung gemessen worden." Was ist daran komisch? Das ist schlicht Routine. Seitens der Betreiber, irgendwelchen Pressestellen und den Journalisten. Selbst wenn im Pförtnerhäuschen der Papierkorb abgebrannt ist kommt dieser Text. > Als ob eine Störung im Transformator > eine erhöhte Strahlung produzieren könnte. Es weiss natürlich längst jedes Kind, dass Trafos nichts mit der Kerntechnik selbst zu tun haben?
A. K. schrieb: > Es weiss natürlich längst jedes Kind, dass Trafos nichts mit der > Kerntechnik selbst zu tun haben? Aber irgendwie muss es doch einen Zusammenhang geben, wie könnten sonst die Atomstromfilter funktionieren.
Da viele Spezialisten da nicht mehr arbeiten dürfen, werden sich die Unfälle häufen bis sie alles im Griff haben - oder auch nicht. Das sind nur die Vorboten. Man will jetzt Brennstäbe nachbauen lassen. Der Hersteller warnt davor. LG old.
Bernd K. schrieb: > Schon komisch, diese reflexartige Meldung "Um das Kraftwerk sei keine > erhöhte Strahlung gemessen worden." Als ob eine Störung im Transformator > eine erhöhte Strahlung produzieren könnte. Nun, ich habe die Meldung zwar nicht gelesen, aber vermutlich musste durch den Ausfall des Trafos das AKW abgeschaltet werden. Dadurch verändern sich die Wärmeverhältnisse im Reaktor und es können kurzzeitig erhöhte Spaltmaße auftreten. Dadurch wiederum kann eine gewisse zusätzliche Menge an radioaktiven Gasen frei- werden, die in der Gesamtstrahlungsbilanz eines AKWs für das ganze Jahr berücksichtigt werden muss. Allerdings sind diese Werte typischerweise geringer als die natürliche Radioaktivität. Es besteht also keinerlei Grund für irgendwelche Panikmache. Gruss Harald
Man kann sich auch aus erster Hand informieren: http://www.npp.zp.ua/news#news-1328 dann kann man sich Mutmaßungen ersparen: Im Moment (Uhrzeit 12:10 Uhr) sind alle 6 Blöcke im Gange und die abgegebene Leistung beträgt 5308 Megawatt. Zitat: 28 декабря 2014 года в 22 часа 35 минут энергоблок №6 Запорожской АЭС после устранения неисправности подключен к сети. Ведется набор мощности. В настоящий момент в работе находятся 6 энергоблоков. Радиационный фон на промплощадке и в санитарно-защитной зоне (территория вокруг АЭС радиусом 2,5 км) – 8-12 микрорентген в час, что соответствует природному радиационному фону в месте расположения Запорожской АЭС. Übersetzung sinngemäß: Am 28.12.14 wurde der Block 6 um 22:35 Uhr nach erfolgter Reparatur wieder in Betrieb genommen. Gegenwärtig sind alle 6 Blöcke in Betrieb. Die Strahlungswerte in einem Radius von 2,5km um das Kraftwerk betragen 8-12 Mikroröntgen, was dem natürlichen Strahlungshintergrund am Standort des Kraftwerkes entspricht. Ich weiß nicht, warum es Einigen so unbändige Freude macht, mit Pseudo- ironie Panik zu schüren... MfG Paul
Wenn ich den Text dort richtig verstehe, dann wurde das Teil 05:59 runter- und noch am gleichen Tag um 22:35 wieder hochgefahren, d.h. es war nur 16,5 Stunden weg. Das finde ich insofern interessant, als sie es damit noch innerhalb der Phase hoher Xenonvergiftung wieder hochfuhren. Die erreicht ihren Peak 10 Stunden nach Abschaltung und das Zeug baut sich mit 9h Halbwertszeit ab. Die müssen es schon wirklich eilig gehabt haben - bei manchen Typen ist ein Anfahren zu dem Zeitpunkt mangels Reaktivitätsreserve nicht möglich. http://en.wikipedia.org/wiki/Iodine_pit#Iodine_pit_behavior
A. K. schrieb: > Wenn ich den Text dort richtig verstehe, dann wurde das Teil 05:59 > runter- und noch am gleichen Tag um 22:35 wieder hochgefahren, d.h. es > war nur 16,5 Stunden weg. Ja, das ist richtig. > Das finde ich insofern interessant, als sie es > damit noch innerhalb der Phase hoher Xenonvergiftung wieder hochfuhren. > Die erreicht ihren Peak 10 Stunden nach Abschaltung und das Zeug baut > sich mit 9h Halbwertszeit ab. Ich bin kein Kernphysiker und kann dazu nichts Vernünftiges sagen, aber: Dieses Kraftwerk wird, wie man an seiner Auslastung sieht gut genutzt. Wahrscheinlich wird man auf jedes Watt dringend angewiesen sein, denn viel an der projektierten Leistung fehlt nicht. Wenn der Fehler gefunden und behoben ist, spricht doch Nichts dagegen, die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen. MfG Paul
Paul Baumann schrieb: > Wenn der Fehler gefunden > und behoben ist, spricht doch Nichts dagegen, die Anlage wieder in > Betrieb zu nehmen. Reaktoren haben eine zeitliche Dynamik, die etliche Stunden nach erheblicher Lastreduktion zu Problemen beim Neutronenfluss führen kann. IMHO sind manche Typen entweder technisch dazu überhaupt nicht in der Lage, oder landen in einem unzulässigen Betriebsbereich. Dieser Typ entspricht grundsätzlich den hiesigen Reaktortypen, was die Situation etwas entschärft. Bei einem Reaktor vom Tschernobyl-Typ wäre das ziemlich riskant. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte massgeblich damit zu tun, dass sie sich in genau diesem "iodine pit" befanden.
