Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Differential-Treiber IC gesucht


von 90R (Gast)


Lesenswert?

Hi,

aufgrund der Baugröße und der Vermeidung von Verwechslungen mit anderen 
Buchsen, würde ich gerne USB3.0 Buchsen verwenden um mit vier weiteren 
Platinen zu kommunizieren. Es sollen also vier USB3.0 Buchsen auf meiner 
Hauptplatine verbaut werden.

Die Datenübertragung soll per Differential-Signalübertragung umgesetzt 
werden. Hierfür gibt es viele Treiber-ICs. Allerdings stoße ich dabei 
immerzu auf Chips für LVDS, welche für einen Wellenwiderstand von 100 
Ohm ausgelegt sind. USB hat jedoch einen Wellenwiderstand von 90 Ohm.

Ich liege doch richtig, dass ich diese ICs (wie z.B. den SN65LVDS3487) 
nicht für ein 90 Ohm Kabel verwenden sollte. Oder? Oder stehe ich gerade 
total auf dem Schlauch?

von Stefan F. (Gast)


Lesenswert?

Im Datenblatt des SN65LVDS3487 steht klar drin, dass er nur für 100 Ohm 
Last gedacht ist. Ich wage nicht, dem zu widersprechen.

Etwas weiter unten heisst es jedoch: "The nominal characteristic 
impedance of
the interconnect should be between 100 Ω and 120 Ω with a variation of 
no more than 10% (90 Ω to 132 Ω)."


Welche anderen IC's du mit "diese ICs" meinst, kann ich nicht wissen, 
also auch nicht beantworten.

von isidor (Gast)


Lesenswert?

Stefan Us schrieb:
> Im Datenblatt des SN65LVDS3487 steht klar drin, dass er nur für
> 100 Ohm Last gedacht ist. Ich wage nicht, dem zu widersprechen.

So genau bekommt man die Impedanzverhältnisse im Gesamtsystem nie
hin. Jedenfalls nicht bei differentiellen Leitungssystemen.
Jede Stossstelle (Platine->Stecker, Stecker-> Steckverbindung,
Steckverbindung->Kabel, usw.) stellt eine signifikante Störung
des Impedanzniveaus dar, und keiner von den Digitalinskies
kann mir vorbeten wie Impedanzgetreu das alles ausgestaltet geht.

Daher wage ich aus dem Hüftgelenk heraus zu behaupten dass ein
100 Ohm Differentialtreiber auch in einem (ungefähr ausgestalteten)
90 Ohm System erfolgreich Daten übertragen kann. Man hat ja noch
die Freiheit den Differential-Empfänger mit seinem Abschluss-
widerstand (frei wählbar) an die Gegebenheiten ein wenig anzupassen.
Belibt noch die Gretchenfrage bis zu welcher Datenrate das
alles funktionieren soll. Beim Mikrocontroller wird ja irgendwo
bei 50 MBit Schluss sein, und das geht allemal.

Ich denke dass in einem Twisted-Pair LAN Kabel die Impedanz-
Verhältnisse noch weitaus ungenauer definiert sind und es
funktioniert trotzdem bis in die GBits.

von Rufus Τ. F. (rufus) Benutzerseite


Lesenswert?

90R schrieb:
> aufgrund der Baugröße und der Vermeidung von Verwechslungen mit anderen
> Buchsen, würde ich gerne USB3.0 Buchsen verwenden um mit vier weiteren
> Platinen zu kommunizieren.

Du willst also, um Verwechslungen zu vermeiden, Buchsen verwenden, die 
man mit was anderem verwechseln kann?

So recht erschließt sich mir das nicht.

von Tachchen (Gast)


Lesenswert?

Rufus Τ. Firefly schrieb:
> 90R schrieb:
>> aufgrund der Baugröße und der Vermeidung von Verwechslungen mit anderen
>> Buchsen, würde ich gerne USB3.0 Buchsen verwenden um mit vier weiteren
>> Platinen zu kommunizieren.
>
> Du willst also, um Verwechslungen zu vermeiden, Buchsen verwenden, die
> man mit was anderem verwechseln kann?
>
> So recht erschließt sich mir das nicht.

ganz genau. Hallo.

