Hallo, ich möchte eventuell zum Spaß eine Wasserrakete basteln und habe
ich mal bei Wikipedia informiert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserrakete Da findet man dann auch
folgenden Abschnitt:
>Das Auslösen des Fallschirm wird zum Beispiel mit>[...] oder einer Servo-Auslösung durch einen>Mikrocontroller [...]
Ich kenne mich mit Servomotoren nicht aus, habe also dazu den
Wikipedia-Eintrag gelesen und auch bisschen gegooglt: anscheinend kann
dieser Motor eben die aktuelle Position zum Beispiel seines Hebelarms
messen.
Wie nutzt man das dann, um herauszufinden, wann die Beschleunigung der
Rakete sich umkehrt und der Fallschirm geöffnet werden soll?
Danke schon mal. Liebe Grüße
Das Servo kümmert sich nur darum, den Steuerbefehl des Atmega
umzusetzen, der ihm dann eben mitteilt, den Hebel von -30 auf +60° zu
stellen (Z.B.)
Mit dem Messen der Beschleunigung hat das Servo nichts zu tun.
qwertzuiopü+ schrieb:> Das Servo kümmert sich nur darum, den Steuerbefehl des Atmega> umzusetzen, der ihm dann eben mitteilt, den Hebel von -30 auf +60° zu> stellen (Z.B.)> Mit dem Messen der Beschleunigung hat das Servo nichts zu tun.
Das ist ja komisch. Wie schreibt die Wikipedia dann so präzise von einem
Servomotor? Ist doch mir überlassen, welche Technik ich dann zum
Freigeben des Fallschirms nutzen möchte - muss doch kein Servomotor
sein?
Also von der Bestimmung des Auslösezeitpunkts siehst du da in dem
Abschnitt dann auch keine Information, richtig?
Ich glaube du bringst da was durcheinander.
Ich stelle mir das so vor:
Der Microcontroller bekommt die Höheninformation von einem
angeschlossenen Sensor.
Dieser Wert wird ständig vom Microcontroller mit dem vorher gemessenen
Wert verglichen.
Wenn die Differenz zwischen altem Wert und neuem Wert gleich null oder
negativ ist, steuert der Microcontroller einen Modellbauservo an,
welcher wiederum den Fallschirm freilässt.
Kenne mich aber nicht mit Wasserraketen aus.
Martin schrieb:> Die Beschleunigung der Rakete ist in der Freiflugphase bis auf den> Anteil der Luftreibung konstant null.
Vielleicht verstehe ich nicht ganz, was du damit meinst? Aber kommt es
nicht auf das Bezugssystem an? Und ein Beschleunigungssensor innerhalb
der Rakete sollte ja verschiedene Kräfte spüren und so eine
Beschleunigung ermitteln können.
Frank G. schrieb:> Ich stelle mir das so vor:> Der Microcontroller bekommt die Höheninformation von einem> angeschlossenen Sensor.
Ja, das habe ich mir auch schon gedacht: der Auslösezeitpunkt liegt ja
einfach am Umkehrpunkt der Höhe. Mich hat die Formulierung der Wikipedia
da irritiert. Da kam mir das so rüber, als würde man den Servomotor
irgendwie als Sensor nutzen können, um den Umkehrpunkt zu bestimmen -
nur dann über Beschleunigungsmessung und nicht über Höhe.
Natürlich Kommt es auf das Bezugsystem an. Deshalb sieht der Sensor in
der Rakete keine Beschleunigung wie ein Passagier beim Parabelflug keine
Beschleunigung spürt.
Wie gesagt, bis auf den "Fehler" der Luftreibung.
Die Fallschirmauslösung per Beschleunigungs-Nulldurchgang zu machen
haben schon andere erfolglos versucht und eine saubere Stecklandung
hingelegt.
Martin schrieb:> Natürlich Kommt es auf das Bezugsystem an. Deshalb sieht der> Sensor in> der Rakete keine Beschleunigung wie ein Passagier beim Parabelflug keine> Beschleunigung spürt.> Wie gesagt, bis auf den "Fehler" der Luftreibung.>> Die Fallschirmauslösung per Beschleunigungs-Nulldurchgang zu machen> haben schon andere erfolglos versucht und eine saubere Stecklandung> hingelegt.