@A.K. Ich nehme an, daß ein "Störfall" in irgendeinem Kraftwerk auf der Welt mit Sicherheit mit dem Bedienpersonal in jedem anderen Kraftwerk umge- hend ausgewertet wird, nach der Methode: "Das und Das ist dort passiert, wir haben den gleichen Reaktortyp, das darf hier nicht passieren bzw. kann hier technisch nicht passieren, weil XXX hier anders aufgebaut ist als dort" Ich bin auch der Meinung, daß eine Bedienmannschaft in einem Kernkraft- werk nicht aus Bäckern, Schneidern und Frisören besteht. (Nicht falsch verstehen! Ich will die Berufe nicht schlechtmachen, sondern nur verdeutlichen, daß nicht Jeder für Alles ausgebildet ist.) MfG Paul
Paul Baumann schrieb: > nicht aus Bäckern, Schneidern und Frisören besteht. Yep. Leider gibts neben Vorschriften auch immer mal das Prinzip "Druck von oben", das einen Vorschriften übergehen lässt, weil einem der Job lieber ist als die Aktenordner im Schrank. Ich will hier keine Panik machen, keine Sorge. Ich finde es genau wie ich schrieb einfach nur interessant, weil mir früher etwas andere Zeitrahmen dafür mitgeteilt wurden. Kann gut sein, dass sie damit genau im zulässigen Rahmen lagen.
ich tippe mal sie haben nach der zwangsabschaltung uber den trafoschutz nach Checkliste auf einen Reserve-Trafo umgeschaltet den reaktor unter kontrolle gehalten und nach ausschluß weiterer gefahren das System nach Checkliste wieder hochgefahren bis der Ofen wieder auf Nennlast ist braucht es etwas Zeit das ist kein Porsche und auch kein Elektromotor. Ich denke sie werden genau deshalb so schnell wieder oben gewesen weil sie das Zeitfenster optimal genutz haben. 2 h Kontrollen 1h vorbereiten 2h warten für optimalen anfahrzeitpunkt der Turbinen auf Leerlauftemperatur anfahren 9h auf Normalbetrieb hochfahren. Anders läuft das auch in Konventionellen Grundlastkraftwerken nicht ab. zumindest war das bei uns im HKW wo ich von 1987 -1989 auf der E-Schaltwarte geschichtelt habe auch ohne Störung nicht anders. Die zeit braucht es schon damit der schicht ing alles bürokratiegerecht abwickeln kann und das ist bei den мужчины(Kerlen) nicht anders als in DL. записочки (zettelchen)und Обслуживание Промокашка(Dienstkladde) haben auch da mehr Kraft als irgend ein Technisches Erfordernis und solange sie в сроки (Zeitrahmen) bleiben kein Problem damit. Namaste
Winfried J. schrieb: > ich tippe mal sie haben nach der zwangsabschaltung uber den trafoschutz > nach Checkliste auf einen Reserve-Trafo umgeschaltet den reaktor unter > kontrolle gehalten und nach ausschluß weiterer gefahren Ja klar, Druck und Temp von Null neu aufbauen zu müssen will man da unbedingt vermeiden. Es ging mir aber um Nebeneffekte der Reaktorphysik, da hilft das nicht weiter. Bei konventionellen Kraftwerken gibts die nicht.
In den Bereich sind die gar nicht eingetreten, denke ich. Notfalls haben sie den überschüssigen Dampf über Dach geblasen und sind im Leerlauf gefahren. Wichtig ist doch nur, dass die Kesselspeisepumpen weiter Wasser ranschaffen um die überschüssige Energie loszuwerden. Eine Reaktorabschaltung wird gar nicht stattgefunden haben. Lediglich waren eine Turbinen not-gestoppt worden. Dafür ist das Wärmesystem träge genug. Also beeinträchtigt das auch nicht die Reaktorphysik. Anders sieht es aus, wenn du den Rraktor erwürgen musst weil du die Wärme sonst nicht fort bekommst. Dann heißt es Feuer aus und es bleibt dir nichts anderes übrig als die Vergiftung in Kauf zu nehmen. Aber davon waren die weit entfernt. Außerdem arbeitet ein Dampferzeuger bei den Russen zumeist auf min 2 (oder mehr) Generatorsätze. Fällt nun ein Generatorsatz aus weil der Generatortrafo.... so wird der Reaktor nur gedrosselt und der 2. Generator hält den Eigenbedarf des Reaktorblockes aufrecht während der Block vom Netz genommen wird. da steckt ei Haufen redundanz drinnen auch beden Russen und dass die Russen die Ukraine als Teil ihrer Hemispäre ...sonst gäbe es dort keine russisch KKW.
