Was ist das für ein Bauteil?

Gast #4027566
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Servus! Ich habe die zahlreichen "Was ist das für ein Bauteil" Threads 
durchsucht aber meins was nicht dabei:

Auf der Platine eines VHS-Rekorders habe ich ein blaues, flaches, 
quaderförmiges Bauteil gefunden. Ungefähr so dimensioniert wie eine 
Streichholzschachtel, aber flacher. Leider ist keine Beschriftung 
vorhanden.

In dem Gehäuse verbirgt sich ein Glasplättchen mit einer abgeflachten, 
leitfähigen Ecke. In der Mitte dieser kleinen Fläche scheint der Leiter 
unterbrochen zu sein. Diese leitenden Flächen sind an die Pins des 
Bauteils angeschlossen. Ist wohl eine Kapazität? Zwischen den beiden 
Pins mit der vermuteten Kapazität scheint eine Induktivität zu sein, 
oder was soll das sein?

Was soll das sein? OK, ein Parallelschwingkreis um irgendetwas zu 
Filtern.
Aber warum ist die Kapazität so aufwändig hergestellt und wird dann so 
grob verdrahtet?

Gruß
Jan
Angehängte Dateien:
Persönliche Seite #4027588
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Das ist eine akustische Verzögerungsleitung. An der Platte sind zwei 
Piezoelemente angebracht, mit dem einen wird das zu verzögernde Signal 
in die Platte eingespeist, und mit der anderen das Signal wieder 
abgenommen, nachdem es in der Platte mehrfach hin- und herreflektiert 
wurde.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1a/VZL64weg.jpg

So etwas wurde in PAL-Decodern von Farbfernsehern verbaut, um das 
Farbträgersignal um etwa 64 µs zu verzögern.
Gast #4028861
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Danke für Eure Hilfe. Schade, dass ich es kaputt gemacht habe. Gerne 
hätte ich den Delay am Oszi gesehen.

Das ist dann wohl ein 64 us Delay für PAL. Die Verzögerung ist solange 
wie eine Zeile bei PAL braucht? 1 / (25 Bilder/s) / 625 Zeilen

Aber warum? Also für welche konkrete Aufgabe braucht der Videorekorder 
dieses Delay? Was wäre anders, wenn das Signal nicht verzögert wäre?

Und in welchem Frequenzbereich funktioniert dies?


Jan
Gast #4028863
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Jan schrieb:
> Danke für Eure Hilfe. Schade, dass ich es kaputt gemacht habe.
> Gerne
> hätte ich den Delay am Oszi gesehen.
>
> Das ist dann wohl ein 64 us Delay für PAL. Die Verzögerung ist solange
> wie eine Zeile bei PAL braucht? 1 / (25 Bilder/s) / 625 Zeilen
>
> Aber warum? Also für welche konkrete Aufgabe braucht der Videorekorder
> dieses Delay? Was wäre anders, wenn das Signal nicht verzögert wäre?

Sorry, let me google this for me:

http://de.wikipedia.org/wiki/Verzögerungsleitung#Fernsehempfangstechnik

> Und in welchem Frequenzbereich funktioniert dies?

Hier habe ich keine Antwort gefunden. Ihr?


Jan
#4028995
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Eine Fernsehzeile muss reinpassen, und davon nur der I/Q-modulierte 
Farbträger 4,43 MHz mit seinen Seitenbändern ca. +/- 1MHz um die 
Trägerfrequenz.

Es gab auch noch eine zweite kürzere Verzögerung mit LC-Filter, damit 
Helligkeit und Farbe nicht auseinanderlaufen. Die Helligkeit durchläuft 
nur einen 5MHz-Tiefpass - die Tonträger ab 5,5 MHz sollen unterdrückt 
sein. Das Farbsignal, nach der Demodulation mit nur etwa 1 MHz 
Bandbreite gefiltert, läuft etwas langsamer, sodaß beide gegeneinander 
verschoben wären.
Gast #4029090
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Jan schrieb:
> Hier habe ich keine Antwort gefunden. Ihr?
Naja - 2 Links und eine nicht Ingenieurreife Erklaerung meinerseits.

http://de.wikipedia.org/wiki/Videorekorder

http://en.wikipedia.org/wiki/PAL

Beim PAL-FarbTV gibt es auch Verzoegerungsleitungen.Das PAL-TV ist eine 
deutsche Weiterentwicklung des amerikanischen NTSCsystems welches in den 
50er Jahren eingefuehrt wurde.Das Problem beim NTSC war,dass sich der 
Farbton waehrend der Uebertragung(durch Laufzeitverzoegerungen der 
Signale und damit verbundenen Phasenverscheibungen) aendern konnte.Die 
damaligen TVs hatten ein Poti mit dem der User dieses manuell 
korrigieren konnten.Die Deutschen wollten es besser machen,lernten vom 
NTSC und realisierten dann mit viel Mathematik und Ueberlegung eine 
automatische Farbtonkorrektur.Dazu war dann eine Laufzeitleitung 
notwendig, um dann 2 Zeilen miteinander verrechnen zu koennen.Man 
verglich praktisch eine zuvorgesendete Zeile mit der darauffolgenden.In 
der Annahme, dass zwischen 2 direkt aufeinanderfolgenden Zeilen 
eigentlich fast keine Farbtonaenderung sein sollte (auch wenn eine 
Bewegung des Bildes vorhanden war)ergab sich dann mathematisch eine 
"Null" und wenn nicht musste entsprechend korrigiert werden.
Mit Videorekorder hab ich mich selbst nie anfreunden koennen:Ich hasse 
Mechanik....aber wie im Wiki-Artikel angedeutet gibt es dort aehnliche 
Farbtonprobleme wie beim TV.Lediglich dass diesmal nicht Laufzeitfehler 
die Ursache sind sondern mechanische Ungenauigkeiten bei der Rotation 
der Videokoepfe.

Diese Erklaerung ist sehr,sehr grob und ich garantiere nicht fuer 
100%-igen Wahrheitsgehalt.Aber basierend darauf kannst Du ja mal 
weitergoogeln...

Uebrigens-Aufgrund des NTSC-Farbtonproblems hatte man NTSC(National 
Television System Committee) mit "Never The Same Colour" tituliert.

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