Warum das USB 3.0-Buchsen sein müssen, erschließt sich mir auch nicht. 
Zumal man bei USB 3.0 ja 4 zusätzliche Signalleitungen hat. Wie will er 
die auslegen? Und was sollen USB 3.0-Buchsen anderes können als 
handelsnormale 2-0-Buchsen?

Irgendwie steckt keine Logik in seiner Beschreibung

von isidor (Gast)


Lesenswert?

Tachchen schrieb:
> Und was sollen USB 3.0-Buchsen anderes können als
> handelsnormale 2-0-Buchsen?

Sie werden hinsichtlich der Datenrate strenger spezifiziert
sein. Das würde allerdings erst jenseits der 100 MBits/sec
oder noch höher relevant werden aber nicht bei Mikrocontroller-
Datenraten.

von Pandur S. (jetztnicht)


Lesenswert?

> aufgrund der Baugröße und der Vermeidung von Verwechslungen mit anderen
Buchsen, würde ich gerne USB3.0 Buchsen verwenden um mit vier weiteren
Platinen zu kommunizieren.

Eine beliebig schlechte Idee. Um welche Datenrate geht es denn ? 
Allenfalls ist ein anderer Stecker besser geeignet, der weniger 
Verwechsungspotential hat.

Ein USB Kabel ist eh nicht symmetrisch. Es gibt A und B Buchsen und 
Stecker.

von 90R (Gast)


Lesenswert?

Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Du willst also, um Verwechslungen zu vermeiden, Buchsen verwenden, die
> man mit was anderem verwechseln kann?
> So recht erschließt sich mir das nicht.

Da diese Elektronik in meinen privaten Gebrauch zum Einsatz kommt, wird 
kein anderer sein USB3.0 Kabel einstecken können. Ich selber werde in 
den nächsten Jahren garantiert keine Leiterplatte designen, bei der ich 
eine solch hohe Datenrate benötige, wie sie USB3.0 maximal hergibt. 
Würde ich USB2.0 verbauen, würde ich ausschließlich kleine micro-USB 
Buchsen verwenden. Somit kann ich für mich gewährleisten, dass es zu 
keiner Verwechslung kommt, wenn mal im Eifer des Gefechts der Kabelsalat 
umgesteckt werden muss.

USB3.0 bietet zwei gesondert geschirmte Adernpaare und ein „normal“ 
geschirmtes Adernpaar. Meine vorgesehne Pinbelegung ist:
1 (VBUS) = 5V
2 (D-) und 3 (D+) = MOSI
4 (GND) = GND
5 (USB3_RX-) und 6 (USB3_RX+) = MISO
7 (shild) = schild
8 (USB3_TX-) und 9 (USB3_TX+) = SCL

Der Master bekommt die A-Buchse, der Slave die micro-Buchse. Mit dieser 
Belegung möchte ich mir auch für zukünftige Platinen eine Art Standard 
für SPI-Schnittstellen schaffen, den ich bei jedem Controller verwenden 
kann. Ca. 50MHz könnte da wohl als Obergrenze hinkommen.

Eigentlich wollte ich gar nicht auf die Frage „warum ausgerechnet 
USB3.0“ hinaus. Sondern eher auf die Frage „wie die Übertragung am 
sichersten gewährleisten“.

von Pandur S. (jetztnicht)


Lesenswert?

>Ich selber werde in
den nächsten Jahren garantiert keine Leiterplatte designen, bei der ich
eine solch hohe Datenrate benötige, wie sie USB3.0 maximal hergibt.

>Der Master bekommt die A-Buchse, der Slave die micro-Buchse. Mit dieser
Belegung möchte ich mir auch für zukünftige Platinen eine Art Standard
für SPI-Schnittstellen schaffen, den ich bei jedem Controller verwenden
kann. Ca. 50MHz könnte da wohl als Obergrenze hinkommen.

Auf Jahre hinaus nicht verwenden, auf jahre hinaus designen. Aeh... ja.

