Hi Leute, ich probiere mal, hier einen Thread aufzumachen, vielleicht
wird er ja gleich wieder geschlossen ;)
Folgende (schon eher luxuriöse) Situation:
Ich habe meinen Master ET/IT im Schwerpunkt Regelungstechnik/Robotik an
einer Uni sehr erfolgreich abgeschlossen. Leider habe ich mich erst nach
der Bewertung der Arbeit dazu durchgerungen, nach einer möglichen
Promotion am Lehrstuhl zu fragen und hielt es für eher unwahrscheinlich,
eine zu bekommen, da zwei Kommilitonen ihre Stellen bereits sicher
hatten und sich deutlich früher gekümmert haben. Es wurde dennoch eine
Industriepromotion angeboten, die ich auf Grund der Nebenbedingungen und
eines Themas, das mich nicht 100% interessierte ablehnte. Damit dachte
ich sei die Geschichte gegessen.
Parallel führte ich ein Vorstellungsgespräch in dem Unternehmen, in dem
ich schon längere Zeit als HIWI (einige Jahre) beschäftigt war durch.
Die Firma beschäftigt international etwa 3000 Mitarbeiter und wurde
jetzt von einer riesigen (ca. 96k Angestellte, aber weitgehend eine
andere Sparte) amerikanischen Firma übernommen. Dort erhielt ich ein
sehr gutes Angebot mit etwa 50k € (es gibt dennoch keinen Tarif...), und
würde in einer sehr kleinen Abteilung eingesetzt werden, in der ich
relativ wenig Entwicklungsmöglichkeiten sehe.
Mir gefällt der Laden, meine Kollegen und Vorgesetzten sind top, ich
habe einige Freiheiten, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Aufgaben
mich längerfristig so richtig reizen. Bisher habe ich in der Uni viel
simuliert, modelliert, Regelungen entworfen, relativ abstrakt und
modellbasiert gearbeitet. In der Firma geht es eher "klassischer" zu, es
gibt kein matlab/simulink, keine großen Fem Werkzeuge, nur ein paar
jeweils auf den Anwendungsfall zugeschnittene Octave Skripte. Meine
Aufgabe wird es sein, die (Embedded Software-) Entwicklung etwas mehr zu
modularisieren und zu modernisieren. Finde ich sehr interessant, aber
auf längere Sicht weiß ich nicht, ob mich das für immer 'kickt' und ich
modelliere halt nix aufwendiges mehr.
Jetzt kam gestern ein völlig unerwarteter Anruf des Profs, er hat vllt
doch noch was. Es wäre eine Kooperation mit einer anderen Firma, die
evtl Gelder locker machen könnte, sodass mind. 1 Jahr am Lehrstuhl im
Auftrag der Firma forschen könnte und in der Zeit einen Forschungsantrag
ans Land stellen könnte, wäre damit sozusagen für meine weitere Zukunft
selbst verantwortlich. Wenn der Antrag nicht durch kommt, sitze ich nach
einem Jahr auf der Straße und habe meinen jetzigen Chef sehr verärgert,
weil ich doch noch abgesprungen bin und schlage mir somit die Türen dort
vermutlich zu.
Das Promotionsthema ist weitgehend frei, könnte aber in die
(interessante) Richtung der Fahrerassistenz in Kombination mit
Mehrkörpersimulation gehen.
Im Moment bin ich so unglaublich hin- und hergerissen, dass ich sogar
hier einen Thread aufmache ;-) Gibt es Erfahrungswerte, die ich
möglicherweise noch garnicht bedacht habe, die ich auf meine Pro/Con
Liste schreiben könnte? Muss mich zeitnah entscheiden.
Vielen Dank,
dbdb
dbdb schrieb:> Jetzt kam gestern ein völlig unerwarteter Anruf des Profs, er hat vllt> doch noch was. Es wäre eine Kooperation mit einer anderen Firma, die> evtl Gelder locker machen könnte, sodass mind. 1 Jahr am Lehrstuhl im> Auftrag der Firma forschen könnte und in der Zeit einen Forschungsantrag> ans Land stellen könnte, wäre damit sozusagen für meine weitere Zukunft> selbst verantwortlich. Wenn der Antrag nicht durch kommt, sitze ich nach> einem Jahr auf der Straße und habe meinen jetzigen Chef sehr verärgert,> weil ich doch noch abgesprungen bin und schlage mir somit die Türen dort> vermutlich zu.> Das Promotionsthema ist weitgehend frei, könnte aber in die> (interessante) Richtung der Fahrerassistenz in Kombination mit> Mehrkörpersimulation gehen.
