Servus! Ich habe die zahlreichen "Was ist das für ein Bauteil" Threads durchsucht aber meins was nicht dabei: Auf der Platine eines VHS-Rekorders habe ich ein blaues, flaches, quaderförmiges Bauteil gefunden. Ungefähr so dimensioniert wie eine Streichholzschachtel, aber flacher. Leider ist keine Beschriftung vorhanden. In dem Gehäuse verbirgt sich ein Glasplättchen mit einer abgeflachten, leitfähigen Ecke. In der Mitte dieser kleinen Fläche scheint der Leiter unterbrochen zu sein. Diese leitenden Flächen sind an die Pins des Bauteils angeschlossen. Ist wohl eine Kapazität? Zwischen den beiden Pins mit der vermuteten Kapazität scheint eine Induktivität zu sein, oder was soll das sein? Was soll das sein? OK, ein Parallelschwingkreis um irgendetwas zu Filtern. Aber warum ist die Kapazität so aufwändig hergestellt und wird dann so grob verdrahtet? Gruß Jan
3162534373 .. schrieb: > Das ist eine Verzögerungsleitung ;) Das war eine. Bevor irgendein Trottel ihr Quartzplättchen zerbrochen hat.
Das ist eine akustische Verzögerungsleitung. An der Platte sind zwei Piezoelemente angebracht, mit dem einen wird das zu verzögernde Signal in die Platte eingespeist, und mit der anderen das Signal wieder abgenommen, nachdem es in der Platte mehrfach hin- und herreflektiert wurde. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1a/VZL64weg.jpg So etwas wurde in PAL-Decodern von Farbfernsehern verbaut, um das Farbträgersignal um etwa 64 µs zu verzögern.
Wenn Du das einen halben Zentimeter weiter hinten zerbrochen hättest, dann hätte der Reflexionswinkel vom Sender zum Empfänger gepasst ;-) Original wird der Ultraschall 8x über die Bande reflektiert.
MaEin schrieb: > 3162534373 .. schrieb: >> Das ist eine Verzögerungsleitung ;) > > Das war eine. Bevor irgendein Trottel ihr Quartzplättchen zerbrochen > hat. Dieser Schuft :) Ich hatte mit Vielem unter dem Gehäuse gerechnet, aber nicht mit Glas.
Danke für Eure Hilfe. Schade, dass ich es kaputt gemacht habe. Gerne hätte ich den Delay am Oszi gesehen. Das ist dann wohl ein 64 us Delay für PAL. Die Verzögerung ist solange wie eine Zeile bei PAL braucht? 1 / (25 Bilder/s) / 625 Zeilen Aber warum? Also für welche konkrete Aufgabe braucht der Videorekorder dieses Delay? Was wäre anders, wenn das Signal nicht verzögert wäre? Und in welchem Frequenzbereich funktioniert dies? Jan
Jan schrieb: > Danke für Eure Hilfe. Schade, dass ich es kaputt gemacht habe. > Gerne > hätte ich den Delay am Oszi gesehen. > > Das ist dann wohl ein 64 us Delay für PAL. Die Verzögerung ist solange > wie eine Zeile bei PAL braucht? 1 / (25 Bilder/s) / 625 Zeilen > > Aber warum? Also für welche konkrete Aufgabe braucht der Videorekorder > dieses Delay? Was wäre anders, wenn das Signal nicht verzögert wäre? Sorry, let me google this for me: http://de.wikipedia.org/wiki/Verzögerungsleitung#Fernsehempfangstechnik > Und in welchem Frequenzbereich funktioniert dies? Hier habe ich keine Antwort gefunden. Ihr? Jan
Eine Fernsehzeile muss reinpassen, und davon nur der I/Q-modulierte Farbträger 4,43 MHz mit seinen Seitenbändern ca. +/- 1MHz um die Trägerfrequenz. Es gab auch noch eine zweite kürzere Verzögerung mit LC-Filter, damit Helligkeit und Farbe nicht auseinanderlaufen. Die Helligkeit durchläuft nur einen 5MHz-Tiefpass - die Tonträger ab 5,5 MHz sollen unterdrückt sein. Das Farbsignal, nach der Demodulation mit nur etwa 1 MHz Bandbreite gefiltert, läuft etwas langsamer, sodaß beide gegeneinander verschoben wären.
Jan schrieb: > Hier habe ich keine Antwort gefunden. Ihr? Naja - 2 Links und eine nicht Ingenieurreife Erklaerung meinerseits. http://de.wikipedia.org/wiki/Videorekorder http://en.wikipedia.org/wiki/PAL Beim PAL-FarbTV gibt es auch Verzoegerungsleitungen.Das PAL-TV ist eine deutsche Weiterentwicklung des amerikanischen NTSCsystems welches in den 50er Jahren eingefuehrt wurde.Das Problem beim NTSC war,dass sich der Farbton waehrend der Uebertragung(durch Laufzeitverzoegerungen der Signale und damit verbundenen Phasenverscheibungen) aendern konnte.Die damaligen TVs hatten ein Poti mit dem der User dieses manuell korrigieren konnten.Die Deutschen wollten es besser machen,lernten vom NTSC und realisierten dann mit viel Mathematik und Ueberlegung eine automatische Farbtonkorrektur.Dazu war dann eine Laufzeitleitung notwendig, um dann 2 Zeilen miteinander verrechnen zu koennen.Man verglich praktisch eine zuvorgesendete Zeile mit der darauffolgenden.In der Annahme, dass zwischen 2 direkt aufeinanderfolgenden Zeilen eigentlich fast keine Farbtonaenderung sein sollte (auch wenn eine Bewegung des Bildes vorhanden war)ergab sich dann mathematisch eine "Null" und wenn nicht musste entsprechend korrigiert werden. Mit Videorekorder hab ich mich selbst nie anfreunden koennen:Ich hasse Mechanik....aber wie im Wiki-Artikel angedeutet gibt es dort aehnliche Farbtonprobleme wie beim TV.Lediglich dass diesmal nicht Laufzeitfehler die Ursache sind sondern mechanische Ungenauigkeiten bei der Rotation der Videokoepfe. Diese Erklaerung ist sehr,sehr grob und ich garantiere nicht fuer 100%-igen Wahrheitsgehalt.Aber basierend darauf kannst Du ja mal weitergoogeln... Uebrigens-Aufgrund des NTSC-Farbtonproblems hatte man NTSC(National Television System Committee) mit "Never The Same Colour" tituliert.
Toxic schrieb: > Uebrigens-Aufgrund des NTSC-Farbtonproblems hatte man NTSC(National > Television System Committee) mit "Never The Same Colour" tituliert. Die Amis haben sich an PAL (Phase Alternating Line) mit "Pay Another License" gerächt :)
Magnus M. schrieb: > Die Amis haben sich an PAL (Phase Alternating Line) mit "Pay Another > License" gerächt :) Das kenne ich als "Peace at last" Du hast das "System Essentially Contrary to American Method" vergessen :) Arno
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