Hä? Das wäre ja peinlich, wenn ich das intuitiv falsch gedacht habe. Da
muss ich gleich nochmal nachdenken. Ich stelle mir nur Astronauten in
Ihrer Rakete vor: die merken doch einen Unterschied zwischen den
einzelnen Startphasen?! Ich denke nach... Moment. :D
Julia schrieb:> Wie nutzt man das dann, um herauszufinden, wann die Beschleunigung der> Rakete sich umkehrt und der Fallschirm geöffnet werden soll?
Die Beschleunigung ist wegen der auf die Antriebsphase folgenden
Freiflugphase nicht gut geeignet, um den Gipfelpunkt der Flugbahn
festzustellen, aber schon vor über 100 Jahren hat man den Staudruck
dafür benutzt:
http://epizodsspace.no-ip.org/bibl/inostr-yazyki/nemets/knopp-maul-1903_2003.pdf
Nettes Dokument :ok:
Der Staudruck / die Geschwindigkeit macht aber auch Probleme, wenn die
Rakete einen Bogen fliegt und daher nie wirklich stehen bleibt.
Nicht umsonst wird in Wikipedia etwas von Zeitauslösung geschrieben. Das
ist am Zuverlässigsten, sofern man den vom Treibsatz gelieferten Impuls
genau genug kennt.
k.A. ob inzwischen schon jemand die Startbeschleunigung mißt um die Zeit
zu bestimmen. Für ungenau definierte Treibsätze dürfte das besser sein
als eine feste Zeit.
Julia schrieb:> Und ein Beschleunigungssensor innerhalb> der Rakete sollte ja verschiedene Kräfte spüren und so eine> Beschleunigung ermitteln können
Damit bekommt man direkt erstmal nur den "Brennschluß" der Antriebsstufe
mit. Um aus der Beschleunigung auf den Bahnscheitelpunkt zu kommen,
müßte man die Beschleunigung ab Start sauber aufintegrieren und die
Reibungskräfte dabei richtig abziehen. Die Luftreibung sauber in den
Griff zu kriegen und den Fehler des Beschleunigungssensors sauber zu
korrigieren, stelle ich mir dabei nicht ganz einfach vor, wäre aber
sicher mal interessant, das zumindest anhand geloggter Höhendaten mal zu
versuchen.
An sich könnte man es schon mit Beschleunigungsmessung schaffen. Man
darf natürlich nicht mit einem Nulldurchgang in Längsrichtung arbeiten,
aber wenn man davon ausgeht,dass die Rakete im Scheitelpunkt umkippt,
sollte die Erdbeschleunigung in eine andere Richtung kippen(im Bezug auf
das Raketenkoordinatensystem).
icke schrieb:> aber wenn man davon ausgeht,dass die Rakete im Scheitelpunkt umkippt,> sollte die Erdbeschleunigung in eine andere Richtung kippen(im Bezug auf> das Raketenkoordinatensystem).
Die Erdbeschleunigung steht in der Rakete nicht zur Verfügung, weil
sich die Rakete (bis auf Luftreibung) frei im Schwerefeld bewegt. Guck
dir mal vom Astronautentraining einen Parabelflug an. Die Austronauten
sind während der Parabelflugphase schwerelos.
Und die Luftreibung kommt immer von vorne, weil sich die Rakete auf
Grund ihrer Aerodynamik so hindreht.
Thomas W. schrieb:> Die Austronauten> sind während der Parabelflugphase schwerelos.
Das ist doch optimal, auf den Beschleunigungssensor wirkt also keine
Kraft und er misst in diesem Fall keine Beschleunigung, somit ist die
Rakete im Sinkflug und der Fallschirm darf auslösen.
Hans schrieb:> Das ist doch optimal
Findest du?
Meist will man doch den Fallschirm erst kurz nach dem Scheitel auslösen
und nicht schon, bei "Brennschluss".