Vergiss es, vergiss es und vergiss es. Zu viele evtl und vllt; es ist
kein echtes Interesse vom Prof vorhanden. Thema frei bedeutet nur der
Prof hat keine Ideen.
Wenn Du ein ernsthaftes Angebot zur Promotion hättest, dann könntest Du:
dbdb schrieb:> Im Moment bin ich so unglaublich hin- und hergerissen,
sein. Das hast Du aber nicht. Nimm den Job. (oder hole Dir eine echte
Promotionsstelle)
lalala schrieb:> Vergiss es, vergiss es und vergiss es. Zu viele evtl und vllt; es ist> kein echtes Interesse vom Prof vorhanden. Thema frei bedeutet nur der> Prof hat keine Ideen.> Wenn Du ein ernsthaftes Angebot zur Promotion hättest, dann könntest Du:>
Was das Thema angeht, hat er mir durchaus 1, 2 Vorschläge gemacht,
möchte die aber nicht so breit treten hier, aber die Ideen waren eher
vage. Was für mich aber doch auch ein Vorteil sein kann zwecks freier
Gestaltung?
Wäre kein Interesse vom Prof vorhanden, hätte er dann überhaupt nochmal
nachgehakt und mich nach der ersten Absage gefragt? Gegenüber seinen
Mitarbeitern lässt er duchschimmern, dass er mich gerne hätte.
Eine Promotionsstelle würde für mich nur noch in frage kommen, wenn die
Vertragslaufzeit min. 4 Jahre, besser 5 beträgt. Mit der
Aneinanderstückelung von Jahresverträgen, hat der Prof. ein maximal
mögliches Druckmittel gegen dich. D.h. Mehrarbeit, Lehre, und sonst
alles, was der Prof. gern abdrückt. Erfüllst du keine Frohndienste
bekommst du keine Verlängerung. Und irgendwann ist der Punkt of no
return erreicht.
Hallo Karl,
> Eine Promotionsstelle würde für mich nur noch in frage kommen, wenn die> Vertragslaufzeit min. 4 Jahre, besser 5 beträgt.
Das gibt es aber nicht. Üblich sind 2 Jahre mit anschließender
Verlängerung. Üblich ist auch, dass man selbst Forschungsanträge
schreiben muss. Dumm nur, wenn die alle abgelehnt werden...
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Ostermann
@ dbdb (Gast)
Du hast also die Wahl zwischen Brot und Butter
>Mir gefällt der Laden, meine Kollegen und Vorgesetzten sind top, ich>habe einige Freiheiten, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Aufgaben>mich längerfristig so richtig reizen.>modellbasiert gearbeitet. In der Firma geht es eher "klassischer" zu, es>gibt kein matlab/simulink, keine großen Fem Werkzeuge, nur ein paar>jeweils auf den Anwendungsfall zugeschnittene Octave Skripte. Meine>Aufgabe wird es sein, die (Embedded Software-) Entwicklung etwas mehr zu>modularisieren und zu modernisieren. Finde ich sehr interessant, aber>auf längere Sicht weiß ich nicht, ob mich das für immer 'kickt' und ich>modelliere halt nix aufwendiges mehr.
Dort kannst du eine Weile bleiben, wenn es zu fade wird, kannst du ggf.
in eine andere Position oder Abteilung wechseln, im Ernstfall eine
andere Firma. Du hast ein vernünftiges Einsteigsgehalt und damit
mateterielle Freiheit.
Die 2. Möglichkeit ist das Leben als freier aber armer "Künstler" /
Wissenschaftlicher Mitarbeiter.
>Bisher habe ich in der Uni viel>simuliert, modelliert, Regelungen entworfen, relativ abstrakt und>evtl Gelder locker machen könnte, sodass mind. 1 Jahr am Lehrstuhl im>Auftrag der Firma forschen könnte und in der Zeit einen Forschungsantrag>ans Land stellen könnte,
Also eher diffus rumhänge und so machen was anfällt, mit etwas Glück ein
wenig, was dich interessiert.