Wie lange sollen die Kabel denn sein. Sind die Devices floating, oder 
haben sie einen eigenen GND.

Zu beachten ist, dass LVDS sehr wenig Gleichtaktbereich hat. Allenfalls 
waere RS485 besser geeignet. Da gibt's auch 50MBit Treiber. Siehe TI, 
SN65HVD

http://www.ti.com/lsds/ti/interface/rs-485-products

von 90R (Gast)


Lesenswert?

> Wie lange sollen die Kabel denn sein.

In meinem jetzigen Fall erst mal max. 50 cm.


> Sind die Devices floating, oder haben sie einen eigenen GND.

Sie sollen über die 5V von der USB-Leitung versorgt werden. Haben also 
gleiche Masse.

> Zu beachten ist, dass LVDS sehr wenig Gleichtaktbereich hat. Allenfalls
> waere RS485 besser geeignet.

LVDS ist störanfällig bei Gleichtakt? hmm... ok. Ich werde mich mal in 
RS485 einlesen (hatte bisher noch nichts mit zu tun).

von Pandur S. (jetztnicht)


Lesenswert?

Nehmen wir die 65LVDS4 : die haben einen Commonmode bereich so, dass die 
signale innerhalb der Speisung liegen muessen... Das macht auch Sinn, 
ist phantastisch. Wurde von den frueheren Versionen her verbessert. Dann 
sollte es sowieso passen.

von Pandur S. (jetztnicht)


Lesenswert?

Wenn's dann schneller sein soll wuerd man auf Serdes mit LVDS gehen. ECL 
verbietet sich wegen der Stromaufnahme.

zB DS90C241

von 90R (Gast)


Lesenswert?

Der SN65HVD78 scheint wohl genau das richtige für mich zu sein. Recht 
herzlichen Dank für eure Tipps.

von Andreas D. (rackandboneman)


Lesenswert?

Dann doch eher RJ45 verwenden, dann tun es normale billige Netzwerkkabel 
(die an sich schon als differenzielle Leitung mit 100 Ohm ausgelegt 
sind), und die Verwechslungsgefahr und damit die Notwendigkeit zu lesen 
was an der Buchse steht sind sachkundigen Personen wohlbekannt, eben 
weil man diese Steckverbindung für Ethernet,ISDN,Videosignale und vieles 
andere nutzt...

von OldMan (Gast)


Lesenswert?

Lies Dir bitte dieses Dokument einmal durch:
http://www.ti.com/lit/sg/slyt605/slyt605.pdf

Würde Dir die RS-422 Treiber empfehlen (AM26LS31/32). Sind sehr gut und
fehlertolerant.

von 90R (Gast)


Lesenswert?

> AM26LS31/32
Diese ICs schaffen nur bis 10 Mbps, aber vielleicht finde ich noch 
einen, der bis 50 Mbps schafft.

> RJ45
Diese Bauform wird bereits für Ethernet auf meiner Platine verwendet.


Nur um noch mal sicher zu gehen, dass ich es richtig verstanden habe:
Wenn ich RS485 (SN65HVD78) mit USB-Kabel (Wellenwiderstand=90 Ohm) 
verwende, löte ich auch 90 Ohm zwischen den Empfänger-Eingängen. An den 
Treiber-Ausgängen brauche ich keinen Widerstand, wenn ich ihn 
ausschließlich als Treiber verwende.

von Peter D. (peda)


Lesenswert?

90R schrieb:
> Der Master bekommt die A-Buchse, der Slave die micro-Buchse. Mit dieser
> Belegung möchte ich mir auch für zukünftige Platinen eine Art Standard
> für SPI-Schnittstellen schaffen, den ich bei jedem Controller verwenden
> kann. Ca. 50MHz könnte da wohl als Obergrenze hinkommen.

50MHz SPI halte ich für illusorisch. Das SCK muß ja in einem Takt hin 
und das MISO zurück laufen.

Für hohe Frequenzen nimmt man asynchrone Verfahren.
Man kann dann auch leicht mit 4 Leitungen die 4-fache Datenrate erzielen 
(200MBit) bzw. auf 12,5MHz Takt runter gehen.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.