Hallo Leute, habe hier aktuell zwei Ringkerne (beide Ferrit) mit
gleicher Baugröße, aber deutlich unterschiedlichem AL-Wert. Sprich,
anderes Material bzw. andere Zusammensetzung, klar. Bedeutet das nicht
aber automatisch, daß der Kern mit geringerem AL-Wert einfach weniger
Eisenoxid enthält? Falls ja, so müsste er doch eigentlich einen
"Luftspalt" haben, vergleichbar mit einem Eisenpulver-Ringkern?
Kernmaterial-Möchtegernversteher schrieb:> Hallo Leute, habe hier aktuell zwei Ringkerne (beide Ferrit) mit> gleicher Baugröße, aber deutlich unterschiedlichem AL-Wert. Sprich,> anderes Material bzw. andere Zusammensetzung, klar. Bedeutet das nicht> aber automatisch, daß der Kern mit geringerem AL-Wert einfach weniger> Eisenoxid enthält?
Nein. Zwischen der Permeabilität und dem Eisengehalt besteht kein
direkter Zusammenhang.
> Falls ja, so müsste er doch eigentlich einen> "Luftspalt" haben, vergleichbar mit einem Eisenpulver-Ringkern?
Mal abgesehen davon, daß der "verteilte Luftspalt" bei Pulverkernen eine
IMHO eher schlechte Analogie ist, haben Ferrite den auch nicht.
Eisenpulverkerne bestehen aus zwei unterschiedlichen Werkstoffen: dem
Eisenpulver und einer organischen Matrix (z.B. ein Epoxidharz). Die
Matrix ist magnetisch inaktiv und hat lediglich die Aufgabe, die
Pulverkörner am Platz zu halten. Zwischen den einzelnen Körnern sind
kleine Abstände, die man in der Tat als "Luftspalt" interpretieren kann,
die aber eigentlich die Funktion haben, Wirbelströme zu verhindern.
Ferrite andererseits sind Keramikmaterialien. Sie bestehen aus kleinen
Kristallkörnchen. Dieses Pulver wird in die gewünschte Form gepreßt und
dann gesintert. Beim Sintern schmelzen die Körnchen an den Berührungs-
punkten und "backen" zusammen. Es ist also nachher gerade kein Spalt
mehr zwischen den einzelnen Körnchen. Wirbelströme sind hier deswegen
kein Thema, weil das Ausgangsmaterial selber schon schlecht leitet.
Bin bisher noch nicht überzeugt davon, mit meiner Annahme Unrecht zu
haben.
Egal in welcher Form bzw. Struktur das Eisenoxid gebunden ist, es dürfte
doch je Masseneinheit IN ETWA je Windung eine ähnliche Induktivität
bewirken. Es sei denn, der Kern besteht eben zum Großteil aus Keramik.
Dann wird es doch aber unmöglich, daß sich die ferritischen Teilchen
noch berühren.
Kernmaterial-Möchtegernversteher schrieb:> Hallo Leute, habe hier aktuell zwei Ringkerne (beide Ferrit) mit> gleicher Baugröße, aber deutlich unterschiedlichem AL-Wert. Sprich,> anderes Material bzw. andere Zusammensetzung, klar.
Da hast du schon die richtige Ursache angegeben (z.B. NiZn bzw. MnZn,
falls wirklich Ferrit).
Und dann ist es plötzlich nicht mehr das Material bzw. die
Zusammensetzung, sondern nur noch die Dichte der (Eisenoxid-?)
Magnetpartikel:
> Bedeutet das nicht> aber automatisch, daß der Kern mit geringerem AL-Wert einfach weniger> Eisenoxid enthält?
Siehst du den Widerspruch?
Das Ferritemateial ist nicht nur einfach eine Mischung als Eisenoxid
Partikeln mit weiterer Keramik, sondern eine echte Verbindung. D.h. die
magnetischen Eigenschaften haben nicht mehr viel mit dem Eisenoxid
gemein. Die Kopplung zwischen den Fe Ionen hängt z.B. stark vom Abstand
ab, und der ist ggf. ein anderer als im reinen Eisenoxid.
Der Al Wert hängt von der Permeabilität ab, und da gehen Parameter wie
die Magnetostriktion, innere Spannungen, Kristall-Anisotropie,
Kristallit-größe und Ausscheidungen ein. Die Konzentration an Eisenionen
ist da erst einmal nebensächlich - die geht ggf. noch bei der
Sättigungsmagnetisierung ein, aber auch da tragen auch Ni und Zn mit
bei, bzw. wirken entgegen.
Ulrich H. schrieb:> Das Ferritemateial ist nicht nur einfach eine Mischung als Eisenoxid> Partikeln mit weiterer Keramik, sondern eine echte Verbindung.
Eisenspinell
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