> wäre damit sozusagen für meine weitere Zukunft>selbst verantwortlich. Wenn der Antrag nicht durch kommt, sitze ich nach>einem Jahr auf der Straße und habe meinen jetzigen Chef sehr verärgert,>weil ich doch noch abgesprungen bin und schlage mir somit die Türen dort>vermutlich zu.
Vermutlich.
>Das Promotionsthema ist weitgehend frei, könnte aber in die>(interessante) Richtung der Fahrerassistenz in Kombination mit>Mehrkörpersimulation gehen.
Oder auch alles in Luft auflösen. Greifbar ist da ger nichts, reine
Wunschdenken.
>Im Moment bin ich so unglaublich hin- und hergerissen, dass ich sogar>hier einen Thread aufmache ;-)> Gibt es Erfahrungswerte, die ich
Ich hab keine. Hab nie promoviert und auch nie dran gedacht ;-)
>möglicherweise noch garnicht bedacht habe, die ich auf meine Pro/Con>Liste schreiben könnte? Muss mich zeitnah entscheiden.
Die Wahl heißt:
Entweder sicherer Brot- und Butter Job ohne hohe, außergewöhnliche
Herausforderungen (aka Routine + bissel Zucker)
Oder
akademische Höhenflüge ohne Sicherheit um der Wissenschaft wegen.
Obacht bei der Auswahl der Promotionsstelle.
Ich habe 5 Jahre bei FhG Duisburg vertrödelt:
keine klare Zielsetzung, Prof nicht interessiert
an Industriearbeit. Zum Glück hat FhG ja Ruf
wie Donnerhall, daher nach 5 Jahren fette Gehaltserhöhung
beim Wechsel in die Industrie.
Wenn der Prof keine klaren Ziele hat und man
selbst auch keine: dann Finger weg von der Promotion.
Thorsten Ostermann schrieb:> Üblich sind 2 Jahre mit anschließender> Verlängerung. Üblich ist auch, dass man selbst Forschungsanträge> schreiben muss. Dumm nur, wenn die alle abgelehnt werden...
Und ganz besonderst dann ist es wichtig, dass der Progf hinter einem
steht, einem u.U. für 1 Jahr auf ein anderes Projekt bucht; irgendeine
Lösung findet, und nicht von vorneherein die Ansage: wenn der Antrag
nicht durchkommt gibst nichts mehr für sie.
Sondern: das bekommen wir irgendwie hin.
Und vor allem: Wenn das eine Kooperation mit einer Firma sein soll, wie
soll das dann mit dem Thema aussuchen gehen? Da stimmt doch was nicht.
(oder die Firma gibt es noch nicht)
Hi, vielen Dank für die Antworten und das Ernstnehmen des threads.
Die Firma existiert, und das Geld für das erste Jahr angeblich auch. Ich
soll konkret was für die modellieren und in einen Simulator integrieren.
Dieser wird validiert und ich kann meine Promotion daran fortführen.
Ziel ist, die Firma mit ins Boot zu holen.
Karl schrieb:> Eine Promotionsstelle würde für mich nur noch in frage kommen, wenn die> Vertragslaufzeit min. 4 Jahre, besser 5 beträgt.
Is' klar, und selbstverständlich eine Landesstelle und keine
Drittmittelstelle.
Was ich gelernt habe, dass Firmen einen relativ schnell fallen lassen
können. Daher würde ich, gerade wenn du unzufrieden bist, nicht zu sehr
auf eine Stelle setzen. Wenn du gut bist, findest du in der Industrie
eine neue Stelle. Öfters zu wechseln (wenn es von dir aus geht) spiegelt
sich oft positiv im Gehalt.
Zum promovieren: Ich will eine sichere Stelle (E13) und danach würde ich
erst den Prof und die Hochschule suchen. Das mit den Forschungsanträgen
solltest du nur machen, wenn a) der Prof komplett hinter dir steht b)
das Thema deines Lebens ist und c) du unbedingt promovieren willst.
c) würde ich ausschließen, da du ja überlegst. Ich würde auch bei
anderen Profs/Institute/Firmen fragen. So kommt mir das vor wie
''Auftragsforschung'' der HiWi/Doktorand arbeitet fast für lau und die
Firma verkauft es teuer und der Prof hat bisschen mehr Geld für sich.
Wenn du es wirklich willst und es dir liegt, wirst du in Deutschland ein
passendes Thema finden.