Thomas W. schrieb:> Hans schrieb:>> Das ist doch optimal>> Findest du?>> Meist will man doch den Fallschirm erst kurz nach dem Scheitel auslösen> und nicht schon, bei "Brennschluss".
Vermutlich ist manchen nicht klar daß so eine Rakete nur kurz am Anfang
angetrieben wird und anschließend frei fliegt. Frei wie ein geworfener
Ball oder Stein.
siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Newtonsche_Gesetze
icke schrieb:> An sich könnte man es schon mit Beschleunigungsmessung schaffen. Man> darf natürlich nicht mit einem Nulldurchgang in Längsrichtung arbeiten,> aber wenn man davon ausgeht,dass die Rakete im Scheitelpunkt umkippt,> sollte die Erdbeschleunigung in eine andere Richtung kippen(im Bezug auf> das Raketenkoordinatensystem).
Dummerweise kann man das mit einem Accelerometer nicht messen. Den
Kippvorgang an sich könnte man u.U. mitkriegen, da ist aber ein
Gyro-Sensor besser geeignet.
Noch gscheiter ist vermutlich ein Luftdrucksensor mit ein paar
Heuristiken, in den Quadrocoptern funktionieren die Dinger auch sehr gut
zur Stabilisierung der Höhe.
rmu schrieb:> Noch gscheiter ist vermutlich ein Luftdrucksensor mit ein paar> Heuristiken ...
Als Ansatz bietet sich an, steigenden Luftdruck als Abwärtsbewegung zu
werten ;-)
Der Sensoreintritt muss dafür an "strömungsneutraler" Stelle sitzen -
sonst mißt man die Airspeed mit.
Thomas W. schrieb:> Meist will man doch den Fallschirm erst kurz nach dem Scheitel auslösen> und nicht schon, bei "Brennschluss".
Naja, nachdem der Schub, also die positive Beschleunigung der Rakete,
endet, fliegt sie mit abnehmender Geschwindigkeit weiter nach oben, hat
also eine negative Beschleunigung. Die Summe aus dieser
Bremsbeschleunigung und der Schwerebeschleunigung sollte aber noch immer
noch das selbe Vorzeichen habe wie zuvor, um dann, im Umkehrpunkt und
der Fallphase, auf Null zurück zu gehen.
Sag einmal wie viele Raketen hast du schon gestartet. Ich schätze mal
noch nicht sehr viel.
Versuche mal klein anzufangen: eine Plastikflasche mit Korken als
Verschluss. Danach mit Autoventil. Startsystem mit Gardena Auslöser.
Dann kommt ein Leitwerk dran. Bau einer Startrampe. Rakte mit
Aufprallschutz mittels Tennisball, usw.
Wenn du es dann geschafft hast eine Rakte einigermassen sicher und
gerade zu starten und diese Rakete eine gewisse Höhe erreicht, dann
kannst du dir Gedanken über den Schirm machen.
Walta
Hans schrieb:> Die Summe aus dieser> Bremsbeschleunigung und der Schwerebeschleunigung sollte aber noch immer> noch das selbe Vorzeichen habe wie zuvor, um dann, im Umkehrpunkt und> der Fallphase, auf Null zurück zu gehen.
Die Rakete fliegt - nach "Brennschluss" - vor und nach dem
Scheitelpunkt, bis auf die Bremskräfte durch den Luftwiderstand, frei im
Schwerefeld. Wie soll sich da die in der Rakete gemessene Beschleunigung
vor und nach dem Scheitelpunkt unterscheiden.
Mit einem Gyro könnte man die Drehung der Rakete detektieren.
Ihr habt recht, nach dem Schubende wirkt auf die Rakete nur mehr die
Schwerkraft und beschleunigt diese negativ, wodurch diese abgebremst
wird und schlussendlich ihre Richtung umkehrt. Da auf die Rakete
(abgesehen vom Luftwiderstand) keine weitere Gegenkraft wirkt, misst der
Sensor keine Beschleunigung nach Schubende und wärend der Rückkehr.
