Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Messunsicherheit: Angaben des Kalibrierscheines oder die der Herstellerspezifikationen verwenden


von FrageZeichen (Gast)


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Hallo,

wenn ich ein Messgerät kaufe, dann bekommt man z.B. bei 
HP/Agilent/Keysight eine Angabe zur Genauigkeitsnangabe z.B. über ein 
Jahr bei 23 °C +-/5 °C.

Beispiel: 100 mV --> 0,005 % vom Messwert + 0,0004 % vom 
Messbereichsendwert (100 mV). Macht also: 0,009 mV. Dann kann sich der 
100 mV-Messwert über ein Jahr gesehen in einem Bereich von 
100,009-99,991 mV "bewegen".

Nun lasse ich mein Messgerät von einem akkreditierten Kalibrierlabor 
kalibrieren. Ich erhalte z.B. bei 100 mV eine Anzeige von 99,999. Die 
Abweichung liegt dann bei 0,001 mV. Die erweiterte Messunsicherheit gibt 
das Labor mit 0,003 mV an.

Die Frage ist nun, wie man nun mit den Angaben umgeht, wenn man die 
Messwerte des Multimeters bei Unsicherheitsbetrachtungen mit einbeziehen 
muss.

Sollte man mit den Werten des Herstellers arbeiten und die 
DAkKS-Kalibrierung als Bestätigung ansehen oder mit den Werten des 
Labors arbeiten? Wenn ich letzteres mache, dann müsste man ja eventuell 
ein Driftverhalten, welches aus einer Kalibrierhistorie abgeleitet 
werden kann, berücksichtigen.

mfg
FrageZeichen

von René (Gast)


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Auf Kalibrierschein verlassen

von dunno.. (Gast)


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FrageZeichen schrieb:
> Sollte man mit den Werten des Herstellers arbeiten und die
> DAkKS-Kalibrierung als Bestätigung ansehen oder mit den Werten des
> Labors arbeiten? Wenn ich letzteres mache, dann müsste man ja eventuell
> ein Driftverhalten, welches aus einer Kalibrierhistorie abgeleitet
> werden kann, berücksichtigen.

Bei uns dient die DAkKS kalibrierung nur als Bestätigung, dass sich das 
Gerät noch innerhalb der Spezifikation des Herstellers befindet. -Ich 
hab mir das nicht ausgedacht, aber so wird es gehandhabt.

von FrageZeichen (Gast)


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Hallo,

angenommen ich verlasse mich auf den Kalibrierschein ... was ist mit 
einer möglichen Drift? Die DAkkS-Kalibrierung ist ja nur einen 
Augenblicksaufnahme. Nimmt man da am besten, wenn vorhanden, die 
Kalibrierhistorie oder schätzt man das anhand von internen 
Kalibrierungen ab?

mfg
FrageZeichen

von Cal (Gast)


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dunno.. schrieb:
> ...dient die DAkKS kalibrierung nur als Bestätigung, dass sich das
> Gerät noch innerhalb der Spezifikation des Herstellers befindet.

Genau so und nicht anders.

von thomas s (Gast)


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Cal schrieb:
>> ...dient die DAkKS kalibrierung nur als Bestätigung, dass sich das
>> Gerät noch innerhalb der Spezifikation des Herstellers befindet.

Genau so ist das. Nimm einfach z. B. die Jahresspezifikation. Wenn das 
Gerät älter wird, kann man u. U. eine eigene Drifthistorie nutzen, um 
ggf. bessere Werte zu erhalten, aber ich würde es lieber sein lassen.

von FrageZeichen (Gast)


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Hallo,

danke für die Antworten. Die Ergebnisse der DAkkS-Kalibrierung liegen 
deutlich innerhalb des spezifizierten Bereiches.

Es ist ja nur der Bereich für ein Jahr vom Hersteller spezifiziert. 
Sollte man dann auch das Gerät jährlich kalibrieren lassen?



mfg
FrageZeichen

von dunno.. (Gast)


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Kommt drauf an ob du das brauchst und bezahlen willst. Oder ob deine 
Kunden das erwarten. Bei uns gilt letzteres, und wir machen das 
jährlich. Dann kannst du auch ne drifthistorie machen, und siehst mit 
der zeit wie lange das gerät hält.

von Anja (Gast)


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FrageZeichen schrieb:
> Die erweiterte Messunsicherheit gibt
> das Labor mit 0,003 mV an.

Das ist nur der Fehler den der Kalibrator des Kalibrierlabors hat.

Das heißt also daß sich diese Toleranz zur Meßunsicherheit des Gerätes 
(geometrisch) addiert.

Ein Verhältnis (TUR) 3:1 ist schon fast grenzwertig. (Erfordert u.U. 
unnötige Justierungen des Meßgerätes). Ich würde mir ein besseres Labor 
suchen.

Gruß Anja

von Gerd E. (robberknight)


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FrageZeichen schrieb:
> Es ist ja nur der Bereich für ein Jahr vom Hersteller spezifiziert.
> Sollte man dann auch das Gerät jährlich kalibrieren lassen?

Wenn man sich auf die Messwerte wirklich verlassen können muss, ja. 
Viele Firmen machen das daher auch so.

Wenn Du eine höhere Genauigkeit als die 1-Jahres-Werte Deines Messgeräts 
haben willst, so geben die besseren Hersteller oft auch für z.B. 24h und 
90 Tage Genauigkeiten an. Wenn Du die verlässlich verwenden willst, 
musst Du halt häufiger Kalibrieren lassen.

von thomas s (Gast)


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@Anja: Nein. Die Messunsicherheit setzt sich zusammen aus verwendetem 
Normal, Verfahren und Verhalten des Kalibriergegenstands. Sie ist 
normalverteilt auf einem Vertrauensniveau von 95 %.

Die Toleranzangabe eines Herstellers aka Fehlergrenze ist 
rechteckverteilt. Schon allein deshalb kann man das nicht so 
verwursteln.

von Cal (Gast)


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Wird bei uns ein Messgerät selten verwendet, setze ich das Kal. 
Intervall hoch an (2 und mehr Jahre).
Ist das Gerät stark beansprucht (mal hier, mal dort, an einem anderen 
Standort, im Aussendienst, bedient durch "Laien", usw.) sind sie 
niedriger. 0815 Multimeter z. B. jedes Jahr.
Sind die Ergebnisse sehr wichtig und ich habe nur ein Gerät des Typ 
(Gegenmessung) oder kommt eine Prüfstelle für Messungen zu uns ins Haus 
wird auch mal ausser der Reihe zuvor kalibriert.

ISO 9001 und DIN EN ISO/IEC 80079-34 machen keine Vorgaben über das 
Intervall.

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