Thorsten Ostermann schrieb:> Das gibt es aber nicht. Üblich sind 2 Jahre mit anschließender> Verlängerung. Üblich ist auch, dass man selbst Forschungsanträge> schreiben muss. Dumm nur, wenn die alle abgelehnt werden...Matthias schrieb:> Is' klar, und selbstverständlich eine Landesstelle und keine> Drittmittelstelle.
Da stand ein eindeutiges würde = Konjunktiv!
Da ich in der Forschung bin weiß ich wie es abläuft. Nur muss man auch
ehrlich sein und sagen, dass es Sche... ist wie es derzeit läuft, dass
hat mittlerweile sogar unsere Bildungsministerin mitbekommen:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/arbeitsbedingungen-wanka-will-ausbeutung-von-wissenschaftlern-stoppen-a-1013667.html
Also nochmal, da nach Erfahrung gefragt wurde: Ich würde es unter den
o.g. Voraussetzungen nicht machen. Ich würde nur nochmal anfangen, wenn
ich einen Vertrag über min. 4 Jahre bekommen würde.
Also Verträge über 2 Jahre sind in der Tat unrealistisch aus meiner
Erfahrung an der Uni. Aber ich würde auch auf min. 2 Jahre pochen, und
Industriemittel für 1 Jahr und danach offen... Absolutes LASS ES!
Das kann gut gehen, wird aber zu 95% darin enden, dass du in einem Jahr
in der Luft hängst, hingehalten wirst und schlimmeres. Wenn du wirklich
an einer Promotion interessiert bist, schau dich doch mal an anderen
Unis um, ich weiß von diversen die händeringend gute Leute suchen. Aber
lass dich nicht mit Industrieprojekten mit unklaren
Finanzierungsverhältnissen abspeisen.
Erwarten darfst du in unserem Bereich eine E13 Stelle, 100% sollten auch
drin sein (evtl 75% fürs erste Jahr, kenne ich auch so) und Verträge
mindestens immer ein Jahr.
Und mach dir nix vor, wenn du innerhalb von einem Jahr was leisten
sollst, wofür ein Industriepartner zahlt und du dich selbst um
Forschungsanträge kümmern musst (was ich nicht finde, dass das die
Aufgabe der Promotionsstudenten ist, wird bei uns auch nicht so
gehandhabt), wird das darin münden, dass die Industrie dir im Nacken
sitzt und du wirst auch keinen Antrag durchbekommen, dafür bedarf es
einer gewissen Erfahrung.
Für einen Uniabgänger ist es m.E. nach nahezu unmöglich, einen
erfolgreichen Antrag zu schreiben. Dazu braucht man schon einige
Erfahrung und um die zu sammeln, ist ein Jahr zu kurz, insbesondere,
wenn man da eigentlich was anderes machen muss. Außerdem muss man in dem
Jahr ja nicht nur den Antrag schreiben, sondern es muss auch über den
entschieden werden und das Geld nach einem Jahr tatsächlich fließen. Das
halte ich für nahezu ausgeschlossen. Die Promotionsstelle sollte bei
Beginn schon für min. zwei Jahre sicher sein (drei Jahre sind schon
selten) mit entsprechender Aussicht auf Verlängerung und bekanntem
Thema. Das kann sich immer noch ändern, wenn Probleme auftauchen.
Deshalb rate ich zu der angebotenen Stelle. Eventuell kann man ja auch
in der Firma promovieren oder bei einer entsprechenden Promotionsstelle
wieder kündigen. Vielleicht beurlaubt einen die Firma ja auch für die
Zeit der Promotion.
Vor allem dauert es ja auch bis so ein Antrag vollstaendig (bei mehreren
Partnern) und bearbeitet ist. D.h. von Antrag fertig bis Start ist 1Jahr
nicht verkehrt.
Eigentlich unverantwortlich von dem Prof einen Absolventen vor so eine
Aufgabe zu stellen. Wie andere schon geschrieben haben, braucht man um
einen Antrag zu schreiben Erfahrung und Zeit, und die Wahrscheinlichkeit
das innerhalb von einem Jahr auch noch Geld fließt geht gegen Null.
Auf der anderen Seite hätte der TO gegenüber anderen Doktoranden einen
Vorteil, die mit sowas möglicherweise erst in ihrer Post-Doc Stelle
konfrontiert werden. Wenn es nach der Promotion in die Wissenschaft
gehen, oder sogar Professur angestrebt werden soll, dann wäre das noch
ein zusätliches Plus.