Dennoch finde ich, mit einem Beschleunigungsmesser ist der Scheitelpunkt
bestimmbar. Integriert man die gemessene Beschleunigung (abzüglich der
Schwerebeschleunigung) vom Start an, so weiß man zu jeder Zeit, welche
Geschwindigkeit die Rakete hat. Da nach Schubende die gemessene
Beschleunigung Null ist und durch das subtrahieren der
Schwerebeschleunigung nun eine negative Beschleunigung Integriert wird,
erreicht die berechnete Geschwindigkeit nach einer bestimmten Zeit
negative Werte, was genau im Scheitelpunkt der Fall sein sollte.
Bei der geringen Geschwindigkeit, die eine Wasserrakete erreicht (im
Scheitel ohnehin v=0), sollte es ausreichen den Fallschirm händisch
mittels Fernsteuerung auszulösen.
Bei der ebenfalls geringen Flughöhe reicht als Empfänger wahrscheinlich
auch schon ein billiger IR-Fernsteuerempfänger aus, wenn man dem
Fernbedienungssender noch ein paar zusätzliche IR-LEDs spendiert.
Z.B.:
http://www.conrad.de/ce/de/product/184294/IR-Empfaenger-Sonderform-axial-bedrahtet-38-kHz-940-nm-35-OS-838G
lrep schrieb:> Bei der ebenfalls geringen Flughöhe reicht als Empfänger wahrscheinlich> auch schon ein billiger IR-Fernsteuerempfänger aus, wenn man dem> Fernbedienungssender noch ein paar zusätzliche IR-LEDs spendiert.
Laut Wikipedia liegt der Rekord bei 630m und mit normalen
Polyethylenterephthalatflaschen werden auch knapp 200m erziehlt,
insofern könnte es schwierig werden, den Fallschirm überhaupt manuel
auszulösen.
lrep schrieb:> Bei der ebenfalls geringen Flughöhe reicht als Empfänger wahrscheinlich> auch schon ein billiger IR-Fernsteuerempfänger aus
Über 600m mit einer IR-Fernsteuerung - Optimist.
http://www.uswaterrockets.com/world_record/2007_6_14/flight_log.htm
Zum Glück muss man den Fallschirm aber nicht direkt nach dem Scheitel
auslösen. Aber wehe, wenn ein leichter Wind weht oder die Rakete nicht
ganz senkrecht gestiegen ist. Dann heißt es "Füße in die Hand", damit du
rechtzeitig trotz aufgepeppten IR-Fernsteuerung die frei fallende Rakete
mit die Reichweite bekommst ;-)
Da scheint eine Lösung mit einem kleinen Drucksensor für 1.5€ doch
praktikabler.
Hans schrieb:> Laut Wikipedia liegt der Rekord bei 630m und mit normalen> Polyethylenterephthalatflaschen werden auch knapp 200m erziehlt,> insofern könnte es schwierig werden, den Fallschirm überhaupt manuel> auszulösen.
Laut einer Schülerarbeit des hiesigen Gymnasiums wurden dort Flughöhen
um die 10m erreicht. Verwendet wurden PE-Flaschen, Korken, Fahrradventil
und Fahrradpumpen. Ich weiß jetzt nichts über den verwendeten Druck.
Für 100m und mehr wird wohl eine professionelle Druckerzeugung und
Auslösevorrchtung (hier löste sich der Korken aufgrund des Druckes von
selber) benötigt.
Wolfgang schrieb:> lrep schrieb:>> Bei der ebenfalls geringen Flughöhe reicht als Empfänger wahrscheinlich>> auch schon ein billiger IR-Fernsteuerempfänger aus>> Über 600m mit einer IR-Fernsteuerung - Optimist.> http://www.uswaterrockets.com/world_record/2007_6_14/flight_log.htm
Vor allem bei Tageslicht, wo sich durch die Sonne der Störabstand
verschlechtert.
Für den oben zitierten Sensor wird als maximale Reichweite übrigens 10 m
angegeben. Wobei das sicher auch vom Sender abhängt. Mit einem
IR-Flutlicht mag's vielleicht gehen ;-)