Winfried J. schrieb: > Also beeinträchtigt das auch nicht die Reaktorphysik. Mit Druck und Wärme hat das, worauf ich mich bezog, absolut nichts zu tun. Sondern mit kernphysikalischen Vorgängen. Es ist dafür auch völlig egal ob "Feuer aus", Leerlauf oder (anteilig) Teillastbetrieb. Lastreduktion des Reaktors geht mit einer entsprechenden Reduktion des Neutronenflusses einher. Damit reduziert sich der Xenon-Abbrand sofort. Die Xenon-Produktion durch Iod-Zerfall jedoch läuft noch viele Stunden weiter, basierend auf der Vollast-Situation. Die Folge ist eine starker Xenon-Aufbau im Reaktor, der nach 10 Stunden seine Spitze erreicht. Nur ist dieses Xenon 135 ein extrem wirksamer Neutronenabsorber. Wenn der Reaktor nicht genug zulässige Reaktivitätsreserve hat, dann kriegst du erst nach 2-3 Tagen überhaupt wieder eine ausgeglichene Neutronenbilanz hin, davor geht nichts. Vermeiden kannst du das nur, indem du die Reaktorleistung nicht auf Leerlauf reduzierst, sondern mit weiterhin hoher Leistung fährst und die Energie an Turbine(n) vorbei in Kühltürme oder Fluss jagst, um den Neutronenfluss hoch zu halten. Aber du hast recht, das ist ein mögliches Szenario.
Es steht doch alles da, man muß es nur lesen: Реакторная установка находится на 40% мощности. Der Reaktor wurde ab 5:59 Uhr mit 40% seiner Leistung betrieben. Ich fand leider nichts darüber, auf wieviele Generatoren bzw. Turbinen der Reaktor arbeitet, kann mir aber vorstellen, daß es pro Block z.B. 4 Stück a 250MW sind, damit man auch mal in Ruhe eine warten/reparieren kann. Insofern müsste man dann auch nicht die Leistung sinnlos "vernichten" MfG Paul
Ich wette darauf, alles andere gäbe keinen Sinn. Namamste
Paul Baumann schrieb: > Der Reaktor wurde ab 5:59 Uhr mit 40% seiner Leistung betrieben. Dein Russisch ist offensichtlich besser als das des Webübersetzers. Dessen Wortschwall konnte ich an dieser Stelle nicht enträtseln.
A. K. schrieb: > Dein Russisch ist offensichtlich besser als das des Webübersetzers. Da mußt Du mich mal nach 3 Bier erleben. Dann spreche ich auch japanisch mit finnischem Akzent, obwohl ich es nie gelernt habe. :-)) MfG Paul
Hallo Ich habe da ein paar Fötöli aus dem Innern des größten europäischen AMW gefunden. Spielzeug würde ich das nicht nennen. ;) http://www.npp.zp.ua/Info/Gallery/inside
Winfried J. schrieb: > Ich habe da ein paar Fötöli aus dem Innern des größten europäischen AMW > gefunden. Spielzeug würde ich das nicht nennen. ;) Kommt drauf an wohin man schaut. Faszinierend ist es im Maschinenhaus, wenn man sich die Turbinen ansieht. Immerhin 40% der Energie kommt aus der Hochdruckturbine und die übersieht man in dieser riesigen Halle mit den gewaltigen Niederdruckteilen gerne, vor lauter Rohrleitungen drumrum, so spielzeughaft klein wirkt die darin. Leider steht niemand daneben, aber man kann das über Grösse und Höhe der Absperrkette abschätzen: http://www.bayern-online.com/v2261/artikel.cfm/203/Hochdruck-Turbine.html http://www.bayern-online.com/v2261/artikel.cfm/203/2-Maschinenhaus.html
A. K. schrieb: > Es ging mir aber um Nebeneffekte ... Bei konventionellen Kraftwerken gibts die nicht. Gibts schon, oder? Da gibt es doch Turbinen, die nicht stillstehen dürfen, weil sich sonst die Achsen irreparabel verbiegen.
Timm Thaler schrieb: >> Es ging mir aber um Nebeneffekte ... Bei konventionellen Kraftwerken >> gibts die nicht. > > Gibts schon, oder? Da gibt es doch Turbinen, die nicht stillstehen > dürfen, weil sich sonst die Achsen irreparabel verbiegen. Zitiere bitte nicht sinnentstellend: "Es ging mir aber um Nebeneffekte der Reaktorphysik" Klar gibt es auch bei anderen Kraftwerken Nebeneffekte. Aber keine Reaktorphysik.
Ja, ham ja auch selten Reaktoren. ;-) Ich meinte damit nur: Einfach abschalten ist auch woanders nicht unbedingt zu empfehlen.
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.