Danke!
Nur zur Klarstellung, ich muss den Antrag nicht alleine stellen, sondern
werde von erfahreneren unterstützt. Der Lehrstuhl hat sehr hilfsbereite
und fähige Leute angestellt.
dbdb schrieb:> Nur zur Klarstellung, ich muss den Antrag nicht alleine stellen, sondern> werde von erfahreneren unterstützt. Der Lehrstuhl hat sehr hilfsbereite> und fähige Leute angestellt.
Das ist natürlich schon berücksichtigt, sonst wäre dieses
"Himmelfahrtskommando" schon von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Hier gab es vor kurzem einen thread "wie Abbruch Promotion begründen"
oder so ähnlich. Darüber musst du dir im klaren sein,falls es nach dem
Jahr nicht mehr an der Uni weiter geht.
eine Assistentenstelle sollte idealerweise Forschung und Lehre
beinhalten, und auch eine enge Kooperation mit dem Prof. Eine Diss wirst
du in 2 Jahren kaum durchbringen. Realistisch sind 3.5-4.5, je nach
Thema und Erfolg. Diese Zeit muss fuer dich realistisch durchfinanziert
sein. Und danach? Ohne Doktortitel waren es eher verlorene Jahre,
Unitaetigkeit gilt fuer die Industrie als Edel-Lehrzeit, aber kaum als
1:1 Berufszeit.
Die Türen bei deinem eventuelle AG sind wegen deiner Promotion die du
vielleicht bekommst nicht unbedingt zugeschlagen. Solltest du auf Grund
der Promotion das Angebot ablehnen ist das mehr als ein guter Grund.
Das weiß auch dein Chef und der wird im Normalfall auch nicht so
nachtragend sein. Das heißt, wenn du nach einem Jahr die Promotion
hinschmeißt bzw. diese beendet ist, aus welchen Gründen auch immer,
könntest du trotzdem bei dem AG einsteigen.
Setzt natürlich voraus, dass es die Stelle noch gibt oder eine andere
Stelle zu besetzen ist.
Es ist doch quatsch zu glauben, dass der Chef so nachtragend ist, dass
er dir wegen dem abgelehntem Angebot kein Interesse mehr entgegen
bringt.
Für die Firma bist du dann sowieso der Kandidat schlecht hin.
Bist bereits bekannt, in guter Erinnerung und sehr wahrscheinlich kann
man für die nächsten Jahre mit dir planen
Hallo Junge
Aus meiner weitreichenden Erfahrung kann ich dir sagen, dass sich eine
Promotion auf jeden Fall lohnt.
Im gesellschaftlichen Ansehen, im Beruf beim Kunden... und das schlägt
sich auch positiv im Lohn nieder.
Das gilt jetzt für mich, in Österreich, ich will da nichts in der Regel
verallgemeinern, aber in den meisten Fällen ist es so.
In z.B. einen traditionellen Wiener Kaffeehaus kennt mich die
Belegschaft bereits, weil ich dort auch öfters mit Kunden gerne sitze.
Ja in Österreich zählt das einfach als Lebenskultur. Bestimmt schon
einen grösseren Anteil an Lebenszeit in Kaffeehäuser verbracht.
zB. "Darfs noch etwas sein, Herr Dr.?"
"Hat Ihnen der das Vanillestangerl gemundet, Herr Dr.?
"Noch einen kleinen Braunen, der Herr?"
Ich stehe auf sowas. Auch fast überall anders werde ich Herr Dr.
genannt. Nur im engeren Kreis auch mal mit Namen.
Wie könnt ihr Deutschen nur ohne einer solchen Kultur leben?
..zurück zum Thema. Wie kann man da überhaupt noch überlegen. Auf zur
Promotion. Muss ja nicht bei dem Prof. an dem Institut sein. Arbeiten
kann man immer noch. Es gibt genug von diesen Firmen da draußen. Wie
Unkraut wachsen die aus dem Boden. Ein paar Jahre später kannst du immer
noch arbeiten.
Und glaube mir, Du versäumst rein gar nichts in der Arbeitswelt. Meist
nur Idioten ohne wirkliche Bildung. Akademische Bildung ist das höchste
Gut und der Grundpfeiler einer guten Wirtschaft und Industrienation.
@ DrTech (Gast)
>Wie könnt ihr Deutschen nur ohne einer solchen Kultur leben?
Wir haben Eier und damit Selbstbewußtsein, auch ohne Titel!
Ausserdem haben wir den (Alp)traum der Monarchie längst hinter uns
gelassen.
>Und glaube mir, Du versäumst rein gar nichts in der Arbeitswelt. Meist>nur Idioten ohne wirkliche Bildung. Akademische Bildung ist das höchste>Gut und der Grundpfeiler einer guten Wirtschaft und Industrienation.
Aha, die Grundpfeiler, die dann die Masse von Idioten ohne Bildung
tragen müssen. Na dann. ;-)
Die einen sagen so...
Dirk K. schrieb:> Bei diesen Bedingungen: Ganz klar der Job, da gibt es doch gar> nichts zu überlegen!
...die anderen sagen so...
DrTech schrieb:> Wie kann man da überhaupt noch überlegen. Auf zur Promotion.
@dbdb: So, und jetzt? Auf welche stimme hörst du?
Ich höre natürlich auf meine eigene, das Bauchgefühl hat mich noch nie
enttäuscht. Aber es ist wichtig, auch Meinungen von externen zu hören.
Dr Titel ist schön und nett, aber nicht überlebensnotwendig und in
Österreich wohn ich auch nicht.
Ich möchte noch viel lernen und versuche gerade, garantierte
Fortbildungen in den Vertrag zu schreiben.
Auf eine rein akademische Laufbahn lege ich keinen wert.
Eine Promotion ist nicht schlecht, und ich würde auch dazu raten. Nur in
Deiner Situation sind zu viele rote Flaggen.
DrTech schrieb:> Ja in Österreich zählt das einfach als Lebenskultur. Bestimmt schon> einen grösseren Anteil an Lebenszeit in Kaffeehäuser verbracht.>> zB. "Darfs noch etwas sein, Herr Dr.?"> "Hat Ihnen der das Vanillestangerl gemundet, Herr Dr.?> "Noch einen kleinen Braunen, der Herr?">> Ich stehe auf sowas.
Dazu der Unterschied von D und Ö:
https://www.youtube.com/watch?v=3r61EcyegBM
was hier passt:
1. Austrians are very polite
2. They don't mean it
Ich würde unter diesen Umständen auch von der Promotion abraten. An
einem gute Lehrstuhl gibt dir der Professor die Zusage, nach dem ersten
Projekt weiterbeschäftigt zu werden (auch wenn der Vertrag offiziell
befristet ist). Die Weiterbeschäftigung vom Erfolg eines Antrags
abhängig zu machen, das würde ich nicht mitmachen.
Ich würde die Promotion machen. Was soll schon passieren wenn es nicht
klappt?
Dann fängt man eben in einem Jahr an zu arbeiten.
Da hat man doch so gut wie nichts zu verlieren.
Vielleicht sollte man das auch mal etwas entspannter sehen. Hier steht
wenig auf dem Spiel, oder meint tatsächlich wer, dass der TE nie mehr
einen Job findet wenn er nicht jetzt gleich Einsteigt?
Dirk K. schrieb:> Bei diesen Bedingungen: Ganz klar der Job, da gibt es doch gar> nichts zu> überlegen!
Ich stimme zu. Insbesondere kann der Fragesteller nach 2-3 Jahren
wechseln und diesen ersten signifikanten BE-Schub nutzen, um Schwung für
die Karriere zu generieren.
Aufstiegschancen werden mMn überschätzt; wie schnell ist ein Manager
ausgetauscht und der neue mag einen nicht?; wie schnell mischen sich
Unternehmensberater ein, ergreifen indirekt die Kontrolle und kommen mit
total unrealistischen Wachstumszielen wie Umsatzverdopplung in 5 Jahren
um die Ecke?; wie schnell stellt sich die anfangs interessante Arbeit
nach gewisser Zeit als hohl heraus?; wie schnell ändern sich das
Privatleben und Wünsche nach Lebensqualität, Freizeit usw.?
Nee, man wechselt aller 3-5 Jahre. Das und nur das bringt im Mittel die
großen Gehaltssprünge, den Aufstieg und die Weiterentwicklung.
Der Fragesteller soll den Job nehmen, soviel lernen wie er kann und dann
für 30% woanders hinspringen.